In den 90er Jahren hat sich in Deutschland und ganz Europa endlich neben den herkömmlichen Bankkrediten eine neue Finanzierungskultur durchgesetzt, die in Großbritannien und den USA seit Jahren Gang und Gäbe ist. Die Venture Capital Finanzierung. Diese Etablierung ermöglichte es, dass sich in ganz Europa Ende des letzten Jahrhunderts eine neue Gründermentalität entwickelte, die neben neuem Schwung auch neuen Optimismus in die Wirtschaft und die gesamte Region brachte.
Da dieser Optimismus allerdings in eine Art ökonomische Blindheit mündete, verlor die New Economy Branche relativ schnell ihren Glanz, die Venture Capital Szene eine Menge Geld und Europa vorerst seine Hoffnung auf einen neuen, starken, innovativen Wirtschaftszweig. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist nicht wie es zu diesem Hype und den darauf folgenden Absturz kommen konnte, sondern zu untersuchen, ob diese Erfahrungen zu einer Umkehr der Planungspsychologie bei den Gründern und der Finanzwelt geführt hat. Eine Umkehr in dem Sinne, dass von utopischen Wachstumsmöglichkeiten Abstand genommen wurde, um die Zukunft wieder auf realistische, ökonomisch begründbare Aspekte zu beschränken und somit zu einer fairen Bewertungsgrundlage zurück zu kehren.
Prinzipiell galt es herauszufinden, ob sich junge, unerfahrene Unternehmen, aufgrund eigener Fehler verkalkulieren oder ob auch eine verallgemeinerbare Struktur durch Markttrends erkennbar ist.
Die Fragestellung ergab sich aus der leichtsinnig scheinenden Art ehemals getätigter Investments der gesamten Venture Capital Branche. Diese schienen letztlich hauptsächlich auf den Börsenboom und den allgemeinen „New-Economy-Hype“ vor dem Jahrtausendwechsel zurückzuführen zu sein. Inwieweit die Auswertungen der Daten aus dem 3i. Archiv Aufschluss über kollektive Fehlplanungen liefern und junge Unternehmen durch genauere Kenntnis ihres Marktes und Ihrer eigenen Fähigkeiten die Planpräzision im Laufe der Jahre erhöhen, sollen in der folgenden Arbeit dargestellt und in ein Konzept zur Minimierung dieser Probleme eingearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
1.2. Vorgehensweise und Aufbau
1.3. 3i Plc, Weltmarktführer im Bereich Private Equity und Venture Capital
2. Venture Capital
2.1. Begriffsabgrenzung
2.2. Finanzierungstheoretische Einordnung
2.3. Charakteristika der Venture Capital Finanzierung
2.3.1. Finanzierungsphasen
2.3.2. Exit – Möglichkeiten
2.3.3. Idealtypischer Ablauf
2.4. Bewertungsmethoden
2.4.1. Zukunftserfolgsmodelle
2.4.2. Marktorientierte Verfahren
2.5. Ziele der Venture Capital Finanzierung
2.5.1. Erfolgs- und Entwicklungsbewertung der Portfoliounternehmen
2.5.2. Risikominimierung
B. CONTROLLING VENTURE CAPITAL FINANZIERTER UNTERNEHMEN
3. Controlling
3.1. Controlling Definition
3.2. Planungen / Reporting
3.2.1. Begriffserklärung und -abgrenzung
3.3. Reportingstrukturen zwischen Kapitalgeber und VC-Nehmer
4. Fehlplanungen
4.1. Fehlerquellen
4.1.1. Plan – Ist – Abweichungen
4.2. Gründe für Fehlplanungen
4.2.1. Verkaufscharakter einer Finanzierungsrunde
4.2.2. Selbsteinschätzung der Gründer
4.2.3. Externe Faktoren
4.2.4. Haftung der Gründer
5. Principal-Agent-Theorie in Bezug auf das Verhältnis zwischen Investoren und Unternehmen
5.1. Agency Theorie
5.1.1. Agency Kosten
5.1.2. Informationsasymmetrien
5.1.3. Möglichkeiten der Problemlösungen
C. EMPIRISCHE STUDIE
6. Ziel der Analyse
6.1. Vorgehensweise
6.1.1. Trendstruktur
6.1.2. Lerneffekte
7. Untersuchungsparameter und Grundgesamtheit
7.1. Grundgesamtheit
7.2. Untersuchungsparameter
7.2.1. Umsatzkennzahl
7.2.2. Ebit-Kennzahl
7.2.3. Gross Margin Kennzahl
8. Erkenntnisse durch die Auswertung
8.1. Ergebnisse aus der Untersuchung der Grundgesamtheit
8.1.1. Entwicklung der Planabweichungen von 1999 - 2003
8.1.2. Umsatz – Fehlplanungen nach Planperiode
8.1.3. Ebit – Fehlplanungen nach Planperiode
8.1.4. Gross Margin – Fehlplanungen nach Planperiode
9. Interpretation
9.1. Annahmen – Ergebnis Vergleich
9.2. Auswirkungen für die Investoren
10. Neuer Ansatz zur Bewertung von Geschäftsmodellen und zur Erhöhung der Plansorgfalt junger Unternehmen
10.1. Realoptionen
10.1.1. Definition
10.1.2. Realoptionsmodell
10.1.3. Verbesserungen durch den Einsatz von Realoptionen
11. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die Qualität von Planungen Venture Capital finanzierter Unternehmen zu analysieren und ein Verständnis für die Ursachen kollektiver Fehlplanungen zu entwickeln. Angesichts der Erfahrungen nach dem Platzen der Spekulationsblase wird untersucht, ob sich die Planungspsychologie bei Gründern und Investoren hin zu einer realistischeren, ökonomisch fundierten Bewertungsgrundlage gewandelt hat, um zukünftige Fehlinvestitionen durch präzisere Analysen zu minimieren.
- Analyse der Planabweichungen bei Venture Capital finanzierten Unternehmen im Zeitverlauf
- Untersuchung von Lerneffekten und Trendstrukturen basierend auf dem Portfolio von 3i Deutschland
- Evaluierung der Principal-Agent-Problematik zwischen Investoren und jungen Unternehmen
- Einsatz von Realoptionen als innovatives Bewertungs- und Controlling-Instrument
- Optimierung des Controllings und Reporting-Systems für Start-ups zur Risikominimierung
Auszug aus dem Buch
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
In den 90er Jahren hat sich in Deutschland und ganz Europa endlich neben den herkömmlichen Bankkrediten eine neue Finanzierungskultur durchgesetzt, die in Großbritannien und den USA seit Jahren Gang und Gäbe ist. Die Venture Capital Finanzierung. Diese Etablierung ermöglichte es, dass sich in ganz Europa Ende des letzten Jahrhunderts eine neue Gründermentalität entwickelte, die neben neuem Schwung auch neuen Optimismus in die Wirtschaft und die gesamte Region brachte.
Da dieser Optimismus allerdings in eine Art ökonomische Blindheit mündete, verlor die New Economy Branche relativ schnell ihren Glanz, die Venture Capital Szene eine Menge Geld und Europa vorerst seine Hoffnung auf einen neuen, starken, innovativen Wirtschaftszweig. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist nicht wie es zu diesem Hype und den darauf folgenden Absturz kommen konnte, sondern zu untersuchen, ob diese Erfahrungen zu einer Umkehr der Planungspsychologie bei den Gründern und der Finanzwelt geführt hat. Eine Umkehr in dem Sinne, dass von utopischen Wachstumsmöglichkeiten Abstand genommen wurde, um die Zukunft wieder auf realistische, ökonomisch begründbare Aspekte zu beschränken und somit zu einer fairen Bewertungsgrundlage zurück zu kehren.
Bei der nahezu täglichen Durchsicht der neu eingegangenen Businesspläne sowie der Budgetplanungen der Portfoliofirmen, kam immer wieder die Frage auf, inwieweit diese Planzahlen auf realistischen Daten beruhen und ob deren Umsetzung dieser tatsächlich möglich ist. Bei der Kontrolle zweier Portfoliofirmen, die kurz vor einer weiteren Finanzierungsrunde standen, wurde eines klar: beide Unternehmen hatten bisher nicht annähernd ihre Planzahlen einhalten können! Diese Erkenntnis war der Anstoß dem Problem in der Breite auf den Grund zu gehen, um mit den daraus folgenden Ergebnissen Schlüsse ziehen zu können, die eventuell in eine Art „Formel“ gebracht werden kann, um in Zukunft bereits vor einem Investment die Situation realistischer und ökonomisch sinnvoller einzuschätzen als dies durch die Planungen der Gründer dargestellt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel stellt die Problemstellung der Arbeit vor, die auf der Diskrepanz zwischen utopischen Wachstumsplänen und der wirtschaftlichen Realität junger Unternehmen basiert.
2. Venture Capital: Hier werden die Grundlagen der Venture-Capital-Finanzierung, von Finanzierungsphasen bis hin zu Exit-Strategien und gängigen Bewertungsmethoden, detailliert erläutert.
3. Controlling: Dieses Kapitel definiert die Rolle des Controllings als Führungsinstrument und erläutert die Bedeutung eines strukturierten Reportings in jungen Unternehmen.
4. Fehlplanungen: Hier werden die typischen Fehlerquellen sowie Gründe für Fehlplanungen, wie Selbstüberschätzung oder externe Faktoren, untersucht.
5. Principal-Agent-Theorie in Bezug auf das Verhältnis zwischen Investoren und Unternehmen: Dieses Kapitel beleuchtet die Informationsasymmetrien und Agency-Kosten, die das Verhältnis zwischen Kapitalgebern und Management prägen.
6. Ziel der Analyse: Dieser Teil legt die methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung fest, um Lerneffekte und Trends in der Planungsqualität zu identifizieren.
7. Untersuchungsparameter und Grundgesamtheit: Hier wird das Portfolio der 3i Deutschland GmbH als Datengrundlage definiert und die Kennzahlen Umsatz, Ebit und Gross Margin begründet.
8. Erkenntnisse durch die Auswertung: Dieses Kapitel präsentiert die empirischen Ergebnisse hinsichtlich der Planabweichungen bei Umsatz, Ebit und Gross Margin im Zeitraum von 1999 bis 2003.
9. Interpretation: Die Ergebnisse werden hier kritisch interpretiert, wobei der Fokus auf den Auswirkungen für Investoren und der Notwendigkeit einer realistischen Planung liegt.
10. Neuer Ansatz zur Bewertung von Geschäftsmodellen und zur Erhöhung der Plansorgfalt junger Unternehmen: Hier wird der Realoptionsansatz als zukunftsweisende Methode vorgestellt, um Handlungsflexibilität bei der Unternehmensbewertung zu berücksichtigen.
11. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer höheren Disziplin bei der Planung zusammen und skizziert die zukünftige Bedeutung effizienter Kontrollmechanismen.
Schlüsselwörter
Venture Capital, Private Equity, Unternehmensbewertung, Planabweichungen, Controlling, Fehlplanungen, Principal-Agent-Theorie, Realoptionen, Unternehmensfinanzierung, Investitionsentscheidung, Businessplan, 3i, Finanzierungsphasen, Risikoanalyse, Reporting.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Qualität der Finanzplanung bei Venture Capital finanzierten Unternehmen und untersucht, warum Planzahlen in der Praxis oft signifikant von den tatsächlich erzielten Ergebnissen abweichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Venture-Capital-Branche, Controllingsysteme für junge Unternehmen, die Principal-Agent-Theorie im Investorenverhältnis sowie moderne Ansätze der Unternehmensbewertung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Ursachen für Fehlplanungen zu identifizieren und ein Konzept zu entwickeln, wie Investoren durch eine realistischere Bewertung – etwa mittels Realoptionen – bessere Entscheidungen treffen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine empirische Felduntersuchung, bei der historische Plan- und Ist-Daten aus dem Portfolio von 3i Deutschland im Zeitraum von 1998 bis 2003 analysiert und statistisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der theoretischen Einordnung des Venture-Capital-Marktes über die Herausforderungen des Controllings bei Start-ups bis hin zur quantitativen Analyse von Planungsfehlern bei wichtigen Finanzkennzahlen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Venture Capital, Fehlplanungen, Controlling, Unternehmensbewertung, Realoptionen, 3i-Portfolio und Principal-Agent-Theorie.
Welche Rolle spielt die Principal-Agent-Theorie bei der Analyse?
Sie dient als theoretischer Rahmen, um die Problematik der Informationsasymmetrie zwischen den Investoren (Principal) und dem Management (Agent) zu erklären, die häufig zu einer verzerrten Darstellung der Geschäftslage führt.
Warum schneiden Realoptionen bei der Bewertung besser ab als klassische Modelle?
Im Gegensatz zu starren Discounted-Cash-Flow-Modellen ermöglichen Realoptionen eine flexible Berücksichtigung von strategischen Handlungsspielräumen und Unsicherheiten bei Investitionsentscheidungen.
Was sind die Hauptergebnisse bezüglich der Planungsqualität?
Die Analyse zeigt, dass junge Unternehmen in ihren Planzahlen systematisch zu optimistisch agieren, wobei die Ebit-Planungen oft die größten und alarmierendsten Abweichungen aufweisen.
- Quote paper
- Christine Hierl (Author), 2004, Analyse der Plan-Abweichungen Venture Capital finanzierter Unternehmen bezüglich möglicher Trendstrukturen und Lerneffekten im Zeitverlauf, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/129326