Es ist offenkundig, dass romantische Autoren ihre Texte mit solchen ‚fantastischen‘ Ereignissen geradezu spicken und diesen eine tragende Rolle für die Entwicklung der Handlung zukommt.
Dieser Sachverhalt soll an Hand der Novelle „Die Bergwerke zu Falun“ von E.T.A. Hoffmann, die 1819 erschien, genauer untersucht werden.
Die Fragestellung, die in dieser Arbeit betrachtet wird, lautet: Inwieweit beeinflussen fantastische Elemente, wie Träume und Geisterbegegnungen, in Hoffmanns Novelle den Lebensverlauf des Protagonisten Elis Fröbom?
Untersucht wird hierbei also, wie Elis seine Handlungen und Entscheidungen auf Basis vorher stattfindender übernatürlicher Begegnungen mit Torbern trifft.
Welche Techniken wendet dieser an, um Elis zu beeinflussen?
Ist er an seinem Wohlergehen interessiert oder nicht?
Ist der Wechsel zum Bergbau positiv oder negativ für Elis?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Die Begegnung mit Torbern in Göthaborg
2.2 Die Rolle des Traums von Göthaborg
2.3 Die Begegnung mit Torbern unter Tage
3. Die Rolle Torberns für den Lebensverlauf von Elis – Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Einflussnahme fantastischer Elemente, insbesondere der Figur Torberns, auf die Handlungen und den Lebensverlauf des Protagonisten Elis Fröbom in E.T.A. Hoffmanns Novelle "Die Bergwerke zu Falun", mit dem Ziel, die Motivation hinter Torberns Handeln und die Folgen für Elis zu analysieren.
- Analyse übernatürlicher Beeinflussung auf psychologische Entscheidungsprozesse
- Die Rolle von Träumen als Bindeglied zwischen Unterbewusstsein und Realität
- Untersuchung der Machtdynamik zwischen dem Initiator Torbern und dem Protagonisten Elis
- Bewertung der Auswirkungen eines radikalen Berufswechsels unter fantastischen Vorzeichen
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Begegnung mit Torbern in Göthaborg
Bemerkenswert ist gleich, in welcher Gemütslage Torbern Elis das erste Mal antrifft. Elis, zurückgekommen von einer langen Schiffsreise, ist zutiefst bestürzt über den Tod seiner Mutter und zeigt aufgrund dessen depressive Verhaltenstendenzen. Ersichtlich wird dies in dem Ausruf:
Ach, läg‘ ich doch nur begraben in dem tiefsten Meeresgrunde! – denn im Leben gibt’s keinen Menschen mehr, mit dem ich mich freuen sollte!
SZYBISTY bemerkt also richtigerweise, dass der Tod der Mutter eine Krise für Elis bedeutet, insofern er nun sozial isoliert scheint. Seine Brüder und sein Vater sind bereits tot, wodurch er der einzige Hinterbliebende seiner Sippe ist. Freunde werden im Text nicht erwähnt und mit den anderen Seemännern seiner Schiffsmannschaft scheint er sich nicht sonderlich zu verstehen. In dieser von Trauer geprägten Phase ist Elis besonders empfänglich für alles, was eine hoffnungsvolle Perspektive verheißt. Genau in diese Kerbe schlägt Torbern. Wie als wäre er durch die Selbstmordphantasie des jungen Elis herbeigerufen worden, steht er plötzlich hinter dem Jungen und beginnt das Gespräch. Elis nimmt ihn gleich zu Beginn der Konversation als eine bekannte Gestalt wahr, derer er sich anvertrauen kann. Das bedingt, dass er Torbern, obwohl sie sich erst seit wenigen Sekunden kennen, seinen tiefsten Schmerz und den Grund für selbigen mitteilt. Interessant ist hierbei auch, dass Torbern nur Elis anspricht. Mit den übrigen Seemännern führt er jedoch keine Gespräche. Doch was ist der Grund dafür? Es ist möglich, dass Elis der Einzige ist, der bei dem Fest noch nüchtern genug ist, um sich mit ihm zu unterhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der Rolle fantastischer Elemente für Entscheidungen des Protagonisten auf und erläutert die textchronologische Vorgehensweise der Analyse.
2. Hauptteil: Der Hauptteil untersucht detailliert die verschiedenen Begegnungen zwischen Elis und Torbern sowie die psychologische Wirkung auf den Protagonisten.
2.1 Die Begegnung mit Torbern in Göthaborg: Dieses Kapitel analysiert die erste Kontaktaufnahme, bei der Torbern die emotionale Instabilität und Isolation von Elis gezielt für seine Zwecke nutzt.
2.2 Die Rolle des Traums von Göthaborg: Hier wird der Traum von der Bergkönigin als psychologisches Instrument der Beeinflussung betrachtet, das den Entschluss zum Berufswechsel vorantreibt.
2.3 Die Begegnung mit Torbern unter Tage: Dieses Kapitel behandelt die letzte, konfrontative Begegnung, in der Torberns Interessen deutlich werden und die in einer Morddrohung gipfelt.
3. Die Rolle Torberns für den Lebensverlauf von Elis – Fazit: Das Fazit stellt zusammenfassend fest, dass Torbern als primärer, manipulierender Einflussfaktor den zerstörerischen Lebensweg von Elis maßgeblich bestimmt hat.
Schlüsselwörter
E.T.A. Hoffmann, Die Bergwerke zu Falun, Elis Fröbom, Torbern, fantastische Literatur, Romantik, Beeinflussung, Bergbau, Unterbewusstsein, Krise, Traumdeutung, Schicksal, Morddrohung, Geisteskrankheit, Transformation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit fantastische Elemente und übernatürliche Begegnungen in E.T.A. Hoffmanns Novelle "Die Bergwerke zu Falun" den Lebensweg des Protagonisten Elis Fröbom bestimmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Einfluss von Torbern auf Elis, die Rolle von existentiellen Krisen als Einfallstor für Manipulation, die Bedeutung von Träumen sowie das Verhältnis von psychologischer Realität zu fantastischen Ereignissen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob der Wechsel zum Bergbau für Elis positiv oder negativ zu bewerten ist und welche Rolle Torbern dabei als Initiator spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit erfolgt textchronologisch und stützt sich primär auf eine eigenständige Interpretation des Primärtextes unter Einbeziehung psychoanalytischer Ansätze (Freud).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden drei zentrale Szenen analysiert: Die Erstbegegnung in Göthaborg, der Traum nach dieser Begegnung und die finale, konfrontative Begegnung unter Tage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Manipulation, existenzielle Krise, Unterbewusstsein, Schicksal und die spezifische Identität als Geist oder Initiator charakterisiert.
Warum spielt der Tod der Mutter eine so entscheidende Rolle für Elis?
Der Tod der Mutter führt Elis in eine tiefe depressive Krise und soziale Isolation, was ihn empfänglich für Torberns Angebote macht, da er keinen festen Halt mehr im Leben hat.
Ist Torbern laut der Analyse an Elis' Wohlergehen interessiert?
Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass Elis für Torbern lediglich ein Werkzeug zur Förderung von Bodenschätzen ist und Torbern ihn als Hindernis betrachtet, sobald er abgelenkt ist.
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- Jonas Holzbrecher (Author), 2022, E.T.A. Hoffmann "Die Bergwerke zu Falun". Die Rolle der fantastischen Elemente in der Novelle, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1320728