Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit stehen Vor- und Nachteile, bezogen auf die Auswirkungen
bilingualer Erziehung für den Zweitspracherwerb und den Erfolg in der Schule. Dabei soll nicht
diskutiert werden, ob Mehrsprachigkeit an sich die Intelligenz eines Kindes beeinflusst.
Es soll stattdessen die Frage beleuchtet werden, inwieweit zweisprachige Erziehung in deutschen
Regelklassen umsetzbar ist und auch bereits umgesetzt wird. Dazu ist es notwendig, die bisherige
Unterrichtspraxis zu untersuchen und den Stellenwert von Deutsch als Zweitsprache
herauszuarbeiten. Im letzten Teil der Arbeit wird die Bildungspolitik der Hansestadt Hamburg, als
aktive Vertreterin einer Bilingualität im Regelklassenunterricht, näher betrachtet.
Ziel der Arbeit kann es nicht sein, ein überzeugendes Konzept für eine effektive
Regelklassenbeschulung zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Spracherwerb und Zweisprachigkeit im Kontext von Migration
1.1 Spracherwerbssituation von Minderheitenkindern
2 Zweisprachige Erziehung als Unterrichtsform
2.1 Pro und Kontra Bilingualen Unterrichts
2.1.1 Pro-Argumente
2.1.2 Kontra-Argumente gegen bilinguale schulische Erziehung
3 Zweisprachigkeit im Regelunterricht
3.1 Fazit
4 HAMBURG – Sprachlernkonzept auf der Grundlage von Mehrsprachigkeit
4.1 Hamburger Rahmenpläne
4.2 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Implementierung zweisprachiger Erziehungskonzepte in deutschen Regelklassen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund durch ein rein einsprachig deutsches Unterrichtsmodell gelingen kann und welche Rolle die Förderung der Erstsprache für den langfristigen Schulerfolg spielt.
- Bedeutung des Zweitspracherwerbs bei Migrationskindern
- Pro- und Kontra-Argumente für bilingualen Unterricht
- Wirksamkeit der Integration in den Regelunterricht
- Analyse der Hamburger Bildungspolitik und Rahmenpläne
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Pro-Argumente
Das wichtigste Argument der Sprachwissenschaftler für eine zweisprachige Erziehung bezieht sich auf die angenommene positive Auswirkung von Kompetenzen (insbesondere der Alphabetisierung) in der L1 auf den Zweitspracherwerb.
Zu verweisen ist in diesem Zusammenhang auf die von Jim Cummins postulierte Interdependenzhypothese, die besagt, dass es eine Abhängigkeit der sprachlichen und kognitiven Entwicklung des Menschen von der Erstsprache gibt. Cummins Erklärungsansatz meint weiter, "dass das Niveau, das ein zweisprachiges Kind in der zweiten Sprache erreicht, zum Teil davon abhängt, welche Kompetenzen das Kind in der Muttersprache hatte zum Zeitpunkt, in dem die intensive Beschäftigung mit der zweiten Sprache begann." Weiter heißt es, "dass eine intensive Beschäftigung mit der Zweitsprache ohne bewusste Förderung der Muttersprache zu einer Beherrschung der Zweitsprache führen kann, die nicht auf Kosten der Muttersprache erworben wird, solange die Muttersprache genügend Förderung durch die Umwelt erfährt. Wenn die Förderung der Muttersprache durch die Umwelt nicht gesichert ist, dann wird der intensive Unterricht der Zweitsprache in der Vorschule und den ersten Schulklassen mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Beeinträchtigung der muttersprachlichen Entwicklung führen. Diese Beeinträchtigung wird dann wiederum wesentliche, negative Folgen für den Zweitspracherwerb haben."
Ein positiver Zusammenhang zwischen Erst- und Zweitsprache ließ sich z.B. im Bereich der Lesefähigkeit feststellen. Eine theoretische Erklärung dazu bietet erneut die Interdependenzhypothese, laut der die in einer Sprache zuerst erworbene Lesefähigkeit auf die zweite transferiert werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung von Mehrsprachigkeit in einer globalisierten Welt und identifiziert die Herausforderungen bei der schulischen Integration von Kindern mit Migrationshintergrund.
1 Spracherwerb und Zweisprachigkeit im Kontext von Migration: Das Kapitel differenziert zwischen verschiedenen Spracherwerbsverläufen bei Migrantenkindern und analysiert die Defizite, die beim Eintritt in das einsprachige deutsche Schulsystem entstehen können.
2 Zweisprachige Erziehung als Unterrichtsform: Hier werden theoretische Ansätze sowie die wissenschaftliche Debatte um die Vor- und Nachteile von bilingualem Unterricht gegenüber reinem Regelunterricht erörtert.
3 Zweisprachigkeit im Regelunterricht: Dieser Abschnitt kritisiert die oft als „Verlegenheitslösung“ wahrgenommene Integration in Regelklassen und hinterfragt die Effektivität des ungesteuerten Spracherwerbs.
4 HAMBURG – Sprachlernkonzept auf der Grundlage von Mehrsprachigkeit: Das Kapitel betrachtet die praktische Umsetzung bildungspolitischer Maßnahmen in Hamburg anhand von Lehrplänen und Handlungskonzepten, die gezielt auf Mehrsprachigkeit setzen.
Schlüsselwörter
Zweisprachigkeit, Deutsch als Zweitsprache, Migrationshintergrund, Interdependenzhypothese, Regelunterricht, Sprachförderung, Alphabetisierung, Erstsprache, Schulerfolg, Hamburger Rahmenpläne, Mehrsprachigkeit, Immersion, Sprachkompetenz, Bildungsbiografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich kritisch mit der schulischen Situation von Kindern mit Migrationshintergrund auseinander und bewertet die Eignung der deutschen Regelbeschulung im Kontext von Mehrsprachigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der Zweitspracherwerb, die Identitätsentwicklung von Migrantenkindern, die Wirksamkeit von Förderkonzepten und die Analyse aktueller bildungspolitischer Rahmenpläne.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu beleuchten, inwieweit zweisprachige Erziehung in deutschen Regelklassen umsetzbar ist und ob bestehende Konzepte die Anforderungen für einen erfolgreichen Zweitspracherwerb erfüllen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse erziehungswissenschaftlicher, linguistischer und soziologischer Theorien sowie eine Auswertung konkreter Hamburger Handlungskonzepte und Lehrpläne.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zum bilingualen Unterricht auch die Problematiken der Regelklassenintegration sowie Ansätze für eine inklusive Sprachbildung diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Zweisprachigkeit, Deutsch als Zweitsprache, Migrationshintergrund, Schulerfolg und Sprachförderung.
Wie bewertet die Autorin den Regelklassenunterricht?
Sie stuft die bisherige Praxis der Regelklassenintegration für viele Kinder nicht-deutscher Muttersprache als wenig erfolgreich ein, da diese oft in einer Frustration und mangelnden Sprachbeherrschung resultiert.
Welche Rolle spielt Hamburg in der Untersuchung?
Hamburg dient als Fallbeispiel für eine aktive bildungspolitische Strategie, die versucht, die Erstsprache und Mehrsprachigkeit systematischer in den Regelunterricht und die Rahmenpläne zu integrieren.
- Arbeit zitieren
- Kathleen Oehmichen (Autor:in), 2007, Bilinguale Erziehung in deutschen Regelklassen - Utopie oder Wirklichkeit?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/117899