Mithilfe der Systemrechtfertigungsperspektive werden individuelle Auswirkungen von Verschwörungsglauben auf die Zufriedenheit und Legitimität des politischen und sozialen Status Quo aufgezeigt. Nach definitorischen Ausführungen untersucht die Arbeit empirisch anhand aktueller Forschung psychologische Motive in Verbindung mit konspirativen Überzeugungen. Die Studie hat den Zweck, mittels einer quantitativen Online-Befragung Korrelationen mit einer systemrechtfertigenden Komponente und Einflüsse des Verschwörungsglaubens auf die Lebenszufriedenheit vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie zu prüfen.
2020 glaubt weltweit fast ein Drittel der Menschen, das SARS-CoV-2-Virus wurde absichtlich verbreitet. Wenige Monate nach Pandemiebeginn unterstütze jeder sechste deutsche Wahlberechtigte die These, dass die Politik das Virus ausschließlich zur dauerhaften Einschränkung von Freiheitsrechten nutzt. U. a. die Verbreitungsmöglichkeiten des Internets steigern die Verbreitung und Anzahl von Verschwörungstheorien, jedoch sind sie schon seit Jahrhunderten in verschiedenen Kulturen zu beobachten. Vor allem soziale Krisen lösen erhöhten gesellschaftlichen Verschwörungsglauben aus. Nach ersten Berichten zu COVID-19 haben sich Verschwörungstheorien bspw. zur Leugnung oder zum Ursprung des Virus entwickelt und sind seitdem exponentiell angestiegen. Dass es sich um eine von Chinesen geschaffene Biowaffe zu Kriegszwecken handelt, dass die Corona-Impfung gefährlich sein soll, dass neue 5G-Netz der eigentliche Auslöser des Virus sei oder Bill Gates es nutzt, um durch ein globales Impfprogramm einen Überwachungsstaat herbeizuführen, sind einige Beispiele. Es ist anzunehmen, dass die Entstehung und Verbreitung dieser Verschwörungstheorien im Zusammenhang damit stehen, dass unbefriedigte Bedürfnisse, z. B. durch soziale Isolation bedingt durch Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung, nicht befriedigt werden können.
Dies zeigt die Aktualität dieser Thematik und lässt auf einen Einfluss dieser wahrgenommenen Systembedrohung durch COVID-19 auf Verschwörungsglauben schließen. Verschwörungsideologien erscheinen für ihre Anhänger passend zur Befriedigung grundlegender (unbefriedigter) psychologische Bedürfnisse, indem sie, abgeleitet aus der System Justification Theory (SJT), epistemische, existentielle und soziale Verlangen ansprechen. Aktuelle Forschung suggeriert jedoch, dass Verschwörungstheorien diese Bedürfnisse i. d. R. letztendlich negativ beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN
2.1 Verschwörungstheorien
2.2 System Justification Theory
3 VERSCHWÖRUNGSGLAUBEN
3.1 Psychologische Faktoren
3.2 Epistemische Motive
3.3 Existentielle Motive
3.4 Soziale Motive
3.5 Auswirkungen
3.6 Rechtfertigung des Status Quo
4 UNTERSUCHUNG
4.1 Methode
4.2 Teilnehmer
4.3 Hypothesen
4.4 Ergebnisse
4.5 Auswertung
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Glauben an Verschwörungstheorien und der individuellen Zufriedenheit mit dem persönlichen Leben sowie dem gesellschaftlichen und politischen Status Quo. Im Zentrum steht dabei die Annahme, dass Verschwörungsideologien psychologische Bedürfnisse nach System- und Selbstrechtfertigung bedienen können.
- Psychologische Grundlagen von Verschwörungsglauben
- Die Rolle der System Justification Theory (SJT)
- Epistemische, existentielle und soziale Motivlagen
- Empirische Untersuchung mittels Online-Befragung
- Zusammenhang von Systemrechtfertigung und Lebenszufriedenheit
Auszug aus dem Buch
3.1 Psychologische Faktoren
Individuelle Verschwörungsvorstellungen stellen eine Persönlichkeitseigenschaft oder eine bestimmte Art und Weise des Denkens dar – sie werden meist durch ein einziges konspiratives ideologisches Konstrukt erfasst, das zu einer Tendenz führt, etablierte Wissenschaften abzulehnen. Inwieweit Informationen über Verschwörungstheorien zum Glauben an diese führen, hängt somit stark von individuellen Prädispositionen zur generellen Akzeptanz von Verschwörungslogiken, aber auch von der Deckung verschwörungstheoretischer Annahmen und persönlicher Grundsätzen, Einstellungen und Auffassungen ab. Die Zugehörigkeit zu einer konservativen Partei kann z. B. stärker zum Glauben an eine Verschwörungstheorie in Bezug auf die Leugnung des Klimawandels oder Annahmen liberaler Beeinflussung / Verzerrung der Medien beitragen, wenn diese Auffassungen parteiische Elemente darstellen.
Der moralische Kompass sowie das Bedürfnis sich selbst an verschwörerischen Aktivitäten zu beteiligen wird unter Umständen auf bestimmte Akteure projiziert. Studien haben bspw. gezeigt, dass Narzissmus, aber auch paranoide Verhaltenszüge starke Prädiktoren für konspirative Ideologien sind. Mehrere Studien stellen einen Zusammenhang mit einem niedrigeren Bildungsniveau fest.
Es bestehen Korrelationen zwischen Verschwörungsüberzeugungen und geringerer Fähigkeit zu analytisch-reflektiertem Denken, geringerer Offenheit gegenüber neuen Dingen sowie höherer Ausprägung zu intuitivem Denken. Verschwörungsglaube ist größer, wenn Menschen dazu neigen, mehrere gleichzeitig eintreffende Ereignisse intuitionsgeleitet als wahrscheinlicher einzustufen, was zu Trugschlüssen auf der Suche nach kausalen Erklärungen führt (Konjunktionsfehler).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die globale Verbreitung von Verschwörungstheorien im Kontext der Corona-Pandemie und stellt die Relevanz der Untersuchung für die psychologische Forschung dar.
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Dieses Kapitel definiert Verschwörungstheorien als geheime Absprachen mächtiger Akteure und führt die System Justification Theory zur Erklärung psychologischer Motivationsprozesse ein.
3 VERSCHWÖRUNGSGLAUBEN: Der Hauptteil analysiert die psychologischen, epistemischen, existentiellen und sozialen Motive hinter dem Verschwörungsglauben und diskutiert dessen Auswirkungen sowie die Funktion der Status-Quo-Rechtfertigung.
4 UNTERSUCHUNG: Hier werden Methodik, Teilnehmerstruktur, aufgestellte Hypothesen sowie die Ergebnisse und die statistische Auswertung der quantitativen Online-Befragung detailliert beschrieben.
5 FAZIT: Das Fazit fasst die demographischen Daten zusammen, reflektiert die Ergebnisse der Hypothesenprüfung und deutet auf den weiterführenden Forschungsbedarf hin.
Schlüsselwörter
Verschwörungstheorien, Verschwörungsglaube, System Justification Theory, Systemrechtfertigung, Psychologische Motive, Corona-Pandemie, Status Quo, Lebenszufriedenheit, Soziale Faktoren, Epistemische Motive, Existentielle Motive, Empirische Untersuchung, Online-Befragung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie der Glaube an Verschwörungsmythen die persönliche Lebenszufriedenheit und die Bewertung des sozialen sowie politischen Systems beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Die Themenfelder umfassen psychologische Persönlichkeitsfaktoren, die Rolle von Unsicherheit und existentiellen Ängsten sowie Ansätze der Systemrechtfertigung (System Justification Theory).
Was ist das primäre Forschungsziel?
Es soll herausgefunden werden, ob Verschwörungsglaube eine Funktion zur Legitimation bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse erfüllt und wie er mit der Zufriedenheit mit dem Status Quo korreliert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet eine quantitative Methode in Form einer Online-Befragung, bei der Probanden mittels verschiedener Skalen (z.B. ACBQ, SJS, SWLS) evaluiert werden.
Was deckt der Hauptteil ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Herleitung der Motive hinter Verschwörungstheorien und eine empirische Analyse der gesammelten Daten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Verschwörungsglaube, System Justification Theory, Lebenszufriedenheit, Corona-Pandemie und psychologische Motive.
Welchen Einfluss hat ein niedrigeres Bildungsniveau laut der Studie?
Die Analyse identifiziert ein niedrigeres Bildungsniveau als einen Faktor, der mit einer höheren Tendenz zu konspirativen Ideologien korreliert.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben?
Die Ergebnisse deuten auf einen signifikanten negativen Zusammenhang hin: Höherer Verschwörungsglaube korreliert mit einer geringeren Zufriedenheit mit dem eigenen Leben.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Auswirkungen von Verschwörungsglauben auf die Zufriedenheit mit dem sozialen und politischen Status Quo und dem eigenen Leben, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1268014