Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern Petrarcas Dichtung maßgeblich prägend für die frühbarocke Dichtung Spaniens und später unter Berücksichtigung des historisch-politischen Hintergrundes der iberischen Halbinsel für den weiteren Verlauf der hispanischen Literaturgeschichte wegweisend sein konnte.
Vor allem über Petrarca ist zu sagen, dass er sich nicht nur durch seine Fähigkeit und Produktivität als Dichter auszeichnete, sondern sich auch im erhöhten Maße als Philologe einen Namen machte, da er zahllose Manuskripte antiker Schriften kopierte und edierte. Von besonderer Wichtigkeit für die moderne klassische Philologie ist seine Wiederentdeckung der verloren geglaubten Briefe Ciceros epistulae ad familiares und epistulae ad Atticum, die ein Wissen über das Gedankengut und die Verfahrensweise Ciceros sowohl als Redner als auch als Politiker und Familienvater offenbaren, welches ohne die Arbeit Petrarcas verloren gegangen wäre. Generell lässt sich sagen, dass Petrarcas Streben nach der Antike Grund seiner ausgefeilten Ausdrucksweise ist. Da er, wie man aus seinem Brief an die Nachwelt entnehmen kann, lieber in der Antike als in seiner Gegenwart gelebt hätte, passte er seine lateinische Ausdrucksweise stark dem ciceronianischen Ideal an und entfernte sich bewusst von dem mittelalterlichen Latein, wessen Dante sich noch im höheren Maße zu bedienen pflegte.
Dem canzoniere Petrarcas kommt nebst der sprachlichen Komponente im literaturgeschichtlichen Kontext noch eine viel weiter tragende inhaltliche Rolle zu. Dieser Inhalt der Liebesgeschichte zur madonna angelicata Laura und die Motivik, mit welcher der Text eng verwoben ist sollen zu Beginn dieser Arbeit näher beleuchtet werden. Die allgemein gewonnenen Erkenntnisse über sein Werk, welche in der Renaissance schon durch Zuhilfenahme seines zum canzoniere gehörigen Traktats secretum meum zum Verständnis seiner Dichtung beiführten, wurden in der Folgezeit zusammen mit seiner Motivik und Gestaltungsweise von vielen Dichtern, vor allem in Spanien, nachgeahmt oder reinterpretiert. Auf diese Weise kam es zu einer regelrechten Strömung mit dem Namen Petrarkismus, die in ihrer Reinform die spanische Literatur bis zum Ende des 17.Jahrhunderts beeinflussen sollte. Insbesondere auf diesen in den Barock führenden Einfluss, den die Dichtung Petrarcas auf die folgende spanische Literatur hatte wird in dieser Arbeit eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Canzoniere und die Geschichte der Laura
3. Der Einfluss auf die spanischsprachige Literatur des Frühbarocks
3.1 historische Hintergründe für eine wohlgedeihliche Rezeption von Petrarcas Dichtung
3.2 Der Petrarkismus und seine Motivik
4. Der Petrarkismus und dessen Weiterentwicklung im barocken Spanien
5. Fazit
6. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den historisch-literarischen Einfluss von Francesco Petrarcas Hauptwerk, dem "Canzoniere", auf die Entwicklung der spanischen Lyrik im Zeitalter des Frühbarocks und analysiert, wie petrarkistische Motive vor dem Hintergrund des zeitgenössischen Krisenbewusstseins rezipiert und transformiert wurden.
- Die literaturgeschichtliche Bedeutung von Petrarcas "Canzoniere"
- Transformation petrarkistischer Motive im frühbarocken Spanien
- Die Rolle der Vanitas-, Memento-mori- und Carpe-diem-Motivik
- Gegenüberstellung von Conceptismo und Culteranismo
- Der Einfluss der historischen Krise auf die Dichtung der Renaissance und des Barocks
Auszug aus dem Buch
3.1 historische Hintergründe für eine wohlgedeihliche Rezeption von Petrarcas Dichtung
Für ein rechtes Verständnis dessen, was bedingte, dass Petrarkas Dichtung gerne rezipiert wurde und schließlich in ihrer Weiterentwicklung im 16.Jahrhundert zum Petrarkismus in Spanien führen konnte, ist eine gewisse Übersicht über die politischen und historischen Hintergründe jener Zeit von Nöten.
Da die Literatur in die Geschichte eingebettet ist, stellt sich auch für den Literaturbarock die Frage nach seinen historischen Voraussetzungen. Diese sollen nicht als determinierende causae efficientes verstanden werden, sondern als Nährboden, in welchem die Literatur wurzelt. Das gilt ebenso im gesellschaftlichen wie im individuellen geistig-psychischen Bereich.20
Mit der Herrschaft Philipps II. von 1556 bis 1598 wurde dem Land Spanien eine Art religiöse Haube übergestülpt, da fortan christliches Gedankengut und Gepräge nicht nur das öffentliche, sondern auch das Leben im Privaten stark beeinflusste, ja regelrecht bestimmte. Es wurde zwar noch zunächst entschieden nicht-Spanisches und insbesondere antireformatorische Inhalte abgewiesen, um die typisch spanischen Elemente zu fördern, doch nach dem Tod Philips II. erfuhr Spanien eine Öffnung zum Italienischen und somit auch zur italienischen Literatur und dem Gedankengut, das mit dieser zusammen einherging.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das allgemeine Befinden über den Stellenwert Spaniens. Nach dem politischen Höhenflug und dem Macht- und Einflussmonopol bedingt durch das ruhmreiche Jahr 1492 und das Ende des verheerenden Dreizigjährigen Krieges, nahm man im Zuge einer unausweichlichen politischen Dekadenz vermehrt Armut war. Auf diese Weise wurden Angst und Schrecken vor Verfall, Gewalt und Tod gespeist.21 Diese allgemein negative Gefühlslage der Menschen wurde schließlich auch in Dichtungen aller Art aufgegriffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet Petrarcas Bedeutung als Humanist und Mitbegründer der italienischen Renaissance-Literatur und führt in die Fragestellung seines Einflusses auf die spanische Lyrik ein.
2. Der Canzoniere und die Geschichte der Laura: Dieses Kapitel analysiert die Struktur und Thematik des Canzoniere, insbesondere die Rolle der Laura als zentrale Figur und die poetologische Funktion des Proöms.
3. Der Einfluss auf die spanischsprachige Literatur des Frühbarocks: Hier werden die historischen Rahmenbedingungen Spaniens beleuchtet, die eine Integration petrarkistischer Motive ermöglichten, sowie der Ursprung und die Manier des Petrarkismus erläutert.
4. Der Petrarkismus und dessen Weiterentwicklung im barocken Spanien: Der Fokus liegt auf der literarischen Ausdifferenzierung in die Strömungen des Conceptismo und Culteranismo sowie dem allmählichen Nachwirken des Petrarkismus bis in die Romantik.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die wegweisende Rolle Petrarcas als Urvater der literarischen Erneuerung und bestätigt dessen nachhaltigen Einfluss auf die europäische und insbesondere spanische Literaturgeschichte.
6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Dies ist das bibliographische Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Textausgaben und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Francesco Petrarca, Canzoniere, Petrarkismus, spanischer Barock, Literaturgeschichte, Renaissancehumanismus, Vanitas, Memento mori, Carpe diem, Conceptismo, Culteranismo, Liebeslyrik, imitatio, aemulatio, Humanismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den enormen Einfluss von Francesco Petrarcas Canzoniere auf die frühbarocke Literatur Spaniens und die daraus resultierende Entstehung der Strömung des Petrarkismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Rolle der Laura-Figur, die Vermischung von christlichen und heidnischen Motivkreisen, der Einfluss historischer Krisen auf die Lyrik sowie die stilistische Entwicklung im spanischen Barock.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ergründen, wie und warum sich Petrarcas Dichtung als prägend für die spanische Literaturgeschichte erweisen konnte und auf welche Weise diese Anstöße im 16. und 17. Jahrhundert transformiert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die historische Kontexte mit einer inhaltlichen Werkbetrachtung sowie einem Vergleich von Stilrichtungen (Conceptismo und Culteranismo) verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die augustinische Bekenntnissituation im Canzoniere, die Rolle der Interpretatio nominis, die historische Einbettung in Spanien unter Philipp II. sowie die Ausdifferenzierung der barocken Stilmittel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Petrarkismus, Canzoniere, Vanitas, Memento mori, Carpe diem, Conceptismo, Culteranismo, Renaissancehumanismus und die spanische Literaturgeschichte.
Warum spielt das Motiv des "memento mori" im spanischen Barock eine so große Rolle?
Aufgrund des allgemeinen Krisenbewusstseins und der wahrgenommenen Dekadenz in Spanien diente das Memento mori als Mahnung zur Buße und zur Reflexion über die Vergänglichkeit des irdischen Lebens.
Wie unterscheiden sich Conceptismo und Culteranismo im spanischen Barock?
Der Conceptismo fokussiert auf ingeniöse Wortwitze, Doppeldeutigkeiten und knappe "conceptos", während der Culteranismo ein elitär geprägtes, gehobenes Register mit komplexen Metaphern und antiken mythologischen Allusionen bevorzugt.
- Arbeit zitieren
- Fred Benthien (Autor:in), 2017, Francesco Petrarcas "Canzoniere" und dessen Einfluss auf die Literatur Spaniens, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1323566