Liest man Zeitungsartikel oder hört Audiobeiträge des Rundfunks zu den Texasdeutschen, so könnte man stellenweise annehmen, die Autor:innen hätten am Ende der Welt eine wahrgewordene Fantasiegestalt entdeckt. Mit Unglauben staunt man über die deutschen Straßen- oder Gebäudenamen, die Sprachvarietät wird verniedlicht. Das sich dahinter eine der größten deutschen Auswanderungsbewegungen und zeitweise beachtenswerte kulturelle Errungenschaften verbergen, ist heute kaum ersichtlich und daher schwer zu glauben.
Das erste Kapitel dieser Arbeit beleuchtet die texasdeutsche Geschichte und Kultur bis heute und gibt einen Ausblick auf ihre weitere Entwicklung, ehe das zweite Kapitel sich Spezifika der Sprachvarietät widmet und auf zugehörige Erhaltungs- bzw. Archivierungsmaßnahmen eingeht. Weiter wird es sich Aspekten der Schriftlichkeit widmen. Auch wenn Texasdeutsch eine gesprochene Varietät ist, gilt es zu untersuchen, ob Schriftlichkeit einen Anteil an der Geschichte und der Erforschung des Texasdeutschen hat und in Zukunft haben wird. Dazu widmet sich diese Hausarbeit in den letzten zwei Unterkapiteln dem Bezug zum Standarddeutschen sowie (Auswanderer-)Briefen als historische schriftliche Quelle und mögliches Ventil mündlicher Phänomene des Texasdeutschen. Eine Schlussbetrachtung fasst wichtige Erkenntnisse abschließend zusammen.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
KAPITEL 1: DIE GESCHICHTE DER TEXASDEUTSCHEN
1.1 HISTORISCHE HINTERGRÜNDE DER AUSWANDERUNG
1.2 DAS KULTURELLE LEBEN DER TEXASDEUTSCHEN
1.3 RÜCKGANG DES TEXASDEUTSCHEN UND AUSBLICK
KAPITEL 2: SPRACHE UND SCHRIFTLICHKEIT DER TEXASDEUTSCHEN
2.1 SPRACHSPEZIFISCHE CHARAKTERISTIKA
2.2 ARCHIVIERUNGSMAßNAHMEN: SPRACHATLANTEN UND DAS TEXAS GERMAN DIALECT PROJECT
2.3 ASPEKTE DER SCHRIFTLICHKEIT
2.4 BRIEFE ALS HISTORISCHE SCHRIFTZEUGNISSE
SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den soziolinguistischen Status des Texasdeutschen, mit einem besonderen Fokus auf die Rolle der Schriftlichkeit in dieser primär gesprochenen Sprachvarietät. Dabei wird analysiert, inwieweit historische schriftliche Quellen wie Auswandererbriefe Aufschluss über die Sprachrealität und den Sprachwandel der texasdeutschen Gemeinschaft geben können.
- Historische Hintergründe der deutschen Auswanderungsbewegung nach Texas
- Bewahrung kultureller Identität und Sprache in texanischen Siedlungen
- Linguistische Charakteristika und der Sprachwandelprozess (Shift zum Englischen)
- Methoden der Dokumentation und Archivierung (Sprachatlanten, Texas German Dialect Project)
- Analyse von Schriftlichkeit und Briefen als historische Zeugnisse der Sprachvarietät
Auszug aus dem Buch
2.4 Briefe als historische Schriftzeugnisse
Briefe sind als Primärquelle überaus ergiebig. Sie leisten einen Beitrag zu historischen, soziologischen oder linguistischen Erkenntnissen und ergänzen die allgemeine Geschichtsschreibung um lebensweltliche, individuelle Elemente. Sie geben Aufschluss über Motivationen, Handlungsweisen, Gefühle oder Absichten und sind wie kaum andere Zugänge ein Garant für die Geschichte der ‚kleinen Leute‘. Briefe sind konzeptionell mündliche Texte und entsprechen daher zugehörigen Entwicklungstendenzen auf Grundlage schriftsprachlicher Traditionen.
Während im 19. Jahrhundert grammatische Markierung in Briefen reduziert war und pragmatische Funktionen größtmöglich ausgenutzt wurden, galt die kommunikative Nutzenmaxime, sich in erster Linie verständlich mitzuteilen (Elspaß, 2005). Die erst später getätigten Orthografiebestrebungen führten in der Graphie zum Befolgen schriftsprachlicher Traditionen, die sich bis in kleinste Dialekte, Orte oder Familien zu unterscheiden vermochten. Durch Apokopen, Synkopen, Enklisen, die Nichtrealisierung finaler Dentale (z.B. ‚nich‘) oder die Schreibung der auch in der texasdeutschen Varietät auftretenden entrundeten Aussprache (z.B. ‚Gemise‘ statt ‚Gemüse‘) offenbart sich eine Tendenz zur Simplifizierung des Vokalsystems, die damals ausstehende Standardisierung wie auch die Darstellung phonologischer Phänomene.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung gibt einen Überblick über die historische Bedeutung der deutschen Auswanderung nach Texas und skizziert die methodische Untersuchung der Sprache sowie deren Schriftlichkeit.
KAPITEL 1: DIE GESCHICHTE DER TEXASDEUTSCHEN: Dieses Kapitel erläutert die Ursachen der Auswanderung, die kulturelle Etablierung in Texas und den späteren Rückgang der Sprachvarietät durch den Einfluss der Weltkriege und Assimilationsdruck.
KAPITEL 2: SPRACHE UND SCHRIFTLICHKEIT DER TEXASDEUTSCHEN: Hier werden linguistische Merkmale des Texasdeutschen analysiert, Archivierungsprojekte vorgestellt und die Rolle von schriftlichen Dokumenten wie Briefen als Quellen für die Erforschung dieser Varietät diskutiert.
SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Schlussbetrachtung fast die Ergebnisse zusammen und konstatiert, dass das Texasdeutsche vor dem Aussterben steht, betont jedoch den Wert der Schriftlichkeit für die zukünftige Forschung.
Schlüsselwörter
Texasdeutsch, Sprachvarietät, Auswanderungsgeschichte, Sprachwandel, German Belt, Sprachinseln, Texas German Dialect Project, Schriftlichkeit, Auswandererbriefe, Assimilation, Soziolinguistik, Dialekte, Sprachdokumentation, Sprachpflege, Minderheitensprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte und der sprachlichen Beschaffenheit des Texasdeutschen, einer historischen Varietät deutscher Auswanderer in den USA.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der Einwanderung, die kulturelle Identität der Siedler, linguistische Analysen der Sprachstruktur und die Methoden zur Bewahrung dieser Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu erforschen, welche Rolle die Schriftlichkeit, trotz des Charakters als gesprochene Varietät, für die Geschichte und Erforschung des Texasdeutschen spielt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es werden eine Literaturanalyse sowie die Auswertung soziolinguistischer Daten, unter anderem aus dem Texas German Dialect Project und historischen Briefsammlungen, genutzt.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Hintergründe und eine detaillierte linguistische Analyse, die phonologische, syntaktische und lexikalische Aspekte sowie die Rolle von Dokumenten betrachtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind Texasdeutsch, Sprachwandel, Assimilation, Sprachinseln und historische Schriftzeugnisse.
Warum ist das "Texas German Dialect Project" für die Arbeit so relevant?
Es dient als zentrale Datenquelle, da es durch Interviews und Archivierungen eine der wenigen Möglichkeiten bietet, die verschwindende Sprache wissenschaftlich zu belegen.
Warum werden explizit Auswandererbriefe analysiert?
Diese Briefe gelten als Primärquellen, die konzeptionelle Mündlichkeit in schriftlicher Form festhalten und somit Einblicke in den individuellen Sprachgebrauch und den Einfluss der Umgebungssprache ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Björn Grimm (Autor:in), 2020, Aspekte der Schriftlichkeit in der gesprochenen Varietät des Texasdeutschen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1348164