Einleitend ist zunächst zu sagen, dass es leider sehr schwer ist, Literatur über die
MASS/COUNT-Distinktion zu bekommen. Bei vielen Autoren wird diese zwar erwähnt,
jedoch gibt es nur sehr wenige Aufsätze oder Monographien, die sich nur mit diesem
Thema beschäftigen. So stütze ich mich hauptsächlich auf 3 Aufsätze: Zur MASS/COUNTDistinktion
im Bairischen: Artikel und Quantifizierung von Agnes Kolmer, English
classifier constructions von Adrienne Lehrer und Numeral-Klassifikatoren und die
Distribution von Nomen: Konzeptuelle, semantische und syntaktische Aspekte von Heike
Wiese. Der Aufsatz von Salikoko Mufwene Non-Individuation and the Count/Mass
Distinction war mir leider nicht zugänglich.
Zuerst möchte ich noch einmal definieren, was Klassifikatoren bzw.
Klassifikatorsprachen sind. Dann erläutere ich die Definition(en) von MASS- und
COUNT-Nomina und in welchen europäischen Sprachen sie u.a. vorkommen. Die
Beispiele kommen meist aus dem Englischen, da es dazu die meiste Literatur gibt; aber
sooft es möglich ist, werde ich auch Beispiele aus anderen europäischen Sprachen
einbringen. Dann erläutere ich das Problem der Kategorisierung bei der MASS/COUNTDistinktion.
Abschließend ziehe ich einen Vergleich zwischen Klassifikator- und Sprachen
mit MASS/COUNT-Distinktion. Um einen Überblick über alle Distinktionskriterien zu
geben und zu zeigen, dass es auch in nah verwandten Sprachen wie dem Englischen und
dem Deutschen Unterschiede gibt, habe ich eine Tabelle aus Kolmer (1999) angefügt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Klassifikatoren
3 Die MASS/COUNT-Distinktion
3.1 Syntaktische oder semantische Kategorie?
4 Vergleich mit Klassifikatorsprachen
5 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die MASS/COUNT-Distinktion im Englischen sowie anderen europäischen Sprachen und setzt diese in Bezug zur Kategorisierung durch Klassifikatoren. Ziel ist es, die Problematik der sprachlichen Kategorisierung zu beleuchten und zu hinterfragen, ob Ansätze aus der Klassifikatorforschung auf Sprachen mit einer MASS/COUNT-Distinktion übertragbar sind.
- Grundlagen und Definitionen von Klassifikatoren und Klassifikatorsprachen
- Analyse der MASS/COUNT-Distinktion und ihrer grammatikalischen Einbettung
- Diskussion der semantischen versus syntaktischen Kategorisierungsansätze
- Vergleichende Betrachtung von Klassifikatorsprachen und Sprachen mit MASS/COUNT-Distinktion
- Untersuchung von Phänomenen wie Transnumeralität und "dual life nouns"
Auszug aus dem Buch
3 Die MASS/COUNT-Distinktion
In der Linguistik ist die Kategorie MASS/COUNT schon seit den 20er Jahren etabliert und spielt seitdem vor allem im Bereich der lexikalischen Typologie eine wichtige Rolle. Wie bei den meisten linguistischen Kategorien beschränkte sich die Forschung zunächst auf das Englische und wurde später auf andere Sprachen, z.B. auf das Tagalog übertragen - dies nennt man holistischen Ansatz. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass es sich nicht um eine universale Kategorie handelt und somit eine 1:1-Übertragung auf andere Sprachen nicht ohne Einschränkungen möglich ist.
Die MASS/COUNT-Kategorie unterscheidet zwei Subklassen von Nomina, die so genannten MASS- und COUNT-Nomina. Die deutsche Entsprechung ist Massen- und Zähl- bzw. Individualnomina, ich bleibe jedoch bei dem englischen Begriff, da dieser sich in der Literatur durchgesetzt hat. Es gibt auch Ansätze, die Kategorie MASS/COUNT auch auf Adjektive, Verben und Adverbien anzuwenden (vgl. Kolmer 1999:4), hier soll es jedoch nur um den traditionellen Bereich der Nomina gehen. Grundsätzlich gilt, dass MASS-Nomina nicht zählbar (uncountable) sind, wie z.B. Gold, COUNT-Nomina wie Ring, Ringe hingegen schon. MASS-Nomina können nur mit Hilfe eines Numerativs „zählbar“ (countable) gemacht werden, der die unbestimmte Masse individuiert: 2 Barren Gold.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der MASS/COUNT-Distinktion ein, erläutert die verwendete Literatur und legt das methodische Vorgehen sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.
2 Klassifikatoren: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Klassifikatoren, grenzt sie von Nomenklassen bzw. Genera ab und erläutert ihre Funktion bei der Kategorisierung von Objekten und Personen.
3 Die MASS/COUNT-Distinktion: Hier werden die Grundlagen der MASS/COUNT-Distinktion erörtert, Subkategorien diskutiert und Phänomene wie Transnumeralität sowie die Problematik der "dual life nouns" behandelt.
3.1 Syntaktische oder semantische Kategorie?: Dieser Unterpunkt befasst sich mit der theoretischen Debatte, ob die MASS/COUNT-Kategorisierung auf semantischen Referenzkriterien oder auf syntaktischen Regeln des Sprachsystems basiert.
4 Vergleich mit Klassifikatorsprachen: Das Kapitel vergleicht die Strukturen von Sprachen mit einer MASS/COUNT-Distinktion mit echten Klassifikatorsprachen und untersucht Ähnlichkeiten in der Individuierung durch Numerative.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einem Resümee, das betont, dass die MASS/COUNT-Distinktion keine universale Kategorie ist und die Erklärung in einem mehrdimensionalen, sprachspezifischen Ansatz liegen könnte.
Schlüsselwörter
MASS/COUNT-Distinktion, Klassifikatoren, Linguistik, Nomenklassen, Transnumeralität, Numerative, grammatikalische Kategorisierung, Substantive, Indoeuropäische Sprachen, Individuierung, Semantik, Syntax, Kollektiva, Sprachvergleich, Lexikologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Unterscheidung zwischen zählbaren (COUNT) und unzählbaren (MASS) Nomina im Englischen und anderen europäischen Sprachen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Definition von Klassifikatoren, die Analyse der MASS/COUNT-Kategorie, die Abgrenzung zu Klassifikatorsprachen sowie die Frage nach semantischen oder syntaktischen Kategorisierungsansätzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die MASS/COUNT-Distinktion zu entwickeln und zu hinterfragen, inwieweit Erkenntnisse aus der Klassifikatorforschung auf Sprachen ohne strikte Klassifikatorsysteme anwendbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender linguistischer Aufsätze und Theorien, um die Konzepte zu vergleichen und auf Basis von Beispielen aus verschiedenen Sprachen kritisch zu diskutieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Klassifikatoren als Kategorisierungsinstrumente, die theoretische Definition der MASS/COUNT-Distinktion sowie einen detaillierten Vergleich mit Klassifikatorsprachen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören MASS/COUNT-Distinktion, Klassifikatoren, Transnumeralität, Numerative sowie der Gegensatz zwischen semantischen und syntaktischen Kategorisierungsansätzen.
Was sind "dual life nouns"?
Dies sind Nomina, die nicht eindeutig entweder MASS oder COUNT zugeordnet werden können, da sie je nach Kontext unterschiedliche Lesarten (z.B. als Substanz oder als einzelnes Objekt) annehmen können.
Warum ist das Finnische ein interessantes Beispiel für diese Arbeit?
Das Finnische verdeutlicht die sprachspezifische Ausprägung von Kategorisierungen, etwa durch den Partitivkasus, der zur Kennzeichnung unbestimmter Mengen dient und damit über die indoeuropäischen Strukturen hinausgeht.
Was unterscheidet einen Artenklassifikator von einem Maßklassifikator?
Ein Artenklassifikator spezifiziert, worauf referiert wird (als bestimmte Art von Entität), während ein Maßklassifikator die Quantität eines Stoffes oder einer Gruppe angibt.
- Quote paper
- B.A. Anna Theodorou (Author), 2004, Die Mass/Count-Distinktion im Englischen und anderen europäischen Sprachen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/116683