In dieser wissenschaftlichen Arbeit soll sich gezielt mit Thomas von Aquins allgemeiner Seins- bzw. Wesenslehre beschäftigen, um sein Gottesverständnis näher zu begreifen. Es soll es nicht um die Gottesbeweise gehen, sondern davon ausgegangen werden, dass Gott existiert. Meine Frage soll sich mit Thomas von Aquins metaphysischen Verständnis über Substanzen und die Frage ob Gott eine Substanz ist, beschäftigen.
Das thomistische Frühwerk De ente et essentia [Über Das Sein und Das Wesen] greift diese Thematik am intensivsten auf, daher werde ich mich vor allem auf dieses Werk stützen. Neben der einleuchtenden Struktur und Einblick dieses Werkes, lehnt er sich unter anderem dort auch stark auf Aristoteles Metaphysik und bezieht an einigen Stellen auch den islamischen Philosophen Avicenna in sein Substanz-Verständnis hinein. Wie auch in anderen Werken des Thomismus, ist Gott der Ausgangspunkt alles Seienden.
Der hl. Thomas von Aquin gilt als einer der größten theologischen Philosophen seiner Zeit und hat in seinen Lebzeiten die Hochscholastik durch seine Werke zu tiefst geprägt. Vor allem haben seine Gottesbeweise in seinen Summa Werken eine fundamentale Festigung in die Philosophie gesetzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wesen
2.1. … als zusammengesetzte Substanzen
2.2. … als Akzidenzien
2.3. … als Art und Gattung
3. Einfache Substanzen
4. Ist Gott eine Substanz?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das metaphysische Verständnis von Thomas von Aquin, insbesondere auf Basis seines Frühwerks "De ente et essentia", um der Forschungsfrage nachzugehen, ob Gott im thomistischen Sinne treffend als Substanz bezeichnet werden kann.
- Analyse der Wesens- und Seinslehre des Thomas von Aquin
- Differenzierung zwischen zusammengesetzten und einfachen Substanzen
- Die ontologische Bedeutung von Akzidenzien sowie Art und Gattung
- Erörterung des Gottesbegriffs als reines Sein (esse tantum) im Kontrast zum Substanzbegriff
Auszug aus dem Buch
2.1. … als zusammengesetzte Substanzen
Nach Thomas gibt es die einfachen und die zusammengesetzten Substanzen, die für das Gesamtverständnis seiner Metaphysik ausschlaggebend sind. Jedes Wesen kann nur als Substanz angetroffen werden. Bei den zusammengesetzten Substanzen ist die Zusammensetzung aus „Form und Stoff“. Thomas beschreibt weshalb zusammengesetzte Wesen unbedingt aus diesen beiden Entitäten bestehen müssen. Dabei argumentiert er, dass ein Stoff ohne seine Form nicht sein [esse] bzw. existieren kann und erst durch die Form die „Verwirklichung des Stoffes“ erfolgt. Denn die Form ist die „Bestimmtheit eines jeden Dinges“ und durch diese Definition des Dinges, wird das Wesen erst zur Wirklichkeit, da Wesen, die aus Substanzen zusammengesetzt sind, erst durch ihre Definition begriffen werden können.
Zur Verdeutlichung führt er das Beispiel des Menschen ein. Der Stoff ist das Fleisch und Knochen, doch durch den Stoff alleine, kann man noch lange nicht auf die Formung eines Menschen schließen. Genauso gut könnten Fleisch und Knochen jedes andere Tier bilden. Erst mit der Zusammensetzung mit der Form wird eine dritte Entität gebildet: Der Mensch. Daher kann man darauf schließen, dass der Stoff das Material ist und die Form dessen Gestaltung. So entsteht ihr Sein. Dabei ist wichtig anzumerken, dass es eine ausschlaggebende Unterscheidung zwischen ‚Wesen‘ [essentia] und ‚Sein‘ [esse] gibt. Während das Wesen aussagt, welches Ding es ist, sagt da Sein aus, dass es ist. Stoff und Form verhalten sich wie Potenz und Akt, wie Thomas im 12. Buch in dem Kommentar zu Aristoteles‘ Metaphysik schreibt. Die Potenz braucht den Akt um sich zu verwirklichen und zu existieren. Die Potenz verhält sich also analog zum Stoff und der Akt zur Form. Das Wesen empfängt das Sein und kann dadurch tatsächlich existieren. Ohne das Sein würde kein Ding existieren können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf das metaphysische Frühwerk von Thomas von Aquin und führt die zentrale Fragestellung ein, ob Gott als Substanz begriffen werden kann.
2. Wesen: Dieses Kapitel erläutert die Struktur von Substanzen, indem es die Zusammensetzung aus Form und Materie, die Bedeutung von Akzidenzien sowie die begrifflichen Ebenen von Art und Gattung analysiert.
3. Einfache Substanzen: Hier werden geistige, stofflose Substanzen untersucht, die sich durch ihre Unendlichkeit und ihre Seinsweise unabhängig von materieller Potenz auszeichnen.
4. Ist Gott eine Substanz?: Das Kapitel diskutiert Gottes Natur als reines Sein (esse tantum), das keine Hinzufügung von Wesen oder Gattung benötigt und somit eine Sonderstellung in der Metaphysik einnimmt.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Gott zwar in der Philosophie oft als Substanz bezeichnet wird, dies jedoch angesichts seines Seins als reine Wirklichkeit eine notwendige begriffliche Analogie darstellt.
Schlüsselwörter
Thomas von Aquin, Metaphysik, Substanzontologie, De ente et essentia, Wesen, Sein, esse, essentia, zusammengesetzte Substanzen, einfache Substanzen, Akzidenzien, Art, Gattung, Gott, reines Sein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Substanzontologie des hl. Thomas von Aquin, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse seines Frühwerks "De ente et essentia" liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Unterscheidung zwischen Wesen (essentia) und Sein (esse), der Aufbau zusammengesetzter und einfacher Substanzen sowie die ontologische Stellung Gottes.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, ob Gott unter Berücksichtigung von Thomas' Metaphysik korrekt als "Substanz" klassifiziert werden kann, oder ob dieser Begriff für das reine Sein Gottes zu schwach ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine textual-analytische Auswertung des Werkes "De ente et essentia" sowie auf ergänzende Kommentare zu Aristoteles' Metaphysik und moderne thomistische Sekundärliteratur.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Mittelpunkt?
Im Hauptteil werden zunächst die materiellen, zusammengesetzten Substanzen sowie Akzidenzien und Gattungsbegriffe analysiert, bevor der Übergang zu unendlichen, einfachen (geistigen) Substanzen und letztlich zu Gott vollzogen wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentlich sind die Begriffe Substanz, Esse, Essentia, Metaphysik, Thomas von Aquin, reines Sein, Potenz, Akt und Partizipation.
Wie unterscheidet Thomas von Aquin zwischen zusammengesetzten und einfachen Substanzen?
Zusammengesetzte Substanzen bestehen aus Form und Materie, sind endlich und zerbrechlich. Einfache Substanzen hingegen sind stofflos, unendlich und existieren unabhängig von materieller Potenz.
Warum stellt Gott nach dieser Arbeit ein Problem für den klassischen Substanzbegriff dar?
Gott wird als "reines Sein" (esse tantum) ohne Potenzialität definiert. Da der Substanzbegriff jedoch oft eine Begrenzung oder Definition durch Form und Wesen impliziert, erweist sich die Bezeichnung Gottes als bloße Substanz als philosophisch problematisch.
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- Cansel Ekemen (Author), 2020, Die Substanzontologie nach Thomas von Aquins "De ente et essentia", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1330506