Die Arbeit analysiert das Drama "Iphigenie auf Tauris" von Johann Wolfgang von Goethe. Es wird gezeigt, wie es Iphigenie gelingt, das Zeitalter des Mythos zu beenden. Dafür wird vor allem ihr sich veränderndes Götterbild von Bedeutung sein. Weiterhin geht die Arbeit darauf ein, wie sich die Humanität und die Aufklärung in "Iphigenie auf Tauris" zeigen. Abschließend wird auf das Ende des Werkes eingegangen und aufgezeigt, wie und ob die Humanität den Mythos ersetzt.
Goethes "Iphigenie auf Tauris" gilt als eines der wichtigsten Werke der Weimarer Klassik. In diesem Bühnenstück wird die antike Welt des Mythos mit der modernen Welt der Aufklärung verbunden. Der Mythos wird hauptsächlich durch den Tantalidenfluch verkörpert. Die Handlung wird immer wieder von dem Konflikt zwischen Göttern und Menschen bestimmt. In Iphigenies Handeln hingegen zeigen sich moderne Züge der Aufklärung und Humanität. Durch sie ist es möglich den Mythos zu überwinden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beenden des Mythos
2.1 Iphigenies Götterbild und Einstellung zum antiken Mythos
2.2 Die Griechen, Thoas und der antike Mythos
3. Aufklärung und Humanität
3.1 Dialektik der Aufklärung
4. Das Ende des Werkes: Humanität besiegt den Mythos?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie Iphigenie in Johann Wolfgang von Goethes Werk „Iphigenie auf Tauris“ das Zeitalter des Mythos überwindet, indem sie durch ein aufklärerisches, humanes Verständnis ihre Umgebung prägt, und ob diese Menschlichkeit letztlich den mythischen Fluch vollständig ersetzen kann.
- Die Transformation des Götterbildes als Bedingung für die Aufklärung.
- Die Rolle der Humanität als Gegensatz zur archaischen Gewalt.
- Der Einfluss von Sprache und Wahrheit bei der Konfliktlösung.
- Die Dialektik von Aufklärung und Mythos im Kontext der Weimarer Klassik.
- Der Wandel von kollektiven mythischen Zwängen zu individueller moralischer Verantwortung.
Auszug aus dem Buch
2. Beenden des Mythos
Der Mythos von Iphigenie beginnt mit ihrer versuchten Opferung in Aulis. Der Seher Kalchas sieht dies als einzigen Weg, die Göttin Artemis versöhnlich zu stimmen. Einigen antiken Schriftstellern zu Folge vollzieht Agamemnon die Bluttat nach der Weissagung. Die Mehrzahl der Erzählungen beschreiben jedoch Iphigenies Rettung durch die Göttin und ihre Verbannung in das Land der Taurer, um dort der Göttin als Priesterin zu dienen. Dieser Variante folgt auch Euripides. Iphigenies Bruder Orest kommt zusammen mit seinem Freund Pylades nach Tauris. Sie folgen dem Auftrag von Apoll, die Statue der Artemis zu holen und nach Athen zu bringen. Euripides‘ Drama endet mit der Flucht der Griechen, die das gestohlene Bildnis der Artemis entführen.
Der Mythos zeigt sich zu Beginn des Dramas Iphigenie auf Tauris in seiner zerstörerischen Form durch die Familiengeschichte der Tantaliden. Iphigenie bekennt sich dazu durch ihre Rede an Thoas im dritten Auftritt des ersten Aufzugs. Sie versucht Tantalus‘ Taten zu entschuldigen. Die Griechen, vor allem Tantalus, erscheinen als Helden, da sie den Göttern gleichen. Iphigenie geht jedoch nicht auf Thoas‘ Rühmung ihres Ahnherrn (vgl. V. 308ff.) ein. Für sie beginnt ihre Geschichte erst mit dessen Sturz.
Durch den falschen Umgang mit den Göttern bringt der „ehemals Hochbegnadigte[]“ (V. 309) Unglück über das ganze Geschlecht. Iphigenie bewertet dies jedoch nicht, sondern zitiert stattdessen nur, was Dichter darüber singen: „Übermut / Und Untreu stürzten ihn von Jovis Tisch / Zur Schmach des alten Tartarus hinab. / Ach und sein ganz Geschlecht trug ihren Hass“ (V. 323ff.). Iphigenie hingegen gibt den Göttern die Schuld, denn sie „sollten nicht / Mit Menschen, wie mit ihresgleichen, wandeln“ (V. 315f.). Tantalus sei „kein Verräter“ (V. 319) und auch nicht „unedel“ (V. 319), stattdessen sei er nur menschlich gewesen, denn „[d]as sterbliche Geschlecht ist viel zu schwach / In ungewohnter Höhe nicht zu schwindelnd“ (V. 317f.). Damit entschuldigt sie sein „Vergehen“ (V. 322).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Werk in der Epoche der Weimarer Klassik und formuliert die zentrale Fragestellung, wie Iphigenie den mythologischen Fluch durch aufklärerische Humanität überwindet.
2. Beenden des Mythos: Dieses Kapitel analysiert die mythologischen Hintergründe der Tantaliden und zeigt auf, wie Iphigenie ihr Götterbild von der blinden Unterwerfung zur autonomen moralischen Instanz entwickelt.
2.1 Iphigenies Götterbild und Einstellung zum antiken Mythos: Hier wird untersucht, wie Iphigenie das mythische Götterbild zunehmend hinterfragt und als Projektion menschlicher Begierden entlarvt.
2.2 Die Griechen, Thoas und der antike Mythos: Dieses Kapitel beleuchtet, wie die verschiedenen Figuren auf den Mythos reagieren und wie Thoas durch verbale Überzeugung als menschliches Gegenüber etabliert wird.
3. Aufklärung und Humanität: Der Autor erläutert, wie zentrale Begriffe der Aufklärung wie kommunikative Vernunft und Vertrauen das Handeln und die Konfliktbewältigung im Drama bestimmen.
3.1 Dialektik der Aufklärung: Unter Einbeziehung der Theorie von Adorno und Horkheimer wird diskutiert, wie Mythos und Aufklärung im Drama in einem dialektischen Spannungsverhältnis stehen.
4. Das Ende des Werkes: Humanität besiegt den Mythos?: Den Abschluss bildet eine Reflexion darüber, ob das versöhnliche Ende tatsächlich den Mythos dauerhaft bricht oder ob eine melancholische Ungewissheit bestehen bleibt.
Schlüsselwörter
Iphigenie auf Tauris, Johann Wolfgang von Goethe, Weimarer Klassik, Aufklärung, Mythos, Humanität, Tantalidenfluch, Götterbild, Vernunft, Thoas, Orest, Pylades, Dialektik der Aufklärung, Ethik, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht Goethes "Iphigenie auf Tauris" unter dem Fokus, wie das Stück den Übergang von einer mythisch geprägten Weltordnung zu einem aufgeklärten, humanen Menschenbild darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Überwindung des Tantalidenfluchs, die Rolle der Humanität gegenüber archaischen Ritualen, der Einfluss von Sprache und Wahrheit sowie die Verbindung von Religion und menschlicher Vernunft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Iphigenie durch ihre moralische Transformation den Mythos überwindet und ob die Humanität am Ende des Stücks den Mythos tatsächlich ersetzen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgreifenden literaturwissenschaftlichen Analyse des Dramentextes sowie der Einbeziehung theoretischer Ansätze, insbesondere der "Dialektik der Aufklärung" von Adorno und Horkheimer.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der mythologischen Grundlagen, die Entwicklung von Iphigenies Götterbild, die verschiedenen Perspektiven der Figuren im Spannungsfeld von Mythos und Moral und eine theoretische Reflexion der Aufklärungsgedanken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Humanität, Aufklärung, Mythos, Tantalidenfluch, Vernunft, Götterbild, Emanzipation und Kommunikation.
Warum spielt das "Lied der Parzen" eine wichtige Rolle für Iphigenies Krise?
Das Lied der Parzen verdeutlicht die absolute, moralisch indifferente Macht der Götter über die Menschen und führt Iphigenie vor Augen, dass sie sich gottverlassen und allein den eigenen ethischen Grundsätzen überlassen fühlt.
Warum lässt sich das Ende des Dramas als utopisch bezeichnen?
Das Ende ist utopisch, da die gewaltlose Lösung durch kommunikative Verständigung und Versöhnung einen Idealzustand darstellt, der eine Brücke zwischen Barbarei und Humanität schlägt, auch wenn die dauerhafte Transformation der Taurer ungeklärt bleibt.
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- Annalena Held (Autor:in), 2018, Mythos und Aufklärung in "Iphigenie auf Tauris" von Johann Wolfgang von Goethe, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1273691