„Die Medienwissenschaft hat zum Buch ein gespaltenes Verhältnis.“
Wie Hicketier feststellt nimmt das Buch innerhalb einer auf die technisch-apparativen Medien ausgerichteten Medienwissenschaft keinen nennenswerten Rang ein. Dies hat einerseits historische Gründe, andererseits beruht es auch auf eine wissenschaftsstrategische Pragmatik der Universitätsdisziplinen, die restriktiven politischen Planungsvorhaben unterliegen und eine Konzentration auf bestimmte Kernbereiche anstreben. Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist es, die empirische Methode der Inhaltsanalyse – eine der gängigsten Methoden, die in der Medien- bzw. Kommunikationswissenschaft Verwendung findet – vorzustellen und mögliche Anwendungsgebiete für die Buchwissenschaft zu erarbeiten.
Zunächst wird einleitend die Definition des Mediums erläutert. Darüber hinaus erfolgt – trotz einer prekären Definition – die Vorstellung der Medienwissenschaft als universitäre Disziplin. In diesem Zusammenhang werden historische Aspekte des Universitätsfachs, die Aufgabenbereiche und auch mögliche Ausrichtungen des Fachs vorgestellt.
Den Hauptteil der vorliegenden Arbeit bildet die Vorstellung der quantitativ-qualitativen Inhaltsanalyse . Zuvor wird das Methodenspektrum, das in der Kommunikations- und Medienwissenschaft Verwendung findet, kurz vorgestellt, um einen groben Überblick über die Arbeitsweisen und Definitionen darzustellen. Vor dem Hintergrund dieses methodischen Rahmens wird Theorie der Inhaltsanalyse im Hinblick auf die Definition, die Zielsetzungen und Charakteristika behandelt. Darüber hinaus wird die konkrete Durchführung anhand der unterschiedlichen Entwicklungsphasen und zahlreichen praktischen Beispiel praxisnah vorgestellt.
Abschließend wird die Anwendbarkeit der Inhaltsanalyse auf buchwissenschaftliche Belange anhand konkreter und praktischer Beispiele bzw. Vorschläge dargestellt.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist ein Medium?
3 Definition der Medienwissenschaften
4 Methoden der Medienwissenschaften
5 Inhaltsanalyse
5.1 Definition und Zielsetzung
5.2 Vorteile und Kritik
5.3 Methodische Umsetzung
5.3.1 Planungsphase
5.3.2 Entwicklungsphase
5.3.3 Testphase
5.3.4 Anwendungsphase und Auswertung
6 Anwendungsmöglichkeiten für die Buchwissenschaft
7 Schlußwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis der Buchwissenschaft zur Medienwissenschaft und evaluiert, inwieweit die empirische Methode der Inhaltsanalyse als geeignetes Instrument für buchwissenschaftliche Forschungsfragen genutzt werden kann.
- Grundlagen der Medien- und Kommunikationswissenschaft
- Klassifizierung und Definition des Medienbegriffs
- Methodenspektrum und Gütekriterien empirischer Forschung
- Theorie und praktische Anwendung der Inhaltsanalyse
- Einsatzmöglichkeiten der Inhaltsanalyse in der Buchwissenschaft
Auszug aus dem Buch
5.1 Definition und Zielsetzung
Die Inhaltsanalyse wird in den beiden verbreitetsten Lehrbüchern in Deutschland wie folgt definiert:
„Die Inhaltsanalyse ist eine empirische Methode zur systematischen, intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen“
„Die Inhaltsanalyse ist eine Methode zur Erhebung sozialer Wirklichkeit, bei der von Merkmalen eines manifesten Textes auf Merkmale eines nicht manifesten Kontextes geschlossen wird.“
Sowohl die Definition von Früh als auch die von Merten identifiziert die Inhaltsanalyse als eine empirische Methode, mit deren Hilfe etwas beschrieben bzw. gemessen werden kann. Darüber hinaus soll die Analyse vom analysierenden Subjekt losgelöst sein, das heißt, die Ergebnisse müssen intersubjektiv nachvollziehbar sein – also für mehrere Betrachter gleichermaßen erkennbar und nachvollziehbar – und damit auch reproduzierbar, kommunizierbar und kritisierbar. Der Unterschied zwischen beiden Definitionen ist an die begriffe manifest und nicht-manifest gekoppelt. Während Früh bewusst die Verwendung dieses Begriffspaares ablehnt, verwendet Merten diese Begrifflichkeit, da seiner Ansicht nach durch das inhaltsanalytische Verfahren die soziale Wirklichkeit (also nicht-manifeste/latente Kontexte) durch vorliegende und manifeste (das heißt offenkundige) Texte erfasst und erfasst und verstanden wird. Dies ist aus heutiger Sicht jedoch problematisch, da Informationen – bedingt durch die unterschiedlichen Ausgangssituationen der Rezipienten – nicht von allen gleich verstanden werden.
Gegenstand der Inhaltsanalyse ist die materialisierte Kommunikation – also Texte, Sendungen und transkribierte Gespräche. Ziel ist hierbei die Reduktion von Komplexität und Vielfalt der Informationsmenge, da im Untersuchungsmaterial nur die hypothesenrelevanten Merkmale betrachtet werden anhand eines vordefinierten Kategoriensystems. Durch wissenschaftliche Hypothesen werden interessante Aspekte isoliert und mit Hilfe empirischer Methoden der Inhaltsanalyse ausgewertet. Es wird nicht der Anspruch erhoben, den Gesamtsinn des Textes zu erfassen, im Vordergrund steht vielmehr die systematische Untersuchung im Hinblick auf ganz bestimmte vordefinierte Aspekte – somit ist es eine selektive Methode, die allerdings immer aus einer bestimmten Perspektive erfolgt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das gespaltene Verhältnis der Medienwissenschaft zum Buch und leitet die Forschungsfrage nach der Anwendbarkeit der Inhaltsanalyse ab.
2 Was ist ein Medium?: Dieses Kapitel definiert den komplexen Begriff des Mediums und erläutert verschiedene Klassifizierungskriterien wie technische Hilfsmittel und Kommunikationssituationen.
3 Definition der Medienwissenschaften: Hier wird die historische Herausbildung der Medienwissenschaft als Disziplin sowie deren verschiedene Institutionalisierungsformen diskutiert.
4 Methoden der Medienwissenschaften: Es erfolgt eine Einführung in die methodische Vielfalt der Medienwissenschaft mit Fokus auf den Unterschied zwischen quantitativen und qualitativen Ansätzen.
5 Inhaltsanalyse: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte theoretische und praktische Einführung in die Inhaltsanalyse, von der Definition bis hin zur methodischen Umsetzung in verschiedenen Phasen.
6 Anwendungsmöglichkeiten für die Buchwissenschaft: Dieser Teil zeigt konkrete Einsatzgebiete der Inhaltsanalyse auf, etwa bei der Untersuchung von Verlagsimages oder der Analyse von Buchmessen.
7 Schlußwort: Das Schlußwort resümiert die theoretischen Ausführungen und bestätigt mit einem klaren Ja, dass die Inhaltsanalyse eine valide Methode für die Buchwissenschaft darstellt.
Schlüsselwörter
Inhaltsanalyse, Medienwissenschaft, Buchwissenschaft, Medienresonanzanalyse, empirische Forschung, Kommunikationswissenschaft, Kategoriensystem, Datenerhebung, Validität, Reliabilität, Medienbild, PR-Erfolgskontrolle, quantitative Methoden, qualitative Methoden, materialisierte Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das theoretische Selbstverständnis der Buchwissenschaft im Kontext der Medienwissenschaft und prüft, ob die Inhaltsanalyse als empirische Methode für buchwissenschaftliche Gegenstände nutzbar ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Definition des Medienbegriffs, die Institutionalisierung der Medienwissenschaft, die methodischen Grundlagen der empirischen Sozialforschung sowie die praktische Durchführung von Inhaltsanalysen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die empirische Methode der Inhaltsanalyse vorzustellen und konkrete Anwendungsgebiete für buchwissenschaftliche Fragestellungen zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode steht im Mittelpunkt?
Im Mittelpunkt steht die Inhaltsanalyse als eines der gängigsten empirischen Verfahren der Kommunikations- und Medienwissenschaft.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Inhaltsanalyse (Definition, Ziele, Gütekriterien) und eine detaillierte Darstellung ihrer methodischen Umsetzung in Planungs-, Entwicklungs-, Test- und Anwendungsphasen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Inhaltsanalyse, Buchwissenschaft, empirische Methoden, Validität, Reliabilität und Medienresonanzanalyse charakterisieren.
Warum ist das Buch als Forschungsgegenstand laut Autorin prekär?
Das Buch hat innerhalb einer stark auf technisch-apparative Medien ausgerichteten Medienwissenschaft keinen nennenswerten Rang, was unter anderem historische und wissenschaftsstrategische Gründe hat.
Welche Bedeutung hat das "Codebuch" für die Inhaltsanalyse?
Das Codebuch dient als zentrales Arbeitswerkzeug des Codierers. Es enthält neben der Beschreibung des Projekts konkrete Codieranweisungen, um eine systematische und intersubjektiv nachvollziehbare Auswertung sicherzustellen.
- Arbeit zitieren
- Cecilia Timoteo (Autor:in), 2008, Buchwissenschaft als Medienwissenschaft – Die Inhaltsanalyse als mögliche Methode der Buchwissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/120399