Die Forschung beschäftigt sich seit circa fünfzig Jahren mit der Frage, wie gute Personalauswahlverfahren gestaltet sein müssen. Dabei geht es einerseits um das Anwerben potenziell geeigneter Bewerber und andererseits um den Einsatz geeigneter diagnostischer Instrumente, mit deren Unterstützung sich die tatsächlich geeignete Person für eine bestimmte zu besetzende Position identifizieren lässt. Die Personalauswahl zählt zu den bedeutsamsten Investitionen in die Zukunft jedes Unternehmens. Die falsche Wahl, die hier getroffen wird, kostet den Unternehmen wertvolle Ressourcen und werden später oft teuer bezahlt. Die neu eingestellten Mitarbeiter sind beispielsweise nur mäßig produktiv, bringen keinerlei Innovation in das Unternehmen ein, können Kunden nicht binden, verursachen Unruhe und Konflikte am Arbeitsplatz oder schädigen sogar bewusst ihren derzeitigen Arbeitgeber.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit den Ansätzen und den Schritten, um eine erste empirisch geprüfte Testversion für die Überprüfung des Konstrukts der Lernfähigkeit für den Einsatz im Recruiting vorlegen zu können. Dazu erfolgt im zweiten Kapitel ein Überblick über die theoretischen Grundlagen der Testkonstruktion. Im nachfolgenden Kapitel drei wird auf das methodische Vorgehen eingegangen, bei dem zunächst das Konstrukt der Lernfähigkeit definiert und operationalisiert und im weiteren Verlauf auf die Testplanung sowie Testkonstruktion eingegangen wird. Den Abschluss bilden die Kapitel vier mit einer kritischen Diskussion über das methodische Vorgehen sowie das Kapitel fünf mit einem kurzen Fazit und Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen der Testkonstruktion
2.1 Gütekriterien
2.2 Planungsaspekte
2.3 Konstruktionsphase
2.3.1 Itemkonstruktion und Antwortverhalten
Erstellung eines Itempools
Auswahl eines Antwortformats
Itemreihenfolge
2.3.2 Erprobung der Items und abschließende Normierung
3 Methodisches Vorgehen
3.1 Testplanung
Operationalisierung des Konstrukts Lernfähigkeit
Festlegung der Testart
Festlegung des Geltungsbereichs und der Zielgruppe
3.2 Testkonstruktion
4 Diskussion
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, einen methodisch fundierten Entwicklungsprozess für einen Fragebogen zur Messung der Lernfähigkeit im Kontext von Recruiting-Prozessen zu entwerfen. Dabei wird ein valides, psychometrisches Testinstrument konzipiert, das Unternehmen bei der objektiven Auswahl geeigneter Kandidaten unterstützt.
- Grundlagen der psychologischen Testtheorie und Testkonstruktion
- Operationalisierung des Konstrukts "Lernfähigkeit"
- Festlegung von Testart, Zielgruppe und Geltungsbereich
- Prozess der Itemkonstruktion und Erprobung
- Methoden der Qualitätssicherung durch Validität und Reliabilität
Auszug aus dem Buch
Operationalisierung des Konstrukts Lernfähigkeit
Die Operationalisierung versteht sich als Prozess, bei dem zu einem bestimmten Begriff, hier die Lernfähigkeit, präzise Handlungsanweisungen für die Forschungsfrage gegeben werden. So kann anhand dieser Operationalisierung entschieden werden, ob mit dem entsprechenden Begriff ein bezeichnetes Phänomen vorliegt oder nicht. Dieser Prozess muss durchgeführt werden, damit eine Variable beobachtbar wird. Die operationale Definition ist demnach das Ergebnis der Operationalisierung. Es erfolgt eine Unterscheidung zwischen Begriffen mit direktem und indirektem empirischen Bezug. Direkt oder unmittelbar beobachtbar ist zum Beispiel die Anzahl der in einem Raum vorhandenen Personen.
Begriffe mit indirektem empirischen Bezug, die sogenannten Konstrukte, sind dagegen nicht unmittelbar beobachtbar, wie in dem vorliegenden Beispiel die Lernfähigkeit. Darin liegt auch die Schwierigkeit, diese Form der Begriffe anhand der Realität festgelegten Indikatoren messbar zu machen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit entsprechende Indikatoren zu bilden, die es ermöglichen den Begriff in wahrnehmbare Phänomene und demnach auf das Vorhandensein zu schließen. Die Indikatoren bilden die Grundlage für die weitere Ausgestaltung der jeweiligen Untersuchungsmethode. Bei dem hier zu Grunde liegenden Instrument, dem Fragebogen, schließt sich die Entwicklung entsprechender Items an (Reinhardt, 2015, S. 14-15).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Arbeitswelt durch die Digitalisierung und begründet die Relevanz der "Lernfähigkeit" als zentrales Auswahlkriterium in modernen Recruiting-Prozessen.
2 Theoretische Grundlagen der Testkonstruktion: Dieses Kapitel erläutert die Anforderungen an wissenschaftliche Messinstrumente, einschließlich der Gütekriterien sowie der Phasen der Testplanung und Konstruktion.
3 Methodisches Vorgehen: Hier werden die theoretischen Aspekte auf das konkrete Konstrukt der Lernfähigkeit angewendet, von der Operationalisierung bis hin zur detaillierten Testkonstruktion.
4 Diskussion: Das Kapitel bietet eine kritische Reflexion des gewählten methodischen Vorgehens und diskutiert die Vorteile eines eigenen entwickelten Online-Fragebogens in der Personalauswahl.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit betont die Notwendigkeit von lebenslangem Lernen in der modernen Wissensgesellschaft und plädiert für die weitere Erforschung des Konstrukts Lernfähigkeit.
Schlüsselwörter
Lernfähigkeit, Testkonstruktion, Personalauswahl, Operationalisierung, Gütekriterien, Fragebogen, Psychometrie, Leistungstest, Recruiting, Validität, Reliabilität, Online-Befragung, Itemkonstruktion, Testplanung, Kompetenzdiagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines psychometrisch fundierten Fragebogens zur Erfassung der Lernfähigkeit, speziell konzipiert für den Einsatz in Recruiting-Unternehmen.
Welches ist die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, empirisch geprüfte Schritte und Ansätze aufzuzeigen, um Lernfähigkeit als Konstrukt operationalisierbar und für die Personalauswahl messbar zu machen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit folgt dem phasenorientierten Modell der Testkonstruktion nach Moosbrugger & Brandt, inklusive Literaturrecherche, Operationalisierung, Itemkonstruktion und dem Vorschlag zur empirischen Validierung via Konfirmatorischer Faktorenanalyse (CFA).
Was sind die thematischen Schwerpunkte?
Die Schwerpunkte liegen auf den Gütekriterien von Tests, der Definition und dem multidimensionalen Verständnis von Lernfähigkeit sowie der praktischen Umsetzung computerbasierter Befragungsinstrumente.
Welche Rolle spielt die Differenzierung von Testarten?
Die Arbeit unterscheidet zwischen leistungsdiagnostischen Verfahren und Persönlichkeitstests, wobei die Lernfähigkeit hierbei aufgrund der gewählten Indikatoren als persönlichkeitstheoretisches Konstrukt eingeordnet wird.
Wie werden die Schlüsselwörter charakterisiert?
Die Arbeit ist durch Begriffe geprägt, die den Übergang von theoretischer Psychometrie hin zur praktischen Anwendung im Bereich Human Resources beschreiben.
Warum wird die Lernfähigkeit als Ersatzbegriff für Begabung gesehen?
Die Autorin bezieht sich auf Wirtz, um Lernfähigkeit nicht als statische Größe, sondern als dynamisches Potenzial (Lernintensität, Leichtigkeit, Anregbarkeit) zu definieren.
Welche Bedeutung haben die Kontrollfragen im Fragebogen?
Kontrollfragen dienen dazu, sozial erwünschtes Antwortverhalten der Bewerber zu identifizieren und somit die Reliabilität des gesamten Testverfahrens zu erhöhen.
Wie kann das Unternehmen mit den Ergebnissen arbeiten?
Unternehmen können durch die standardisierte Messung objektive Durchschnittswerte generieren und so fundierte Entscheidungen bei der Vorauswahl potenzieller Mitarbeiter treffen.
- Arbeit zitieren
- Christin Hoffmann (Autor:in), 2022, Entwicklung eines Fragebogens zur Überprüfung der Lernfähigkeit für Recruitingunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1303734