Der "screen" als diskursiver Begriff nimmt die technische Realisation moderner High-End-Geräte vorweg. Vor diesem Hintergrund bietet es sich an, auf vergangene, aber keineswegs aus der Zeit gefallene Diskurse zurückzugreifen. Diese können Möglichkeiten und potenzielle Gefahren technischer Innovationen kritisch reflektieren und somit helfen, ein differenziertes Bild von dem Phänomen des screens im digitalen Jahrhundert zu gewinnen. Außerdem können sie helfen, eine Antwort auf die für das Forschungsfeld der Screenology wesentliche Frage zu geben. Herangezogen werden unter anderem Denker*innen der Kritischen Theorie und der Cultural Studies.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Screenology als neues Forschungsfeld
2. Die Kulturindustrie-These: Die Manipulationskritik der Kritischen Theorie
3. Ideologie und die kulturelle Logik des Spätkapitalismus
4. Fazit: Die normativ-politische Dimension der Screenology
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kritische Bedeutung von Screens im spätmodernen Konsumkapitalismus, indem sie medienwissenschaftliche Diskurse und die Kritische Theorie nutzt, um die Manipulationsmechanismen digitaler Plattformen und deren Auswirkungen auf das Subjekt zu hinterfragen.
- Grundlagen der „Screenology“ als neues medienwissenschaftliches Forschungsfeld
- Kritik an der Kulturindustrie und der modernen „regressiven Modernisierung“
- Die Rolle der Ideologie und kulturellen Logik des Spätkapitalismus im digitalen Raum
- Einfluss von Influencern und sozialen Netzwerken auf das Selbstbild und die psychische Gesundheit
- Notwendigkeit einer normativ-politischen Medienkompetenz und medienkritischen Reflexion
Auszug aus dem Buch
3. Ideologie und die kulturelle Logik des Spätkapitalismus
Der Philosoph und Literaturkritiker Roland Barthes hat prominent eine breite Auffassung von Ideologie vertreten. In seinem Werk Mythen des Alltags hat er eine anonyme Ideologie ausgemacht, „penetrating every possible level of social life, inscribed in the most mundane of rituals, framing the most casual social encounters.“ Seine „application of a method rooted in linguistics to other systems of discourse outside language“ wie Mode, dem modernen Film oder trivial erscheinenden Phänomenen wie lokalen Essgewohnheiten, stellt Dick Hebdige fest, „opened up completely new possibilities for contemporary cultural studies.“ Der Einfluss von Barthes’ „Ideologiekritik, die sich auf die Sprache der sogenannten Massenkultur“ und die semiologische Demontage dieser Sprache richtet, muss sich nicht in den Cultural Studies erschöpfen, sondern kann ebenso für ein sich konstituierendes Forschungsfeld der Screenology fruchtbar gemacht werden. Barthes zeigt, „daß kulturelle Phänomene wie Texte organisiert sind, nämlich als denotierende und konnotierende Zeichenzusammenhänge.“ Seine strukturalistische Kultursemiotik vertritt hierbei eine „generalisierte Auffassung von Sprache“: Da der Mythos zur Semiologie gehört fällt die Fotografie genauso unter dieses Verständnis von Sprache wie ein Zeitungsartikel; dasselbe gilt für jedes Phänomen, das Medienkonsumierenden über das Medium des screens begegnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Screenology als neues Forschungsfeld: Einführung in den Begriff der Screenology als medienwissenschaftliches Feld, welches tragbare Screens und deren Bedeutung für die digitale Lebensrealität untersucht.
2. Die Kulturindustrie-These: Die Manipulationskritik der Kritischen Theorie: Anwendung der Theorien von Horkheimer, Adorno und Benjamin auf digitale Medien, um die Transformation von Technikpotentialen in Instrumente der Überwachung und Manipulation aufzuzeigen.
3. Ideologie und die kulturelle Logik des Spätkapitalismus: Analyse semiotischer Strukturen in sozialen Medien und die Auswirkungen des Konkurrenzdenkens auf das menschliche Selbstbild sowie die Rolle der „influencer-Ideologie“.
4. Fazit: Die normativ-politische Dimension der Screenology: Zusammenführung der Ergebnisse mit der Forderung nach kritischer Medienkompetenz und einer politisierten Auseinandersetzung mit der Machtasymmetrie gegenüber Tech-Konzernen.
Schlüsselwörter
Screenology, Kulturindustrie, Kritische Theorie, Spätkapitalismus, Ideologiekritik, soziale Medien, Überwachungskapitalismus, Medienkompetenz, Digitalisierung, semiotische Räume, algorithmische Gewalt, Subjektivität, Tech-Monopolisten, Konsumkapitalismus, Manipulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die Rolle moderner Bildschirmtechnologien (Screens) innerhalb des spätmodernen Konsumkapitalismus und analysiert, inwieweit diese für gesellschaftliche Manipulationsprozesse genutzt werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Kritische Theorie in Bezug auf die Kulturindustrie, die ideologische Wirkung digitaler Oberflächen sowie die psychischen Auswirkungen der „influencer-Ideologie“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein differenziertes medienkritisches Verständnis für die „screen-mediated society“ zu schaffen und die Machtstrukturen zwischen großen Digitalkonzernen und Nutzer*innen offenzulegen.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit nutzt Ansätze der Medienwissenschaft, der strukturalistischen Kultursemiotik nach Roland Barthes sowie gesellschaftstheoretische Perspektiven der Frankfurter Schule.
Was ist der Kerngehalt des Hauptteils?
Der Hauptteil kontrastiert das technologische Versprechen der Aufklärung mit der realen, algoritmusgesteuerten „regressiven Modernisierung“ im digitalen Raum und vergleicht optimistische mit pessimistischen Medientheorien.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Wichtige Begriffe sind Screenology, Kulturindustrie, Ideologie, Überwachungskapitalismus, Partizipation und die systemische Profitmaximierung durch digital gespeichertes Engagement.
Wie unterscheidet sich die Nutzung von Screens heute von früheren Medien?
Im Gegensatz zu analogen Massenmedien ermöglichen Screens eine personalisierte, rund-um-die-Uhr-Überwachung durch Datensammlung, was eine neue Qualität der Verhaltenssteuerung („behavioral surplus“) ermöglicht.
Was bedeutet die „normativ-politische Dimension der Screenology“ für Nutzer*innen?
Sie impliziert, dass Nutzer*innen gefordert sind, eine reflexive Distanz und Medienkompetenz gegenüber den vermeintlich neutralen, aber ideologisch aufgeladenen Inhalten auf ihren Screens zu entwickeln.
- Quote paper
- Leon Maack (Author), 2021, "Screenology" und Manipulationskritik. Der Screen im spätmodernen Konsumkapitalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1238010