Das Forschungsinteresse besteht darin, das Thema der Lerntherapie im Rahmen der Forschungsarbeit als angehende Lerntherapeutin bei Dyskalkulie zu untersuchen und Einblicke in die Erfahrungswelt von erfahrenen Lerntherapeutinnen zu gewinnen. Explizit sollen dabei die Auswirkungen von Ritualen in der Lerntherapie auf die Motivation von Kindern und Jugendlichen mit Lernschwäche ermittelt werden. Daher lautet die zugrundeliegende Fragestellung: Welche Auswirkungen haben Rituale auf die Motivation von Schüler:innen mit Lernschwierigkeiten? Im Rahmen einer qualitativen Untersuchung wurden dafür zwei Lerntherapeutinnen zu dieser Thematik interviewt. Das Ziel der Arbeit ist es, mithilfe einer zusammenfassenden Inhaltsanalyse die Faktoren zu identifizieren, die durch Rituale eine Auswirkung auf die Lernmotivation ausüben.
Lernschwierigkeiten sind an deutschen Schulen keine Seltenheit. So weisen ca. 23 - 33% der deutschen Schulkinder im Vergleich zu Kindern in ihrer Altersnorm unterdurchschnittliche Lernleistungen im Lesen, Rechtschreiben und/oder Rechnen auf. Zudem würden Diskussionen zu fachspezifischen Lernschwierigkeiten zum Beispiel im Sachunterricht in der Grundschule nicht durchgeführt werden und eher darauf verwiesen, dass Kinder und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten ihre Aufmerksamkeit auf den naturwissenschaftlichen Unterricht lenken sollten, um Erfolgserlebnisse außerhalb der traditionellen Lernbereiche zu erzielen. Das Lern- und Motivationspotenzial dieser Kinder und Jugendliche könnte jedoch gefördert werden, wenn nach der Autorin die zwei Instanzen im Leben dieser Kinder und Jugendlichen, und zwar die Familie und Schule kooperieren würden. Doch es gibt aber auch eine dritte Instanz, die in der aktuellen Forschung noch eher im Hintergrund verloren geht: Der Bereich der Lerntherapie, die Kindern und Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten eine große Unterstützung anbieten kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen
2.1 Ritualdefinition
2.2 Relevanz von Ritualen in Schulen
2.3 Die Integrative Lerntherapie
3 Empirie
3.1 Fragestellung(en)
3.2 Datenerhebung
3.3 Datenauswertung: Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
4 Darstellung der Ergebnisse
4.1 Rituale
4.2 Rituale in der Lerntherapie
4.3 Auswirkungen der Rituale auf die Motivation in der Lerntherapie
4.3.1 Kategorie 1: Reduktion von Konflikten
4.3.2 Kategorie: Herstellung einer ruhigen Lernatmosphäre
4.3.3 Kategorie 3: Strukturgebend
4.3.4 Kategorie 4: Konzentrationssteigernd
4.3.5 Kategorie 5: Fördern des selbständigen Lernens
5 Diskussion
6 Kritik der Forschungsarbeit
7 Zusammenfassung/Ausblick
8 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Forschungsarbeit untersucht die Auswirkungen ritueller Handlungen in der Lerntherapie auf die Lernmotivation von Kindern und Jugendlichen mit diagnostizierten Lernschwierigkeiten, um Faktoren zu identifizieren, die durch Rituale eine positive Wirkung auf den Lernprozess ausüben.
- Definition und theoretische Einordnung des Ritualbegriffs
- Analyse der Relevanz von Ritualen in schulischen und therapeutischen Kontexten
- Rekonstruktion von Erfahrungen praktizierender Lerntherapeutinnen
- Identifikation von Kategorien wie Konfliktreduktion, Strukturgebung und Konzentrationsförderung
Auszug aus dem Buch
2.1 Ritualdefinition
Der Ritualbegriff ist reich in seiner Bedeutungsvielfalt, wobei es keine einheitlich festgelegte Definition vorhanden ist (Pfab, 2021, S. 44). Weiterhin existieren je nach Wissenschaftsrichtung, individuellem Bezugssystem und Interessenlage, unterschiedliche Schwerpunktsetzungen in der Wortbedeutung (Brosius et al., 2013). Der Begriff wird von der Ritualforscherin Stollberg-Rilinger (2013, S. 9) durch folgende Eigenschaften kategorisiert: Standardisierung der äußeren Form, Wiederholung, Aufführungscharakter, Performativität sowie Symbolizität von menschlichen Handlungsabfolgen (vgl. ebd.). Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt bei den Ritualen in der Lerntherapie, deshalb werden die Punkte, die wesentlich für das Verständnis der Thematik sind ausführlicher dargestellt als die Gesamtheit, die den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
Rituale sind geformt und wiederholen sich, das heißt sie spielen sich immer wieder in bestimmten, gleichen oder ähnlichen Formen ab (Stollberg-Rilinger, 2013, S. 9). Das macht Rituale aus, indem sie einer standardisierten äußeren Form folgen, erwartbar sowie wiedererkennbar sind (vgl. ebd.). Diese Standardisierung entlaste die Wahl zwischen prinzipiell unendlich vielen möglichen Handlungsweisen und sorge so für Erwartungssicherheit und dauerhafte Struktur (vgl. ebd., S. 10). Die äußeren Formen von Ritualen bedürfen einer gewissen Konstanz, ansonsten wären sie nicht wiederholbar und wiedererkennbar (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Lernschwierigkeiten und Aufzeigen der Forschungsfrage bezüglich der motivationsfördernden Wirkung von Ritualen in der Lerntherapie.
2 Theoretischer Rahmen: Fundierung des Ritualbegriffs anhand aktueller Literatur und Darstellung der Integrativen Lerntherapie als spezifischem Kontext.
3 Empirie: Erläuterung des methodischen Vorgehens mittels Experteninterviews und Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.
4 Darstellung der Ergebnisse: Präsentation der aus den Interviews gewonnenen Erkenntnisse und Kategorisierung der ritualisierten Abläufe in der Lerntherapie.
5 Diskussion: Interpretation der Ergebnisse im Lichte des theoretischen Rahmens und Beantwortung der zentralen Forschungsfrage.
6 Kritik der Forschungsarbeit: Kritische Reflexion der gewählten Methodik sowie der Reichweite der erhobenen Daten.
7 Zusammenfassung/Ausblick: Zusammenfassende Darstellung der gewonnenen Erkenntnisse zur Bedeutung von Ritualen für die Lernmotivation.
8 Literatur: Auflistung der im Rahmen der Arbeit verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Rituale, Lerntherapie, Lernmotivation, Lernschwierigkeiten, Qualitative Forschung, Experteninterview, Inhaltsanalyse, Ritualdefinition, Strukturgebung, Konzentrationsförderung, Integrative Lerntherapie, Selbständiges Lernen, Konfliktreduktion, Pädagogik, Lernstörungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie im Rahmen der Lerntherapie eingesetzte Rituale die Lernmotivation von Kindern mit Lernschwierigkeiten beeinflussen können.
Welche zentralen Themenbereiche werden bearbeitet?
Der Fokus liegt auf der Definition von Ritualen, deren psychologischer Wirkung sowie ihrer praktischen Anwendung zur Strukturierung und Motivationssteigerung in therapeutischen Sitzungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Faktoren zu identifizieren, durch die Rituale gezielt positive Auswirkungen auf die Motivation und Arbeitsweise der betroffenen Schülerinnen und Schüler ausüben.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Es wurden leitfadengestützte Experteninterviews mit Lerntherapeutinnen geführt und diese mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Komplex, eine empirische Untersuchung der Durchführung von Ritualen sowie eine differenzierte Ergebnisdarstellung und Diskussion.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Rituale, Motivationsförderung, Lerntherapie, Lernschwierigkeiten und pädagogische Strukturierung.
Welche Rolle spielen Rituale bei inneren Konflikten der Kinder?
Rituale dienen den Expertinnen als Instrument, um Abwehrmechanismen abzubauen und den Kindern Sicherheit in einer als belastend empfundenen Lernsituation zu vermitteln.
Wie unterstützen Rituale die Eltern-Kind-Beziehung?
Die Therapeutinnen nutzen rituelles Vorgehen, um den Leistungsdruck zwischen Eltern und Kind zu mindern und klare Rahmenbedingungen für das häusliche Lernen zu schaffen.
- Arbeit zitieren
- Ebru Bayram (Autor:in), 2023, Rituale zur Förderung der Motivation in der Lerntherapie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1355629