Nach bisherigem Verständnis ließ sich das betriebliche Rechnungswesen grob in internes und externes Rechnungswesen aufteilen. So zumindest der Stand der Forschung und Lehre bis weit in die 2010er Jahre hinein. Seit einiger Zeit ist jedoch zu beobachten, dass sich die Trennlinie zwischen internem und externem Rechnungswesen zunehmend verschiebt. So werden im Controlling beispielsweise zur Bewertung diverser Sachverhalte sowie für das Managementreporting nun häufiger auch Zahlen herangezogen, die vorher vornehmlich in Geschäftsberichten veröffentlicht worden sind. Aus der Verschmelzung ist der Begriff „Biltrolling“ (eine Wortschöpfung aus Bilanzbuchhalter und Controller) entstanden und mittlerweile zu einem vollständigen Berufsbild gewachsen, wenn auch bisher eher in kleinen bzw. mittelständischen Unternehmen.
Die zunehmende Digitalisierung scheint, neben weiteren Treibern, die Konvergenz der beiden Zweige des Rechnungswesens zusätzlich zu beschleunigen. Um welche Treiber es sich im Einzelnen handelt, soll in den folgenden Kapiteln näher beleuchtet werden. Dazu wird ein Blick darauf geworfen, wie sich die Aufgaben, Zuständigkeiten und Adressaten von internem und externem Rechnungswesen unterscheiden und auf welchen Regelungen oder Vorschriften sie fußen. Anschließend wird die Konvergenz anhand von Beispielen erläutert, um sie im Fazit schlussendlich kritisch einzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen des betrieblichen Rechnungswesens
2.1 Externes Rechnungswesen
2.2 Internes Rechnungswesen
3 Treiber der Konvergenz im betrieblichen Rechnungswesen
3.1 Änderungen der Rechtsnormen
3.2 Betriebswirtschaftliche Aspekte
3.3 Einfluss der Digitalisierung auf die Konvergenz
4 Beispiele für die Konvergenz im betrieblichen Rechnungswesen
4.1 Segmentberichterstattung
4.2 Goodwill
4.3 Wertorientierte Performance-Messung
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der zunehmenden Konvergenz zwischen internem und externem Rechnungswesen, die durch rechtliche Neuerungen, kapitalmarktorientierte Anforderungen und den Megatrend der Digitalisierung vorangetrieben wird.
- Grundlagen und Abgrenzung von internem und externem Rechnungswesen
- Rechtliche und betriebswirtschaftliche Treiber der Konvergenz
- Die Rolle der Digitalisierung als Beschleuniger für Echtzeit-Reporting
- Praxisbeispiele: Segmentberichterstattung, Goodwill-Bewertung und wertorientierte Performance-Messung
- Kritische Würdigung des Biltrolling-Ansatzes
Auszug aus dem Buch
3.3 Einfluss der Digitalisierung auf die Konvergenz
Die Digitalisierung gilt als einer der Megatrends unserer der heutigen Zeit. Folglich erscheint es konsequent, dass betriebswirtschaftliche Rahmenbedingungen sich ändern und Unternehmungen sich die Vorteile der Digitalisierung zunutze machen. Ihnen stehen heute eine große Bandbreite an ERP-, DMS-, oder Business-Intelligence-Systemen zur Verfügung, welche die Erfassung, Verbuchung und Archivierung von Geschäftsvorfällen unterstützen. Die Informationsversorgung des Managements kann dadurch nahezu in Echtzeit erfolgen. Gebuchte Geschäftsvorfälle sind dank zunehmender Vernetzung der Cloudintegration von Softwarelösungen unverzüglich in der Kosten- und Leistungsrechnung verfügbar, wodurch Analysen und das Reporting in Echtzeit ermöglicht wird.
Business-Intelligence-Anwendungen eröffnen Unternehmungen zudem die Möglichkeit die Prognosequalität bei Forecasts zu steigern und dadurch Planungsprozesse zu automatisieren, wodurch sich gleichzeitig der Planungsaufwand hinsichtlich Kosten und Zeit reduzieren lässt. Ebenso lässt sich durch den Einsatz von BI-Software die Performance-Messung sowie darauf aufbauend, ein standardisierbares und empfängerorientiertes Reporting automatisieren. BI-Technologien ermöglichen zudem die Gewinnung neuer Erkenntnisse aus vorhandenen oder neuen Daten, welche vorher möglicherweise im Verborgenen geblieben wären. Hierdurch lassen sich beispielsweise neue Steuerungskennzahlen identifizieren und in den Entscheidungsprozess integrieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema der abnehmenden Trennlinie zwischen internem und externem Rechnungswesen sowie Vorstellung des Konzepts "Biltrolling".
2 Grundlagen des betrieblichen Rechnungswesens: Definition und Abgrenzung der Adressaten sowie Aufgabenbereiche von internem (Controlling) und externem Rechnungswesen.
3 Treiber der Konvergenz im betrieblichen Rechnungswesen: Analyse der Einflussfaktoren wie Rechtsnormen (BilMoG), Kapitalmarktbedürfnisse und die Rolle der Digitalisierung für die Konvergenz.
4 Beispiele für die Konvergenz im betrieblichen Rechnungswesen: Konkrete Anwendungsszenarien der Konvergenz anhand der Segmentberichterstattung, Goodwill-Bilanzierung und wertorientierter Kennzahlen.
5 Fazit: Kritische Zusammenfassung der Entwicklung, die in einer Annäherung der beiden Zweige resultiert, bei gleichzeitiger Warnung vor dem Verlust der gestalterischen Freiheit im Controlling.
Schlüsselwörter
Rechnungswesen, Internes Rechnungswesen, Externes Rechnungswesen, Konvergenz, Controlling, Biltrolling, Digitalisierung, Segmentberichterstattung, Goodwill, Performance-Messung, IFRS, Kapitalmarkt, BilMoG, Unternehmenssteuerung, Business Intelligence
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die zunehmende Annäherung (Konvergenz) zwischen dem internen und dem externen Rechnungswesen in modernen Unternehmen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung beider Rechnungswesensbereiche, die Auswirkungen von Gesetzesänderungen sowie die Rolle moderner IT-Systeme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum die Trennung zwischen internen und externen Zahlen zunehmend verschwimmt und welche Konsequenzen dies für die Unternehmensführung hat.
Welche wissenschaftliche Methode nutzt der Autor?
Es handelt sich um einen wissenschaftlichen Essay, der auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung betriebswirtschaftlicher Praxiskonzepte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Treiber der Konvergenz und die praktische Anwendung anhand von drei spezifischen Beispielen aus der Bilanzierung und dem Controlling.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Biltrolling, Konvergenz, IFRS-Rechnungslegung und digitale Transformation geprägt.
Was versteht der Autor unter dem Begriff "Biltrolling"?
Biltrolling ist eine Wortschöpfung aus "Bilanzbuchhalter" und "Controller" und beschreibt ein Berufsbild, das Aufgaben beider Bereiche miteinander vereint.
Warum spielt die Digitalisierung eine so wichtige Rolle für diese Konvergenz?
Durch IT-Systeme wie SAP S/4HANA und das "Universal Journal" können Daten nahezu in Echtzeit sowohl für das externe Reporting als auch für interne Steuerungszwecke genutzt werden.
Welchen Nachteil sieht der Autor in der beschriebenen Konvergenz?
Der Autor merkt kritisch an, dass das Controlling durch die Harmonisierung mit dem regulierten externen Rechnungswesen an "gestalterischer Freiheit" verlieren könnte.
- Arbeit zitieren
- David Lopez-Hernandez (Autor:in), 2022, Konvergenz von internem und externem Rechnungswesen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1243697