In der folgenden wissenschaftlichen Arbeit wir der Frage nachgegangen, was de facto das "TripleA"-Ratingsymbol mit der - so genannten - "an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit" (wie etwa von Rating-"Papst" Dr. Oliver EVERLING gebraucht) zu tun hat. Es wird - vor dem Hintergrund der CEE-Exposure österreichischer Banken, praxisbezogen untersucht, ob im Rahmen der besagten Wortfolge der - so genannten - "an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit - aus ratingprozess-praktischer,"sachverständiger" und kommunikations-"politischer" Perspektive faktisch-seriöser Argumentationsspielraum besteht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung (insbes aus lebensnaher, ö Perspektive)
1.2 Gang der Untersuchung
1.3 Die Worte „Wahrscheinlichkeit“; ferner „Sicherheit“
1.3.1 Das Wort „Wahrscheinlichkeit“ in den Wirtschaftswissenschaften
1.3.2 Das Wort „Wahrscheinlichkeit“ in der Umgangssprache
1.3.3 Das Wort „Wahrscheinlichkeit“ in den Rechtswissenschaften
1.3.4 Das Wort „Sicherheit“ in der Umgangssprache
1.3.5 Das Wort „Sicherheit“ in der Wissenschaft
1.3.6 Das so genannte „Ratingsymbol“ des „Triple A“
1.3.7 Die Worte von EVERLING zum „Triple A“ auf seiner HP
1.3.8 EVERLING zum „Triple A“ auf DEUTSCHLANDRADIO
1.3.9 EVERLING in ACHLEITNER/EVERLING/NIGGEMANN
1.3.10 Die „Newsletter“-Worte von EVERLING anno 2002
1.3.11 Die Worte von EVERLING in KIENBAUM/BÖRNER
1.3.12 Die Wortfolge im „Rating“-Kontext von SCHNEIDER et al
1.3.13 Die Wortfolge im „Rating“-Kontext des [d]BVRA
1.3.14 Die Worte von TRIEU iZm dem Deutsche Post Bank AG - Rating
1.3.15 Die Worte von KNEPEL auf der HP der BANKINGCLUB GmbH
1.3.16 SCHUMANN iRd Firmenkunden-Rating iZm „Basel II“
1.3.17 Die Behauptungen der TECH DATA
1.3.18 Implikationen für die („Rating“-„Prozess“-)Praxis ?
1.4 Zusammenfassung und skeptisch-ambivalenter Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch den wissenschaftlich unhaltbaren Gebrauch der Wortfolge „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ im Kontext von Finanzratings, insbesondere bei der Bewertung von Staatsanleihen und Unternehmensanleihen („Triple A“).
- Kritische Auseinandersetzung mit der stochastischen Definition von Wahrscheinlichkeit versus Sicherheit.
- Untersuchung der Sprachverwendung von Experten und Rating-Agenturen.
- Aufdeckung der Inkorrektheit quantitativer Zuschreibungen in qualitativen Rating-Urteilen.
- Diskussion der Auswirkungen auf die juristische und wirtschaftliche Praxis.
Auszug aus dem Buch
1.3.5 Das Wort „Sicherheit“ in der Wissenschaft
Aus ernsthaft wissenschaftlicher Sicht ist festzuhalten, dass Sicherheit ein (strikter) ja/nein-Begriff ist. Und, dass es sich bei Sicherheit um einen theoretischen Begriff handelt, ähnlich den Begriffen „wahr“ oder „unendlich“: es handelt sich auch bei ihnen um theoretische Größen. Die Problematik besteht nun darin, dass dies – siehe etwa die (gegenwärtige) Umgangssprache so (oft) nicht „wahr“-genommen wird. Ergo existieren Formulierungen wie etwa „Ich bin mir relativ sicher, dass…“. In der Umgangssprache, in einer lebensnahen, praktischen „Umwelt“, wird (unglücklich, unseriös) ein Begriff aus der Welt der Theorie (zB „Sicherheit“) aufgegriffen und mit Aussagen, die einer praktischen Welt entstammen, die sich des Graduellen bedient (arg „Wahrscheinlichkeit“) in – allerdings inkorrekte, unzulässige, unwissenschaftliche – (vermeintliche!) „Verbindung“ gebracht. (Im Falle der sog „an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit“ klingt [sic!] dieser Begriff für viele Sprecher und Hörer ua noch besonders „gut“ [sic!]).
Die folgenden Formulierungen (ua von EVERLING) zeichnen ein – mehr als bloß „erschütterndes“ Bild – um statistische Grundaussagen. Statistische Grundaussagen, mit den in der Jurisprudenz – sub titulo – „impression management“ im „sozialen“ Moment des Prozessablaufs beeindruckt werden kann (arg „Totschlag-Argument“), die aber – strictu sensu – einerseits nicht das versprechen, was sie – (sprach-)bildhaft „gedacht“ – versprechen zu sein (Stichwort: Schein-Genauigkeit, Suggerierung einer Quanti-[sic!]- fizierbarkeit der Wortfolge „mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit“) und andererseits überdies aufdecken, wie – hochgradig – subjektiv Beurteilungen sind. Nochmals gesagt: die Wortfolge „mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit“ ist a) (sprach-)bildlich falsch (Verknüpfung von „Äpfeln“ mit „Birnen“) sowie b) einer quantitativen Aussage (arg zB „das meint 99%“, „das meint „99,9%“) – entgegen dem vom (Sprach-)Bild „vorgezeichneten“ Wortlaut – in keinster (!) Weise zugänglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Kontroverse um die Wirtschafts-Krise und das CEE-Exposure, wobei die zentrale Rolle der Rating-Symbolik kritisch beleuchtet wird.
1.1 Einführung (insbes aus lebensnaher, ö Perspektive): Dieser Abschnitt führt in die mediale und fachliche Diskussion um das „Ost(europa)risiko“ und die Pleitethese Österreichs ein.
1.2 Gang der Untersuchung: Hier wird der methodische Ansatz dargelegt, der die stochastische Kernproblematik und den Missbrauch der Rating-Terminologie untersucht.
1.3 Die Worte „Wahrscheinlichkeit“; ferner „Sicherheit“: Dieses umfangreiche Kapitel widmet sich der wissenschaftlichen und umgangssprachlichen Definition sowie Abgrenzung der Begriffe Wahrscheinlichkeit und Sicherheit.
1.4 Zusammenfassung und skeptisch-ambivalenter Ausblick: Das Fazit fasst die Kritik an der unzulässigen Vermengung der Begriffe zusammen und mahnt zu einem wissenschaftlich korrekten Umgang mit Rating-Formulierungen.
Schlüsselwörter
Finanzkrise, Rating, Triple A, Wahrscheinlichkeit, Sicherheit, Stochastik, Bonität, Staatsanleihen, Risikoanalyse, Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften, quantitative Analyse, qualitative Aussage, Sprachtheorie, Finanzmärkte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch den in der Finanzwelt und Jurisprudenz inflationär genutzten Begriff „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ im Kontext von Ratings.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die stochastische Theorie, der Finanzmarkt-Diskurs (besonders in Bezug auf Staatsbankrott-Debatten) sowie die sprachliche Präzision in der wissenschaftlichen Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Missbrauch stochastischer Begriffe als „Schein-Genauigkeit“ in Rating-Urteilen aufzudecken und eine wissenschaftlich fundierte Abgrenzung der Begriffe Wahrscheinlichkeit und Sicherheit zu fordern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine interdisziplinäre Analyse, die Erkenntnisse aus der Statistik, der Betriebswirtschaftslehre, der Rechtswissenschaft und der Sprachtheorie kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zahlreiche Zitate von Experten und Rating-Agenturen, die die unzulässige Verknüpfung von Wahrscheinlichkeit und Sicherheit in Rating-Symbolen wie „Triple A“ dokumentieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rating, Triple A, Wahrscheinlichkeit, Sicherheit und wissenschaftliche Redlichkeit charakterisiert.
Wie steht der Autor zum „Triple A“ Rating?
Der Autor betrachtet „Triple A“ lediglich als ein symbolisches Ideogramm für eine Güteklasse und lehnt die statistische Quantifizierung durch Begriffe wie „an Sicherheit grenzend“ ab.
Warum hält der Autor die Wortfolge „an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit“ für inkorrekt?
Weil Sicherheit eine absolute Ja/Nein-Aussage ist, während Wahrscheinlichkeit eine graduelle Größe darstellt. Die Verbindung ist nach Auffassung des Autors eine inhaltliche Vermengung, die nur durch statistische Unkenntnis existiert.
Welchen Einfluss hat diese Untersuchung auf die Praxis?
Die Arbeit fordert Gutachter und Rating-Experten dazu auf, ihre Ausdrucksweise zu präzisieren und von der suggestiven Nutzung pseudowissenschaftlicher Sprachbilder Abstand zu nehmen.
- Arbeit zitieren
- Mag. Georg Schilling (Autor:in), 2009, Österreich im Schatten des Staatsbankrotts?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/128600