Wie setzen Goethe und Schiller ihre Idee eines neuen Theaterkonzepts in Weimar um und welche maßgeblichen Gebote werden in den Regeln für Schauspieler realisiert? Somit ist diese wissenschaftliche Arbeit eine vergleichende Analyse des Weimarer Theaterkonzepts und dessen Schauspielerregeln im Hinblick auf die vorhandene Forschungsliteratur. Ausschlaggebende Autorinnen und Autoren, die für die Arbeit konsultiert werden, sind unteranderem Fischer-Lichte, Schwind, Zumbusch und Lederer. Das Interesse für diese Hausarbeit liegt in den so strikten und einengend formulierten Regeln für Schauspieler zu Grunde, die ich im Hauptteil näher betrachten werde. Meine methodische Vorgehensweise sieht vor, dass in den ersten beiden Kapiteln zunächst Goethes Anfänge in Weimar und dessen Zusammentreffen mit Schiller illustriert werden. Das darauffolgende Kapitel erläutert das von Schiller und Goethe zusammen erarbeitete Theaterkonzept für das Weimarer Publikum und an welchen Stilen sie sich orientiert haben. Des Weiteren wird das Grundkonzept der Regeln für Schauspieler erarbeitet, woraufhin die vorherrschenden Schauspielerregeln Goethes analysiert werden. Schlussendlich folgt das Fazit, welches die Ergebnisse der Arbeit zusammentragen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Goethe in Weimar
2.1 Goethe und Schiller in Weimar
2.2 Das Theaterkonzept
2.3 Regeln für Schauspieler - Grundkonzept
2.4 Regeln für Schauspieler – Analyse
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die wissenschaftliche Arbeit analysiert das von Goethe und Schiller entwickelte Theaterkonzept am Weimarer Hoftheater sowie die damit verbundenen, strikten schauspielerischen Regeln, um aufzuzeigen, wie diese zur Durchsetzung einer künstlichen, idealistischen Ästhetik eingesetzt wurden.
- Die Zusammenarbeit von Goethe und Schiller in Weimar
- Das neue Weimarer Theaterkonzept als Kontrast zum bürgerlichen Illusionstheater
- Die Implementierung von Schauspielregeln zur Disziplinierung der Akteure
- Die Bedeutung von Künstlichkeit, Deklamation und ästhetischer Harmonie auf der Bühne
Auszug aus dem Buch
2.4 Regeln für Schauspieler – Analyse
Das Prinzip der Künstlichkeit wird in den Regeln vorrangig durch die Aussprache der Schauspielenden evoziert. Um die Dichtung nicht zu entstellen, soll dialektfrei und in der Übung die Wörter „recht scharf, ja schärfer [ausgesprochen werden], als es eigentlich sein soll“, wobei Übertreibungen beim Einüben sogar erwünscht sind. So predigt Goethe, dass überdeutlich gesprochen werden soll, da „ein verschluckter Buchstabe oder ein undeutlich ausgesprochenes Wort oft den ganzen Satz zweideutig macht“. Wodurch auf fatale Weise das Publikum und auch die Schauspielkolleginnen und -kollegen zum Lachen animiert werden. Der Fokus liegt hier auch auf der wohlüberlegten Betonung, wodurch schon im Voraus unsittliche Zweideutigkeit und Lächerlichkeit unterbunden werden sollen. In den überarbeiteten Theatergesetzen von 1808 wurden in drei Punkten ausführlich unschickliche Späße und das Lachen der Lehrlinge auf der Bühne und sogar in den Proben verboten, um Goethes „´höhere´ Literatur-Theater durchzusetzen“. In den Regeln wird der Unterschied zwischen der Rezitation und Deklamation etabliert. Während der Rezitation halten die Schauspielenden einen Vortrag mit leidenschaftsloser Tonerhebung, wobei nur eine minimale „Tonveränderung zwischen der kalten ruhigen und der höchst aufgeregten Sprache“ ausgeübt wird. Bei der Deklamation, die Goethe als die gesteigerte Form der Rezitation sieht, soll die sprechende Person ihren
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Umsetzung des neuen Weimarer Theaterkonzepts und der Bedeutung der Schauspielerregeln innerhalb einer vergleichenden Literaturanalyse vor.
2. Goethe in Weimar: Dieses Kapitel zeichnet Goethes Weg zum Intendanten in Weimar sowie die Annäherung und produktive Zusammenarbeit mit Schiller nach, die das Fundament für das Weimarer Theater bildete.
2.1 Goethe und Schiller in Weimar: Hier wird die langsame Annäherung der beiden Autoren, ihre gegenseitige intellektuelle Beeinflussung und der Beginn ihrer produktiven Arbeitsgemeinschaft skizziert.
2.2 Das Theaterkonzept: Dieses Kapitel erläutert den Bruch mit dem Illusionstheater und die Etablierung eines idealistischen, auf Harmonie und Künstlichkeit basierenden Bühnenkonzepts.
2.3 Regeln für Schauspieler - Grundkonzept: Hier werden die Ursprünge der von Goethe entwickelten Regeln für Schauspieler sowie deren Zielsetzung, nämlich die Ausbildung zur klassischen Ästhetik, beschrieben.
2.4 Regeln für Schauspieler – Analyse: Dieses Kapitel untersucht detailliert, wie durch spezifische Aussprache-, Bewegungs- und Verhaltensregeln die Künstlichkeit der Darstellung erzwungen werden sollte.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die Regelsysteme sowohl der ästhetischen Ausbildung dienten als auch Goethes Kontrollinstrument zur Durchsetzung seiner Theatermaximen waren.
Schlüsselwörter
Weimarer Theater, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Theaterkonzept, Schauspielerregeln, klassische Ästhetik, Künstlichkeit, Idealismus, Deklamation, Rezitation, Weimarer Klassik, Theaterinszenierung, Spielweise, Disziplinierung, Sprachrhythmus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Intendanz Goethes am Weimarer Hoftheater und dem von ihm in Zusammenarbeit mit Schiller entwickelten Theaterkonzept.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Entwicklung eines neuen, idealistischen Theaterstils, die theoretische Begründung der Schauspielkunst und die praktische Umsetzung durch strenge Regeln für Schauspieler.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Goethe und Schiller ihre Idee eines neuen Theaterkonzepts in Weimar umsetzten und welche spezifischen Gebote in den Regeln für Schauspieler realisiert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin führt eine vergleichende Analyse des Weimarer Theaterkonzepts und der Schauspielerregeln auf Basis der vorhandenen Forschungsliteratur durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Goethes Wirken in Weimar, die Zusammenarbeit mit Schiller, die theoretischen Grundlagen des Theaterkonzepts sowie die expliziten Regeln zur Gestaltung von Aussprache, Bewegung und Körperhaltung auf der Bühne.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Weimarer Theater, klassische Ästhetik, Künstlichkeit, Idealismus, Deklamation und Schauspielerregeln.
Welchen Zweck verfolgte Goethe mit dem Verbot des Lachens für die Schauspieler?
Das Verbot sollte die Reinheit der Kunst und das von Goethe angestrebte „gehobene“ Literatur-Theater schützen, da Lachen als unschicklich galt und die intendierte Künstlichkeit der Darbietung diskreditieren konnte.
Warum wird der Körper des Schauspielers im Regelwerk als „fremd-bestimmt“ bezeichnet?
Aufgrund der minutiösen Vorgaben zu Haltung, Bewegung und Mimik wird der Schauspieler in Goethes Konzept zur „Staffage“ oder zum bloßen „Sprech-Organ“ degradiert, um das dichterische Werk über die Individualität des Darstellers zu heben.
- Arbeit zitieren
- Angelina Marx (Autor:in), 2022, Goethe in Weimar. Theaterkonzept und Regeln für Schauspieler, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1214236