In dieser Exegese geht es um die Bibelstelle im 2. Buch Mose 5-8 mit dem Schwerpunkt auf dem Vers 7. Die Bibelstelle soll nach exegetischen Standards beleuchtet werden, um dann der Frage nachzugehen: Spricht die Bibel hier schon von transgenerationalen Traumata?
Um diese Frage zu beantworten, werde ich mich erst der Bibelstelle widmen und dann dem Thema transgenerationale Traumata. Anschließend wird beurteilt, ob eine theologische Interpretation Verbindungen erkennen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Übersetzungsvergleich
1.1 Beschreibung der ausgewählten Übersetzungen
1.2 Übersetzungsvergleich
1.3 Biblische Einordnung des Textes
1.4 Abgrenzung der Perikope in ihrem Kontext
1.5 Autorenschaft
1.6 Redewendungen, Begriffe und Motive
1.7 Biblisches Strafkonzept
2. Theologische Interpretation
3. Transgenerationale Traumata
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bibelstelle 2. Mose 34, 5-8 unter exegetischen Gesichtspunkten, um zu erörtern, ob der dort beschriebene biblische Text bereits Ansätze zur Thematik der transgenerationalen Traumata enthält.
- Exegese der Bibelstelle 2. Mose 34, 5-8 unter Einbeziehung verschiedener Übersetzungen.
- Untersuchung des altorientalischen Tat-Folge-Denkens und dessen Bedeutung für das Strafkonzept.
- Analyse des Begriffs der transgenerationalen Traumata in klinischer und psychologischer Sicht.
- Erforschung der Verbindung zwischen biblischer Theologie und psychologischen Konzepten der Lastenweitergabe.
Auszug aus dem Buch
1.7 Biblisches Strafkonzept
Mit dem Begriff der Strafe oder des Strafens ist es ähnlich wie mit dem Begriff der Sünde, es gibt im biblischen Hebräisch kein Wort für Strafe (in der Bibel würden 30 verscheiden Wörter als Strafe oder strafen übersetzt), es ist ein Konzept, welches man Tat-Folge- Denken (Tun-Ergehen- Zusammenhang) nennt. Da in dem Hauptvers meiner zu untersuchenden Periklope von einer Strafe geredet wird, möchte ich hier kurz auf dieses Konzept eingehen.
Dieses Konzept in der Bibel entdeckte und veröffentlichte Klaus Koch 1955 zuerst. Hier wird beschrieben, dass jede Tat eine ihr gemäße Folge hat und „ das Tat und Ergehen innerlich zusammenhängen und nicht erst nachträglich aufeinander bezogen werden müssen“. Die Begriffe Strafe oder Vergeltung sind keine ganz zutreffenden Übersetzung aus drei Gründen: eine Strafe setzt einen richterliche Instanz voraus, welche die Strafe festlegt und verurteilt. Koch führt aus zweiten Grund an, der Lohn und die Strafe werden dem Täter von außen zugeteilt, sind somit nicht selbstverständlich, und dem Wesen des Täters und dem Akt seiner Tat fremd. Um einen Lohn oder eine Strafe für eine Tat zu erhalten wird eine Norm, ein Gesetz, vorausgesetzt.
Bei dem Tat- Folge- Denken, ist nicht der Strafcharakter oder die Vergeltung im Vordergrund, sondern eher der Schutz einer Gemeinschaft. Es wirkt regulativ auf die Gemeinschaft. Denn jede Tat wirkt in erste Line auf den Täter, aber auch auf die Gemeinschaft und die Umwelt. Laut Koch bringt JHWH das in der Tat des Menschen angelegte Geschick zur Entfaltung, er leistet einen „Hebammendienst“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Übersetzungsvergleich: Es werden die Gute Nachricht Bibel und die Lutherbibel gegenübergestellt und exegetisch eingeordnet, um eine Übersetzungsgrundlage für die Arbeit zu wählen.
2. Theologische Interpretation: Dieses Kapitel interpretiert die gewählte Bibelstelle als Ausdruck eines Vasallenvertrages und diskutiert unterschiedliche theologisch-hermeneutische Ansätze zur Schuldverantwortung.
3. Transgenerationale Traumata: Hier werden psychologische Grundlagen traumatischer Erfahrungen und deren Weitergabe an nachfolgende Generationen erläutert, um sie mit den biblischen Texten in Bezug zu setzen.
Schlüsselwörter
Bibel, 2. Mose, Exegese, Transgenerationale Traumata, Schuld, Tat-Folge-Denken, Strafe, Psychologie, Übertragung, Generationen, JHWH, Theologie, Traumaforschung, Gerechtigkeit, Beziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die biblische Passage in 2. Mose 34, 5-8 bereits Konzepte enthält, die mit modernen Ansichten über transgenerationale Traumata vergleichbar sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die biblische Exegese, das altorientalische Strafverständnis sowie die psychologische Forschung zur Weitergabe von traumatischen Lasten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob eine theologische Interpretation Verbindungen zwischen der biblischen Vorstellung von strafenden Folgen über Generationen und dem psychologischen Verständnis von transgenerationalen Traumata herstellen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine exegetische Analyse der Bibelstelle durchgeführt, ergänzt durch einen Vergleich von Bibelübersetzungen und eine interdisziplinäre Einbeziehung psychologischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt den Übersetzungsvergleich, die biblische Einordnung, die Untersuchung von Begriffen und Motiven, das Strafkonzept nach Klaus Koch sowie eine theologische und psychologische Interpretation ab.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Transgenerationalität, Exegese, Schuldvererbung und das Tun-Ergehen-Denken.
Warum wird das "Tat-Folge-Denken" als zentrales Konzept hervorgehoben?
Weil es eine Alternative zum westlichen richterlichen Strafverständnis bietet und erklärt, wie Handlungen innerhalb einer Gemeinschaft ganz ohne eine von außen strafende Instanz Folgen für nachfolgende Generationen haben können.
Welche Rolle spielt die "Gefühlserbschaft" in der Argumentation?
Die Autorin nutzt diesen Begriff, um zu verdeutlichen, wie emotionale Lasten und Traumata jenseits des Genmaterials durch Schweigen oder Erziehung an die nächsten Generationen weitergegeben werden.
- Arbeit zitieren
- Judith Kändler (Autor:in), 2021, Spricht die Bibel im 2. Mose 34, 5-8 von einem transgenerationalen Trauma?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1169822