In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, inwiefern die Ziele der Neuen Frauenbewegung seit den 90er Jahren noch in der Popkultur vertreten werden. Die Untersuchung konzentriert sich auf die Subkultur der "Riot Grrrls" und das Medienphänomen "Girlies". In diesen Gruppierungen sind verschiedene, aus Frauen bestehende Bands oder Musikerinnen vertreten. Sie traten beide in den 90er Jahren in den USA in Erscheinung und hatten verschiedene Auffassungen von Feminismus. Dementsprechend wurden sie auch unterschiedlich in der Gesellschaft rezipiert. Während die "Riot Grrrls", die die Ideen der Neuen Frauenbewegung vertraten, lediglich die Popkultur auf der Mikroebene beeinflussen konnten, etablierten sich die "Girlies" auf der Makroebene.
Es werden zuerst die Begriffe Popkultur und Feminismus behandelt. Dann wird auf die Ziele der Neuen Frauenbewegung in Deutschland eingegangen und historisch aufgearbeitet, wie diese sich in den 70er Jahren entwickelt hat. Da die Vereinigten Staaten die Bundesrepublik Deutschland stark beeinflussen, wird zuerst auf die Bewegungen der beiden Gruppierungen der "Riot Grrrls" und der "Girlies" in den USA eingegangen und diese dann mit der BRD verknüpft. Um die jeweiligen feministischen Inhalte beider zu verdeutlichen, werden verschiedene Songtexte und Kleidungsstile in die Analyse mit einbezogen. Am Ende wird nochmal in die Rezeption gegangen und unter anderem zusammengefasst, wie die "Riot Grrrls" und die "Girlies" jeweils von der westlichen Gesellschaft bewertet wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Popkultur
3. Definition Feminismus
4. Die Neue Frauenbewegung
5. Riot Grrrl
5.1 Bikini Kill als Beispiel für die Bewegung in den USA
5.1.1 Stil
5.2 Tic Tac Toe als Beispiel für die Bewegung in Deutschland
6. Girlie-Bewegung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Ziele der Neuen Frauenbewegung seit den 1990er Jahren in der Popkultur fortbestehen. Dabei wird analysiert, wie zwei unterschiedliche Strömungen – die Riot-Grrrl-Subkultur und das Medienphänomen „Girlies“ – auf gesellschaftliche feministische Forderungen reagierten und wie diese in der Öffentlichkeit rezipiert wurden.
- Vergleich der feministischen Ansätze von Riot Grrrls und Girlies.
- Die Rolle der Popkultur als Medium für gesellschaftliche Debatten und Identitätsbildung.
- Analyse geschlechtsspezifischer Rollenbilder in der Musik und in Songtexten.
- Untersuchung der Rezeption von kulturellen Bewegungen in der westlichen Gesellschaft.
- Überprüfung der Wirksamkeit popkultureller Ansätze bei der Etablierung feministischer Ideale.
Auszug aus dem Buch
5. Riot Grrrl
Als Antwort auf die männerdominierte Punkszene entwickelte sich in den 90er Jahren die feministische Jugendsubkultur der Riot Grrrls in den USA. Sie wollten nicht mehr länger an den Seitenlinien stehen, sondern selber die Show machen.
In der neuen Generation der 68er-Kinder schien der Feminismus in Vergessenheit zu geraten. Alles was die Neue Frauenbewegung sich hart erkämpft hatte, galt nun als Selbstverständlichkeit. Vor dem Gesetz waren Männer und Frauen gleich und so galt für die Generation: „Jede kann erreichen, was sie will, wenn sie nur will“. Kein Gerede mehr davon, dass die patriarchalen Strukturen die Wurzel allen Übels waren. Diskriminierung, physische oder „symbolische“ Gewalt, Unterdrückung- das alles wurde auf das „persönliche Versagen“ zurückgeführt und nicht mehr auf gesellschaftliche Strukturen.
Die Zeit erfuhr einen herben Rückschritt. In Amerika kam es zu einem neuerlichen Rückzug ins Private. Der Konservatismus, der an die christliche Ehe appellierte, die traditionellen Frauen-und Männerrollen vertrat und der die „Mutter“ als Ideal wieder anpries, verbreitete sich erneut in Amerika. Das spiegelte sich auch in der erneuten Wahl eines republikanischen Präsidenten wieder. „Familie als moralischer Rettungsanker der Nation, Kürzung von Sozialhilfe für Frauen und Kinder, Anti-Abtreibungskampagnen, Homophobie, Neue Abstinenz und Prüderie, Rassismus und Gewalt, all das bei anhaltender Hochkonjunktur zwanghafter Schönheitsideale“. So beschreiben Annette Baldauf und Katharina Weingartner die Zustände in den Vereinigten Staaten. Auch in der Bundesrepublik Deutschland regierte schon seit mehreren Jahren wieder die konservative Christlich Demokratische Union.
Da setzte die „Riot Grrrls“- Bewegung an. Sie empfanden die Forderungen der 70er Jahre Frauenbewegung noch als relevant. Frauen durchlebten weiterhin Benachteiligung, Sexismus am Arbeitsplatz, sie wurden weiterhin unterdrückt, es geschah jedoch auf subtilere Art und Weise. In der Rockszene konnten sie nicht Fuß fassen, da sie nicht genug Unterstützung- vor allem auch nicht von Seiten der Männer erfuhren. 1994 wurde sogar bei den „Grammy Awards“ die „Female Rock“-Kategorie abgeschafft, weil es angeblich keine 5 weiblichen Rockbands gab, die gut genug für eine Nominierung gewesen wären.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage vor: Inwiefern spiegeln sich die Ziele der Neuen Frauenbewegung in der Popkultur der 90er Jahre wider, fokussiert auf die Riot Grrrls und die Girlies.
2. Definition Popkultur: Dieses Kapitel erläutert den Begriff Popkultur anhand theoretischer Ansätze, wobei besonders die Bedeutung der technisch reproduzierten Kulturinhalte im 21. Jahrhundert hervorgehoben wird.
3. Definition Feminismus: Hier wird der in dieser Arbeit verwendete Feminismusbegriff definiert, der sich gegen patriarchale Strukturen und für sexuelle Selbstbestimmung der Frau einsetzt.
4. Die Neue Frauenbewegung: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Neuen Frauenbewegung in den 70er Jahren und ihre zentralen Forderungen wie „Das Private ist politisch“ nach.
5. Riot Grrrl: Es wird die Entstehung der Riot-Grrrl-Bewegung als Reaktion auf die männlich dominierte Punkszene und den gesellschaftlichen Konservatismus der frühen 90er Jahre beschrieben.
5.1 Bikini Kill als Beispiel für die Bewegung in den USA: Die Punkband Bikini Kill wird als einflussreichster Vertreter der Riot-Grrrl-Bewegung analysiert, inklusive ihres politischen Manifests.
5.1.1 Stil: Dieses Unterkapitel thematisiert, wie durch Mode und bewusste Rollenbrüche diskriminierende Begriffe und Schönheitsstandards ironisch angeeignet und dekonstruiert werden.
5.2 Tic Tac Toe als Beispiel für die Bewegung in den Deutschland: Die Arbeit zeigt auf, wie die Band Tic Tac Toe gesellschaftskritische Themen der Frauenbewegung indirekt aufgriff und verarbeitete.
6. Girlie-Bewegung: Die Girlie-Bewegung wird als kommerzielles Medienphänomen charakterisiert, das Feminismus zwar als Lifestyle integriert, aber oft innerhalb traditioneller Normen verbleibt.
7. Fazit: Das Fazit stellt zusammenfassend fest, dass die Riot Grrrls eher subkulturelle Bedeutung hatten, während die Girlies zwar populärer waren, jedoch weniger direkten politischen Einfluss auf die Struktur der Gesellschaft ausübten.
Schlüsselwörter
Feminismus, Popkultur, Riot Grrrl, Girlies, Neue Frauenbewegung, Alice Schwarzer, Bikini Kill, Identität, Geschlechterrollen, Diskurs, Subkultur, Musikbusiness, sexuelle Selbstbestimmung, Empowerment, Emanzipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Repräsentation feministischer Ziele in der Popkultur der 1990er Jahre, wobei die Subkultur der „Riot Grrrls“ und das populärkulturelle Phänomen der „Girlies“ gegenübergestellt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Einordnung der Neuen Frauenbewegung, die Rolle von Musik und Subkulturen als politische Medien sowie die Dekonstruktion von Geschlechterrollen und Schönheitsidealen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob und wie die Forderungen der Neuen Frauenbewegung der 1970er Jahre in den 1990er Jahren in der Popkultur fortlebten und von den jeweiligen Künstlerinnen umgesetzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise, kombiniert mit einer inhaltlichen Untersuchung von Songtexten, Kleidungsstilen und der historischen Einordnung gesellschaftlicher Entwicklungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen von Popkultur und Feminismus, eine historische Aufarbeitung der Neuen Frauenbewegung sowie eine detaillierte Fallanalyse der Bands Bikini Kill und Tic Tac Toe sowie des Phänomens der Girlies.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Feminismus, Popkultur, Riot Grrrl, Girlies, Geschlechterrollen, Emanzipation und gesellschaftliche Diskursformen.
Inwiefern unterscheiden sich Riot Grrrls und Girlies in ihrem Auftreten?
Riot Grrrls agierten eher subkulturell, radikal und versuchten, patriarchale Strukturen direkt herauszufordern, während Girlies als kommerzielles Massenphänomen auftraten und ihre Emanzipation oft innerhalb eines von der Gesellschaft vorgegebenen, „erlaubten“ Rahmens inszenierten.
Welches Resümee zieht die Arbeit über die politische Wirksamkeit der untersuchten Bewegungen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Riot Grrrls zwar eine wichtige Mikro-Bewegung waren, aber politisch geringeren Einfluss hatten als die populären Girlies, die jedoch als „Scheinrevolte“ eingestuft werden, da sie gesellschaftliche Strukturen letztlich reproduzierten.
- Quote paper
- Sarah Franke (Author), 2017, Feminismus in der Popkultur. Die Neue Frauenbewegung anhand der "Riot Grrrls" und der "Girlies", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1297727