Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stehen Wirtschaft und Gesellschaft vor völlig neuen Herausforderungen. Die rasante technologische Entwicklung und die damit einhergehende weltweite digitale Vernetzung sowie die Öffnung der wachstumsstarken Märkte in Osteuropa und Fernost durch die Erweiterung der EU und Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation begründen einen Wandel zu transkontinentalen und globalen Unternehmens-, Wettbewerbs-, Produkt- und Kommunikationssystemen. In besonderem Maße gilt dies für die Effektivitätsanforderungen des Netzwerk- und Wissensmanagements, der Informationssysteme, des E-Business, der E-Logistik und des schnellen Warentransportes.
Der Druck des globalen Wettbewerbs führt derzeit weltweit zu einer tief greifenden Veränderung der Unternehmenslandschaft. Die Führungsgremien der Unternehmen versuchen durch Änderungen der Unternehmensstrukturen sowie durch Käufe und Verkäufe von Unternehmen und Unternehmensteilen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern und zu verbessern.
Der Markt für Unternehmenskäufe und -verkäufe ist allerdings keineswegs neu. Speziell in Deutschland gab es bereits zu Beginn der 90er Jahre, begünstigt vor allem durch zahlreiche Unternehmensverkäufe der Treuhandanstalt in den neuen Bundesländern, eine Vielzahl von Transaktionen.
Die Dynamik der beschriebenen globalen Entwicklungen führte in den letzten Jahren dazu, dass sich der Markt für Unternehmen neben den Märkten für Produkte und Dienstleitungen zu einem Weltmarkt entwickelt hat...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Zielsetzung und Aufbau dieser Arbeit
2. Grundlagen von Mergers & Acquisitions
2.1 Definition des Begriffs „Mergers & Acquisitions“
2.1.1 Fusion
2.1.2 Akquisition
2.1.3 Kooperation
2.2 Motive und Zielsetzungen von Mergers & Acquisitions
2.2.1 Synergien
2.2.1.1 Economies of Scale
2.2.1.2 Economies of Scope
2.2.2 Diversifikation
2.2.3 Marktmacht
2.2.4 Unterbewertung des Akquisitionsobjektes
2.3 Formen von Unternehmenstransaktionen
2.3.1 Horizontale Transaktionen
2.3.2 Vertikale Transaktionen
2.3.3 Laterale Transaktionen
3. Aufbau des Mergers & Acquisitions-Prozesses
3.1 Vorphase
3.2 Vorbereitungsphase
3.2.1 Ganzheitliche Planung
3.2.2 Zielidentifikation
3.2.3 Bewertung
3.2.3.1 Substanzwertorientierte Verfahren
3.2.3.2 Marktwertorientierte Verfahren
3.2.3.3 Fundamentale Verfahren
3.3 Kontaktphase
3.3.1 Statements of Non-disclosure
3.3.2 Letter of Intent
3.3.3 Due Diligence
3.4 Schlussverhandlungen
3.4.1 Inhalte der Verhandlungen
3.4.2 Vertragsabschluss
3.5 Integration
3.5.1 Aufbau des Integrationsprozesses
3.5.2 Erfolgsfaktoren
4. Principal-Agent-Problematik bei Mergers & Acquisitions
4.1 Grundlagen der Principal-Agent-Theorie
4.1.1 Definition von Principal-Agent-Beziehungen
4.1.2 Principal-Agent-Beziehungen bei Mergers & Acquisitions
4.1.3 Grundlage von Principal-Agent-Beziehungen
4.1.4 Zeitliche Struktur von Principal-Agent-Beziehungen
4.2 Informations- und Interessenasymmetrie
4.2.1 Adverse Selection
4.2.1.1 Hidden Characteristics
4.2.1.2 Hidden Intention
4.2.2 Moral Hazard
4.2.2.1 Hidden Information
4.2.2.2 Hidden Action
4.3 Instrumente zur Problemreduzierung
4.3.1 Reduzierung der Adverse Selection
4.3.1.1 Signaling
4.3.1.2 Self-Selection
4.3.1.3 Screening
4.3.2 Reduzierung des Moral Hazard
4.3.2.1 Monitoring
4.3.2.2 Anreizsysteme
4.3.2.3 Bonding
4.3.3 Grenzen der Einsatzmöglichkeiten der Instrumente
4.3.3.1 Kontrollmöglichkeiten
4.3.3.2 Kostengrenzen
4.4 Bedeutung der Principal-Agent-Problematik für Mergers & Acquisitions
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert Mergers & Acquisitions (M&A) vor dem theoretischen Hintergrund der Principal-Agent-Problematik. Das primäre Ziel besteht darin, durch die Anwendung der Principal-Agent-Theorie auf den Ablauf von M&A-Transaktionen ein besseres Verständnis für das Scheitern von Unternehmenszusammenschlüssen zu entwickeln und Instrumente zur Reduzierung der daraus resultierenden Interessen- und Informationsasymmetrien aufzuzeigen.
- Grundlagen und Ablauf des M&A-Prozesses
- Definition und Formen von Unternehmenstransaktionen
- Die Principal-Agent-Theorie als Erklärungsmodell für Interessenkonflikte
- Informationsasymmetrien (Adverse Selection und Moral Hazard) bei M&A
- Instrumente zur Problemreduzierung (Signaling, Screening, Monitoring, Anreizsysteme)
Auszug aus dem Buch
3.3.3 Due Diligence
Der Begriff der Due Diligence stammt aus dem angelsächsischen Sprachgebrauch und bedeutet wörtlich übersetzt „gebührende Sorgfalt“. Er ist im US-amerikanischen Kapitalmarkt- und Anlegerschutzrecht begründet und betraf ursprünglich die kodifizierte Haftung von Wirtschaftsprüfern, Rechtsanwälten, Investmentbanken und anderen, bei der Emission und dem Handel mit Wertpapieren involvierten Parteien.
In der Weiterentwicklung des Due-Diligence-Konzeptes fand es auch Eingang in andere Bereiche, wie z. B. den Kauf und Verkauf ganzer Unternehmen. Unter Due Diligence im M&A-Bereich versteht man heute die bewusste, systematische und professionelle Untersuchung der Chancen und Risiken einer beabsichtigten M&A-Transaktion auf Basis einer ganzheitlichen Unternehmensanalyse des Zielobjektes. Aufgabe der Due Diligence soll es sein, finanzielle, rechtliche, steuerliche und andere Risiken aufzudecken, richtig einzuschätzen und nach Möglichkeit zu beschränken.
Durch die detaillierte Prüfung interner Kernbereiche und –funktionen des potenziellen M&A-Partners und die eingehende Analyse von externen Markt- und Rahmenbedingungen können die Stärken und Schwächen des Zielunternehmens identifiziert werden. Schließlich werden diese Erkenntnisse auf ihre strategische Eignung („Strategic Fit“) hin beurteilt, um so die Integrierbarkeit der Zielgesellschaft mit dem eigenen Unternehmen festzustellen.
Dieser gesamte Analysevorgang hat großen Einfluss sowohl auf die Bewertung des Zielunternehmens, als auch auf die finale Entscheidung, ob die Transaktion tatsächlich zum Abschluss gebracht werden soll. Die zeitlichen und inhaltlichen Aspekte der Due Diligence (z. B. Umfang, Prioritäten, Prozesse) sind häufig im Letter of Intent fixiert. Die Ablauforganisation kann grundsätzlich wie folgt unterteilt werden:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt das wirtschaftliche Umfeld und die Relevanz von Mergers & Acquisitions unter Berücksichtigung der häufigen Misserfolge und der Principal-Agent-Problematik.
2. Grundlagen von Mergers & Acquisitions: Definiert die Begriffe, Motive wie Synergien, Diversifikation und Marktmacht sowie die verschiedenen Arten von Unternehmenstransaktionen.
3. Aufbau des Mergers & Acquisitions-Prozesses: Erläutert die chronologischen Phasen von der Vorphase über die Vorbereitung, Kontakt und Verhandlungen bis hin zur Integration.
4. Principal-Agent-Problematik bei Mergers & Acquisitions: Analysiert theoretische Grundlagen, Informationsasymmetrien sowie Lösungsansätze wie Signaling, Screening und Monitoring im M&A-Kontext.
5. Fazit: Fasst zusammen, dass die Principal-Agent-Theorie einen wertvollen, wenngleich nicht alleingültigen Lösungsansatz für die Komplexität von M&A-Transaktionen bietet.
Schlüsselwörter
Mergers & Acquisitions, Principal-Agent-Theorie, Unternehmensbewertung, Due Diligence, Synergien, Diversifikation, Marktmacht, Informationsasymmetrie, Adverse Selection, Moral Hazard, Signaling, Screening, Monitoring, Integrationsmanagement, Transaktionskosten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, warum Mergers & Acquisitions-Transaktionen trotz hoher Erwartungen oft scheitern, und nutzt hierfür die Principal-Agent-Theorie als wissenschaftlichen Erklärungsrahmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Struktur und der Ablauf von M&A-Prozessen sowie die Analyse von Interessenkonflikten und Informationsasymmetrien zwischen den beteiligten Parteien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch die Verknüpfung der Principal-Agent-Theorie mit dem Ablauf von M&A-Transaktionen ein besseres Verständnis für Risikoquellen zu schaffen und Instrumente zur Erfolgssteigerung zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse auf Basis der Neuen Institutionenökonomie sowie die strukturierte Aufarbeitung der M&A-Phasen und der damit verbundenen Principal-Agent-Problematiken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Einführung in M&A-Grundlagen und -Prozesse sowie eine detaillierte Untersuchung der Principal-Agent-Problematik inklusive der Darstellung von Lösungs- und Instrumenten zur Problemreduzierung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Adverse Selection, Moral Hazard, Signaling, Due Diligence, Integrationscontrolling und Principal-Agent-Beziehungen geprägt.
Wie unterscheidet sich die "Adverse Selection" vom "Moral Hazard" im Kontext der Arbeit?
Adverse Selection bezieht sich auf asymmetrische Informationen vor Vertragsabschluss (z.B. verborgene Eigenschaften), während Moral Hazard Verhaltensrisiken nach Vertragsabschluss (z.B. verborgene Handlungen) beschreibt.
Warum spielt das Instrument der "Due Diligence" eine so wichtige Rolle?
Die Due Diligence fungiert als zentrales Screening-Instrument, um Informationsasymmetrien abzubauen und eine fundierte Bewertungsgrundlage für die M&A-Transaktion zu schaffen.
- Arbeit zitieren
- Christian Thoms (Autor:in), 2008, Mergers & Acquisitions vor dem Hintergrund des Principal-Agent-Problems, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/116706