Seit den 80er Jahren weisen die westlichen Industrieländer eine zunehmende Spreizung der
Markteinkommen auf. Da die Einkommensverteilung über lange Zeit gesunken war um
seither wieder zuzunehmen, bezeichnen Forscher diese Umkehr als „Great U-turn“. Die
Einkommensverteilung ist ein Indikator für die Verteilung des Sozialstatus und spiegelt daher
ein System der sozialen Schichtenbildung wider. Weiterhin hängt die Stabilität sowie die
Instabilität einer Gesellschaft von ihrer Einkommensungleichheitsgröße ab. Zwischen den
einzelnen Ländern sind innerhalb dieses Grundmusters deutliche Unterschiede zu
verzeichnen. Dabei können zum einen Faktoren wie Globalisierung, Arbeitsmarktinstitutionen
sowie Unterschiede in der demographischen Zusammensetzung der Bevölkerung und zum
anderen Einflüsse der ökonomischen Struktur und deren Veränderung sowie Unterschiede bei
der Steuer-, Sozial- und Bildungspolitik der Auslöser dafür sein.
Seit langer Zeit beschäftigt sich die Ökonomie mit der Fragestellung der
Einkommensverteilung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Klassen.
Wichtig dabei ist die Armuts- und Wirtschaftlichkeitsentwicklung. Somit beschäftigt sich
diese Arbeit mit den Aspekten der Entwicklung der Einkommensverteilung
(Betrachtungszeitraum 70er Jahre bis heute).
Betrachtet werden zwei völlig unterschiedliche Wohlfahrtsstaatstypen, die einer Analyse der
Entwicklung in zwei Ländern nachgehen soll: Deutschland als „konservativer
Wohlfahrtsstaat“ und Schweden als „sozialdemokratischer Wohlfahrtsstaat“.
Zu diesem Zweck wird zunächst die langfristige Entwicklung der Einkommensverteilung in
Deutschland und Schweden dargestellt, um auf die Entwicklung der personellen
Einkommensverteilung sowie auf die Umverteilungswirkung von Steuern und
Transfersystemen zu sprechen zu kommen.
Da eine zunehmende Einkommensspreizung mit einer sinkenden Lohnquote einhergeht und
das wiederum einen Anstieg der Armutsquote zur Folge hat, wird bezüglich der Einkommensverteilung in Deutschland die relative Einkommensarmut und ihre Auswirkung
untersucht. Weiterhin geht es in dieser Arbeit um das Abgabensystem in Deutschland und Schweden. Am
Ende der Arbeit wird ein ausführlicher Vergleich beider Länder gezogen um
zusammenfassend zu verdeutlichen, warum Schweden einen erfolgreichen Wohlfahrtsstaat
führt und wo in Deutschland Nachholbedarf besteht.
Struktur der wissenschaftlichen Arbeit
1 Einleitung
2 Die Einkommensverteilung
2.1 Die funktionale Einkommensverteilung
2.2 Die personelle Einkommensverteilung
3 Die Entwicklung der Einkommensverteilung in Deutschland
3.1 Die Datenquellen
3.2 Die Entwicklung der personellen Einkommensverteilung
3.3 Die Umverteilungswirkung von Steuern und Transfersystemen
3.4 Die Entwicklung der relativen Einkommensarmut in Deutschland
4 Die Entwicklung der Einkommensverteilung in Schweden
4.1 Die Datenquellen
4.2 Die Entwicklung der personellen Einkommensverteilung
4.3 Die Umverteilungswirkung von Steuern und Transfersystemen
4.4 Die Arbeitsmarktpolitik in Schweden
5 Das Abgabensystem in Deutschland und Schweden
6 Deutschland und Schweden im Vergleich
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die langfristige Entwicklung der Einkommensverteilung in Deutschland und Schweden, um die Ursachen für zunehmende Ungleichheit und Armut im Kontext unterschiedlicher Wohlfahrtsstaatstypen zu analysieren und kritisch gegenüberzustellen.
- Vergleich zwischen konservativem und sozialdemokratischem Wohlfahrtsstaatsmodell
- Analyse der personellen Einkommensverteilung und relevanter Messindikatoren
- Untersuchung der Umverteilungseffekte durch Steuersysteme und Sozialtransfers
- Bewertung der Rolle aktiver und passiver Arbeitsmarktpolitik für soziale Stabilität
- Gegenüberstellung der Abgabensysteme und deren Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
2.2 Die personelle Einkommensverteilung
In der heutigen Forschung steht weniger die Einkommensverteilung zwischen verschiedenen Klassen oder Gruppen, sondern die personelle Einkommensverteilung im Vordergrund des Interesses. Sie gewann in den 50er Jahren zunehmend an Bedeutung und unterteilt sich in primäres- und sekundäres Einkommen. Zudem liefert sie eine klare Aussage über den Wohlstand einer Bevölkerung.
Die personelle Einkommensverteilung kann anhand unterschiedlicher Indikatoren gemessen werden. Zu diesen Indikatoren zählen vor allem der Variationskoeffizient, das Atkinson-Maß sowie der Theil-Index. Dabei sind die am häufigsten anzutreffenden Indikatoren die Einkommensquantile und der Gini-Koeffizient.
Die Einkommensquantile geben den prozentualen Anteil am Gesamt-einkommen einer bestimmten Einkommensgruppe an, zum Beispiel den Anteil, den die 10% höchsten Einkommensbezieher erzielen. Sie werden in internationalen Statistiken oft in Verbindung mit dem Gini-Koeffizienten ausgewiesen. Der Gini-Koeffizient basiert auf der Lorenzkurve. Er ist ein Maß der relativen Konzentration und kann einen Wert zwischen 0 (Gleichverteilung) und 1 (maximale Ungleichheit) annehmen. Abbildung 1 zeigt die relative Häufigkeit der Bevölkerung in Verbindung mit der relativen kumulierten Häufigkeit derer Einkommen zueinander. Personen mit dem höchsten Einkommen werden zuletzt aufgeführt und Personen mit dem niedrigsten Einkommen zuerst. Auf der Ordinate wird der kumulierte Anteil am gesamten Einkommen gemessen. Anhand der Kurve lässt sich ablesen, welchen Anteil am Gesamteinkommen welcher Anteil der Bevölkerung verdient. Bei absolut gleichmäßiger Verteilung würde die Lorenzkurve eine 45-Grad-Gerade ergeben (Linie der perfekten Gleichverteilung).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich zunehmender Einkommensspreizung in Industrieländern und Zielsetzung des Ländervergleichs.
2 Die Einkommensverteilung: Theoretische Einführung in die Unterscheidung zwischen funktionaler und personeller Einkommensverteilung sowie deren Messbarkeit.
3 Die Entwicklung der Einkommensverteilung in Deutschland: Analyse der deutschen Einkommensentwicklung, relevanter Datenquellen, Umverteilungseffekte und der Zunahme relativer Armut.
4 Die Entwicklung der Einkommensverteilung in Schweden: Betrachtung der schwedischen Verhältnisse unter besonderer Berücksichtigung der aktiven Arbeitsmarktpolitik als Erfolgsmodell.
5 Das Abgabensystem in Deutschland und Schweden: Vergleich der Steuer- und Sozialabgabensysteme und deren jeweilige Auswirkungen auf Staatsquote und Leistungsfähigkeit.
6 Deutschland und Schweden im Vergleich: Synthese der Ergebnisse und Diskussion der Übertragbarkeit des schwedischen Modells auf Deutschland.
7 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Einflussfaktoren auf die Einkommensverteilung und das Erfordernis verteilungspolitischer Reformen.
Schlüsselwörter
Einkommensverteilung, Deutschland, Schweden, Wohlfahrtsstaat, Gini-Koeffizient, Einkommensarmut, Arbeitsmarktpolitik, Umverteilung, Steuersystem, Sozialabgaben, Markteinkommen, Einkommensungleichheit, Sozio-ökonomisches Panel, EVS, Sozialtransfers.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die unterschiedlichen Verläufe und Ursachen der Einkommensverteilung in Deutschland und Schweden im Zeitraum von den 1970er Jahren bis zur Gegenwart.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung fokussiert sich auf die personelle Einkommensverteilung, die Umverteilungswirkung von Steuer- und Transfersystemen, das Abgabensystem sowie die Bedeutung der Arbeitsmarktpolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Entwicklung der Einkommensungleichheit in einem konservativen (Deutschland) gegenüber einem sozialdemokratischen (Schweden) Wohlfahrtsstaat zu vergleichen und zu prüfen, inwieweit das schwedische Modell als Vorbild dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse auf Basis empirischer Daten (u.a. SOEP, EVS, IDS) sowie eine Literaturanalyse zur Darstellung der theoretischen Zusammenhänge.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Betrachtung der Einkommensentwicklung, der Armutssituation, der Effizienz staatlicher Umverteilung und der spezifischen Arbeitsmarktstrategien beider Länder.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Einkommensungleichheit, Gini-Koeffizient, Wohlfahrtsstaat, Arbeitsmarktpolitik und Umverteilung.
Warum wird Schweden als Vergleichsbeispiel herangezogen?
Schweden gilt aufgrund seiner erfolgreichen aktiven Arbeitsmarktpolitik und der historischen Entwicklung hin zu einem leistungsfähigen Wohlfahrtsmodell als besonders geeignetes Vergleichsobjekt für Deutschland.
Welche Rolle spielt die Arbeitsmarktpolitik für die Einkommensverteilung?
Die Arbeit zeigt, dass eine aktive Arbeitsmarktpolitik in Schweden einen entscheidenden Beitrag zur Verringerung der Ungleichheit leistet, indem sie den Fokus stärker auf Vollbeschäftigung statt bloßer Transferzahlungen legt.
Welches Fazit zieht die Autorin hinsichtlich einer Übertragbarkeit?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das schwedische Modell aufgrund kultureller Unterschiede und spezifischer politischer Rahmenbedingungen nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragbar ist und Reformen in Deutschland langfristige Prozesse erfordern.
- Arbeit zitieren
- Jennifer Russell (Autor:in), 2008, Unterschiedliche Einkommensverteilung in Deutschland und Schweden und ihre Entstehungszusammenhänge, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/117839