Die Hausarbeit aus meinem Grundstudium befasst sich mit Wittenwilers "Ring" und den Vorbereitungen zur Hochzeit von Mätzli und Bertschi Triefnas. Inwieweit die Tipps didaktisch oder karikaturartig sind, wird in der Arbeit untersucht.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
1.) Literarische und politische Orientierung Wittenwilers
2.) Der Familienrat (Mätzlis Seite, Vs. 3616-5200)
2. 1) Die Debatte über den perfekten Ehemann (Vs. 3645 – 3777)
2.2) Bertschis Examinierung (Vs. 3782- 3835)
2.3) Der Schülerspiegel (Vs. 3836-3931)
2.4) Das Laiendoktrinal (Vs. 3932-4187)
2.5) Die Gesundheitslehre (Vs. 4188-4401)
2.6) Die Tugendlehre (Vs. 4402-4950)
2.7) Die Haushaltslehre (Vs. 4951- 5200)
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Familienrat unter Mätzlis Sippe in Heinrich von Wittenwilers „Ring“ mit dem Ziel, die didaktischen Partien im Kontext des bäuerlichen Rahmens zu analysieren und zu prüfen, inwieweit diese Lehren für den Protagonisten Bertschi Triefnas relevant oder nützlich sind.
- Analyse der didaktischen Struktur und allegorischen Mittel im „Ring“.
- Untersuchung der Diskrepanz zwischen bäuerlichem Lebensumfeld und städtisch-bürgerlichen Lehren.
- Beurteilung der Rezeption der Unterweisungen durch den Protagonisten Bertschi.
- Identifikation der Zielgruppe des Werkes als bürgerlich-städtisches Publikum.
- Diskussion der intendierten didaktischen Funktion versus der inhaltlichen Widersprüchlichkeit.
Auszug aus dem Buch
2.5) Die Gesundheitslehre (Vs. 4188-4401)
Die Gesundheitslehre ist in acht verschieden lange Abschnitte unterteilt. Sie soll vom Apotheker Straub abgehalten werden, der dafür aber eine geldliche Gegenleistung fordert. Diese Darstellung des Apothekers kann durchaus eine zeitgenössische Anspielung auf seinen Berufsstand sein – vorsätzlich vom Autor in Bertschis didaktische Unterweisungen eingefügt. Der Gesundheitslehre wird ein Leitsatz vorangestellt (Vs. 4220ff.):
,Chain ertznei die ward ie so guot Sam sich gehalten in der huot Vor zu wenich und zu vil: Die gsunthait masse haben wil.
Im allgemeinen gehen die Vorschriften Straubs wieder über das hinaus, was Bauern interessieren könnte. Besonders das über Baden, Nahrung und Trinken Angeführte setzt wohlhabende bürgerlich städtische Lebensformen voraus. Auffällig ist, dass der Gesundheitslehre sämtliche abergläubische Abstrusitäten der Volksmedizin fehlen. Auf jeden Fall weist Wittenwilers Text große Ähnlichkeit mit dem Regimen sanitatis Salernitanum auf.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Eheproblematik und die Intention von Wittenwilers „Ring“ als didaktisches Werk.
Hauptteil: Analyse der didaktischen Unterweisungen innerhalb der Rahmenhandlung des Familienrats.
1.) Literarische und politische Orientierung Wittenwilers: Einordnung des Werkes als didaktisch-burleskes Epos im Kontext der Zeitumstände und des Autors als Jurist.
2.) Der Familienrat (Mätzlis Seite, Vs. 3616-5200): Betrachtung der Sippenversammlung als Kern der didaktischen Vermittlung und des bäuerlichen Handlungsrahmens.
2. 1) Die Debatte über den perfekten Ehemann (Vs. 3645 – 3777): Analyse der spiegelbildlichen Debattenstruktur und der Diskrepanz zwischen Redner-Ideal und bäuerlicher Realität.
2.2) Bertschis Examinierung (Vs. 3782- 3835): Untersuchung der Bibelkenntnisprüfung Bertschis und deren mangelnde praktische Resonanz beim Protagonisten.
2.3) Der Schülerspiegel (Vs. 3836-3931): Kritik an der didaktischen Unpassung von akademischen Lehren für den analphabetischen Bauern Bertschi.
2.4) Das Laiendoktrinal (Vs. 3932-4187): Analyse der christlichen Lehrinhalte und der Rolle des Memento mori als Ausdruck der Vergänglichkeit.
2.5) Die Gesundheitslehre (Vs. 4188-4401): Vergleich mit zeitgenössischen medizinischen Traktaten und Darstellung der Lebensformen.
2.6) Die Tugendlehre (Vs. 4402-4950): Analyse des Moralsystems und der allegorischen Personifizierung der weisshait und ihrer Töchter.
2.7) Die Haushaltslehre (Vs. 4951- 5200): Untersuchung patriarchaler Haushaltsdiskurse und deren fehlende Eignung für den bäuerlichen Lebensstil.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Sinnlosigkeit der didaktischen Unterweisungen für Bertschi und deren Funktion zur Profilierung eines städtischen Publikums.
Schlüsselwörter
Heinrich von Wittenwiler, Der Ring, Didaktik, Bertschi Triefnas, Mätzli Rüerenzumph, Familienrat, bäuerlicher Rahmen, Mittelalter, Allegorie, Laiendoktrinal, Tugendlehre, Gesundheitslehre, bürgerliche Mentalität, Wissensvermittlung, Ständekritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die didaktischen Lehrpassagen innerhalb des Familienrats in Wittenwilers Werk „Der Ring“ und deren Wirkung auf die bäuerliche Hauptfigur Bertschi Triefnas.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Eheproblematik, mittelalterliche Didaxe, Standeskritik durch Allegorien und die Diskrepanz zwischen bäuerlichem Lebensumfeld und städtisch-höfischen Idealen.
Was ist die Forschungsfrage?
Die Untersuchung geht der Frage nach, ob der bäuerliche Rahmen zu den dargebotenen Lehren passt, welches Publikum damit angesprochen werden soll und wie der Protagonist auf diese Unterweisungen reagiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des „Ring“ unter Einbeziehung zeitgenössischer Forschungsliteratur interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung von Wittenwilers Orientierung und eine detaillierte Analyse der sieben spezifischen didaktischen Partien des Familienrats.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind „Der Ring“, didaktische Partien, bäuerliches Umfeld, Allegorie, Bertschi Triefnas und städtisches Publikum.
Warum ist das Laiendoktrinal für den Bauern Bertschi problematisch?
Das Laiendoktrinal enthält komplexe christliche Lehren, die für den ungebildeten Bauern inhaltlich nicht anschlussfähig sind, wodurch sie lediglich als didaktisches Mittel zur Demonstration von Bildung dienen.
Was bedeutet der „doppelte didaktische Kursus“?
Dieser Begriff beschreibt die Struktur der Unterweisungen, bei denen das bäuerliche Personal zwar belehrt wird, die Inhalte jedoch aufgrund ihrer bürgerlich-städtischen Ausrichtung für den Leser konzipiert sind.
Warum wird im Fazit von „Sinnlosigkeit“ gesprochen?
Da Bertschi die Unterweisungen weder versteht noch in sein Leben integriert, bleiben sie für ihn funktionslos; sie dienen primär dazu, das städtische Publikum über den „gpauren“ zu erheben.
- Arbeit zitieren
- Jana Muschick (Autor:in), 2003, Der Familienrat unter Mätzlis Sippe in Heinrich Wittenwilers "Ring", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/133792