Was hat das diskriminierende System des Kolonialismus mit dem rassistischen System zu tun? Wie greifen diese ineinander? Inwiefern sind diese Systeme geschichtlich geprägt von Wiederholungen? Diesen Fragen wird diese Arbeit primär anhand von Sharon Dodua Otoos Werk „Die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle“ nachgehen. Als Bestandsaufnahme und Ausblick dient die Rede „Dürfen Schwarze Blumen malen?“.
Dafür wird zunächst in die Novelle Otoos eingeführt, um das nötige Hintergrundwissen für ein umfängliches Verständnis der Thematik zu bekommen. Daraufhin soll in der Analyse den Verflechtungen zwischen Rassismus und Kolonialismus in „Die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle“ nachgegangen werden. Zunächst wird die Thematik des Alltagsrassismus in der Novelle analytisch dargelegt, woraufhin noch genauer auf den strukturellen Rassismus asylsuchender Menschen geblickt wird. Im Anschluss wird der Zusammenhang von Kolonialismus und Rassismus anhand der Novelle dargelegt. In einem Ausblick soll der Thematik des Empowerments anhand der Rede „Dürfen Schwarze Blumen malen?“ nachgegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einführung – Die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle
3 Verflechtungen: Kolonialismus & Rassismus – Die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle
3.1. Alltagsrassismus
3.2. Der Umgang mit Flüchtlingen
3.3. Verflechtungen: Kolonialismus
4 Bestandsaufnahme und Ausblick: Dürfen Schwarze Blumen malen?
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das diskriminierende System des Kolonialismus und das rassistische System in Gegenwart und Geschichte miteinander verflochten sind. Anhand der Novelle "Die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle" von Sharon Dodua Otoo analysiert die Autorin, inwiefern diese Systeme durch Wiederholungen geprägt sind und welche Auswirkungen sie auf das Leben von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland haben, wobei auch Ansätze des Empowerments thematisiert werden.
- Verflechtung von Kolonialismus und Rassismus
- Struktureller Alltagsrassismus und seine psychischen Folgen
- Diskriminierungserfahrungen von Asylsuchenden
- Konzept des Empowerments in der Literatur
- Bedeutung der Sprache als politisches und identitätsstiftendes Instrument
Auszug aus dem Buch
3. Verflechtungen: Kolonialismus & Rassismus – Die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle
Die Spaltung der Welt in den binären Gegensatz von ‚Weiß‘ und ‚Schwarz‘ bildet den ‚Innenraum des Rassismus‘ (Hall 2000: 13), der große Teile der Weltbevölkerung nicht nur ökonomisch, politisch und sozial unterprivilegiert, sondern sie symbolisch aus der Familie der Nation, der Gemeinschaft ausschließt. Wie im Diskurs ‚The West and the Rest‘ ist auch hier das zweite Glied des jeweiligen Gegensatzpaares immer nur das Andere des ersten, dessen negative, degradierte, unterdrückte Seite. Die Anderen haben in dieser Logik nicht eine andere Kultur, sondern sie sind kulturlos und ‚primitiv‘; sie haben nicht eine andere Rationalität, sondern sie sind ‚emotional‘ und ‚triebhaft‘ etc. In der Einseitigkeit der Bezeichnungsmacht in der rassistischen Unterscheidungs- und Klassifikationspraxis spiegelt sich das Machtgefälle zwischen Kolonisatoren und Kolonisierten.
In Sharon Dodua Otoos Werken sind Identitätsverhandlungen eng mit der Erfahrung diskriminierender Systeme verknüpft. Darüber hinaus sind die diskriminierenden Systeme ebenfalls miteinander verknüpft. Inwiefern Kolonialismus und Rassismus zusammenhängen, und inwiefern die Traumata der Vergangenheit in der Gegenwart weiterleben, sich diskriminierende Verhaltens- und Denkmuster wiederholen und weiterentwickeln, das soll nun anhand der ausgewählten Novelle Otoos überprüft werden.
3.1. Alltagsrassismus
Es sind die vielen kleinen Sticheleien im Alltag, die erst zusammen eine schmerzhafte Erfahrung ergeben. Mikroaggressionen werden sie auch genannt. Sie sorgen dafür, dass die Betroffenen ihre Identität infrage stellen. Darunter leiden viele psychisch- aber auch physisch. Situationen, wie diese:
Ich habe mich nie besonders für meinen sogenannten Mädchennamen interessiert. Eine förmlich gekleidete weiße Dame funkelte mich einmal mit kaum verborgener Empörung wütend an, als ich ihr auf ihre kundendienstlich geschult, höfliche Frage entgegnete, dass es wirklich nicht wichtig sei, wie sie meinen Namen ausspreche. ‚Natürlich ist es wichtig!‘, sagte sie mit leicht, aber bestimmt zusammengebissenen Zähnen. ‚Es ist schließlich Ihr Familienname!‘
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Autorin Sharon Dodua Otoo sowie ihre Werke vor und führt in die Fragestellung zur Verflechtung von Rassismus, Kolonialismus und Identitätskonstruktionen ein.
2 Einführung – Die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle: In diesem Kapitel wird die Novelle kurz vorgestellt, wobei der Fokus auf dem Thema Empowerment und der Komplexität des Identitätsgefühls der Protagonistin liegt.
3 Verflechtungen: Kolonialismus & Rassismus – Die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle: Dieses Kapitel analysiert theoretisch, wie Rassismus und Kolonialismus als sich gegenseitig stützende Systeme fungieren und wie sich diese historisch ererbten Machtstrukturen im Alltag manifestieren.
3.1. Alltagsrassismus: Dieser Abschnitt behandelt die psychischen und physischen Auswirkungen von Mikroaggressionen und alltäglichen Diskriminierungserfahrungen, die die Identität der Betroffenen untergraben.
3.2. Der Umgang mit Flüchtlingen: Hier wird die staatliche Diskriminierung von Asylsuchenden, insbesondere durch das Asylbewerberleistungsgesetz und die Unterbringung in Sammellagern, kritisch beleuchtet.
3.3. Verflechtungen: Kolonialismus: Dieses Kapitel setzt sich mit der postkolonialen Lebenssituation von Migranten auseinander und thematisiert, wie das Erbe der Sklaverei und Kolonisation heutige rassistische Denkweisen in der deutschen Gesellschaft beeinflusst.
4 Bestandsaufnahme und Ausblick: Dürfen Schwarze Blumen malen?: Der Abschnitt zieht ein Resümee zum Thema Empowerment und diskutiert, wie durch Dialoge und neue Sichtweisen rassistische Denkmuster aufgebrochen werden können.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit, sich der Verantwortung für die koloniale Vergangenheit und deren Kontinuität in der Gegenwart zu stellen.
Schlüsselwörter
Kolonialismus, Rassismus, Sharon Dodua Otoo, Mikroaggressionen, Flucht, Asylbewerberleistungsgesetz, Identitätskonstruktion, Postkolonialismus, Empowerment, Diskriminierung, Alltagsrassismus, The West and the Rest, strukturelle Gewalt, Identitätspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Verflechtung von historischen kolonialen Machtstrukturen und dem gegenwärtigen Rassismus in der deutschen Gesellschaft anhand der Werke der Autorin Sharon Dodua Otoo.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind Identitätskonstruktionen, Alltagsrassismus, staatliche Ausgrenzung von Asylsuchenden, koloniale Kontinuitäten in der Gegenwart und die Möglichkeiten des Empowerments.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diskriminierende Systeme wie Kolonialismus und Rassismus ineinandergreifen, sich gegenseitig verstärken und wie Betroffene mit diesen Strukturen in ihrem täglichen Leben umgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Untersuchung, die diskurstheoretische Ansätze und Analysen zu den Themenkomplexen Kolonialismus und Rassismus verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der literarischen Darstellung von Alltagsrassismus, eine Untersuchung der staatlichen Diskriminierungspolitik gegenüber Geflüchteten und eine theoretische Reflexion über koloniale Kontinuitäten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kolonialismus, Rassismus, Empowerment, Mikroaggressionen, Identitätskonstruktion und postkoloniale Theorie.
Wie definiert die Arbeit den sogenannten "Innenraum des Rassismus"?
Der "Innenraum des Rassismus" wird als eine binäre Spaltung der Welt in 'Weiß' und 'Schwarz' beschrieben, die Menschen nicht nur ökonomisch und politisch marginalisiert, sondern sie symbolisch aus der Gemeinschaft ausschließt.
Welche Rolle spielen "Sachleistungen" für Asylsuchende in der Argumentation der Arbeit?
Diese Leistungen werden als ein Instrument der Ausgrenzung kritisiert, das Asylsuchende von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fernhält und sie unter das soziokulturelle Existenzminimum drängt.
Was bedeutet das Konzept des "dritten Raums" in diesem Kontext?
Der "dritte Raum" nach Homi K. Bhabha bezeichnet den Zwischenraum, in dem sich Migranten verorten, die sich zwischen Herkunftskultur und Aufnahmegesellschaft bewegen und ihre Identität stetig neu verhandeln müssen.
- Quote paper
- Sophie Vogt (Author), 2022, Das Erbe des Kolonialismus. Rassismus heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1247101