Diese Arbeit beschäftigt sich mit Alexander von Humboldts Verhältnis zum Kosmopolitismus. Hierfür soll zunächst die Bedeutung des kulturellen Kosmopolitismus Georg Forsters sowie Immanuel Kants moralischen Kosmopolitismus für das kosmopolitische Verständnis Alexander von Humboldts untersucht werden.
Anschließend wird Goethes Konzept der "Weltliteratur" mit dem von Ette angeführten Konzept Humboldts einer "Welt im Kopf" verglichen, um die in beiden Konzeptionen enthaltene Tendenz einer Synthese der kosmopolitischen Kategorien Pauline Kleingelds Forsters und Kants zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die Diskrepanz der philosophischen Voraussetzungen des humboldtschen Kosmopolitismus
2.1 Humboldts Verhältnis zu Georg Forsters „kulturellem Kosmopolitismus“
2.2 Humboldts Verhältnis zu Kants „moralischem Kosmopolitismus“
2.3 Die Widersprüchlichkeit in Humboldts Konzept einer „Welt im Kopf“ hinsichtlich einer Positionierung zum Kosmopolitismus
3. Literatur als Methode transkultureller Vermittlung bei Goethe
3.1 Goethes Wissenschaftsverständnis zwischen Theorie und Empirik
3.2 Goethes naturphilosophische Entwicklung vom „Sturm und Drang“ zur „Weimarer Klassik“
3.3 Goethes „Weltliteratur“ als Synthese der kosmopolitischen Ansätze Georg Forsters und Immanuel Kants
4. Kosmopolitismus als Konzept kultureller Vermittlung in den Naturbeschreibungen Humboldts
4.1 Diskussion einer kulturellen Physiognomik anhand Humboldts Verständnis des „Volkssinnes“
4.2 Humboldts Naturbeschreibungen aus einer sozio-ökologischen Perspektive
4.3 Koloniale Selbstwahrnehmung in Humboldts „Pittoreske Ansichten der Kordilleren“ und Goethes Faust 2
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, Alexander von Humboldts Verständnis vom Kosmopolitismus zu analysieren, indem es in den theoretischen Kontext von Immanuel Kants moralischem und Georg Forsters kulturellem Kosmopolitismus sowie Goethes Konzept der „Weltliteratur“ gesetzt wird.
- Die philosophischen Voraussetzungen des humboldtschen Kosmopolitismus
- Die Synthese unterschiedlicher kosmopolitischer Ansätze bei Goethe
- Die Rolle kultureller Vermittlung in den Naturbeschreibungen Humboldts
- Das Verhältnis von Naturerfahrung und philosophischer Abstraktion
- Die Auseinandersetzung mit Kolonialismus und nationaler Identität
Auszug aus dem Buch
2. Die Diskrepanz der philosophischen Voraussetzungen des humboldtschen Kosmopolitismus
Einen wesentlichen Einfluss auf die Denkweise des jungen Alexander von Humboldt hatte der Naturforscher Georg Forster. Bei der ersten Begegnung zwischen den beiden im Jahr 1789 konnte der 35 Jahre alte Forster im Gegensatz zu Humboldt bereits zahlreiche Erfolge vorweisen. Von 1772- 1775 hatte er an der Seite von Capitain Cook Entdeckungsreisen im Pazifik unternommen und gelangte durch die Berichte, die er zu diesen Reisen schrieb in Europa zu allgemeiner Bekanntheit.
1787 sollte er dann die Leitung der ersten russischen Pazifikexpedition übernehmen, was ihm jedoch durch den Ausbruch des russisch- österreichischen Türkenkriegs verwehrt blieb und ihn zwang sich neu zu orientieren. Er kam dann zu einer Anstellung als Bibliothekar in Mainz, wo der besagte zwanzigjährige Student Alexander Humboldt auf ihn traf. Es ergab sich, dass Forster 1790 mit Humboldt eine viermonatige Reise nach Belgien, Holland, Frankreich und England unternahm, die überaus fruchtbar für die Entwicklung Humboldts sein sollte (vgl. Schwarz/Fiedler, 2020: 158-160). Auf dieser Reise konnte er zahlreiche wissenschaftlich-kulturelle Erfahrungen, wie auch emotionale Eindrücke sammeln, wobei insbesondere der Besuch im Paris der französischen Revolution zu beachten ist, den Humboldt als Höhepunkt der Reise empfand (vgl. Schwarz/ Fiedler, 2020: ebd.).
Forster blieb zeitlebens der humanistischen Idee einer Gleichberechtigung aller Menschen treu, bedenkt man sein polemisches Verhältnis zur biologischen Geschichts- und Rassentheorie des Anthropologen Christoph Meiners (vgl. Schwarz/Fiedler, 2020: 161). Noch 1853 betonte Humboldt in einem Brief an Ludwig Uhland, dass es die gemeinsamen Erlebnisse mit Forster 1790 in Paris waren, auf die seine Zuneigung für „freie Institutionen“ zurückzuführen sei. Auch seine Ablehnung der ihm vom Grafen Gobineau zugesandten Rassenlehre lässt sich als Indiz für die Verbundenheit mit Forster erklären, bedenkt man, dass Gobineau sich in seiner Rassentheorie auf Meiner bezieht (vgl. Schwarz/Fiedler 2020: 161/162).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Diese Einleitung führt in das Forschungsthema ein und erläutert Humboldts Streben, eine umfassende Naturbeschreibung zu verfassen, die über bloße Fakten hinausgeht.
2. Die Diskrepanz der philosophischen Voraussetzungen des humboldtschen Kosmopolitismus: Das Kapitel beleuchtet Humboldts intellektuelle Prägung durch Georg Forster und seine kritische Auseinandersetzung mit Immanuel Kants moralischem Kosmopolitismus.
3. Literatur als Methode transkultureller Vermittlung bei Goethe: Hier wird untersucht, wie Goethes Weltliteratur-Konzept als Synthese der kosmopolitischen Ideen von Forster und Kant verstanden werden kann.
4. Kosmopolitismus als Konzept kultureller Vermittlung in den Naturbeschreibungen Humboldts: Dieses Kapitel verknüpft Humboldts Naturschilderungen mit seinem Kosmopolitismusbegriff und analysiert koloniale Wahrnehmungsmuster.
5. Schlussbemerkung: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und Humboldts Ambivalenz zwischen kulturellem und moralischem Kosmopolitismus als Kern seines wissenschaftlichen Selbstverständnisses bestätigt.
Schlüsselwörter
Alexander von Humboldt, Georg Forster, Immanuel Kant, Johann Wolfgang von Goethe, Kosmopolitismus, Weltliteratur, Naturbeschreibung, Kolonialismus, Kulturaustausch, Physiognomik, Philosophie, Aufklärung, transkulturelle Vermittlung, Identität, Naturforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verständnis Alexander von Humboldts vom Kosmopolitismus im Kontext der philosophischen Strömungen seiner Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind der kulturelle Kosmopolitismus Georg Forsters, der moralische Kosmopolitismus Immanuel Kants und Goethes Konzept der Weltliteratur.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Humboldts Position zwischen den verschiedenen kosmopolitischen Ansätzen zu bestimmen und deren Bedeutung für sein wissenschaftliches Werk aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und ideengeschichtliche Analyse, die philosophische Texte und Reiseberichte auf ihre theoretischen Aussagen hin vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die intellektuelle Diskrepanz zwischen Forster und Kant, die Synthese dieser Ansätze bei Goethe und die Anwendung dieser Konzepte in Humboldts Naturbeschreibungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kosmopolitismus, Weltliteratur, Naturbeschreibung, transkulturelle Vermittlung und der wissenschaftliche Dialog zwischen Humboldt, Forster und Kant.
Wie beeinflusste Georg Forster die Entwicklung des jungen Alexander von Humboldt?
Forster prägte Humboldt durch gemeinsame Reisen, sein humanistisches Weltbild und seine Ablehnung biologisch begründeter Rassentheorien.
Welche Rolle spielen die "Pittoresken Ansichten der Kordilleren" in der Arbeit?
Der Bericht dient als Fallbeispiel, um zu verdeutlichen, wie Humboldt kulturelle Besonderheiten mit seinem kosmopolitischen Weltbild in Einklang zu bringen suchte.
- Quote paper
- Theodor Nepomuk Brandt (Author), 2023, Alexander von Humboldt und der Kosmopolitismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1353967