Wie sich die Rolle der IT-Organisationen mit Blick auf die geänderten Rahmenbedingungen speziell wandelt und wie sie sich zum Innovationstreiber für Unternehmen entwickeln können, soll im Folgenden behandelt werden.
Dazu soll zunächst ein Überblick über den Paradigmenwechsel von IT-Organisationen über die Zeit gegeben werden, um die aktuellen Herausforderungen und Anforderungen an die IT-Organisation der Zukunft nachvollziehbar zu machen. In dem Zusammenhang wird auf die Schwächen des lange Zeit vorherrschenden – und zum Teil weiter bestehenden – Plan-Build-Run-Paradigma eingegangen. Daran anknüpfend werden die Anforderungen an ein neues IT-Operating-Model skizziert sowie die hierfür benötigten Voraussetzungen und spezifischen Kompetenzen.
Digitalisierung, Globalisierung und steigender Wettbewerb, aber auch die zunehmende Individualisierung, der sich vollziehende Wertewandel in der Gesellschaft und Begleiterscheinungen wie die veränderte Arbeitswelt, ein zunehmendes Umweltbewusstsein und grenzenlose Flexibilität: Unternehmen stehen ohne Zweifel insgesamt vor großen Herausforderungen und spüren den Druck eines tiefgreifenden organisationalen und insbesondere digitalen Wandels.
Auch IT-Organisationen stehen mit der digitalen Transformation vor entsprechender Aufgabe: Zum einen müssen sie Schritt halten und die neuen Technologien wie Künstliche Intelligenz, Industrie 4.0, Big Data, Cloud Computing oder Internet of Things verstehen, ihre Einsatzmöglichkeiten bewerten und bestenfalls auch beherrschen können. Ebenso jedoch müssen IT-Organisationen ihre eigene Rolle im Unternehmensgefüge weiterentwickeln, insbesondere da sie strategisch immer mehr an Bedeutung gewinnen. Grund dafür ist die zunehmende Durchdringung mit Informationstechnologien, die IT-Anwendungen zur strategischen Ressource werden lassen. Demensprechend hoch ist der Veränderungsdruck und sind die Anforderungen an die zukünftige IT-Organisation. Zumal sich aktuell viele IT-Organisationen noch als reine Unterstützer/Service-Provider verstehen und oft als diese wahrgenommen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Paradigmenwechsel in der IT
1.1 Überblick über die wichtigsten Meilensteine
1.2 Die derzeitige Rolle von IT-Organisation und Herausforderungen
2 Anforderungen an ein neues IT-Operating-Model
2.1 Anforderungsdimensionen
2.1.1 Innovations- und Wissenskultur
2.1.2 Kunden- und Service-Orientierung
2.1.3 Agilität
2.2 Spezifische Kompetenzen zur Gestaltung der Digitalen Transformation
2.3 Voraussetzungen und Thesen zur erfolgreichen Umsetzung und Transformation
2.3.1 Wertbeitrag der IT messbar und damit wahrnehmbar machen
2.3.2 Rolle der Führungskraft bei der Umsetzung
2.3.3 Wandel der IT-Organisation muss mit Unternehmenswandel einhergehen
2.4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den notwendigen Wandel von IT-Organisationen vom klassischen, reaktiven Service-Provider hin zum proaktiven Innovationstreiber und strategischen Partner im Zeitalter der digitalen Transformation.
- Paradigmenwechsel von der IT-Industrialisierung hin zum IT-Operating-Model der Zukunft
- Entwicklung und Bedeutung der Innovations- und Wissenskultur in IT-Organisationen
- Herausforderungen durch Agilität, Kundenorientierung und neue Management-Methoden
- Identifikation spezifischer Kompetenzbedarfe für die digitale Transformation
- Voraussetzungen zur Messbarmachung des IT-Wertbeitrags
Auszug aus dem Buch
1.1 Überblick über die wichtigsten Meilensteine
In den 1970er Jahren bewirkten erste Investitionen in die Automatisierung eine kostengünstigere, schnellere Abwicklung zuvor papierbasierter Aktivitäten. Die Einführung des PC in den 1980er Jahren und erste integrierte Anwendungen trugen zur weiteren Senkung der Geschäftsprozesskosten – und weiteren Optimierung und Beschleunigung von Geschäftsprozessen – bei. In den 1990er Jahren fanden Anwendung wie Enterprise Resource Planning (ERP), Customer Relationship Management (CRM) und Supply Chain Management (SCM) verstärkt Einzug und schufen neues Kosten- und Optimierungspotenzial. IT-Abteilungen waren bis hierhin vorrangig für die Stabilität und Sicherung der IT-Systeme zuständig.
Entscheidender Meilenstein und Anstoß zum Paradigmenwechsel bei der Beurteilung des Wertbeitrags bzw. -potenzials der IT für Unternehmen war die Einführung des Internets Ende der 1990er Jahre: Das Zeitalter der IT-Industrialisierung. Digitalisierung und Technisierung und damit die zunehmende Vernetzung der Gesellschaft wurden seither sukzessiv vorangetrieben und durch den Einsatz mobiler Endgeräte nochmals befördert. Viele deskriptive Innovationen zerstörten ganze Geschäftsmodelle, schufen jedoch auch großen Potenzial neuer Wertschöpfung. In den Unternehmen ging die IT-Industrialisierung mit einem rasanten Anstieg an IT-Anwendungen sowie komplexer werdenden Unternehmensarchitekturen einher. Mit zunehmender Verfügbarkeit und sinkenden Kosten von Informationstechnologien, verloren diese vermeintlich ihren strategischen bzw. Wettbewerbsvorteil, was die IT-Abteilungen zunächst einem zunehmenden Rechtfertigungsdruck aussetze. Alleiniges Ziel war es nunmehr, die Effektivität und Effizienz der IT-Organisationen zu erhöhen und als serviceorientierten Dienstleister aufzutreten.
Mit dieser Entwicklung musste auch das oftmals vorherrschende Paradigma Plan-Build-Run – das dem Grundsatz folgt, Systeme umfänglich zu planen und selbst zu implementieren – hinterfragt werden, denn es entsprach nicht mehr der Realität von IT-Organisationen (Diskussion zu den Schwächen des Plan-Build-Run-Paradigmas s. grauer Kasten). Viele IT-Organisationen folgten anstelle dem Source-Make-Deliver-Paradigma, indem sie dazu übergingen, ihre IT-Wertschöpfungskette zu verkürzen und Teile dieser an externe Partner auszugliedern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Paradigmenwechsel in der IT: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung und die Notwendigkeit einer Abkehr vom reinen Kostenstellen-Denken hin zur strategischen Neuausrichtung.
2 Anforderungen an ein neues IT-Operating-Model: Der Hauptteil beschreibt die wesentlichen Dimensionen, notwendigen Kompetenzen und organisatorischen Voraussetzungen für eine agile und innovationsorientierte IT-Organisation.
Schlüsselwörter
IT-Organisation, Digitale Transformation, Paradigmenwechsel, Plan-Build-Run, Agilität, Innovationskultur, Wissenskultur, IT-Operating-Model, IT-Strategie, Business-IT-Alignment, Kundenorientierung, Führungskraft, Kompetenzmanagement, Innovationstreiber, Wertschöpfung
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Publikation befasst sich mit der Transformation von IT-Abteilungen. Weg von der rein technischen Stütze hin zur strategischen Rolle als Innovationstreiber, um in einer durch Digitalisierung geprägten Wirtschaft erfolgreich zu sein.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der IT-Kultur, der Notwendigkeit agiler Organisationsstrukturen, den neuen Anforderungen an IT-Kompetenzen und der strategischen Koppelung von IT und Unternehmenszielen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie IT-Organisationen die aktuellen Herausforderungen bewältigen können, um nicht als bürokratisch wahrgenommen zu werden, sondern aktiv digitale Geschäftsmodelle mitzugestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender IT-Management-Modelle sowie der Auswertung aktueller wirtschaftswissenschaftlicher Studien, um den Status Quo und notwendige Entwicklungsstufen abzuleiten.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Anforderungsdimensionen (Innovationskultur, Agilität, Kundenorientierung), diskutiert spezifische Kompetenzprofile für Führungskräfte und IT-Mitarbeiter und beleuchtet die Notwendigkeit, IT messbar zu steuern.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie „All-Agile IT“, „Innovationstreiber“, „Business-IT-Alignment“ und den Wandel der Führungskultur beschreiben.
Warum kritisieren die Autoren das „Plan-Build-Run“-Prinzip?
Das Modell wird als zu zeitintensiv und reaktiv betrachtet; es führt in einem Umfeld schneller Innovationszyklen zu langen Time-to-Market-Zeiten und verhindert zudem die notwendige proaktive Beteiligung der IT an Innovationen.
Welche Rolle spielt die Führungskraft im neuen IT-Operating-Modell?
Die Führungskraft wandelt sich vom Anweiser zum Mentor, der ein agiles Mindset vorlebt, Sicherheit für Innovationen schafft und die Diversität im Team nutzt, um interdisziplinäre Erfolge zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Heike Strach (Autor:in), 2022, Veränderungen im IT-Management im Zeitalter der Digitalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1340691