"Welternährungsorganisation sieht Millionen Menschen bedroht - Haiti, Tunesien, Vietnam: Die Welternährungsorganisation befürchtet, dass die Preise für Nahrungsmittel weiter drastisch anziehen werden. ... "
"The silent tsunami - Food prices are causing misery and strife around the world. Radical solutions are needed"
Diese und weitere Meldungen waren in der jüngeren Vergangenheit häufig in der Presse zu lesen. Daher beschäftigt sich diese Seminararbeit mit der Frage, welcher Zusammenhang zwischen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU, der momentanen, weltweiten Nahrungsmittelkrise und den drastisch gestiegenen Preisen für Lebensmittel in der EU besteht.
Zuerst werden dazu die Auswirkungen und Gründe für die weltweite Hungerkrise betrachtet und mögliche Lösungsansätze aufgezeigt. Es folgt ein kurzer Einblick in die Geschichte der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU, sowie eine Betrachtung der jüngsten Entwicklungen und Reformen.
Schwerpunkt dieser Arbeit sind die folgenden Überlegungen, zu Auswirkungen der EU-Subventionen für die heimische Landwirtschaft. Es sollen hierbei die Fragen beantwortet werden, welche Importbarrieren für Nicht-EU-Marktteilnehmer bestehen, ob die Herstellung von Bio-Treibstoffen eine Auswirkung auf die Marktpreise für Getreide und Mais hat, sowie die Frage, wie sich der Klimawandel auf die Landwirtschaft auswirkt. Anschließend wird die Frage nach der Möglichkeit des Anbaus von gentechnisch veränderten Lebensmitteln als Lösung des Hungerproblems betrachtet.
Zum Abschluss wird ein Ausblick auf die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit der GAP und den geplanten zukünftigen Reformen gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die weltweite Hungerkrise
2.1 Auswirkungen und Gründe der Nahrungsmittelknappheit
2.2 Lösungsansätze zur Bekämpfung des Hungers
3. Die Geschichte der Gemeinsamen Agrarpolitik
3.1 Die Ursprünge der GAP
3.2 Die Entwicklungen und Reformen der GAP
3.3 Aktuelle Entwicklungen und Zahlen
4. Subventionen und Nahrungsmittelknappheit
4.1 Subventionen und Importbarrieren der EU
4.2 'Biosprit' als Begründung für Nahrungsmittelknappheit?
4.3 Die Konsequenzen des Klimawandels für die Agrarpolitik
4.4 'Gen-Food' als Ausweg?
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU, der globalen Nahrungsmittelkrise und den steigenden Lebensmittelpreisen. Ziel ist es, die Auswirkungen der EU-Agrarsubventionen und protektionistischer Maßnahmen kritisch zu analysieren.
- Ursachen der weltweiten Nahrungsmittelknappheit
- Historische Entwicklung und Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)
- Einfluss von Bio-Treibstoffen auf die Getreidepreise
- Folgen des Klimawandels für die europäische Landwirtschaft
- Potenziale und Kontroversen um gentechnisch veränderte Lebensmittel
Auszug aus dem Buch
4.2 'Biosprit' als Begründung für Nahrungsmittelknappheit?
Laut der Richtlinie 2003/30/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur "Förderung der Verwendung von Biokraftstoffen oder anderen erneuerbaren Kraftstoffen im Verkehrssektor" sind Biokraftstoffe "flüssige oder gasförmige Verkehrskraftstoffe, die aus Biomasse hergestellt werden". Unter Biomasse wird "der biologisch abbaubare Teil von Erzeugnissen, Abfällen und Rückständen der Landwirtschaft (einschließlich pflanzlicher und tierischer Stoffe), der Forstwirtschaft und damit verbundener Industriezweige sowie den biologisch abbaubaren Teil von Abfällen aus Industrie und Haushalten" verstanden.28 Beispiele für Biokraftstoffe sind Bioethanol, Biodiesel, Biogas, Biomethanol,etc.29
Ob der Anbau von Pflanzen zur Herstellung von Biosprit wirklich mit der aktuellen Nahrungsmittelknappheit und den steigenden Preisen für Lebensmittel in Verbindung gebracht werden kann, ist umstritten, da nur ca. ein Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf der Welt für die Herstellung von Biosprit verwendet werden.30 Der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Horst Seehofer meint zwar, dass eine derartige Verwendung von Agrarflächen nicht für die aktuellen Probleme auf dem Weltmarkt verantwortlich gemacht werden kann, wird dafür aber von Fachleuten bezweifelt. Der UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler hält den Anbau von Pflanzen für Biosprit "für ein Verbrechen gegen die Menschheit", so habe allein die USA, um die Abhängigkeit von dem importierten Öl zu verringern, im Jahr 2007 über sechs Milliarden Dollar in Subventionen für den Anbau derartiger Pflanzen gesteckt, während in Haiti, Bangladesh und anderen Städten und Ländern bereits Unruhen aufgrund hoher Lebensmittelpreise herrschen.31
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema der weltweiten Nahrungsmittelknappheit in den Kontext der EU-Agrarpolitik und definiert die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.
2. Die weltweite Hungerkrise: Das Kapitel analysiert die Ursachen der Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln und diskutiert kurzfristige sowie langfristige Lösungsstrategien.
3. Die Geschichte der Gemeinsamen Agrarpolitik: Hier werden die historischen Ursprünge der GAP sowie die Entwicklung von den ersten Marktordnungen bis hin zu den Reformen des 21. Jahrhunderts dargelegt.
4. Subventionen und Nahrungsmittelknappheit: Dieses Kapitel untersucht die negativen Folgen von EU-Subventionen, die Auswirkungen von Biosprit, den Klimawandel und den umstrittenen Einsatz von Gen-Food.
5. Ausblick: Der abschließende Teil fasst die Mitschuld der Industrienationen zusammen und diskutiert künftige Anpassungen wie den „Health Check“ der GAP.
Schlüsselwörter
Gemeinsame Agrarpolitik, GAP, Nahrungsmittelknappheit, Hungerkrise, EU-Agrarsubventionen, Biosprit, Klimawandel, Welternährungsorganisation, Gen-Food, Marktprotektionismus, Agrarmärkte, Preisstabilität, Landwirtschaft, Handelsbarrieren, Welthandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Ursachen und Auswirkungen der weltweiten Nahrungsmittelknappheit unter besonderer Berücksichtigung der europäischen Agrarpolitik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören Preisentwicklungen für Agrarrohstoffe, die Rolle von Subventionen, die Auswirkungen von Biokraftstoffen und die Herausforderungen durch den Klimawandel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Analyse, inwieweit die Gemeinsame Agrarpolitik der EU zur weltweiten Nahrungsmittelkrise und zu hohen Preisen beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse aktueller Berichte, EU-Richtlinien, agrarökonomischer Fachbeiträge und statistischer Daten der OECD und FAO.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der globalen Hungerkrise, die Geschichte der GAP und eine detaillierte Untersuchung von Einflussfaktoren wie Subventionen, Biosprit und Gentechnik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Gemeinsame Agrarpolitik, Nahrungsmittelknappheit, Subventionen und globale Marktverfälschungen.
Warum wird Biosprit als mögliche Ursache für Hunger genannt?
Diskutiert wird der Zielkonflikt zwischen der Verwendung landwirtschaftlicher Nutzflächen für die Energieproduktion (Biosprit) statt für die Nahrungsmittelversorgung der Weltbevölkerung.
Welche Rolle spielt der Klimawandel in der Argumentation des Autors?
Der Autor zeigt auf, wie extreme Wetterereignisse Ernten gefährden und wie die Landwirtschaft selbst durch Treibhausgasemissionen zur Klimaveränderung beiträgt.
- Arbeit zitieren
- Mike Carstensen (Autor:in), 2009, Drohende Lebensmittelknappheit als neue (alte) Begründung europäischer Agrarpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/134159