Um den Einfluss von Johanna Haarer auf die kindliche Erziehung während des Nationalsozialismus zu identifizieren, wird in dieser Hausarbeit ihr Buch "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" in den Fokus genommen. Vorerst soll eine thematische Grundlage zum Nationalsozialismus und zum Begriff Erziehung geschaffen werden. Dazu werden auch die Aspekte der nationalsozialistischen Erziehung aufgegriffen. Danach werden die Kindheit und der Werdegang von Johanna Haarer zusammengefasst, um zu verstehen, wie sie dazu gekommen ist, nationalsozialistische Erziehungsratgeber zu schreiben. Anschließend wird die Biografie ihrer Tochter Gertrud Haarer beschrieben, sodass ersichtlich wird, wie Johanna Haarer ihre eigenen Kinder erzogen hat und welche Auswirkungen das hatte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Nationalsozialismus
3 Erziehung
4 Johanna Haarer
4.1 Biografie
4.2 Tochter Gertrud Haarer
5 „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“
5.1 Entstehung und Verlag
5.2 Einband
5.3 Inhalt
5.4 Auswirkung
6 Schwarze Pädagogik
6.1 Definition
6.2 Folgen
6.3 Parallelen zu „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“
7 Familie Blank
8 Einfluss nach dem Nationalsozialismus
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Autorin Johanna Haarer und ihres Erziehungsratgebers „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ auf die kindliche Erziehung während der Zeit des Nationalsozialismus sowie dessen langfristige Auswirkungen über das Jahr 1945 hinaus. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die nationalsozialistische Ideologie in diesen Erziehungsmethoden widerspiegelte und welche psychischen Folgen diese für betroffene Kinder hatte.
- Biografische Hintergründe und politisches Engagement von Johanna Haarer
- Analyse der Erziehungsgrundsätze und -methoden in Haarers Ratgeber
- Verknüpfung von Haarers Methoden mit dem Begriff der Schwarzen Pädagogik
- Fallbeispiel der Familie Blank zur Verdeutlichung transgenerationaler Folgen
- Untersuchung der langfristigen Wirkung und des Einflusses nach dem Nationalsozialismus
Auszug aus dem Buch
5.2 Einband
Betrachtet man das Titelbild auf dem Einband von Haarers Buch, so wird schnell deutlich, dass es inhaltlich nicht um eine liebevolle Mutter-Kind-Bindung geht, sondern um Macht und eine eher distanzierte Bindung. Man sieht eine Frau mit einem strengen Dutt, die ein Kind auf dem Arm hält, vermutlich ist sie die Mutter. Sie lächelt und sieht glücklich aus, was man als Stolz interpretieren kann. Dabei schaut sie jedoch nicht ihr Kind auf dem Arm an, sondern sie schaut nach rechts. In die gleiche Richtung guckt auch das Kind. Dabei sieht es eher unglücklich aus und lacht nicht, sondern der Blick ist eher leer und emotionslos. Daraus lässt sich interpretieren, dass die Emotionen eines Kindes keinen hohen Stellenwert in der Erziehung haben. Zudem ist das Kind halb mit dem Rücken zum Betrachter gedreht. Da der Kopf des Kindes durch das Hochheben der Mutter über ihrem ist, ist das Kind symbolisch machtvoller dargestellt als die Mutter. Beim Einbeziehen der Mimik und Gestik wird die Symbolik jedoch nicht unterstützt. Das Gefühl Macht und Ohnmacht, welches das Gesamtbild von Mutter und Kind vermittelt, ist für die NS-Ideologie sehr typisch.
Die rote Schriftfarbe des Buchtitels sticht vom grauen Einband hervor. Die Farbe Rot dient symbolisch als Warnfarbe und könnte im Zusammenhang mit dem Titel als Aufruf zum Lesen interpretiert werden. Haarers Name und der Name des Verlags sind in schwarz geschrieben und gehen auf dem Titelbild eher unter.
Im Gegensatz dazu zeigen die Einbände des, nach dem Nationalsozialismus herausgegebenen, bereinigten Ratgebers „Die Mutter und ihr erstes Kind“ eine liebevolle Mutter-Kind-Beziehung, da sich auf vielen der verschiedenen Titelbildern die Mutter und das Kind anschauen und somit ein fürsorgliches Gesamtbild darstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, der Relevanz von Johanna Haarers Werk sowie Aufbau und Zielsetzung der Hausarbeit.
2 Nationalsozialismus: Überblick über die Ideologie, Machtübernahme und die Erziehung zur Disziplin und Gehorsam in dieser Zeit.
3 Erziehung: Theoretische Einordnung des Erziehungsbegriffs im Kontext der Zeit des Nationalsozialismus und Anforderungen an Kinder und Jugendliche.
4 Johanna Haarer: Darstellung des Lebenslaufs der Autorin, ihres Engagements für das NS-Regime und die Erziehung der eigenen Tochter.
5 „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“: Detaillierte Analyse des Ratgebers hinsichtlich Entstehung, Einband, Inhalt und gesellschaftlicher Auswirkungen.
6 Schwarze Pädagogik: Definition des Begriffs, Erläuterung der Folgen und direkte Gegenüberstellung mit den Inhalten von Haarers Ratgeber.
7 Familie Blank: Fallbeispiel zur Illustration der konkreten praktischen Umsetzung von Haarers Methoden und der traumatischen Folgen für die betroffenen Kinder.
8 Einfluss nach dem Nationalsozialismus: Analyse, wie Haarers Ansichten über den Krieg hinaus in die Nachkriegszeit fortwirkten und erst spät durch moderne Ratgeber ersetzt wurden.
9 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung des prägenden Einflusses von Johanna Haarer auf die kindliche Erziehung und die Notwendigkeit einer Aufarbeitung.
Schlüsselwörter
Johanna Haarer, Nationalsozialismus, Erziehung, Säuglingspflege, Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind, Schwarze Pädagogik, Gehorsam, Bindungsstörung, NS-Ideologie, Kindheit, Transgenerationale Folgen, Familie Blank, Erziehungsratgeber, Rassenkunde, 1945
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den inhaltlichen Einfluss der Bestseller-Autorin Johanna Haarer und ihres Ratgebers „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ auf die Kindererziehung während der NS-Zeit und deren langfristige Folgen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die nationalsozialistische Erziehungsideologie, die Analyse des Werkes von Haarer in Bezug auf Schwarze Pädagogik sowie die transgenerationalen Traumata der Kriegskindergeneration.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Haarers Ratschläge dazu beitrugen, nationalsozialistische Verhaltensnormen – wie Gehorsam und emotionale Distanz – fest in deutschen Familien zu verankern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und quellenbasierte Analyse, die neben biografischen Daten und historischen Quellen auch sozialpsychologische Konzepte wie die „Schwarze Pädagogik“ heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie Haarers, die systematische Analyse ihres Ratgebers (Einband, Inhalt, Wirkung) und die Verknüpfung mit dem Konzept Schwarze Pädagogik anhand der Familie Blank.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Johanna Haarer, NS-Erziehungsideologie, Schwarze Pädagogik, Bindungstraumata und transgenerationale Transmission beschreiben.
Inwiefern beeinflusste Haarers beruflicher Hintergrund ihren Erziehungsstil?
Als Lungenfachärztin übertrug sie medizinische Ansichten auf pädagogische Fragen, etwa ihre Behauptung, Schreien kräftige die Lungen, was dem Bedürfnisaufschub beim Kleinkind diente.
Was zeigt das Fallbeispiel der Familie Blank?
Es dient als praktischer Beleg dafür, wie Eltern, die Haarers Ratschläge strikt befolgten, bei ihren Kindern emotionale Vernachlässigung und Bindungsstörungen verursachten, die bis ins Erwachsenenalter reichten.
Wurde Haarers Einfluss nach 1945 sofort gestoppt?
Nein, Haarers Bücher wurden teils „bereinigt“ bis in die 1980er Jahre verkauft, sodass ihre erzieherischen Grundsätze weit in die Nachkriegszeit hinein fortwirkten.
- Arbeit zitieren
- Saskia Höhne (Autor:in), 2021, Der Einfluss von Johanna Haarer auf die kindliche Erziehung während des Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1252725