Homo homini lupus – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Der Philosoph Thomas Hobbes sah Gewalt in der Gesellschaft als Krieg aller gegen alle als Naturzustand an und deklarierte den friedlichen Zustand als erklärungsbedürftig. Hingegen versucht die moderne Kriminologie, Gewaltkriminalität als Anomalie zu begreifen und diese Abweichung vom normalen Zustand der Friedfertigkeit in all ihren Facetten zu erklären. Gewalt als Antagonist der Friedfertigkeit wird in Medien und Gesellschaft überproportional viel Aufmerksamkeit zuteil, obwohl sie lediglich 3,3 % der erfassten Gesamtkriminalität einnimmt. Die Menschen nehmen eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft wahr, was medial ebenfalls propagiert wird und auch im politischen Diskurs der letzten Jahre an Bedeutung gewann. Seit dem 13. Jahrhundert ging die Tötungsrate in Deutschland jedoch um 98 % zurück.
Diese Arbeit soll helfen, die Entwicklung in einen historischen Kontext einzubetten und derartige Paradoxien aufzulösen, Gewaltkriminalität Erwachsener mithilfe von Fragen nach den Ursachen ihrer Entstehung besser zu verstehen und aus den gewonnen Erkenntnissen Prognosen für zukünftige Szenarien aufstellen zu können. Dabei soll politisch motivierte Gewalt besondere Aufmerksamkeit erfahren.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Definition, Abgrenzungen und Phänomenologie
III. Historische Entwicklung und aktuelle Situation – eine empirische Grundlegung aus verschiedenen Perspektiven
1. Entwicklung im Hellfeld
a) Untersuchungsdesign
b) Aktuelle Situation und Interpretation im historischen Kontext
c) Entwicklung politisch motivierter Gewaltkriminalität
2. Befunde im Dunkelfeld
3. Die Entwicklung aus Sicht der Bevölkerung
4. Zwischenfazit
IV. Ursachen
1. Aggression aus evolutionsbiologischer und psychologischer Sicht
2. Affektive und rationale Komponenten
3. Frustration und situative Faktoren
4. Lehren und Lernen von Gewalt und Selbstkontrolle
5. Protektive Faktoren
6. Gesellschaftliche Zivilisationsprozesse
V. Prognose-Szenarien
1. Best-Case-Szenario
2. Worst-Case-Szenario
3. Trend-Szenario
VI. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die langfristige Entwicklung der Gewaltkriminalität von Erwachsenen in Deutschland unter Berücksichtigung historischer Kontextualisierung, kausaler Ursachenforschung sowie der Erstellung von Prognose-Szenarien für die Zukunft, wobei besonderes Augenmerk auf politisch motivierte Gewalt gelegt wird.
- Historische Analyse der Gewaltkriminalität und Tötungsraten in Deutschland.
- Untersuchung der Entstehungsursachen von Gewalt (biologisch, psychologisch, sozial).
- Differenzierung zwischen Hellfeld-Daten der PKS und dem Dunkelfeld der Viktimisierung.
- Betrachtung von politisch motivierter Gewalt im Kontext gesellschaftlicher Desintegration.
- Entwicklung von Prognose-Modellen zur zukünftigen Kriminalitätsbelastung.
Auszug aus dem Buch
I. Einleitung
Homo homini lupus – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.1 Der Philosoph Thomas Hobbes sah Gewalt in der Gesellschaft als Krieg aller gegen alle als Naturzustand an und deklarierte den friedlichen Zustand als erklärungsbedürftig.2 Hingegen versucht die moderne Kriminologie, Gewaltkriminalität als Anomalie zu begreifen und diese Abweichung vom normalen Zustand der Friedfertigkeit in all ihren Facetten zu erklären.3 Gewalt als Antagonist der Friedfertigkeit wird in Medien und Gesellschaft überproportional viel Aufmerksamkeit zuteil, obwohl sie lediglich 3,3 % der erfassten Gesamtkriminalität einnimmt.4 Die Menschen nehmen eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft wahr, was medial ebenfalls propagiert wird und auch im politischen Diskurs der letzten Jahre an Bedeutung gewann.5 Seit dem 13. Jahrhundert ging die Tötungsrate in Deutschland jedoch um 98 % zurück.6 Diese Arbeit soll helfen, die Entwicklung in einen historischen Kontext einzubetten und derartige Paradoxien aufzulösen, Gewaltkriminalität Erwachsener mithilfe von Fragen nach den Ursachen ihrer Entstehung besser zu verstehen und aus den gewonnen Erkenntnissen Prognosen für zukünftige Szenarien aufstellen zu können. Dabei soll politisch motivierte Gewalt besondere Aufmerksamkeit erfahren.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Thematik der Gewaltkriminalität als gesellschaftliche Anomalie im historischen Kontext und Vorstellung der Zielsetzung der Arbeit.
II. Definition, Abgrenzungen und Phänomenologie: Erörterung der Schwierigkeiten bei der Definition von Gewalt und Abgrenzung der verschiedenen Gewaltbegriffe (physisch, strukturell, strafrechtlich).
III. Historische Entwicklung und aktuelle Situation – eine empirische Grundlegung aus verschiedenen Perspektiven: Empirische Analyse der Gewaltkriminalität unter Einbeziehung von Hellfeld-Statistiken, Dunkelfeldbefunden und der Wahrnehmung der Bevölkerung.
IV. Ursachen: Detaillierte Betrachtung verschiedener Erklärungsansätze für die Entstehung von Gewalt, von biologischen und psychologischen Faktoren bis hin zu soziologischen Zivilisationsprozessen.
V. Prognose-Szenarien: Erstellung von Best-Case-, Worst-Case- und Trend-Szenarien für die zukünftige Entwicklung der Gewaltkriminalität in Deutschland.
VI. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen hinsichtlich der Ursachenbekämpfung und der zukünftigen Dynamik von Gewaltkriminalität.
Schlüsselwörter
Gewaltkriminalität, Kriminologie, Polizeiliche Kriminalstatistik, Dunkelfeld, Politisch motivierte Gewalt, Aggression, Sozialisation, Zivilisationsprozess, Individualisierung, Prognose-Szenarien, Homizid, Prävention, Strafrecht, Desintegration, Soziale Kontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung, die Ursachen und mögliche Zukunftsszenarien der Gewaltkriminalität von Erwachsenen in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die empirische Datenlage (Hellfeld vs. Dunkelfeld), die theoretischen Ursachen von Aggression und Gewalt sowie deren politisch motivierte Ausprägungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der Gewaltkriminalität in einen historischen Kontext zu setzen, Ursachen besser zu verstehen und Prognosen für zukünftige Szenarien zu erstellen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es erfolgt eine interdisziplinäre Analyse basierend auf Literaturrecherche, empirischen PKS-Daten, Viktimisierungsstudien und der Anwendung von Szenariotechnik zur Prognose.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Kriminalitätsentwicklung, eine Analyse ätiologischer Faktoren (biologisch, psychologisch, sozial) und die Aufstellung von Prognose-Modellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Schlüsselbegriffe sind Gewaltkriminalität, Kriminologie, Dunkelfeld, Zivilisationsprozesse und Gewaltprävention.
Welche Rolle spielt die politisch motivierte Gewalt in der Arbeit?
Politisch motivierte Gewalt wird als spezifische Unterform betrachtet, insbesondere im Zusammenhang mit gesellschaftlicher Desintegration und deren Wahrnehmung in Krisenzeiten.
Warum wird zwischen Hellfeld und Dunkelfeld unterschieden?
Die Unterscheidung ist notwendig, da die offizielle Polizeiliche Kriminalstatistik nur einen Ausschnitt der Realität abbildet, während Dunkelfeldforschung hilft, das tatsächliche Ausmaß und die Anzeigebereitschaft besser einzuschätzen.
- Quote paper
- Till Reinholz (Author), 2020, Gewaltkriminalität von Erwachsenen in Deutschland (ohne Raubkriminalität). Entwicklung, Ursachen und Prognose-Szenarien auch unter Berücksichtigung politisch motivierter Gewalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1156438