In Edouard Manets Werk stellt das Porträt "Emile Zola" ein wichtiges Momentum dar, das in seinem Gesamtausmaß eine nicht zu verachtende Stelle für das Bild- und Selbstverständnis Manets als Künstler einnimmt. Inwiefern nimmt dieses Bildnis eine ausgezeichnete Stelle in Manets Œuvre ein und inwiefern ist es außerdem ein besonderes Werk, zum einen im Bezug auf seine Einordnung in die Gattungen, und zum anderen als Darstellung der Freundschaft zweier Menschen? Mit dieser Frage wird sich diese Seminararbeit auseinandersetzen.
Ausgehend von einer Aufklärung um die Entstehungsgeschichte dieses Porträts und den Bedingungen unter denen Manet es malte, wird zu einer deskriptiven Analyse übergegangen, die obige Thesen untermauert und interessante Verflechtungen zwischen zwei Künstlern der Mitte des 19. Jahrhunderts aufzeigt; ja, es wird sogar ersichtlich werden, dass das Gemälde zwar nur eine Person darstellt, aber von Zweien handelt. Des Weiteren werden wir uns mit den offenkundigen, und für Manet typischen, kunsthistorischen Bezügen und dem Japonismus beschäftigen, der in den Jahrzehnten 1860/70 eine Blüte in der französischen Malerei erlebte. Geendet wird mit einer kurzen Rezeption des Bildes durch seine Zeitgenossen, insbesondere rund um den Salon von 1868, zu dem es aufgenommen wurde, und einem Ausblick, beziehungsweise einer Zusammenfassung des Erarbeiteten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Porträt Emile Zola im Rahmen seiner Zeit
3 Das Porträt Emile Zola „en Detail“ und als Bildnis zweier Menschen
3.1 Das Porträt Emile Zola „en Detail“
3.2 Das Porträt Emile Zola als Bildnis zweier Menschen
4 Zur Rezeption des Porträt Emile Zola
5 Ausblick und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Edouard Manets Werk "Das Porträt Emile Zola" hinsichtlich seiner kunsthistorischen Einordnung und seiner Funktion als Darstellung einer Künstlerfreundschaft. Ziel ist es, durch eine detaillierte Analyse der Entstehungsgeschichte und der bildnerischen Elemente aufzuzeigen, wie das Gemälde sowohl Manets ästhetische Einflüsse – insbesondere Japonismus und spanischen Realismus – als auch sein Selbstbildnis als moderner Maler manifestiert.
- Analyse der historischen Kontextualisierung innerhalb der Ära des Pariser Salons.
- Detaillierte ikonographische Untersuchung der Bildelemente und ihrer symbolischen Bedeutung.
- Erforschung der Wechselbeziehung zwischen Künstler und Modell sowie der Bedeutung als "Doppelporträt".
- Einordnung des Werkes als programmatisches Manifest der Moderne.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Porträt Emile Zola „en Detail“
Das Porträt Emile Zola misst in der Höhe 146 cm und 114 cm in der Breite und ist somit recht groß. Man kann sich Zola wohl in etwa in Lebensgröße vorstellen. Realisiert hat es Manet mit Öl auf Leinwand und es ist heute im Musée d'Orsay in Paris befindlich, nachdem es zuvor verschiedene Stationen in seiner Provenienz durchlief: Nach seiner Fertigstellung war es Zola gewidmet, der es auch bis zu seinem Tod behielt und dem Musée du Louvre versprach. 1902 ging es jedoch in die Hände seiner Witwe über, die das Bild durch ein Legat behalten konnte ehe es 1925 nach ihrem Tod zu seinem eigentlichen Bestimmungsort kam. Das Louvre übergab das Bildnis schlussendlich dem Musée d'Orsay im Jahr 1986.
Betrachten wir das Gemälde: Ein Mann sitzt im Zentrum des Bildes auf einem gepolsterten Sessel mit floralem Muster, sein Körper dem rechten Bildrand zugewendet. Gekleidet ist er in schwarzem Sakko und grauer Hose, sein Gesicht ist im Dreiviertelprofil festgehalten, den verträumten Blick einer nicht einzusehenden Ferne im rechten Bildrand gewidmet. Seine Haare sind recht kurz und ein voller, stattlich aussehender Bart beherrscht sein Gesicht. Bei dem Porträtierten handelt es sich freilich um Emile Zola. In seiner Linken hält er, aufgeschlagen, ein Buch in der Hand, das Theodore Reff als „Histoire des Peintres“ identifizierte. Die gegenteilige Meinung vertritt Katharina Schmidt, die eher die „Gazette des Beaux-Arts“ in dem dargestellten Gegenstand sehen möchte. Die Pose und die Ausstrahlung des Mannes lassen sich als entspannt und in sich gekehrt beschreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der wissenschaftlichen Untersuchung von Manets Werk mit Fokus auf dessen Bedeutung für das Verständnis moderner Kunst.
2 Das Porträt Emile Zola im Rahmen seiner Zeit: Betrachtung des historischen Umfelds der Salonmalerei und der freundschaftlichen wie künstlerischen Hintergründe des Werkes.
3 Das Porträt Emile Zola „en Detail“ und als Bildnis zweier Menschen: Umfassende deskriptive Analyse des Bildes, seiner Provenienz, der ikonographischen Details und der symbolischen Interpretation als gemeinsames Werk zweier Akteure.
4 Zur Rezeption des Porträt Emile Zola: Darstellung der zeitgenössischen Kritik sowie der verschiedenen Einstufungsversuche des Werkes durch Zeitgenossen.
5 Ausblick und Zusammenfassung: Abschließende Reflexion über die bahnbrechende Modernität des Gemäldes und dessen Stellung in der Kunstgeschichte.
Schlüsselwörter
Edouard Manet, Emile Zola, Porträtmalerei, Salon de 1868, Japonismus, spanischer Realismus, Moderne, Olympia, Kunstkritik, Künstlerfreundschaft, Bildanalyse, Musée d'Orsay, Ikonographie, Malerei 19. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Seminararbeit?
Die Arbeit analysiert das Gemälde "Das Porträt Emile Zola" von Edouard Manet, um dessen kunsthistorische Bedeutung und seine Funktion als Ausdruck der Freundschaft zwischen dem Maler und dem Schriftsteller zu beleuchten.
Welche Rolle spielt die Zeitgeschichte bei der Entstehung des Bildes?
Das Bild ist tief verwurzelt in der Dynamik des Pariser Salons der 1860er Jahre und spiegelt die Auseinandersetzung zwischen akademischer Tradition und den aufkommenden Idealen der Moderne wider.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass das Gemälde weit mehr ist als ein bloßes Porträt; es dient als "Programmbild", das Manets Inspirationen durch den Japonismus und den spanischen Realismus vereint.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Der Autor führt eine deskriptive bildanalytische Untersuchung durch, kombiniert mit einer historischen Kontextualisierung und der Rezeption zeitgenössischer Quellen.
Welche wesentlichen inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Gestaltung des Porträts, die dargestellten Objekte wie Holzschnitte und Bücher sowie die symbolische Bedeutung als "Doppelporträt", welches auch den Maler selbst repräsentiert.
Was definieren die Schlüsselwörter für diese Untersuchung?
Die Keywords umfassen primär den Künstler (Manet), das Modell (Zola), die stilistischen Quellen (Japonismus, Realismus) und die kunsthistorische Einordnung als Werk der Moderne.
Warum wird das Werk als "Selbstporträt" von Manet bezeichnet?
Da der Fokus durch die Komposition und die Stilllebenarrangements stark auf Manets Interessen und seine eigene Signatur gelenkt wird, argumentiert die Arbeit, dass das Bild auch eine Spiegelung des Künstlers Selbstverständnisses darstellt.
Welche Bedeutung kommt der "Schriftsteller-Hand" im Gemälde zu?
Sie gilt als symbolträchtiges Werkzeug des Literaten und korrespondiert mit der bewussten Inszenierung Zolas als bedeutender Denker, was auch von Zola selbst lobend hervorgehoben wurde.
- Arbeit zitieren
- Jonas Schmitz (Autor:in), 2018, Das Porträt "Emile Zola" von Edouard Manet. Ein Bildnis zweier Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1333446