Im Rahmen des Bachelorseminars aus Humangeographie befasst sich die folgende Arbeit mit dem Thema der Zeitgeographie, einer Strömung aus der Sozialgeographie des schwedischen Begründers Torsten HÄGERSTRAND. Das Konzept der Zeitgeographie unterlag ständig neuen Weiterentwicklungen und nahm im Laufe der Jahrzehnte, in Bezug zu wesentlichen Fragestellungen aus dem Bereich der Sozialgeographie, eine immer bedeutendere Stellung ein.
Im Allgemeinen wird dem zeitlichen Aspekt in der heutigen Gesellschaft und in der aktuellen Welt, in der beispielsweise durch technische Innovationen und rationelle Handlungen ständig versucht wird, möglichst viel Zeit einzusparen, ein hoher Stellenwert zugesprochen. In diesem Zusammenhang liegt der Fokus der vorliegenden Seminararbeit auf folgende Forschungsfragen:
Wie lassen sich die wichtigsten Elemente des Konzepts der Zeitgeographie darstellen und inwiefern dient die Zeitgeographie zur Erklärung bedeutsamer Raum-Zeit-Mobilität?
Das Thema der vorliegenden Seminararbeit wird anhand einer umfassenden literarischen Recherche dargestellt. In diesem Zusammenhang liegt der Fokus auf die knappe Darstellung der Grundkonzeption der wichtigsten Elemente des Konzepts der Zeitgeographie, wobei die theoretisch-konzeptionelle Grundlagen herausgearbeitet werden. Darüber hinaus werden exemplarische Beispielarbeiten aufgezeigt, um die Zusammenhänge im Rahmen des Konzepts der Zeitgeographie besser veranschaulichen zu können.
Im ersten Teil der Arbeit folgt eine Einführung in das Thema, welche das Konzept der Zeitgeographie sowie die dazugehörigen ausschlaggebenden Begriffe auf Basis der theoretischen Grundlage näher erläutert. Der zweite Teil der Arbeit besteht also im Wesentlichen aus exemplarischen Beispielen, explizit definierte Belege und die damit verbundenen Schlussfolgerungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Grundkonzept der Zeitgeographie
2.1 Individual Turn und Material Turn
2.2 Fundamental Conditions
2.3 Lebenslinien, Stationen und Aquarien
2.4 Projects
2.5 Trajectories, Prisms und Constraints
2.5.1 Capability Constraints
2.5.2 Coupling Contraints
2.5.3 Authority constraints
2.6 Pockets of local order
3. Kritik
4. Weiterentwicklung der Zeitgeographie
5. Anwendungsbereiche der Zeitgeographie
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, die wichtigsten Elemente der Zeitgeographie nach Torsten Hägerstrand darzustellen und zu analysieren, inwiefern dieses Konzept dazu dient, bedeutsame Raum-Zeit-Mobilität zu erklären. Dabei werden theoretische Grundlagen aufgearbeitet und anhand exemplarischer Beispiele veranschaulicht.
- Grundlagen der Zeitgeographie und deren historische Entwicklung
- Zentrale Konzepte wie Lebenslinien, Projekte, Constraints und Pockets of Local Order
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Raumverständnis der Zeitgeographie
- Anwendungsfelder, insbesondere in der residenziellen Multilokalität und Tourismusgeographie
Auszug aus dem Buch
2.4 Projects
In einem ‚Project‘ oder auch Projekt werden alle Ereignisse zusammengefasst, die zu einem Ziel führen. Ein Projekt gilt als analytische Einheit und umfasst beispielsweise auch die Bedeutung und das Vorhaben des Ziels. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf der praktischen Umsetzung bzw. auf der Realisierung des Ziels. Diese ‚Projects‘ bestehen im Wesentlichen aus einer Abfolge von Pfaden oder Bündeln. (KRAMER 2012: S. 89)
HÄGERSTRAND beschreibt Projekte folgendermaßen:
„the entire series of simple or complex tasks necessary to the completion of any intention-inspired or goal-oriented behavior“ (HÄGERSTRAND: 1982, S. 336)
Des Weiteren sind auch ‚Projects‘ durch Entitäten abgegrenzt, welche eine ausgeprägte Flexibilität aufweisen, sodass sie bei Veränderungen einen erfolgreichen Ausgang gewähren. Laut HÄGERSTRAND sollte man zwischen der Raum-Zeit-Spur der Realisierung und der Entscheidung zur Durchführung unterscheiden. Projekte spielen im Rahmen der Zeitgeographie eine ausschlaggebende Rolle, denn sie bestimmen Situationen. Diese bleiben nämlich so lange unbestimmt, bis sie durch ein Projekt definiert wird. (KRAMER 2012: S. 89)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Zeitgeographie ein, erläutert den Fokus auf Raum-Zeit-Mobilität und definiert die Forschungsfragen der Seminararbeit.
2. Das Grundkonzept der Zeitgeographie: Dieses Kapitel beschreibt die Ursprünge der Zeitgeographie durch Torsten Hägerstrand und erläutert zentrale Begrifflichkeiten und theoretische Modelle wie Individual Turn, Fundamental Conditions und das Raum-Zeit-Aquarium.
3. Kritik: Hier wird die Kritik am Containerraum-Verständnis der Zeitgeographie behandelt und erläutert, warum die Zeitgeographie einen umfassenden und relationalen Raumbegriff beibehalten sollte.
4. Weiterentwicklung der Zeitgeographie: Dieses Kapitel skizziert die fortlaufende konzeptionelle Weiterentwicklung der Theorie durch Hägerstrand und andere Forscher unter Einbeziehung neuerer Ansätze.
5. Anwendungsbereiche der Zeitgeographie: Hier werden praktische Anwendungen der Zeitgeographie in der residenziellen Multilokalität und der Tourismusgeographie unter Einbeziehung moderner Datenerfassungsmethoden diskutiert.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die Kernkonzepte der Zeitgeographie, deren Bedeutung für das Verständnis menschlichen Handelns und die stetige Weiterentwicklung der Disziplin.
Schlüsselwörter
Zeitgeographie, Torsten Hägerstrand, Raum-Zeit-Mobilität, Sozialgeographie, Constraints, Projekte, Raum-Zeit-Aquarium, Pockets of Local Order, Multilokalität, Tourismusgeographie, Humangeographie, Lebensbahnen, Tracking-Technologien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das sozialgeographische Konzept der Zeitgeographie, das von Torsten Hägerstrand begründet wurde, und analysiert dessen zentrale Elemente sowie Anwendungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Zeitgeographie, die Modellierung von Raum und Zeit durch den Menschen, die Rolle von Constraints bei Aktivitäten sowie die Anwendung des Konzepts auf aktuelle gesellschaftliche Phänomene.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich die wichtigsten Elemente des Konzepts der Zeitgeographie darstellen lassen und inwiefern diese dazu beitragen, komplexe Raum-Zeit-Mobilität zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine umfassende literarische Recherche durchgeführt, um die theoretischen Konzepte aufzuarbeiten und durch exemplarische Beispielarbeiten zu veranschaulichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das Grundkonzept, die Theorie der Constraints, verschiedene Modelle wie Lebensbahnen und Pockets of Local Order sowie Anwendungsbereiche in der Multilokalitäts- und Tourismusforschung vorgestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen Zeitgeographie, Raum-Zeit-Modelle, Handlungstheorie, Constraints, Mobilität und die Konzepte Hägerstrands.
Wie definiert die Zeitgeographie ein Projekt?
Ein Projekt wird als eine analytische Einheit von Ereignissen verstanden, die zu einem Ziel führen und aus einer Abfolge von Pfaden oder Bündeln bestehen.
Warum wird die Zeitgeographie kritisiert?
Kritiker warfen dem Konzept vor, sich ausschließlich auf einen rein physischen Containerraum zu beschränken, was im Text jedoch als Fehlurteil gegenüber Hägerstrands relationalem Raumbegriff gewertet wird.
Was sind Pockets of Local Order?
Dies sind raumzeitlich gebundene Schauplätze, wie etwa das eigene Zuhause, an denen spezifische Projekte stattfinden, die abgeschirmt von äußeren Einflüssen an festen Orten verankert sind.
Was unterscheidet die Tourismusgeographie von der residenziellen Lokalität?
Die Unterscheidung liegt primär in den entscheidenden Faktoren: Während bei der residenziellen Multilokalität langfristige Rahmenbedingungen wirken, sind touristische Entscheidungen in der Zeitgeographie meist kurzfristiger Natur.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2019, Die Zeitgeographie. Grundkonzept, Kritik, Weiterentwicklung und Anwendungsbereich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1361154