Kapitel zwei liefert die Definition des Begriffs „sexuelle Gewalt“ aus rechtlicher und feministischer Sichtweise.
Nach der Definition des Begriffs gibt Kapitel zwei Informationen über die Folgen sexueller Gewalt gegen Mädchen. Missbrauch kann Kurzzeit- und Langzeitfolgen haben. Die Arbeit konzentriert sich hauptsächlich auf die Kurzzeitfolgen, da diese von Bedeutung für die kunsttherapeutische Behandlung sind. Im Vordergrund stehen die Auswirkungen des Missbrauchs auf die Psyche des Mädchens, da die erwähnten Methoden überwiegend an die Emotionen des Kindes anknüpfen. Kapitel drei vermittelt dann die Gründe für die Anwendung von KT bei sexuellem Missbrauch. In diesem Kapitel wird auf die Ziele der KT bei Misshandlungsopfern eingegangen als auch auf die Möglichkeiten der Kunsttherapie zum Erreichen dieser Ziele. In diesem Zusammenhang wird die Frage beantwortet, warum gerade KT bei sexuellem Missbrauch sinnvoll ist. Zur Beantwortung der Frage wird der Vergleich mit anderen Therapieformen hinzugezogen.
In Kapitel vier werden dann ausführlich maltherapeutische als auch gestalterische Methoden in der Kunsttherapie mit sexuell missbrauchten Kindern aufgeführt. Es wird auf Spontanzeichnungen, auf gemeinsames Malen mit dem Therapeuten und auf die Integration von Spiel und Sprache in die Kunsttherapie eingegangen. Die Hausarbeit führt konkrete maltherapeutische als auch gestalterische Aufgaben auf, die sich für die Behandlung von Missbrauchsopfern eignen. Hierbei werden Aufgaben aufgeführt, die an die psychischen Folgen sexueller Misshandlung anknüpfen: Welche Möglichkeiten hat der Therapeut, dem Kind die Angst vor der Aufdeckung der Missbrauchserfahrung zu nehmen? Wie genau kann ein Therapeut mit den Ambivalenzgefühlen missbrauchter Mädchen umgehen? Welche Methoden helfen, um unterdrückte Aggressionen zu entladen? Wie können Einstiegs- und Abschlussaufgabe aussehen? Welche Testverfahren sind bei dieser Diagnose hilfreich? etc.. Zwischendurch wirft die Hausarbeit kurz einen Blick auf mögliche Auswertungsansätze einzelner kunsttherapeutischer Methoden.
Das Fallbeispiel Johanna am Ende der Hausarbeit eröffnet dem Leser einen Einblick auf die Auswirkungen der Missbrauchserfahrung auf die Psyche eines Kindes und zeigt, wie ein Therapeut das Mädchen einfühlsam und geduldig dabei unterstützt, sich mithilfe kunsttherapeutischer Methoden der sexuellen Erfahrung anzunähern und sich zunehmend mehr bereit zu fühlen, über die Erfahrung zu sprechen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Begriffs „ sexuelle Gewalt“ und deren Folgen
2.1. Definitionen
2.1.1. Rechtliche Definition
2.1.2. Feministische Definition
2.2. Folgen sexueller Gewalt gegen Mädchen
2.2.1. Psychische Folgen
2.2.2. Somatische Folgen
2.2.3. Soziale Folgen
3. Gründe für die Anwendung von Kunsttherapie bei sexuellem Missbrauch
3.1. Ausgangsdiagnosen
3.2. Ziele der Kunsttherapie
3.3. Möglichkeiten der Kunsttherapie zum Erreichen der Ziele
3.4. Vergleiche mit anderen Therapieformen
4. Kunst- bzw. Maltherapeutische Methoden in der Therapie mit sexuell missbrauchten Kindern
4.1. Spontanzeichnungen
4.2. Themenzentriertes Malen und Gestalten
4.2.1. Einstiegs- und Abschlussaufgabe
4.2.2. Testverfahren
4.2.3. Kunsttherapeutische Aufgaben mit Ton
4.2.4. Maltherapeutische Aufgaben
4.3. Gemeinsames Malen
4.4. Bild, Sprache und Spiel in der Kunsttherapie
5. Fallbeispiel Johanna (vgl. Reichelt 1994, S. 133ff.)
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Hausarbeit untersucht den Einsatz kunsttherapeutischer Methoden in der therapeutischen Arbeit mit sexuell missbrauchten Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren. Ziel ist es, Therapeuten ein tieferes Verständnis für die traumatisierenden Auswirkungen des Missbrauchs zu vermitteln und konkrete therapeutische Ansätze aufzuzeigen, die es dem Kind ermöglichen, sich bildnerisch mit den belastenden Erfahrungen auseinanderzusetzen, Sprachlosigkeit zu überwinden und eine stärkende therapeutische Beziehung aufzubauen.
- Psychische, somatische und soziale Folgen von sexuellem Missbrauch bei Mädchen.
- Die Funktion der Kunsttherapie zur Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse und zur Förderung der Handlungsautonomie.
- Methodische Ansätze wie Spontanzeichnungen, themenzentriertes Malen und Arbeit mit Ton.
- Die Bedeutung der therapeutischen Beziehung und des Schutzes durch bildnerische Distanz.
- Analyse eines Fallbeispiels zur Veranschaulichung des therapeutischen Prozesses.
Auszug aus dem Buch
3.2. Ziele der Kunsttherapie
Die Schwerpunkte der KT bei sexuellem Missbrauch liegen auf der Aufdeckung und Bearbeitung der traumatischen Erfahrung. Um das Trauma aufdecken und bearbeiten zu können, muss der Therapeut eine therapeutische Beziehung herstellen. Die regelmäßigen Therapiesitzungen sind ein Beziehungsangebot für das Kind, das durch partnerschaftliche Interaktion auf malerischer und verbaler Ebene gekennzeichnet ist. „Für sexuell misshandelte Kinder erfüllen solche Beziehungsangebote eine wichtige Funktion.“ (Fürniss, zit. nach: Reichelt 1994, S. 27). Der Therapeut versucht eine Vertrauensbeziehung zu schaffen, in der das Bedürfnis des Kindes nach Schutz und Zuwendung befriedigt wird. Auf der Basis der therapeutischen Beziehung kann das Kind seine Gefühle an den Therapeuten richten (vgl. Reichelt 1994, S. 27f.).
Der Unterschied zu anderen traumatischen Erlebnissen wie Kriegserfahrungen besteht darin, dass die Opfer an einer „subjektiv überfordernden, aber […] objektiv überprüfbaren Realität“ (ebd., S. 28) anknüpfen können. Missbrauchsopfer hingegen können durch die Desorientierung keiner zusammenhängenden Biografie erinnern und zweifeln an den Bruchstücken, die noch in ihrer Erinnerung sind. Die therapeutische Aufgabe besteht darin, die Erlebnisse als „authentische Wahrnehmungsrealität“ (ebd., S. 28) in dem Bewusstsein des Kindes zu verankern. Trotz Aufdeckung besteht häufig die Tendenz der Kinder, den Missbrauch nach Offenlegung erneut zu leugnen (vgl. ebd., S. 28f.). Die „wiederauftretenden Verschleierungstendenzen“ (ebd., S. 29) sind darauf zurück zu führen, dass das Mädchen ihre Familie zu retten versucht, Schuldgefühle beseitigen möchte oder Angst vor erneutem Missbrauch hat (vgl. ebd., S. 29).
Das Kind soll den Missbrauch im Verlauf der KT als Bestandteil seiner Biographie annehmen, indem es ambivalente Gefühle, mit denen sich malerisch und gestalterisch auseinandergesetzt wird, als zusammenhängende Teilaspekte einer Erfahrung seiner Biografie versteht. Es wird erzielt, dass das Kind die Erfahrung unter eigene Kontrolle bekommt (vgl. ebd. S. 27) und ohne Zweifel darauf zurückgreifen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Themas und grenzt den Fokus auf sexuell missbrauchte Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren ein, wobei die Kunsttherapie als zentrales Mittel zur Aufarbeitung dient.
2. Definition des Begriffs „ sexuelle Gewalt“ und deren Folgen: Dieses Kapitel definiert sexuelle Gewalt rechtlich sowie feministisch und analysiert die psychischen, somatischen und sozialen Traumafolgen für betroffene Mädchen.
3. Gründe für die Anwendung von Kunsttherapie bei sexuellem Missbrauch: Es werden die therapeutischen Gründe für den Einsatz von Kunsttherapie erläutert, wobei insbesondere die Ziele der Aufdeckung, Beziehungsgestaltung und der Gewinnung von Handlungsautonomie im Vordergrund stehen.
4. Kunst- bzw. Maltherapeutische Methoden in der Therapie mit sexuell missbrauchten Kindern: Das Kapitel führt praktische Methoden ein, darunter Spontanzeichnungen, themenzentriertes Malen, die Arbeit mit Ton sowie den Einsatz von Spiel und Sprache.
5. Fallbeispiel Johanna (vgl. Reichelt 1994, S. 133ff.): Anhand des Fallbeispiels Johanna wird der therapeutische Prozess veranschaulicht, von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Aufdeckung des Missbrauchs und der damit verbundenen emotionalen Arbeit.
6. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert, dass Kunsttherapie einen geschützten Raum bietet, in dem traumatische Erlebnisse schrittweise verarbeitet und in die eigene Biografie integriert werden können.
Schlüsselwörter
Kunsttherapie, sexueller Missbrauch, Mädchen, Traumapädagogik, Maltherapie, Aufdeckungsarbeit, therapeutische Beziehung, psychische Folgen, Körpergrenzen, Handlungsautonomie, Spontanzeichnung, Bewältigungsstrategien, Misshandlungsopfer, kindliche Entwicklung, Trauma
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Einsatzmöglichkeiten der Kunsttherapie bei sexuell missbrauchten Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren, um ihnen Wege zur Aufarbeitung ihrer traumatischen Erfahrungen zu eröffnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von sexuellem Missbrauch, die psychischen und sozialen Folgen für betroffene Kinder, die therapeutische Beziehungsarbeit sowie spezifische kunsttherapeutische Methoden wie Malen und Gestalten mit Ton.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu zeigen, wie Kunsttherapie als therapeutisches Modell dazu beitragen kann, traumatische Erfahrungen von Mädchen aufzudecken, zu bearbeiten und verdrängte Gefühle in einem sicheren Rahmen auszudrücken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung und Darstellung eines klinischen Fallbeispiels, um theoretische Konzepte in der therapeutischen Praxis zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Definitionen und Folgen), die therapeutische Begründung für den Einsatz von Kunsttherapie sowie eine detaillierte Aufzählung und Erläuterung verschiedener mal- und gestalttherapeutischer Methoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kunsttherapie, sexueller Missbrauch, Traumata, Aufdeckungsarbeit, Maltherapie und kindliche Bewältigungsstrategien.
Wie hilft die Kunsttherapie bei der Bewältigung von Sprachlosigkeit?
Da betroffene Kinder oft unter Scham oder Drohungen leiden, ermöglicht die bildnerische Ebene eine Kommunikation ohne den direkten verbalen Druck, wodurch sich das Kind langsam dem Trauma annähern kann, bevor es über die Erlebnisse spricht.
Welche Rolle spielt das Fallbeispiel von Johanna für die Argumentation?
Johanna dient als konkretes Praxisbeispiel, um zu veranschaulichen, wie sich durch den therapeutischen Einsatz von Farben, Ton und Familienbildern eine Vertrauensbeziehung aufbaut und die Aufdeckung des Missbrauchs ermöglicht wird.
- Arbeit zitieren
- Mareike Lüdeke (Autor:in), 2007, Kunsttherapie bei sexuellem Missbrauch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/128017