Diese Arbeit zeigt die Bemühungen Italiens während der transatlantischen Emigration auf. Sie zeigt Statistiken und bemüht sich darum zu erklären, weshalb der italienische Staat seine Staatsangehörigkeitsrechte über den Atlantik hinaus erweiterte. Dabei soll folgende Frage beantwortet werden: Kann man bei der Emigration von Italiener nach Argentinien überhaupt von Kolonialisierung sprechen?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Stadtentwicklung zu Beginn des 19. Jahrhunderts
2 Transatlantische Emigration
2.1 Statistische Zahlen der italienischen Auswanderer
2.2 Wer waren die Auswanderer?
2.3 Der Umgang Argentiniens mit den Einwanderern
2.4 Die Schaffung eines nationalen Zugehörigkeitsgefühls
3 Das italienische Staatsangehörigkeitsrecht
3.1 Auf dem Weg zur Einigung
3.2 Die Massenemigration bis 1914
3.3 Das legge Crispi oder das Gesetz der sozialen Gerechtigkeit (1876 - 1896)
3.4 Berufliche Situation der Emigranten in Argentinien
3.5 Zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts von 1912
4 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Bemühungen des italienischen Staates während der transatlantischen Emigrationsphase, seine politischen Interessen über den Atlantik hinweg zu wahren. Das zentrale Ziel ist es, die Entwicklung der Emigrationsströme zu analysieren und zu klären, ob man im Kontext der massenhaften Auswanderung nach Argentinien tatsächlich von einer italienischen Kolonialisierung sprechen kann.
- Analyse der italienischen Auswanderungsstatistik und der Sozioökonomie der Emigranten.
- Untersuchung der argentinischen Einwanderungspolitik und Strategien zur Integration.
- Diskussion der Reformen des italienischen Staatsangehörigkeitsrechts zur Bindung der Emigranten.
- Bewertung des Einflusses italienischer Immigranten auf die argentinische Wirtschaft.
Auszug aus dem Buch
3.5 Zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts von 1912
In den 1880-90er Jahren versuchte der italienische Staat die eigenen nationalen Interessen zu wahren. Die italienische Regierung versuchte erfolglos, über bilaterale Abkommen spezifische aufschiebende Wirkungen für die Nachkommen der Emigranten einzuführen, die den Verlust der italienischen Staatsangehörigkeit nur für den Fall einer ausdrücklichen Einverständniserklärung seitens des Nachkommens des Immigranten vorsah. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde das Thema der Staatsangehörigkeit in den südamerikanischen Emigrationsländern zum Politikum. Die Rechtslage der nach Argentinien immigrierten Italiener wurde zu einem Zusammenlauf verschiedener ökonomischer, politischer und kultureller Erwartungen der italienischen Gesellschaft.
Das wachsende Anliegen der öffentlichen Meinung für die transatlantischen Immigranten fiel einerseits mit der generellen Bekundung eines expansionistischen Nationalismus zusammen. Andererseits führte die zeitgenössische Beobachtung einer erfolgreichen sozioökonomischen Eingliederung der italienischen Immigranten zu einem breiten Bündnis der ökonomischen und politischen Interessen, die in die Richtung einer Staatsangehörigkeitsreform drängten. Die Niederlage von Adua im März 1896, zerstörte die für mehr als ein Jahrzehnt die auf Afrika gerichteten Kolonialisierungsbemühungen. Lateinamerika und insbesondere Argentinien wurden der neue Bezugspunkt italienischer Expansionsträume der Politik. Wegen des imperialistischen Wettlaufs zwischen den westlichen Mächten musste die italienische eine Vorreiterrolle auf der internationalen politischen Bühne erlangen. Man wollte eine friedliche Expansionspolitik, mit ökonomischem und kulturellem Charakter. Die Emigration wurde als ein angeborenes und unaufhaltbares Phänomen dargestellt. Es musste allein die bisher ungeordnete Emigration in eine geordnete Massenemigration umgewandelt werden. Die Vorstellung eines direkten Kolonialismus in Afrika wurde von der ungezwungenen und friedlichen Expansion durch Emigration nach Argentinien abgelöst.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Problematik der italienischen Kolonialbestrebungen ein und stellt die Forschungsfrage, ob die Emigration nach Argentinien als Kolonialisierung zu definieren ist.
1 Stadtentwicklung zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Dieses Kapitel erläutert die Folgen der Industrialisierung für die städtischen Raumstrukturen und die sich verändernde Zusammensetzung der städtischen Gesellschaft durch Migration.
2 Transatlantische Emigration: Hier werden die statistischen Daten der italienischen Auswanderer analysiert sowie der Umgang Argentiniens mit den Einwanderern und die Etablierung nationaler Zugehörigkeitsgefühle thematisiert.
3 Das italienische Staatsangehörigkeitsrecht: Dieses Kapitel untersucht die historische Entwicklung des italienischen Staatsangehörigkeitsrechts im Kontext der Massenemigration und der wirtschaftlichen Rolle der Emigranten in Argentinien.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass trotz des massiven italienischen Einflusses auf die argentinische Wirtschaft nicht von einer Kolonialisierung im klassischen Sinne gesprochen werden kann.
Schlüsselwörter
Transatlantische Emigration, Italien, Argentinien, Kolonialisierung, Staatsangehörigkeitsrecht, Massenemigration, Industrialisierung, Nationalismus, Migration, Sozioökonomie, Identität, Integration, Bevölkerungswachstum, Arbeitsmarkt, Staatsbürgerschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Auswanderung von Italienern nach Argentinien im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert und untersucht, inwieweit diese Prozesse als bewusste Form italienischer Kolonialpolitik verstanden werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Migrationsstatistiken, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Staatsbürgerschaft, die wirtschaftliche Eingliederung der Immigranten in Argentinien sowie die Bemühungen Italiens, Einfluss auf seine im Ausland lebenden Staatsbürger zu nehmen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Kann man bei der massenhaften Emigration von Italienern nach Argentinien tatsächlich von einer Form der Kolonialisierung sprechen?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die Statistiken und Gesetzesänderungen auswertet und diese in den zeitgenössischen Kontext der europäischen Expansionspolitik setzt.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung städtischer Entwicklungen durch Migration, die detaillierte Darstellung der Emigrationsströme sowie eine juristische Analyse der Reformen des italienischen Staatsangehörigkeitsrechts von 1912.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie transatlantische Emigration, Staatsangehörigkeitsrecht, sozioökonomische Integration und den Vergleich zwischen kolonialer Expansion und friedlicher Besiedlung charakterisiert.
Warum war für Italien die doppelte Staatsbürgerschaft so wichtig?
Die italienische Regierung wollte sicherstellen, dass die Auswanderer und deren Nachkommen weiterhin an das Mutterland gebunden blieben, um so den nationalen Einfluss im Ausland zu wahren und eine Rückkehroption zu ermöglichen.
Welche Rolle spielten die italienischen Vereine in Argentinien?
Die Vereine dienten als wichtige Anlaufstellen für Immigranten, boten soziale Leistungen und fungierten zugleich als Mittel der politisch-kulturellen Sozialisierung, um die Bindung an Italien und die eigene Identität zu festigen.
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- Diana Gotscharek (Author), 2019, Transatlantische Emigration. Italiens Kolonialisierungserfolge in Argentinien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1216670