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Gunther – der schwache 'künec'?

Die Figur des Burgundenkönigs im Kontext mittelalterlicher Herrschaftskonzeptionen

Titel: Gunther – der schwache 'künec'?

Seminararbeit , 2009 , 37 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Torben Fischer (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

„Ein konsistentes königliches Profil gelingt dem Nibelungenlied [...] nicht – was freilich nichts mit der vielfach vermuteten Schwäche des Königs zu tun hat.“ (Ehrismann 2005: S.65)

Es gibt wohl kaum eine Figur innerhalb des Nibelungenliedes, deren Rolle in der Forschung so unterschiedlich interpretiert wurde und deren Bewertung so stark divergiert wie die des Burgundenkönigs Gunther. Für die einen handelt es sich bei Gunther um einen geschickten und clever agierenden Strategen, der mit Hilfe von Bündnissen und Absprachen seine Herrschaftsposition in Worms zu festigen vermag, für die anderen ist Gunther nicht mehr als eine königliche Marionette am Hof zu Worms, der die eigentliche Herrschaft bereitwillig in die Hände seiner Vasallen legt und trotz seiner exponierten Stellung als Burgundenkönig, nur eine Nebenfigur des Nibelungenepos darstellt (vgl. Göhler 1989: S. 58).

Diplomatischer Machtpolitiker oder schwacher höfischer Herrscher? Diese viel diskutierte Frage gilt bis heute als eines der interessantesten Rätsel, welches das Nibelungenlied für Forscher wie Leser parat hält. Allein scheint die Frage nach Stärke oder Schwäche der Herrschaft Gunthers bisher unter falschen Prämissen gestellt worden zu sein. Zwar finden sich für beide Interpretationsansätze im Nibelungenlied genügend Anhaltspunkte, der Frage nach einem adäquaten Bewertungsmaßstab von Herrschaft im zeitgenössischen Kontext des Nibelungenliedes ist von Seiten der Forschung bisher jedoch nur wenig Rechnung getragen worden. Erst in den letzten Jahren und im Kontext der stärkeren Berücksichtigung textexterner Faktoren wie den sozio-kulturellen und politischen Verhältnissen um 1200 oder den historischen Quellen des Sagenstoffes, scheint sich die Rezeption des Burgundenkönigs zu wandeln. Vor allem die neueren Untersuchungen zum zeitgeschichtlichen Herrschaftsverständnis im Mittelalter drängen dabei auf eine Neudefinition des im Nibelungenlied dargestellten Herrscherbildes. Es stellt sich dabei die Frage inwieweit der Topos des Strategen und Machtpolitikers als Bewertungsmaßstab von Herrschaft überhaupt Sinn macht...

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Der(ohn)mächtige Herrscher – König Gunther und die Forschung

2. „rex iustus“ / „rex iniquus“: Die mittelalterliche Darstellungstradition von Herrschaft

3. Die Figur Gunther und ihre stoffgeschichtliche Dimension

3.1. Die historischen Wurzeln und sagengeschichtliche Tradition der Figur Gunther

3.2. Die sozialen und politischen Bedingungen um 1200

3.3. Die literarischen Wandlungsprozesse der Stauferzeit

4. Das Herrscherbild Gunthers im Nibelungenlied

4.1. Ausgangskonstellation

4.2. Siegfrieds Ankunft am Burgundenhof

4.3. Krieg gegen die Sachsen

4.4. Werbung Brünhilds und Hochzeit in Worms

4.5. Königinnenstreit und Tod Siegfrieds

4.6. Trauer Kriemhilds und Neuvermählung

4.7. Ausblick: Zug ins Etzelland und Kampf gegen die Hunnen

5. Fazit: Die Figur des Burgundenkönigs im Kontext textexegetischer Pfadabhängigkeiten

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Herrscherbild von König Gunther im Nibelungenlied vor dem Hintergrund mittelalterlicher Herrschaftskonzeptionen. Ziel ist es, die Qualität von Gunthers Herrschaft anhand der Typologie des „rex iustus“ (gerechter Herrscher) und „rex iniquus“ (ungerechter Herrscher) differenziert zu bewerten und die Ambivalenz seiner Figur zwischen politischer Machtausübung und moralischem Anspruch aufzuzeigen.

  • Analyse mittelalterlicher Herrschaftsideale und deren Anwendung auf die literarische Figur Gunther.
  • Untersuchung der stoffgeschichtlichen und soziopolitischen Entstehungskontexte um 1200.
  • Differenzierte Bewertung von Gunthers Handeln in zentralen Handlungssequenzen wie der Werbung um Brünhild und dem Mord an Siegfried.
  • Diskussion über die Rolle des „Epenplans“ bei der Charaktergestaltung im Nibelungenlied.
  • Einordnung der vermeintlichen Schwäche Gunthers als moralische statt als rein politische oder physische Defizienz.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung: Der (ohn) mächtige Herrscher – König Gunther und die Forschung

„Ein konsistentes königliches Profil gelingt dem Nibelungenlied [...] nicht – was freilich nichts mit der vielfach vermuteten Schwäche des Königs zu tun hat.“ (Ehrismann 2005: S.65)

Es gibt wohl kaum eine Figur innerhalb des Nibelungenliedes, deren Rolle in der Forschung so unterschiedlich interpretiert wurde und deren Bewertung so stark divergiert wie die des Burgundenkönigs Gunther. Für die einen handelt es sich bei Gunther um einen geschickten und clever agierenden Strategen, der mit Hilfe von Bündnissen und Absprachen seine Herrschaftsposition in Worms zu festigen vermag, für die anderen ist Gunther nicht mehr als eine königliche Marionette am Hof zu Worms, der die eigentliche Herrschaft bereitwillig in die Hände seiner Vasallen legt und trotz seiner exponierten Stellung als Burgundenkönig, nur eine Nebenfigur des Nibelungenepos darstellt (vgl. Göhler 1989: S. 58).

Diplomatischer Machtpolitiker oder schwacher höfischer Herrscher? Diese viel diskutierte Frage gilt bis heute als eines der interessantesten Rätsel, welches das Nibelungenlied für Forscher wie Leser parat hält. Allein scheint die Frage nach Stärke oder Schwäche der Herrschaft Gunthers bisher unter falschen Prämissen gestellt worden zu sein. Zwar finden sich für beide Interpretationsansätze im Nibelungenlied genügend Anhaltspunkte. Der Frage nach einem adäquaten Bewertungsmaßstab von Herrschaft im zeitgenössischen Kontext des Nibelungenliedes ist von Seiten der Forschung bisher jedoch nur wenig Rechnung getragen worden. Erst in den letzten Jahren und im Kontext der stärkeren Berücksichtigung textexterner Faktoren wie den sozio-kulturellen und politischen Verhältnissen um 1200 oder den historischen Quellen des Sagenstoffes, scheint sich die Rezeption des Burgundenkönigs zu wandeln. Vor allem die neueren Untersuchungen zum zeitgeschichtlichen Herrschaftsverständnis im Mittelalter drängen dabei auf eine Neudefinition des im Nibelungenlied dargestellten Herrscherbildes. Es stellt sich dabei die Frage, inwieweit der Topos des Strategen und Machtpolitikers als Bewertungsmaßstab von Herrschaft überhaupt Sinn macht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Der(ohn)mächtige Herrscher – König Gunther und die Forschung: Einleitung in die kontroverse Forschungsgeschichte zur Herrscherfigur Gunther und Begründung der Zielsetzung, ihn anhand mittelalterlicher Idealtypen zu bewerten.

2. „rex iustus“ / „rex iniquus“: Die mittelalterliche Darstellungstradition von Herrschaft: Definition und Generierung der Herrschaftsidealtypen auf Basis christlich-mittelalterlicher Quellen wie der Civitas Dei und der Kaiserchronik.

3. Die Figur Gunther und ihre stoffgeschichtliche Dimension: Untersuchung der historischen Vorbilder, sozialen Rahmenbedingungen und literarischen Wandlungsprozesse, die das Profil der Figur Gunther maßgeblich mitgeprägt haben.

4. Das Herrscherbild Gunthers im Nibelungenlied: Kernkapitel mit einer detaillierten sequenziellen Analyse von Gunthers Verhalten in den Schlüsselereignissen des Epos, von der Ausgangssituation bis zum Untergang.

5. Fazit: Die Figur des Burgundenkönigs im Kontext textexegetischer Pfadabhängigkeiten: Zusammenfassende Bewertung Gunthers als ethisch ambivalente Figur, deren Schicksal weniger durch politische Schwäche als durch moralische Fehlentscheidungen besiegelt wird.

Schlüsselwörter

Nibelungenlied, König Gunther, Herrschaftskonzeption, rex iustus, rex iniquus, Mittelalter, Stauferzeit, Machtpolitik, Ethik, Siegfried, Hagen von Tronje, Brünhild, Kriemhild, höfisches Ideal, Literaturanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Figur des Burgundenkönigs Gunther im Nibelungenlied, um den langjährigen fachwissenschaftlichen Streit darüber aufzulösen, ob Gunther als ein fähiger Machtpolitiker oder als ein schwacher, fremdbestimmter Herrscher zu beurteilen ist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das mittelalterliche Herrschaftsverständnis, der Kontrast zwischen realpolitischer Macht und moralischer Integrität sowie die Frage nach der literarischen Konstitution von Figuren innerhalb des Epenplans.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die Neubewertung Gunthers durch die Anwendung der mittelalterlichen Idealtypen „rex iustus“ (gerechter Herrscher) und „rex iniquus“ (ungerechter Herrscher), um jenseits einfacher Stärke-Schwäche-Dichotomien zu differenzierteren Ergebnissen zu gelangen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine sozialgeschichtliche und literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Nibelungenliedes vor dem Hintergrund zeitgenössischer mittelalterlicher Herrschaftstraktate und historischer Quellen deutet.

Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Handlungssequenzen des Nibelungenliedes, darunter die Ausgangskonstellation, den Sachsenkrieg, die Werbung um Brünhild, den Königinnenstreit, die Ermordung Siegfrieds und den Zug ins Etzelland.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere die Typologie des rex iustus und rex iniquus, das höfische Herrschaftsideal, die mittelalterliche Ethik und die Figur des Gunther im Kontext der staufischen Literatur.

Wie bewertet der Autor Gunthers Verhalten bei der Werbung um Brünhild?

Die Werbung wird als ein entscheidender moralischer Bruch gewertet. Obwohl Gunther politisch erfolgreich ist, greift er zu unlauteren, „lasterhaften“ Mitteln, was den Niedergang seiner moralischen Integrität einläutet.

Ist Gunther nach Auffassung der Arbeit nun ein schwacher Herrscher?

Nein. Der Autor betont, dass Gunther zu keinem Zeitpunkt körperlich oder politisch „schwach“ ist. Sein Scheitern ist vielmehr auf die Diskrepanz zwischen politischem Machtkalkül und dem Versagen bei den christlich-moralischen Herrschertugenden zurückzuführen.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Gunther – der schwache 'künec'?
Untertitel
Die Figur des Burgundenkönigs im Kontext mittelalterlicher Herrschaftskonzeptionen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Deutsche Literatur des Mittelalters - Das Nibelungenlied
Note
1,0
Autor
Torben Fischer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
37
Katalognummer
V128479
ISBN (Buch)
9783640348084
ISBN (eBook)
9783640348497
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nibelungenlied Gunther Epik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Torben Fischer (Autor:in), 2009, Gunther – der schwache 'künec'?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/128479
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  37  Seiten
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