Barbara Harvey, 66 Jahre, Sekretärin aus Santa Monica, Kalifornien muss all
abendlich ihren Ford Kombi umparken. Seit ein paar Wochen ist ihr Auto ihr
neues Zuhause, in dem sie mit ihren beiden Hunden lebt. Um nicht
aufzufallen, sucht sie sich von Abend zu Abend einen neuen Platz, wo sie ihr
Auto abstellen kann. Sie war nicht mehr in der Lage, den Kredit ihres Hauses
zu bezahlen. Innerhalb weniger Monate waren die Ratenzahlungen derartig in
die Höhe geschossen. Selbst mit Arbeit kann sie die Raten nicht mehr
zurückzahlen, so dass sie den Kredit aufgeben musste, im Moment reicht ihr
Einkommen nicht einmal für eine Mietwohnung.
Wie Barbara Harvey ist es in den letzten Monaten vielen Amerikanern
ergangen.
Was ist passiert? Wie konnte es soweit kommen, dass massenhaft Kredite
nicht zurückbezahlt werden können, Menschen in die Obdachlosigkeit
geraten? Und wie ist es möglich, dass aus einer Vielzahl „fauler“
Hypothekenkredite eine Immobilienkrise entsteht, die eine Finanzkrise
hervorruft und letztendlich zu einer globalen Wirtschaftskrise führt? Welche
Voraussetzungen müssen vorherrschen, damit solche Auswirkungen
überhaupt möglich sind?
Diese Arbeit beschäftigt sich zunächst mit der Entstehung der sogenannten
„Subprime-Krise“, auch US-Immobilienkrise genannt, und ihren Akteuren und
zeigt auf, welche Voraussetzungen bestehen mussten, damit es zu dieser
Krise kommen konnte. Im nächsten Teil wird dargestellt, wie sich die
„Subprime-Krise“ auf die Weltwirtschaft auswirkt.
Der letzte Teil beschäftigt sich mit der Frage, ob die globalen Auswirkungen
nur aufgrund von globalen Voraussetzungen entstehen konnten und die
„Subprime-Krise“ anstatt Verursacher vielmehr Symptom des globalen
wirtschaftlichen Ungleichgewichtes ist.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die „Subprime-Krise“
2.1. Definition Subprime-Markt
2.2. Entstehung der „Subprime-Krise“
2.2.1. Die Voraussetzungen
2.2.2. Der Ausbruch der Krise
3. Die globalen Auswirkungen
3.1. Der einbrechende Absatzmarkt USA
3.2. Globale Ungleichgewichte
4. Lösungsansätze
4.1. Der sparsame und produzierende Amerikaner
4.2. Strengere Richtlinien
5. Schlussteil
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Voraussetzungen und globalen Auswirkungen der amerikanischen „Subprime-Krise“. Dabei wird analysiert, wie lokale Immobilienkredite durch komplexe Finanzinstrumente und globale Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft zu einer weltweiten Finanzkrise eskalieren konnten, und welche Lösungsansätze für zukünftige Stabilitäten diskutiert werden.
- Entstehung der „Subprime-Krise“ durch Niedrigzinsen und Kreditvergabepraktiken
- Die Rolle von Zweckgesellschaften (SPVs) und Ratingagenturen
- Auswirkungen der Immobilienkrise auf den US-Absatzmarkt und internationale Investoren
- Globale wirtschaftliche Ungleichgewichte als tieferliegende Ursache
- Notwendigkeit regulatorischer Reformen und schärferer Richtlinien
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Die Voraussetzungen
Aufgrund von unzureichenden Richtlinien bei der Kreditvergabe und der Niedrigzinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve kommt es 1999 zu einem Überangebot an „billigem Geld“, was dazu führt, dass auch an bonitätsschwache Interessenten Kredite vergeben werden (vgl. ebd.).Ein kleiner und unbedeutenden Markt im Bereich der Immobilienfinanzierung vergrößert sich innerhalb von einigen Jahren der Subprime-Markt um ein vielfaches (vgl. Stroisch/Jeimke-Karge/Brück: 2008).
Da der Prime-Markt weitgehend bedient ist, konzentrieren sich US Hypothekenfinanzierer vermehrt auf den Subprime-Markt, um weitere Kredite vergeben und damit hohe Zinsgewinne erwirtschaften zu können. Die Absicherung ist die zu erwartende Wertsteigerung der Immobilie, die als Hypothek und im Falle der Ratenaussetzung als Garantie für die Bank gilt (vgl. Schwintowski: 2008).
Bei der Kreditvergabe in den USA ist es zulässig, dass sich die Haftung des Kredites auf Haus und Grundstück beschränkt (no recourse loan). Das bedeutet, dass der Kreditnehmer nicht mit seinem Privatvermögen haftet. Folglich ist es für die Banker nebensächlich, Einkommen oder Eigenkapital der Kreditnehmer zu überprüfen. Im Gegenteil: sie machen sogar attraktive Angebote, bei denen sie die bonitätsschwachen Kreditnehmer mit geringer festverzinslicher Tilgung locken, diese sogar stunden, sie dann aber vertraglich nach einigen Jahren zu variablen Zinssätzen umwandeln. Da die variablen Zinssätze in den USA in den letzten Jahren stetig gestiegen sind, können Kreditschuldner ihre Zinsen nicht mehr zahlen und müssen ihre Häuser zwangsvollstrecken lassen (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt anhand des Beispiels von Barbara Harvey in die menschliche Dimension der Krise ein und definiert die Forschungsfrage nach den Voraussetzungen und Folgen der „Subprime-Krise“.
2. Die „Subprime-Krise“: Dieses Kapitel erläutert die Definition des Subprime-Marktes sowie die systemischen Voraussetzungen, wie die Kreditvergabepraxis und die Rolle von Zweckgesellschaften, die zum Ausbruch der Krise führten.
3. Die globalen Auswirkungen: Hier wird analysiert, wie der Einbruch des US-Marktes durch die Vernetzung globaler Finanzmärkte und bestehende globale Ungleichgewichte zu einer weltweiten Krise eskalierte.
4. Lösungsansätze: Dieses Kapitel diskutiert notwendige Anpassungen im Konsumverhalten der USA sowie strengere rechtliche Richtlinien für Banken und Ratingagenturen.
5. Schlussteil: Der Schlussteil reflektiert die Verantwortung der Akteure und betont die Notwendigkeit von Vertrauen und regulatorischen Neuregelungen für eine stabile Zukunft.
Schlüsselwörter
Subprime-Krise, Immobilienkrise, Finanzmarktkrise, Kreditvergabe, Zweckgesellschaften, ABS, CDO, Ratingagenturen, US-Notenbank, globale Ungleichgewichte, Leistungsbilanzdefizit, Verschuldung, Wirtschaftskrise, Bankenregulierung, Finanzmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen der US-„Subprime-Krise“ und deren weitreichende Auswirkungen auf die globale Weltwirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Mechanismen der US-Hypothekenvergabe, die globale Finanzmarktvernetzung und die strukturellen Ungleichgewichte zwischen den Volkswirtschaften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, welche Voraussetzungen zur Krise führten und ob die Immobilienkrise die alleinige Ursache oder ein Symptom tieferliegender globaler Ungleichgewichte ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analysierende Arbeit, die auf einer fundierten Auswertung relevanter Fachliteratur und Berichterstattung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Entstehung der Krise (Kapitel 2), deren Übertragung auf die Weltmärkte (Kapitel 3) und mögliche regulatorische sowie ökonomische Lösungsansätze (Kapitel 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben der „Subprime-Krise“ stehen Begriffe wie globale Ungleichgewichte, Finanzmarktregulierung, Zweckgesellschaften und Leistungsbilanzdefizite im Fokus.
Welche Rolle spielten Ratingagenturen bei der Eskalation?
Ratingagenturen bewerteten risikoreiche Finanzprodukte durch "Neusortierung" oft zu positiv, was Anleger fälschlicherweise in Sicherheit wiegte und so zum Betrugscharakter des Systems beitrug.
Warum wird die Krise als Symptom eines globalen Ungleichgewichts bezeichnet?
Experten argumentieren, dass das massive Leistungsbilanzdefizit der USA und die hohen Ersparnisse in asiatischen Ländern ein ungesundes Wirtschaftsgefälle schufen, das die Krise erst in diesem Ausmaß ermöglichte.
- Quote paper
- Pina Steinbrenner (Author), 2009, Die Subprime Krise und ihre Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/125564