Die Figuren der Mutter Courage aus Bertolt Brechts Drama „Mutter Courage und ihre Kinder“ steht im Fokus der Forschungsliteratur. Die Deutung der Tochter Kattrin ist dabei oft eng an die Analyse der Protagonistin geknüpft. Die Arbeit untersucht beide Figuren im Kontrast zueinander. Dabei wird folgende These untersucht: Inwieweit stellt Kattrin in ihren Werten und Handlungen einen Kontrast zu Mutter Courage dar?
Dafür wird zunächst der Begriff der Mütterlichkeit definiert, um auf das unterschiedliche Ausleben der Mütterlichkeit der beiden Figuren einzugehen. In diesem Unterkapitel wird der Fokus vor allem auf die Analyse der fünften und zwölften Szene des Stücks gelegt, da sich die dort vorkommenden Wiegenlieder gut für die Betrachtung der Fürsorge und Kinderliebe der Figuren eignen. Im darauffolgenden Abschnitt ist das Ziel, die unterschiedlichen Motivationen der beiden Figuren genauer zu erläutern und dabei auch die jeweilige Einstellung zum Krieg und zur Liebe miteinzubeziehen. Das Unterkapitel 3.4 soll fortfahrend, unter besonderer Behandlung der Lernfähigkeit Kattrins, die unterschiedliche Entwicklung der Figuren darlegen. Eine Analyse der Emotionen und Handlungsprinzipien, vor allem unter Deutung der elften Szene, wird den Hauptteil abschließen. Am Ende der Arbeit soll ersichtlich geworden sein, in welchen Bereichen die Protagonistin und ihre Tochter Kontraste aufweisen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen
2.1 Mütterlichkeit
3 Kontraste der Figuren Mutter Courage und Kattrin
3.1 Umgang mit Kindern und Züge von Mütterlichkeit
3.2 Einstellung zum Krieg und persönliche Motivation
3.3 Lernprozess und Entwicklung
3.4 Ethik, Emotionen und Handlungsmaxime
3.5 Einfluss des Krieges und Widerstand
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gegensätzliche Darstellung der Titelfigur Mutter Courage und ihrer stummen Tochter Kattrin in Bertolt Brechts Drama „Mutter Courage und ihre Kinder“. Das zentrale Forschungsziel besteht darin, aufzuzeigen, inwieweit Kattrins Werte, Handlungen und ihre ethische Haltung einen bewussten Kontrast zu dem ökonomisch geprägten und vom Selbsterhaltungstrieb dominierten Verhalten von Mutter Courage bilden.
- Analyse des Begriffs der Mütterlichkeit im Kontext des Dramas.
- Untersuchung der unterschiedlichen emotionalen und moralischen Handlungsweisen beider Figuren.
- Gegenüberstellung der jeweiligen Kriegseinstellungen und persönlichen Motivationslagen.
- Bewertung der Lernfähigkeit und persönlichen Entwicklung im Verlauf des Werkes.
- Analyse des Widerstands gegen Unrecht als Abgrenzung zur passiven Haltung der Protagonistin.
Auszug aus dem Buch
3.2 Einstellung zum Krieg und persönliche Motivation
In der ersten Szene des Dramas tritt Mutter Courage bereits als selbstbewusste Geschäftsfrau auf, die am Krieg interessiert ist. Sie preist ihre Ware singend an und bekennt sich zu dem engen Zusammenspiel ihrer Geschäfte mit dem Krieg. In Szene sieben singt sie „[…] Der Krieg ist nix als die Geschäfte […]” und erklärt damit, dass ihr Interesse am Krieg wirtschaftlich begründet ist. (M 52) Ihr Verdienen am Krieg wird vom Feldprediger missachtet. Er konfrontiert sie mit Vorwürfen wie „Sie sind eine Hyäne des Schlachtfelds.” und „[…] Sie wollen keinen Frieden, sondern Krieg, weil sie Gewinne machen […]“. (M 65f.) Die Motivation der Mutter Courage ist jedoch nicht nur von Profitsinn gekennzeichnet, sondern auch von dem Wunsch, mit ihren Kindern gemeinsam zu überleben. Sie fasst ihr Vorhaben im sechsten Bild wie folgt selbst zusammen: „Auf was ich aus bin, ist mich und meine Kinder durchzubringen mit meinem Wagen […]”. (M 59) Demnach sind ihre Interessen konträr und ihre Meinung zum Krieg ist doppelbödig. „[…] Als Händlerin bejaht die Courage im Krieg die Grundlage ihrer kleinen Geschäfte, als Mutter sieht sie durch ihn das Leben ihrer Kinder bedroht […]“.17 Ihre Aussage “ Der Krieg soll verflucht sein” am Ende des sechsten Bildes und ihre Überzeugung „Ich lass mir den Krieg von euch nicht madig machen. […]“ zu Beginn der siebten Szene verdeutlichen ihre ambivalente Einstellung zum Krieg. (M 61) ”Während sie sich also aus mütterlichen Gefühlen heraus den Frieden für sich und ihrer Kinder herbeisehnt, weiß sie auch, dass sie finanziell vom Krieg abhängig ist. Ihre Aussagen „[…] mit meine Kinder […] möchte ich noch ein paar ruhige Jahr haben”18 und „Der Friede bricht mirn Hals” weisen erneut auf diesen Interessenkonflikt hin.19 (M 73,64) Im Gegensatz dazu ist Kattrins Einstellung zum Krieg eindeutig. Sie hofft auf Frieden, damit sich ihr Wunsch nach einem Mann erfüllen kann. Als der Feldprediger im sechsten Bild verkündet, dass es keine Gründe für ein baldiges Ende des Krieges gebe, reagiert Kattrin enttäuscht und wütend.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Drama ein, erläutert die Rezeptionsgeschichte und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Kontrasts zwischen Mutter Courage und Kattrin.
2 Definitionen: Hier wird der theoretische Rahmen durch eine Definition des Begriffs der Mütterlichkeit als gesellschaftliche Konstruktion und individuelle Fähigkeit abgesteckt.
3 Kontraste der Figuren Mutter Courage und Kattrin: Dies ist der Hauptteil, in dem das unterschiedliche Verhalten, die Motivation, die Lernfähigkeit und die ethischen Maximen der beiden Hauptfiguren detailliert verglichen werden.
4 Fazit: Das letzte Kapitel fasst die Analyseergebnisse zusammen und bestätigt, dass Kattrin in ihren Werten und ihrem Handeln einen deutlichen moralischen Kontrast zur Protagonistin darstellt.
Schlüsselwörter
Bertolt Brecht, Mutter Courage, Kattrin, Mütterlichkeit, Krieg, Kontrastfiguren, Moral, Geschäftsfrau, Ethik, Lernfähigkeit, Widerstand, Handlungsmaxime, Opferrolle, Existenznot, Literaturwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gegensätzliche Charakterzeichnung von Mutter Courage und ihrer Tochter Kattrin in Bertolt Brechts Drama.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Ausprägung von Mütterlichkeit, der Einfluss des Krieges auf das Individuum, ökonomische Zwänge versus moralisches Handeln sowie die persönliche Entwicklung der Charaktere.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kattrin durch ihre selbstlose Art und ihren Widerstand gegen Unrecht einen Kontrast zur profitorientierten und oft opportunistischen Haltung von Mutter Courage bildet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textbasiert arbeitet und durch Fachliteratur zur Interpretation des Dramas gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Mutter-Kind-Beziehung, die Einstellung zum Krieg, den Lernprozess der Figuren sowie deren ethische Handlungsmaximen unter Berücksichtigung spezifischer Szenen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kontrastfiguren, Mütterlichkeit, Brechts Antikriegsstück, ökonomische Zwänge und Menschlichkeit.
Wie unterscheiden sich die beiden Figuren in Bezug auf den Krieg?
Während Mutter Courage den Krieg als ökonomische Existenzgrundlage bejaht und ausbeutet, lehnt Kattrin den Krieg aufgrund der damit verbundenen Leiden ab und hofft aktiv auf den Frieden.
Warum wird Kattrin im Fazit als eine Art „ideale Mutterfigur“ bezeichnet?
Dies begründet sich durch ihre bedingungslose Opferbereitschaft und ihren Schutzinstinkt gegenüber Kindern, die über ihre eigene Familie hinausgehen, womit sie moralisch über die Protagonistin hinauswächst.
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- Anonym (Author), 2019, Mutter Courage und Kattrin als Kontrastfiguren in Bertolt Brechts Drama "Mutter Courage und ihre Kinder", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1159583