Die Arbeit widmet sich dem Werdegang und Status quo des Euroraums. Geprägt durch die Ereignisse der Eurokrise der 2010er-Jahre, könnte es mit der Corona-Pandemie zu einer Eurokrise 2 kommen. Des Weiteren wird mit dem Neofunktionalismus die Erklärungskraft einer europäischen Integrationstheorie anhand der Eurokrise aufgezeigt. Zwischen der Eurokrise und Folgen der Corona-Pandemie steht der Euroraum vor ähnlichen Belastungen. Es wird dargestellt, welche Maßnahmen auf europäischer Ebene gegen einen Zusammenbruch des Euroraums ergriffen wurden und welche Risiken für die Mitgliedsstaaten bestehen, insbesondere Italien.
Die heutige europäische Währungsunion erschien bereits zu ihrer Einführung 2002 nicht als ein reibungslos verlaufender Prozess. Veränderungen im sozioökonomischen und politisch regulativen Prozess wohnt somit das Potenzial inne, intergouvernementale Konflikte und soziale Widerstände zu erzeugen. So scheint es auch nicht, dass die ökonomische Integration in der Europäischen Union vor 20 Jahren bereits an ihren Grenzen angelangt war.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Methodisches Vorgehen
2 Europäische Integrationstheorien: Neofunktionalismus
2.1 Grundlagen
2.2 Neofunktionalismus nach Ernst B. Haas
2.3 Vorarbeit durch den Funktionalismus
2.4 Das Neue am Neofunktionalismus
3 Neofunktionalistische Perspektive auf die Eurokrise
3.1 Sachlage
3.2 Erklärungskraft des Neofunktionalismus
3.3 Neofunktionalismus und europäische Integration der Zukunft
4 Eurokrise 2 und Corona
4.1 Corona- und Eurokrise
4.2 Europäische Maßnahmen
4.2.1 Stabilitäts- und Wachstumspakt
4.2.2 Europäischer Aufbauplan
4.2.3 Rolle der Europäischen Zentralbank
4.2.4 Europäischer Stabilitätsmechanismus
4.2.5 Europäische Investitionsbank
4.2.6 SURE-Instrument
4.3 Perspektiven der Krise
5 Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Krisenfestigkeit des Euroraums im Kontext der Eurokrise seit 2010 sowie deren theoretische Einordnung mittels der neofunktionalistischen Integrationstheorie. Dabei wird analysiert, ob die Belastungen der Corona-Pandemie eine erneute Eurokrise auslösen und wie die ergriffenen europäischen Maßnahmen zu bewerten sind.
- Anwendung des Neofunktionalismus auf die Eurokrise
- Analyse der Krisenbewältigung während der Eurokrise
- Vergleichende Betrachtung der Eurokrise und der Corona-Pandemie
- Evaluation der europäischen Maßnahmen zur Stabilisierung des Euroraums
- Zukunftsszenarien für die europäische Integration
Auszug aus dem Buch
3.1 Sachlage
Um nun den Neofunktionalismus anhand der Eurokrise bewerten zu können, ist zunächst ein Einblick in die Krisengeschichte notwendig. „In der Eurokrise manifestierten sich Konstruktionsmängel der gemeinsamen Währung und fundamentale ökonomische Spannungen in der Eurozone.“ (Schimmelfennig 2015a: 249).
Maßgeblicher Auslöser dessen war bereits 2008 und 2009 die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, infolge der weltweit Staaten Banken und Wirtschaft mit Finanzhilfen unterstützen mussten. Die Staatsverschuldung stieg auch in der Eurozone erheblich. Auf die Abstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands folgten die offizielle Beantragung von Finanzhilfen bei der Europäischen Union und beim Internationalen Währungsfonds. Im Gegenzug für harte staatliche Sparmaßnahmen gewährten die Finanzminister der Mitgliedsstaaten Griechenland Kredite in Milliardenhöhe. Im Jahr 2010 wurden mit der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität und dem Europäischen Stabilitätsmechanismus zwei Krisenmechanismen beschlossen, die als „Rettungsschirm“ bekannt sind. Bis 2012 haben auf diesem Wege Irland, Portugal, Spanien und Zypern Finanzhilfen beantragt und erhalten. Die Kreditwürdigkeit zahlreicher Euroländer wurde durch international bekannte Ratingagenturen herabgestuft. Außerdem fanden vielerorts Demonstrationen und Streiks gegen die nationalen Sparpolitiken statt (Ruser 2012: 16 f.).
Dem Krisengeschehen geht zunächst die Einführung der gemeinsamen Euro-Währung mit dem Vertrag von Maastricht 1992/1993 vor. Zugehörig ist der Beginn der Nutzung als Buchungswährung im Jahre 1999 und als Barmittel ab 2002. Angesichts der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spannung in einigen Eurostaaten kam für einige Stimmen der Zerfall der Eurozone, beziehungsweise die Ablösung des Euros als Zahlungsmittel in Betracht (Große Hüttmann 2022). In mehreren Euroländer drohte der Staatsbankrott, während die öffentliche Unterstützung für die Europäische Union auf historische Tiefstände sank (Schimmelfennig 2015a: 249). Zweifellos handelt es sich also um eine Systemkrise, die die Integration in wichtigen Kernbereichen, wie z.B. der Haushaltspolitik oder Währungspolitik der Europäischen Union bedrohte (Schimmelfennig 2015a: 250).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Eurokrise und die Relevanz der Pandemie für den Euroraum ein und legt das methodische Vorgehen dar.
2 Europäische Integrationstheorien: Neofunktionalismus: Das Kapitel erläutert die Grundlagen und Konzepte des Neofunktionalismus sowie dessen Verbindung zum funktionalistischen Ansatz.
3 Neofunktionalistische Perspektive auf die Eurokrise: Hier wird untersucht, wie der Neofunktionalismus zur Erklärung der politischen Krisenbewältigung während der Eurokrise beitragen kann.
4 Eurokrise 2 und Corona: Dieses Kapitel analysiert Unterschiede und Auswirkungen der Corona-Krise im Vergleich zur Eurokrise sowie die darauf folgenden europäischen Maßnahmen.
5 Conclusio: Die Conclusio zieht ein Fazit über die Krisenstabilität der neofunktionalistischen Theorie und gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungen im Euroraum.
Schlüsselwörter
Eurokrise, Neofunktionalismus, Europäische Integration, Corona-Pandemie, Wirtschafts- und Währungsunion, Fiskalpolitik, Spillover-Effekt, Krisenmanagement, Staatsschulden, Eurozone, Europäische Zentralbank, Integrationstheorie, EU-Finanzmarktintegration, Stabilitätsmechanismus, Italien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Krisenfestigkeit des Euroraums unter Berücksichtigung der Eurokrise ab 2010 und des Einflusses der Corona-Pandemie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf europäische Integrationstheorien, insbesondere den Neofunktionalismus, sowie das Krisenmanagement der EU während der Eurokrise und der Corona-Krise.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu erörtern, ob durch die Corona-Pandemie eine erneute Eurokrise ausgelöst wurde oder werden könnte und wie sich diese Prozesse theoretisch einordnen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt als theoretisches Instrumentarium schwerpunktmäßig den Neofunktionalismus, um die Integrationsprozesse und Krisenreaktionen der EU zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Fundierung des Neofunktionalismus als auch eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Eurokrise und den aktuellen Maßnahmen der EU zur Bewältigung der Corona-Folgen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Eurokrise, Neofunktionalismus, Europäische Integration, Fiskalpolitik und Krisenmanagement.
Warum spielt Italien eine besondere Rolle in der Krisendebatte?
Italien steht aufgrund seiner hohen Staatsverschuldung und der damit verbundenen Instabilität immer wieder im Zentrum als potenzieller Auslöser einer neuen Schuldenkrise.
Inwiefern hat der Brexit die Theorie des Neofunktionalismus beeinflusst?
Der Brexit stellt eine Herausforderung für den Neofunktionalismus dar, da der Austritt eines Mitgliedstaates einen klaren Akt der Desintegration bedeutet, was die bisherigen Annahmen automatischer Integrationsschübe in Frage stellt.
Was ist mit dem „Spillover-Effekt“ gemeint?
Der funktionale Spillover beschreibt einen Mechanismus, bei dem die Integration in einem Sachbereich zwangsläufig die Integration weiterer Aufgabenbereiche nach sich zieht, um Probleme effektiv zu lösen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Der Euroraum nach Covid-19 und 2010. Auswirkungen der Eurokrise und der Pandemie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1325335