In der vorliegenden Arbeit wird die Ehrenproblematik in den Dramen des Goldenen Zeitalters Spaniens behandelt, und verbunden mit den literarischen und mimetischen Formen von Ehre. Die literarisch-dramatischen Begriffe von Ehre und Unehre (Honra und Deshonra) sind dabei verknüpft mit der Blutsreinheit der Frau und dem Ehrgefühl des Mannes. Zuerst wird dabei die analysierte These dieser Arbeit untersucht, das Thema der Ehre in der spanischen Comedia von Malveena McKendrick. Zweitens wird, nach einer kurzen Zusammenfassung der drei präsentierten Stücke Calderóns, in das semantische Aktantenmodell von A.J.Greimas eingeführt, das aus der Kommunikations- und Sprachwissenschaft genommen und für Literatur und Drama adaptiert wird. Danach, d.h. an dritter Stelle, wird eine detaillierte Analyse der präsentierten Stücke Calderóns vorgenommen: "El médico de su honra" (1635), "El pintor de su deshonra" (1645) und "A secreto agravio, secreta venganza" (1637). Viertens wird durch die Analyse der Konstellation und Interaktion der Figuren der Ehre und des Ehrgefühls (Honor und Honra) zu einer wichtigen Schlussfolgerung zwischen Ehre und Unehre für die Theorie von McKendrick gekommen. In der Schlussbetrachtung wird damit das wissenschaftliche Ergebnis der Untersuchung präsentiert, nämlich dass die dramatische und blutrünstige Verteidigung des Ehrgefühls des Mannes von einer literarischen und poetischen Übertragung sozialer, kultureller, und epistemischer Werte nach den Analysen Küppers und den Thesen McKendricks der frühneuzeitlichen spanischen Geschichte herrührt.
Inhaltsverzeichnis
0. Einführung
1. Blut, Ehre und Rache in Mittelalter und Barock: vor und während der Zeit Calderóns
2. Die Aktantenanalyse von A.J. Greimas
3. Der Ehrbegriff in El médico de su honra, El pintor de su deshonra, und A secreto agravio, secreta venganza
3.1. Honra in El médico de su honra
3.2. Deshonra in El pintor de su deshonra
3.3. Honra und Deshonra in A secreto agravio, secreta venganza
4. Schlussbetrachtung: Ehre und Ehrbegriff im Drama Calderóns – der Ehrenkasus als Diskurs-Renovatio?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Ehrenproblematik in den Dramen Calderón de la Barcas unter Berücksichtigung literatursoziologischer Aspekte und der Greimasschen Aktantenanalyse. Ziel ist es, die Verflechtung von Ehre (Honor), männlichem Ehrgefühl (Honra) und Unehre (Deshonra) im Kontext der frühneuzeitlichen spanischen Geschichte und des christlichen Blutsreinheits-Ideals zu ergründen.
- Ehrenkodex und Blutsreinheit im Goldenen Zeitalter
- Anwendung des Aktantenmodells von A.J. Greimas auf Ehrendramen
- Konstellation von Subjekt, Patient und Opponent bei Calderón
- Thematisierung von Ehrenmord und Rache in den Stücken
- Interpretation des Ehrenkasus als Diskurs-Renovatio
Auszug aus dem Buch
3.2. Deshonra in El pintor de su deshonra
Die beiden nachfolgenden Stücke El pintor de su deshonra und A secreto agravio, secreta venganza sind beide eng miteinander verwandt, indem beide von einer geplanten Hochzeit der Hauptfiguren ausgehen, die von dem ehemaligen Liebhaber der Braut, also dem Opponenten, gestört und verhindert wird. Im Gegensatz zu El médico de su honra, wo schon geheiratet wurde und die Figuren in mehreren Intrigen und Heiratsränken verstrickt sind, werden die Stücke El pintor und A secreto agravio als größere, zusammenhängende Einheit betrachtet.
Die Ausgangssituation ist folgende: Don Juan Roca und Serafina wollen heiraten und planen gerade ihre Hochzeit in Barcelona, während sie in Anwesenheit der Väter von Braut und ehemaligem Liebhaber, also Don Pedro und Don Luis, in Gaeta, Italien, das Schiff zurück nach Spanien erwarten. Serafina hat zwar noch immer Gefühle für ihren ehemaligen Liebhaber, Don Álvaro, der in den Krieg gezogen ist, hat sich aber inzwischen mit der Heirat mit Don Juan Roca abgefunden. Don Luis, der Vater von Porcia und Don Álvaro, sowie Don Juan Roca halten Don Álvaro bereits für verschollen, der nun aber, in einer wundersamen Wendung, zusammen mit dem Schiff des Prinzen von Ursino aus dem Krieg zurückkehrt!
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einführung: Die Einleitung definiert das Forschungsziel, die Verknüpfung der Ehrenproblematik mit mimetischen Formen und die methodische Einführung des Greimasschen Modells.
1. Blut, Ehre und Rache in Mittelalter und Barock: vor und während der Zeit Calderóns: Dieses Kapitel erläutert den historischen Hintergrund, insbesondere die Verbindung von männlichem Ehrgefühl, Blutsreinheit und der Inquisition.
2. Die Aktantenanalyse von A.J. Greimas: Hier werden die drei untersuchten Dramen zusammengefasst und das Aktantenmodell (Subjekt, Objekt, Opponent) zur Analyse der Handlungsstrukturen etabliert.
3. Der Ehrbegriff in El médico de su honra, El pintor de su deshonra, und A secreto agravio, secreta venganza: Eine detaillierte Analyse der drei Dramen, welche die spezifischen Manifestationen von Honra und Deshonra und die Ehrenmord-Vollzugsweisen vergleicht.
4. Schlussbetrachtung: Ehre und Ehrbegriff im Drama Calderóns – der Ehrenkasus als Diskurs-Renovatio?: Das Fazit ordnet die Ergebnisse in den Kontext des barocken Diskurs-Konzepts von Joachim Küpper ein und deutet den Ehrenmord als Emblem der Erbsünde.
Schlüsselwörter
Ehre, Ehrgefühl, Calderón de la Barca, Aktantenanalyse, A.J. Greimas, Goldene Zeitalter, Blutsreinheit, Ehrenmord, Literatursoziologie, Diskurs-Renovatio, Barockdrama, Honra, Deshonra, Spanische Klassik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Ehrenproblematik in drei ausgewählten Dramen von Calderón de la Barca und verbindet diese mit soziologischen sowie literaturwissenschaftlichen Deutungsmustern.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Zentral sind die Konzepte von Ehre (Honor) und männlichem Ehrgefühl (Honra), die Abhängigkeit von der Blutsreinheit der Frau sowie der dramatische Konflikt, der zum Ehrenmord führt.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das männliche Ehrgefühl in der Barockliteratur als Repräsentation sozialer und epistemischer Werte fungiert, die auf historischen religiös-ethnischen Konflikten beruhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung herangezogen?
Die Untersuchung nutzt das semantische Aktantenmodell von A.J. Greimas, um die figuralen Interaktionen zwischen Subjekt, Objekt und Opponent in den Dramen strukturell zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert besprochen?
Der Hauptteil analysiert El médico de su honra, El pintor de su deshonra und A secreto agravio, secreta venganza, indem er die Handlungslogik der Ehemänner und die tragische Verstrickung ihrer Frauen untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind die Diskurs-Renovatio nach Joachim Küpper, die Mimesis der Ehre, der Ehrenkasus und die spezifisch spanische barocke Ausprägung des Ehrbegriffs.
Was unterscheidet das Verständnis von männlichem Ehrgefühl (Honra) von der allgemeinen Ehre (Honor)?
Während Honor den eher abstrakten ritterlich-christlichen Ehrenkodex beschreibt, bezieht sich Honra im Barockdrama auf ein durch die keusche Ehefrau legitimiertes, männliches Ehrgefühl, das bei Untreue sofort gefährdet ist.
Wie deutet der Autor das Motiv des Ehrenmords in diesen Stücken?
Der Ehrenmord wird nicht bloß als Affekttat gesehen, sondern als rituell-heilige Handlung, die Calderón zudem in einen biblischen Kontext, speziell das Erbsünden-Emblem, einbettet.
- Arbeit zitieren
- Friedrich Ahnert (Autor:in), 2014, Ehre und Ehrbegriff in den Dramen von Calderón de la Barca, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1309607