In dieser Arbeit wird zunächst auf das Kauderwelsch an sich eingegangen, um herauszufinden, worum es sich dabei überhaupt handelt und in welcher Form es sich äußern kann. Anschließend wird das Leben von Oskar Pastior kurz umschrieben, da dieses sehr viel Einfluss auf seine Schreibweise nahm. Der Hauptteil der Arbeit wird der Sprache von Pastior gewidmet. Dabei soll zum einen herausgefunden werden, wie es zu der Kunstsprache von ihm gekommen ist. Zum anderen wird speziell auf die verschiedenen Sprachspielerischen Verfahren von ihm eingegangen. Zuletzt wird kurz umrissen, wie sich das Kauderwelsch auch in Zeichnungen etablieren kann.
Hört man das Wort „Kauderwelsch“ so denkt man oftmals an etwas Negatives, Menschen, die nicht sprechen können, oder Sprache, die nicht verstanden wird. Der Beigeschmack dieses Wortes ist demnach eher negativ konnotiert. Aufgrund der Andersartigkeit kann Kauderwelsch zu einem Teil der Anderssprachigkeit angehören.
In der Literatur gibt es oftmals sehr verwunderliche und andersartige Texte oder Gedichte, welche die Absicht verfolgen, genau so zu wirken. Sie bestehen beispielsweise nur aus Lauten, oder entsprechen optisch nicht den Regeln der Literatur. Auch diese können als Kauderwelsch der Literatur angesehen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kauderwelsch
3. Oskar Pastior
3.1 Die Kunstsprache von Oskar Pastior
3.2 Sprachspielerische Verfahren
3.2.1 Aufbrechen und Verfremdung von Worten
3.2.2 Einfluss anderer Sprachen
3.2.3 Einfluss anderer Literatur
3.2.4 Kettentexte
3.2.5 Semantische Inkompatibilität
3.2.6 Einsatz von Zahlen
3.2.7 Einsatz von Redewendungen
3.3 Zeichnungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Phänomen des "Kauderwelschs" in der Literatur, um zu ergründen, wie es sich als kreatives und spielerisches Element gegenüber traditionellen Sprachkonventionen behauptet. Im Zentrum steht die Analyse des Werkes von Oskar Pastior, anhand dessen aufgezeigt wird, wie durch gezielte sprachspielerische Verfahren neue Bedeutungsebenen geschaffen werden.
- Definition und Etymologie des Begriffs Kauderwelsch
- Biografische Einflüsse auf das Werk von Oskar Pastior
- Analyse sprachspielerischer Techniken: Von Anagrammen bis zu Kettentexten
- Die Verbindung von Literatur und Bildebene (Zeichnungen)
- Kritische Reflexion über die Rezeption und Herausforderung an den Leser
Auszug aus dem Buch
3.2 Sprachspielerische Verfahren
Pastior spielt humorvoll-subversiv mit Redewendungen, nimmt idiomatische Wendungen wörtlich, führt rhythmische Reduktionen, intralinguale Übersetzungen durch, erfindet Scheinsprachen, zerlegt Wörter, verfremdet sie durch Phonemverschiebungen, durch den Ausfall oder das Einbauen von Buchstaben, reduziert ganze Sätze auf eine Schlußsilbe, läßt sich vom Silbenklang zu neuen Wörtern anregen, verfremdet vertraute Orthographien durch phonetische Transkribierung, spannt Vokalschnüre durch seine Gedichte, setzt gerne Bindestrich oder Silbentrennungszeichen ein, verwendet Großschreibung als Stütze des Lautspiels, nutzt syntaktische Polyvalenz, montiert bekannte Texte neu gegen den Strich, kreuzt, verschränkt, transplantiert Texte verschiedener Autoren, mischt typologische und referenzielle Formen von Intertextualität.
Diese spielerischen Verfahren mit der Sprache werden anhand seiner Werke im Folgenden nachgewiesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Kauderwelsch als sprachliches Phänomen und Darlegung der zentralen Forschungsfrage anhand der Werke von Oskar Pastior.
2. Kauderwelsch: Untersuchung der Begriffsherkunft und der oft negativen Konnotation von Kauderwelsch im alltäglichen Sprachgebrauch sowie dessen Rolle als mögliches Stilmittel.
3. Oskar Pastior: Biografischer Abriss über das Leben Oskar Pastiors und dessen Bedeutung für seine Entwicklung als eigenwilliger Schriftsteller.
3.1 Die Kunstsprache von Oskar Pastior: Erläuterung der Motivation hinter der Erschaffung einer individuellen Kunstsprache als Ausdruck persönlicher und künstlerischer Freiheit.
3.2 Sprachspielerische Verfahren: Theoretische und praktische Einführung in die vielfältigen Methoden, mit denen Pastior Sprache manipuliert und transformiert.
3.2.1 Aufbrechen und Verfremdung von Worten: Analyse der Zerlegung und Neukonstruktion von Wörtern mittels Silbentrennung und Buchstabenveränderungen.
3.2.2 Einfluss anderer Sprachen: Untersuchung des Einflusses der Mehrsprachigkeit Pastiors und des Einsatzes von Fremdwörtern in seinen Texten.
3.2.3 Einfluss anderer Literatur: Analyse der Parallelen und bewussten Verfremdungen bekannter Werke der Weltliteratur, Märchen und Kinderreime.
3.2.4 Kettentexte: Erläuterung der Methode des Aneinanderreihens von Wörtern ohne Interpunktion und die daraus resultierenden neuen Lesarten.
3.2.5 Semantische Inkompatibilität: Analyse von Sprachspielen, die durch logische Widersprüche auf Bedeutungsebene entstehen.
3.2.6 Einsatz von Zahlen: Darstellung der mathematischen Ansätze und Anagramm-Verfahren zur Strukturierung von Gedichten.
3.2.7 Einsatz von Redewendungen: Untersuchung der Umwandlung und Parodierung bekannter Redewendungen zur Befreiung der Sprache aus dem Alltag.
3.3 Zeichnungen: Analyse der Verknüpfung von Sprache und visueller Bildebene in den zeichnerischen Werken Pastiors.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Wirksamkeit von Pastiors Sprachspiel und dessen Wirkung auf die intensive Auseinandersetzung der Leserschaft.
Schlüsselwörter
Kauderwelsch, Oskar Pastior, Sprachspiel, Lyrik, Kunstsprache, Sprachwissenschaft, Intertextualität, Anagramm, Kettentexte, Semantik, Literaturanalyse, Wortverfremdung, Experimentelle Literatur, Buchstabe, Kreativität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Kauderwelschs in der Literatur, insbesondere wie dieses negativ konnotiertes "Sprachgewirr" in der Hand von Oskar Pastior zu einem bewussten, künstlerischen Stilmittel wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Sprachgeschichte, die Biografie Oskar Pastiors, diverse sprachspielerische Manipulationsverfahren sowie die Verbindung von Text- und Bildebene.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist es zu klären, ob es sich bei dem von Pastior praktizierten Kauderwelsch um ein gelungenes und zielgerichtetes Spiel mit der Sprache handelt, das den Leser zur aktiven Auseinandersetzung zwingt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die verschiedene Primärwerke von Oskar Pastior methodisch untersucht und deren formale sowie inhaltliche Besonderheiten analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Kunstsprache Pastiors, eine detaillierte Analyse seiner sprachspielerischen Verfahren (wie Kettentexte oder Zahlengitter) und eine Betrachtung seiner gezeichneten Gedichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sprachspiel, Experimentelle Literatur, Intertextualität, Semantische Inkompatibilität und Wortverfremdung.
Warum spielt die Biografie von Oskar Pastior eine Rolle für seine Schreibweise?
Seine traumatischen Erfahrungen in Lagerhaft und der Wechsel seiner kulturellen Umgebung (Rumänien zu Deutschland) führten zu einer Abkehr von traditionellen Lyrik-Mustern hin zu einer individuellen, befreienden Sprachschöpfung.
Welche Rolle spielt die visuelle Komponente (Zeichnungen) in seinen Texten?
Pastior verknüpft Buchstaben und Wörter mit einer Bildebene, um die Sprachkunst zusätzlich zu visualisieren und Assoziationsräume zu schaffen, die über das reine Lesen weit hinausgehen.
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- Anonym (Author), 2021, Kauderwelsch als gelungenes Spiel mit Sprache? Eine Analyse anhand der Werke von Oskar Pastior, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1254364