Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, wie bei deutschen Intensivstraftäter/innen die Bereitschaft zu rechter Gewalt entsteht. Dazu wird zunächst anhand von Daten des Bundeskriminalamtes der aktuelle Stand bezüglich Hasskriminalität in Deutschland aufgezeigt. Zum besseren Verständnis wurden auch die Begrifflichkeiten „Hasskriminalität“ und „Intensivstraftäter/innen“ genau erläutert.
Im Folgenden wurden verschiedene Hypothesen hinsichtlich der Entstehung von Hasskriminalität bei Intensivstraftäter/innen aufgestellt, die auch zum Schluss noch einmal aufgegriffen und überprüft wurden. Um die Forschungsfrage zu beantworten wurden sozialpsychologische Erkenntnisse genutzt, um herauszufinden, welche Determinanten zur Entstehung von Hassgewalt beitragen. Diese wurden im Einzelnen analysiert, wobei insbesondere auf soziologische Erklärungsansätze zurückgegriffen wurde. Dabei ließ sich absehen, dass keiner dieser Ansätze allein dazu fähig ist, die Bereitschaft zu rechter Gewalt hinreichend zu erklären, was zu der Annahme führt, dass die Thematik ein mehrdimensionales bzw. vielschichtiges Konzept ist, bei dem ein Verflechtungszusammenhang der einzelnen Determinanten besteht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begrifflichkeiten
2.1 Hasskriminalität
2.2 Intensivstraftäter/innen
3 Annahmen und Hypothesen
4 Die Entstehung von Hassgewalt
5 Soziologische Ansätze zur Entstehung von Rechtsextremismus
5.1 Der Autoritarismus-Ansatz
5.2 Desintegrations-Ansatz und Modernisierungsopfertheorie
5.3 Extremismus der Mitte
6 Aggressives Verhalten
6.1 Erwerb aggressiver Verhaltenstendenzen
6.2 Ausführung von Gewalt
6.3 Situationsbedingte Auslöser von Gewalt
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung der Bereitschaft zu rechter Gewalt bei deutschen Intensivstraftäterinnen und -tätern, indem sie das Zusammenspiel von individuellen Faktoren, sozialpsychologischen Prozessen und gesellschaftlichen Bedingungen analysiert. Ziel ist es, die Forschungsfrage zu klären, warum Menschen aus dem rechtsextremen Spektrum vermehrt Gewaltdelikte begehen, wobei insbesondere die Rolle von Sozialisation und Gruppendynamiken beleuchtet wird.
- Analyse der Definitionen von Hasskriminalität und Intensivstraftätern
- Sozialpsychologische Perspektiven auf die Entstehung von Hassgewalt
- Diskussion soziologischer Theorien zur Entstehung von Rechtsextremismus
- Untersuchung des Erwerbs und der Ausführung aggressiver Verhaltenstendenzen
- Reflexion über Präventionsansätze bei Intensivstraftätern
Auszug aus dem Buch
2.1 Hasskriminalität
Als Hasskriminalität bezeichnet das Bundeskriminalamt politisch motivierte Straftaten, bei denen die Umstände der Tat oder die Einstellung des Täters vermuten lassen, dass diese aufgrund von Vorurteilen gegenüber einer Personengruppe begangen wurden. (vgl. BKA 2020: 5)
Das Konzept geht dabei auf den Begriff „hate crime“ aus der angloamerikanischen Kriminologie der späten 1980er Jahre zurück. (vgl. Schneider: 2001: 44)
Darunter fallen einerseits Vorurteile über die Nationalität, ethnische Zugehörigkeit, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder der sozialen Status des Opfers. Zudem können aber auch Faktoren wie physische/psychische Behinderungen oder Beeinträchtigungen, Geschlecht und sexuelle Identität bzw. Orientierung und das äußere Erscheinungsbild eine Rolle spielen. (vgl. BKA 2020: 5)
Die Opfer von Hassgewalt sind also oft durch ihre tatsächliche oder vermutete Zugehörigkeit zu einer Minderheit gekennzeichnet.
Straftaten der Hasskriminalität können sich unmittelbar gegen eine Person oder Personengruppe, sowie Institutionen, Objekte oder Sachen richten, die durch die Täter/innen einer Gruppe zugerechnet und so mit den oben genannten Vorurteilen in Verbindung gebracht werden. Dabei ist alleinig die subjektive Einschätzung der Straftäter/innen relevant und nicht, ob das Opfer tatsächlich dieser Gruppe zugehörig ist. Ebenso ist es möglich, dass Täter/innen sich im Kontext dieser Vorurteile gegen ein beliebiges Ziel richten. (vgl. Backes et. al., 2014: 18)
Entscheidend bei rechtsextremistischer Hassgewalt ist, dass sie auf einer Ideologie der Ungleichwertigkeit basiert, sodass sie auf bestimmte Merkmale abzielt, die durch einzelne Opfer nicht beeinflusst werden können. (vgl. Heitmeyer et al., 1993: 9ff.)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz rechtsextremer Gewaltverbrechen in Deutschland anhand von Statistiken des Bundeskriminalamts zur politisch motivierten Kriminalität.
2 Begrifflichkeiten: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe „Hasskriminalität“ und „Intensivstraftäter/innen“ definiert und in den kriminologischen Kontext eingeordnet.
3 Annahmen und Hypothesen: Das Kapitel formuliert drei zentrale Hypothesen, die sich mit der Internalisierung rechtsextremer Ideologien, der Rolle der Sozialisation und der Komplexität von Erklärungsmodellen befassen.
4 Die Entstehung von Hassgewalt: Es wird untersucht, wie hassmotivierte Gewalt aus sozialpsychologischer Sicht durch negative Einstellungen, Aggressionsbereitschaft und situative Bedingungen determiniert wird.
5 Soziologische Ansätze zur Entstehung von Rechtsextremismus: Hier werden bekannte soziologische Erklärungsmodelle wie der Autoritarismus-Ansatz, die Desintegrations-Theorie und das Konzept des Extremismus der Mitte kritisch diskutiert.
6 Aggressives Verhalten: Dieses Kapitel widmet sich der Entstehung aggressiver Tendenzen, dem Einfluss des sozialen Umfelds sowie der situativen Ausführung von Gewalt.
7 Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen, gleicht sie mit den eingangs aufgestellten Hypothesen ab und bewertet die Bedeutung der verschiedenen Einflussfaktoren auf die Entstehung von Hasskriminalität.
Schlüsselwörter
Hasskriminalität, Intensivstraftäter, Rechtsextremismus, Gewalt, Sozialisation, Aggression, Ideologie, Autoritarismus, Desintegration, Prävention, Kriminologie, Gruppendynamik, Fremdenfeindlichkeit, Sozialpsychologie, Politisch motivierte Kriminalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Ursachen und Entstehungsbedingungen von rechtsextrem motivierter Hassgewalt bei Intensivstraftäterinnen und -tätern in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft kriminologische Begriffsbestimmungen mit sozialpsychologischen Erklärungen für Aggression und soziologischen Theorien zur Entstehung von Rechtsextremismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie die Bereitschaft zu rechter Gewalt entsteht und ob sich diese durch ein komplexes Zusammenspiel von individuellen und gesellschaftlichen Faktoren erklären lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung bestehender Studien sowie Daten des Bundeskriminalamts basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert soziologische Ansätze (wie Autoritarismus und Desintegration) sowie sozial-lerntheoretische Konzepte zur Entstehung aggressiven Verhaltens und deren Anwendung auf rechte Hasskriminalität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Hasskriminalität, Intensivstraftäter, Rechtsextremismus, Sozialisation und Aggressionsbereitschaft.
Warum ist eine einheitliche Definition von "Intensivstraftäter" so schwierig?
Da es keine einheitliche gesetzliche Definition gibt und die Forschung in unterschiedlichen Publikationen stark variierende Kriterien anwendet, ist eine direkte Vergleichbarkeit der Daten oft erschwert.
Welche Rolle spielt die "Bobo Doll Study" in dieser Arbeit?
Die Studie von Albert Bandura dient als Grundlage für die Argumentation, dass aggressives Verhalten erlernt und durch instrumentelle Anwendung sowie Vorbilder etabliert werden kann.
Können gesellschaftliche Umbruchprozesse Rechtsextremismus fördern?
Ja, laut der Modernisierungsopfertheorie können soziale Abstiegsängste und Orientierungslosigkeit, die durch Umbrüche entstehen, als Anknüpfungspunkte für rechtsextremistische Positionen dienen.
Was ist das Fazit zur Wirksamkeit der Hypothesen?
Die Annahme, dass Hassgewalt rein aus der Internalisierung von Ideologien resultiert, wurde widerlegt; stattdessen bestätigt sich, dass ein mehrdimensionales Zusammenspiel verschiedener Faktoren für die Entstehung verantwortlich ist.
- Arbeit zitieren
- Marie Schmidt (Autor:in), 2021, Hasskriminalität bei Intensivstraftäter/innen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1190352