Diese Hausarbeit soll zeigen, wie unterschiedlich die Beziehungen zu den Indigenen auf Roanoke Island abliefen. Als Quelle dienen die Berichte und Einträge im Schiffstagebuch des Kapitäns Barlowe sowie die Briefe und Berichte John Whites an den Auftraggeber der Reise Sir Walter Raleigh. Die aus den Jahren 1584-1590 stammenden Aufzeichnungen sind immer unter dem Aspekt zu betrachten, dass die Gegenseite der indigenen Bevölkerung oft nicht dargelegt wird. Zudem ist es gut möglich, dass Whites Beobachtungen nicht die echten Intentionen der Ureinwohner widerspiegeln. Dennoch bieten die Berichte einen guten Überblick über die Beziehungen zu den Ureinwohnern der Outer Banks.
Verglichen mit Kolonien wie Jamestown ist Roanoke nur wenig bekannt. So gilt Jamestown als die erste permanente Siedlung der Briten in Nordamerika und das ist auch zunächst nicht falsch. Dabei wird jedoch häufig vergessen, dass auf der Insel Roanoke bereits einige Jahre zuvor eine Siedlung gegründet wurde. Wann immer der Name Roanoke dann doch fällt, geht es um das Mysterium der „Lost Colony of Roanoke“. Im Internet kursieren zahlreiche Videos, die sich mit dem Verschwinden der Kolonie beschäftigen und auch im Fernsehprogramm oder Theater wurde die Geschichte aufgegriffen. Ein vermeintlich unaufgeklärtes und Jahrhunderte altes Rätsel ist natürlich Nährboden für aufregende Geschichten. Noch heute sind Wissenschaftler in Virginia mit Ausgrabungen beschäftigt, um dem Rätsel auf den Grund zu gehen und es scheint, als wäre man der Lösung ganz nahe. Ein Aspekt, der jedoch nur selten betrachtet wird, sind die Beziehungen der Briten zu den Ureinwohnern der Inseln in der Region. In Briefen und Berichten, sowie Schiffstagebüchern wird das Verhältnis zu den verschiedenen Stämmen der indigenen Bevölkerung gut beschrieben. Die Informationen sind nicht nur zentral, um das Rätsel der verlorenen Kolonie zu erklären, sondern auch beispielhaft für den Umgang der Briten mit den Ureinwohnern Nordamerikas. Es ist allerdings zu beachten, dass es keine eindimensionale Geschichte der skrupellosen Kolonisten ist, sondern viel mehr das Aufeinandertreffen zweier Kulturen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Übersicht über die Reisen nach Roanoke
2.1 Die erste Expedition
2.2 Der erste Versuch eine Kolonie zu gründen
2.3 Das Ende der ersten Kolonie
2.4 Vergeblicher Versuch der Unterstützung
2.5 Der zweite Versuch eine Kolonie zu gründen
2.6 John White findet die „Lost Colony“
3. Die Beziehungen zu den Indigenen auf Roanoke
3.1 Die Erste Begegnung 1584
3.2 Manteo und Wanchese
3.3 Die erste Kolonie auf Roanoke 1585
3.4 Die zweite Kolonie auf Roanoke 1587
3.5 Die „Lost Colony“ von Roanoke
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Kolonialisierung Nordamerikas, insbesondere der Insel Roanoke, und rückt dabei die oft vernachlässigten Beziehungen zwischen den britischen Siedlern und der indigenen Bevölkerung in den Fokus. Das Ziel ist es, die Komplexität dieser Begegnungen aufzuzeigen und das einseitige Narrativ eines reinen Eroberungskrieges durch eine differenzierte Analyse von Handel, Kooperation und wachsendem Konflikt zu ergänzen.
- Grundlagen der frühen britischen Expeditionen nach Nordamerika.
- Analyse der Interaktionen zwischen Siedlern und lokalen Stämmen.
- Rolle von Manteo und Wanchese als Vermittler zwischen den Kulturen.
- Untersuchung der Faktoren, die zum Scheitern der Siedlungsversuche führten.
- Kritische Betrachtung der zeitgenössischen Berichte von europäischen Entdeckern.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Erste Begegnung 1584
Den ersten Kontakt zwischen den Ureinwohnern der Outer Banks und britischen Seefahrern gab es im Sommer 1584. Die Schiffe von Arthur Barlowe und Philip Amadas trafen auf der Insel Hatarask auf indigene Fischer. Dort gelang es den Briten, friedlichen Kontakt herzustellen und Handel zu treiben. Kapitän Barlowe beschreibt, wie der Anführer der Ureinwohner, ein Bruder von Wingina, von ca. 40 Männern begleitet mit ihm handelte. Er betont, dass der Häuptling Wert darauf legte, dass nur mit ihm direkt und keinem seiner Männer gehandelt werde. Der Handel war befriedigend und es wurden zahlreiche Felle und auch Perlen, welche die Frauen als Ohrschmuck trugen, erworben. Nachdem ein freundliches Verhältnis etabliert werden konnte, lud der Häuptling Barlowes Mannschaft dazu ein, das Dorf seines Bruders auf Roanoke zu besuchen. Barlowe beschreibt zudem, wie die Ureinwohner die Mannschaft täglich mit Nahrung versorgten und ihnen auch ihre landwirtschaftlichen Techniken näher brachten. So pflanzten die Männer um Amadas selbst einige ihrer Erbsen ein und staunten über das schnelle Wachstum und den extrem fruchtbaren Boden der Insel. Neben der enormen Gastfreundschaft beschreibt Barlowe auch eine Situation, in der Indigene ihre Bögen vom Jagen in eine Unterkunft brachten und die Engländer als Reaktion ihre eigene Waffen in die Hand nahmen. Eine Frau des Dorfes erkannte die Handlung schnell als Zeichen von Angst und befahl den Jägern, den Raum mit den Bögen zu verlassen, um die Situation zu deeskalieren. Es zeigt sich also, dass die Ureinwohner darum bemüht waren, ein friedliches Verhältnis zu wahren. Winginas Frau vertraute den Entdeckern so sehr, dass sie sogar alleine ein Schiff der Engländer betrat, um zu handeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Mysterium der "Lost Colony" und führt in die Fragestellung zur Beziehung zwischen britischen Siedlern und indigenen Völkern ein.
2. Übersicht über die Reisen nach Roanoke: Dieses Kapitel gibt einen chronologischen Abriss der Expeditionen, von der ersten Erkundung unter Sir Walter Raleigh bis zum Verschwinden der Siedler.
3. Die Beziehungen zu den Indigenen auf Roanoke: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Interaktionen, den Handel und die wachsenden Spannungen zwischen den Siedlern und der indigenen Bevölkerung.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, die einseitige Perspektive der kolonialen Eroberungsgeschichte kritisch zu hinterfragen.
Schlüsselwörter
Roanoke, Lost Colony, Sir Walter Raleigh, Manteo, Wanchese, Kolonialgeschichte, Nordamerika, Wingina, Indigene Völker, Outer Banks, Siedlung, 1584, 1587, Kulturkontakt, Britische Entdecker.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der frühen britischen Kolonisierung Nordamerikas am Beispiel von Roanoke und analysiert insbesondere das Zusammenleben und die Konflikte mit den indigenen Völkern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Chronologie der Expeditionen, die Darstellung und Rolle der indigenen Völker sowie die Analyse kolonialer Versuche, in der "Neuen Welt" Fuß zu fassen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein differenzierteres Bild der Kolonialisierung zu zeichnen, das über das einfache Narrativ des Konflikts hinausgeht und die beidseitigen Wahrnehmungen beleuchtet.
Welche Quellenbasis wird für die Analyse verwendet?
Es werden primär zeitgenössische Berichte und Logbücher von Entdeckern wie Arthur Barlowe und John White sowie moderne historische Sekundärliteratur herangezogen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Übersicht der Reisen und eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Beziehungen zu den Indigenen, inklusive Fallbeispielen wie der ersten Begegnung.
Welche Fachbegriffe kennzeichnen die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Roanoke, Lost Colony, indigene Völker, Kolonialisierung, Manteo und Wanchese sowie der historische Kontext des 16. Jahrhunderts.
Welche Rolle spielten Manteo und Wanchese?
Manteo und Wanchese fungierten als wichtige Vermittler, die als Indigene nach England reisten und bei ihrer Rückkehr eine zentrale Brückenfunktion zwischen den Kulturen innehatten.
Wie endete der Versuch der Siedlung auf Roanoke?
Trotz mehrmaliger Versuche und verschiedener Strategien scheiterten die Siedlungen an Nahrungsmangel, internen Konflikten, Spannungen mit den Indigenen und externen Faktoren wie den Folgen des Englisch-Spanischen Krieges.
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- Max Kilburg (Author), 2020, Die erste britische Kolonie in Nordamerika. Ein Überblick über die Beziehungen zu den Indigenen auf Roanoke Island, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1328992