In dieser Hausarbeit soll es um die Themen Geschlecht und Gewalt gehen. Zuerst wird die Frage beantwortet ob Geschlecht eine soziale Konstruktion ist. Hierfür wird zuerst der Begriff soziales Konstrukt erläutert, um im nachfolgenden an das Thema Geschlecht als soziale Konstruktion einzugehen. Darauffolgend wird der Begriff des Geschlechts mit Gewalt verknüpft. Zuerst wird der Begriff der Gewalt erörtert, um dann die Frage zu beantworten ob Gewalt ein Geschlecht hat.
Schon bei der Geburt wird man einem bestimmten Geschlecht zugeordnet: männlich oder weiblich. Bestimmt wird das Geschlecht des Neugeborenen von einem Arzt anhand der deutlich zu erkennenden vorhandenen Genitalien. Damit ist für die Zukunft alles klar: Mädchen bekommen ein rosa Jäckchen, Jungen einen blauen Pullover. Mädchen sind brav, ruhig und stets hilfsbereit, Jungs sind abenteuerlustig, wild und stark. Doch ist die Zuweisung eines Geschlechts tatsächlich nur eine biologische Tatsache oder sind es soziale Prozesse die männlich und weiblich erst endgültig zuordnen und damit den Indikator Geschlecht konstruieren?
Und sind Jungen oder Männer immer die die aggressiver sind und die schneller zu Gewalt greifen? Folgt man den Kriminalstatistiken und Studien der letzten Jahre so sticht eines ins Auge: der Täter ist männlich und Frauen sind ihre Opfer.
Dieselbe Erkenntnis findet man auch in aktuellen Zeitungsberichten, im Radio und im Fernsehen und somit auch im Wissen der gesamten Gesellschaft. Doch gibt es einen Zusammenhang zwischen einem Geschlecht und Gewalt? Hat Gewalt tatsächlich ein
Geschlecht oder ist diese Erkenntnis eine Täuschung und spiegeln die jährlichen Kriminalstatistiken nicht die Realität wieder? Oder sind am Ende doch immer Männer die Täter?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Soziale Konstrukte
3. Geschlecht als soziale Konstruktion
4. Gewalt
4.1 Gewalt und Geschlecht
4.1.1. Gewalt von Männern gegen Frauen
4.1.2. Homosoziale Gewalt
4.1.3. Frauengewalt
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Geschlecht und Gewalt unter der theoretischen Perspektive des Sozialkonstruktivismus, um die Forschungsfrage zu beantworten, ob Gewalt als primär männlich konnotiertes Phänomen betrachtet werden kann.
- Sozialkonstruktivistische Grundlagen von Geschlecht
- Die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlechterrollen
- Differenzierung verschiedener Gewaltformen
- Männergewalt und die männliche Sozialisation
- Homosoziale Gewalt und Frauengewalt im Vergleich
Auszug aus dem Buch
Homosoziale Gewalt
Homosoziale Gewalt galt lange Zeit als unbeachtet, muss aber um den vollen Umfang von Gewalt erfassen zu können, unbedingt mit beachtet werden. Während in der Vergangenheit ausschließlich Frauen als Opfer befragt wurden und daher das Bild des männlichen Täters gestärkt wurde, werden auch in aktuellen Studien über Gewalt und Geschlecht Männer selten bis gar nicht als Opfer befragt. Die Zahl der männlichen Opfer ist jedoch, außer hinsichtlich sexueller Gewalthandlungen, meist höher. Dies geben auch die aktuellen Bundeskriminalstatistiken wieder, welche ich vorher bereits erläutert habe. Auch hier ist die Dunkelziffer zu beachten, da Männer weniger Gewalttaten zur Anzeige bringen.
Treffen zwei Männer als Akteure aufeinander, so handelt es sich um zwei verletzungsmächtige Akteure. Diese Macht gilt es zu verteidigen sowie zu beweisen. Homosoziale Gewalt kann in reziproke und einseitige Gewalt unterschieden werden. Diese Differenzierung zeigt auf ob es eine Täter-Opfer Verteilung gibt oder ob die Akteure beide Rollen gleichzeitig einnehmen. Reziproke Gewalt wird als eine Art ernster Wettbewerb verstanden. In diesen „Spielen“ wird der Körper als verletzungsmächtig erlebt und Männlichkeit erzeugt. Verletzungsmacht wird zu einer Eigenschaft die stets bewiesen werden muss. Die männlichen Akteure fordern sich gegenseitig in ihrer Männlichkeit heraus und reagieren mit körperlichen Aktionen um sie zu verteidigen. Ihre Verletzungsmacht wird durch ihre gewalttätigen Handlungen verkörpert und dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Ausgangsfrage der Arbeit, inwiefern Geschlecht eine soziale Konstruktion darstellt und ob ein kausaler Zusammenhang mit gewalttätigem Verhalten besteht.
2. Soziale Konstrukte: Führt in die Theorie des Sozialkonstruktivismus ein, um zu verdeutlichen, wie gesellschaftliche Realität durch menschliches Handeln entsteht.
3. Geschlecht als soziale Konstruktion: Erläutert, dass Geschlecht keine rein biologische Tatsache ist, sondern durch soziale Prozesse und Erwartungen permanent neu verhandelt wird.
4. Gewalt: Definiert den Begriff der Gewalt in seinen verschiedenen Dimensionen und untersucht das Verhältnis von Gewalt und Geschlecht.
4.1 Gewalt und Geschlecht: Analysiert die statistische Verteilung von Täterschaft und Opferschaft unter Einbeziehung soziologischer Forschung zur Konstruktion von Gewalt als männliche Ressource.
4.1.1. Gewalt von Männern gegen Frauen: Beleuchtet die lange Fokussierung der Forschung auf Männergewalt und die damit einhergehende Festigung von Geschlechterrollen.
4.1.2. Homosoziale Gewalt: Untersucht Gewaltkonstellationen unter Männern und die Aufrechterhaltung von Männlichkeit durch physische Dominanz.
4.1.3. Frauengewalt: Thematisiert die marginalisierte Forschung zu von Frauen ausgeübter Gewalt und die gesellschaftliche Herabsetzung dieser Handlungen.
5. Zusammenfassung: Fasst die Kernergebnisse zusammen und bestätigt, dass Gewalt durch die gesellschaftliche Konstruktion der Geschlechter derzeit primär männlich konnotiert ist.
Schlüsselwörter
Sozialkonstruktivismus, Geschlecht, Männlichkeit, Gewalt, Kriminalstatistik, Verletzungsmacht, Verletzungsoffenheit, Geschlechterrolle, Sozialisation, Homosoziale Gewalt, Machtverhältnisse, Frauengewalt, Identität, Geschlechterordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen dem sozialen Konstrukt "Geschlecht" und dem Phänomen "Gewalt".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Sozialkonstruktivismus, die Entstehung von Geschlechterrollen sowie die soziologische Einordnung von Gewalt als Handlungsressource.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob Gewalt ein Geschlecht besitzt und inwieweit männlich oder weiblich konnotiertes Verhalten durch soziale Prozesse geprägt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf Basis soziologischer Fachliteratur und statistischer Daten eine qualitative Analyse durchführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Geschlechterbegriffs, die Analyse verschiedener Gewaltkonstellationen (gegen Frauen, homosozial, von Frauen) und die kritische Reflektion bestehender Forschungsdefizite.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Charakteristika sind Sozialkonstruktivismus, Männlichkeitsinszenierung, Verletzungsmacht und die Dekonstruktion starrer Geschlechterbilder.
Warum wird "homosoziale Gewalt" in der Arbeit besonders hervorgehoben?
Sie wird hervorgehoben, um zu zeigen, dass Gewalt nicht nur gegen Frauen gerichtet ist, sondern auch ein Instrument zwischen Männern zur Beweisführung von Männlichkeit darstellt.
Welche Bedeutung hat "Verletzungsmacht" in den Analysen des Autors?
Verletzungsmacht beschreibt das Verhältnis der Akteure zueinander, wobei der Mann als dominanter Akteur versucht, seine Unverwundbarkeit und damit seinen Status zu sichern.
Inwiefern ist das Bild einer "gewalttätigen Frau" gesellschaftlich "prekär"?
Es ist prekär, da es die tradierte Geschlechterordnung stört, in der die Frau ausschließlich als schutzbedürftiges Opfer und der Mann als Täter vorgesehen ist.
- Arbeit zitieren
- S. Fritschler (Autor:in), 2019, Der Zusammenhang von Geschlecht und Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1351793