Parteien befinden sich in Demokratien an der Schnittstelle zwischen Staat und Gesellschaft und haben in ihrer Geschichte zahlreiche Typen, Selbstverständnisse und Funktionsmerkmale ausgebildet. Auf der einen Seite sind sie staatliche Akteure, auf der Anderen gesellschaftliche Wesen. Als Bindeglied zwischen den Bürgern und den von ihnen gewählten Regierungen und Parlamenten legitimieren sie die repräsentative Delegation von Machtbefugnissen in repräsentativen Demokratien. Doch wie werden die Entscheidungen von Parteispitzen und Regierungen an die Präferenzen der Bürger rückgekoppelt? Mit Hilfe welcher Organisationsprinzipien aggregieren Parteien den Bürgerwillen, wie werden Wählersegmente erschlossen und wie wird der Bürger in den politischen Prozess integriert? Welche Rolle spielen dabei intermediäre Organisation wie Verbände und wie sehen die Verbindungen dieser mit den Parteien aus?
Diese und weitere Fragen bezüglich der Linkages zwischen Staat und Gesellschaft will diese Arbeit in einer vergleichenden Betrachtung der Rolle der Parteien in den politischen Systemen der USA und der BRD eingehend untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Linkage Konzept:
2.1 Formen und Funktionen von Linkage
2.2 Die Partei und ihre relevanten Umwelten
3 Linkage in der Bundesrepublik Deutschland
3.1 Das Parteiensystem der BRD
3.2 Die deutschen Parteien und Linkage
4 Linkage in den Vereinigten Staaten von Amerika
4.1 Das Parteiensystem der USA
4.2 Die amerikanischen Parteien und Linkage
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht vergleichend die Rolle politischer Parteien als Bindeglied (Linkage) zwischen Staat und Gesellschaft in Deutschland und den USA, um zu analysieren, wie Parteien die Präferenzen der Bürger aggregieren und in politische Entscheidungsprozesse integrieren.
- Grundlagen und Definition des theoretischen Linkage-Konzepts
- Strukturelle Analyse des deutschen Parteiensystems und seiner institutionellen Einbettung
- Strukturelle Analyse des US-amerikanischen Parteiensystems und seiner spezifischen Organisationsprinzipien
- Vergleichende Untersuchung der Interaktionsbeziehungen zwischen Parteien und gesellschaftlichen Umwelten
Auszug aus dem Buch
2 Das Linkage Konzept:
„Linkage ist die Essenz politischer Parteien in Demokratien.“ ( Poguntke 2000, S. 23) Doch was genau bedeutet dies? In erster Linie versteht man unter Linkage die Rückkopplung der Politik der Eliten an die Präferenzen der Bürger. Um diese Rückkopplung zu ermöglichen, müssen die unterschiedlichen Meinungen und Präferenzen der Bürger allerdings zunächst von Vermittlungsinstanzen strukturiert und aggregiert werden. Diese Aufgabe haben in demokratischen Systemen in erster Linie Parteien aber auch intermediäre Organisationen wie zum Beispiel Verbände.
Allerdings beteiligen sich nur Parteien an öffentlichen Wahlen, während Verbände meist versuchen Einfluss auf die Parteien auszuüben. Parteien fungieren also als wichtigstes Bindeglied zwischen den Bürgern und den von ihnen gewählten Entscheidungsträgern. Da prinzipiell alle Parteien, ungeachtet ihrer Organisationsstruktur, an Wählerstimmen und infolgedessen an einem stetigen Zugang zur Macht interessiert sind, liegt es im Interesse der Parteien, ihre politischen Handlungsprogramme am Bürgerwillen zu orientieren, um so erfolgreich Wähler mobilisieren zu können. (Poguntke 2000; S. 23-26)
Um dies zu erreichen bedienen sich politische Parteien zahlreicher verschiedener Linkage Mechanismen, die im Folgenden genauer untersucht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Rolle politischer Parteien als Bindeglied in Demokratien ein und definiert die zentrale Fragestellung der vergleichenden Untersuchung.
2 Das Linkage Konzept:: Das Kapitel erläutert theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmungen von Linkage sowie die verschiedenen Umwelten, in denen Parteien agieren.
3 Linkage in der Bundesrepublik Deutschland: Dieses Kapitel analysiert das deutsche Parteiensystem und die formale sowie organisatorische Einbindung der Parteien in gesellschaftliche Strukturen.
4 Linkage in den Vereinigten Staaten von Amerika: Das Kapitel untersucht die Bedingungen des US-amerikanischen Parteiensystems, die durch das präsidentielle System und fehlende formale Mitgliedschaften geprägt sind.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse des Vergleichs zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das Linkage-Konzept im deutschen Kontext deutlich besser anwendbar ist als im US-amerikanischen.
Schlüsselwörter
Linkage, Parteiensystem, Politische Parteien, Deutschland, USA, Rückkopplung, Bürgerpräferenzen, Organisation, Mitgliederorganisation, Kollateralorganisation, Repräsentation, Demokratie, Wahlkampf, Parteienstaat, Interessenvermittlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle politischer Parteien als Bindeglied zwischen Staat und Gesellschaft und wie diese Funktion in verschiedenen politischen Systemen ausgestaltet ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Rückkopplungsmechanismen der Parteien an die Präferenzen der Bürger, die Organisationsstruktur der Parteien und deren Interaktion mit relevanten gesellschaftlichen Umwelten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich zwischen den Systemen Deutschlands und der USA, um zu ermitteln, welche Linkage-Mechanismen in den jeweiligen Systemen dominieren und welche Konsequenzen dies für die Parteien hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche Literaturanalyse und einen komparativen Analyserahmen, der auf dem Linkage-Konzept von Poguntke basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Linkage-Konzept und eine detaillierte empirische Analyse der Parteiensysteme in der Bundesrepublik Deutschland sowie in den USA.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Linkage, Parteiensystem, Rückkopplung, Organisation, Mitgliederorganisation und Interessenvermittlung charakterisiert.
Warum ist das deutsche Parteiensystem aus Sicht des Autors als „Parteienstaat“ zu bezeichnen?
Aufgrund der starken rechtlichen Verankerung der Parteien, ihrer formalen Organisationsstrukturen und ihrer zentralen Rolle bei der Aggregation gesellschaftlicher Interessen nimmt die Partei in Deutschland eine privilegierte Stellung ein.
Warum lässt sich das Linkage-Konzept nur schwer auf die USA übertragen?
Die US-Parteien fungieren weniger als formale Organisationen zur Willensbildung, sondern primär als „empty vessels“ oder Kandidatenlabels, was eine Einordnung in die klassische Linkage-Typologie erschwert.
- Arbeit zitieren
- Florian Meyer (Autor:in), 2007, Linkage zwischen Staat und Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/119336