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Der "geborene Verbrecher" als falsche Fährte in "Maigret und der gelbe Hund" und "The Hound of the Baskervilles"

Title: Der "geborene Verbrecher" als falsche Fährte in "Maigret und der gelbe Hund" und "The Hound of the Baskervilles"

Term Paper , 2021 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Tobias Esser (Author)

German Studies - Modern German Literature

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Summary Excerpt Details

Dem Kriminalroman liegt die zentrale Frage nach der Identität des Mörders zugrunde, das "Whodunit“. Auf der Suchbewegung nach einer Antwort auf diese Frage geraten die Ermittelnden und mit ihnen die Lesenden immer wieder auch auf falsche Fährten bzw. "red herrings", die sie nicht direkt zur Auflösung des Kriminalfalles führen. Auch in den beiden Romanen "The Hound of the Baskervilles" von Arthur Conan Doyle und "Maigret und der gelbe Hund von Georges" Simenon werden mit dem flüchtigen Mörder Selden und dem Landstreicher Léon Le Guérec Figuren präsentiert, die schon auf den ersten Blick verdächtig erscheinen dürften, obwohl sie nicht die gesuchten Täter sind. Sie erinnern an den Typus des "geborenen Verbrechers“, der in der Atavismustheorie Cesare Lombrosos beschrieben wird.

Die vorliegende Arbeit beleuchtet Parallelen zur Atavismustheorie in der Darstellung der Figuren und Ansätze der Emanzipation. Zudem wird untersucht, inwiefern diese Darstellung für die Funktion der Figuren als "red herring" eine Rolle spielt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. „Geborene Verbrecher“ als Figuren in Maigret und der gelbe Hund und The Hound of the Baskervilles

3. Léon und Selden als falsche Fährten

4. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion von Figuren, die Merkmale eines „geborenen Verbrechers“ nach Cesare Lombroso aufweisen, in den Kriminalromanen „The Hound of the Baskervilles“ und „Maigret und der gelbe Hund“. Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern diese Figuren als „falsche Fährten“ fungieren und wie sich ihre Rolle in der Ermittlungslogik der jeweiligen Romane unterscheidet.

  • Analyse der Atavismustheorie nach Cesare Lombroso im literarischen Kontext.
  • Vergleich der Figuren Selden und Léon Le Guérec als Träger vermeintlich krimineller biologischer Merkmale.
  • Untersuchung der narrativen Funktion der „falschen Fährte“ (red herring) in der Detektiverzählung.
  • Kontrastierung der Wissensgenerierung durch die Ermittler Sherlock Holmes und Maigret.
  • Diskussion gesellschaftlicher versus biologischer Determinanten von Kriminalität.

Auszug aus dem Buch

3. Léon und Selden als falsche Fährten

„There go two of my threads, Watson. There is nothing more stimulating than a case where everything goes against you. We must run for another scent.“ – Sherlock Holmes in The Hound of the Baskervilles

Die Lesenden emanzipierten sich von der Erzählinstanz, so beschreibt Alewyn das besondere Verhältnis der beiden im Detektivroman, indem auffällige Lücken in der Beschreibung der Handlung es erschwerten, die Wirklichkeit zu erfassen. Die Lesenden prüften die gegebenen Informationen daher mit „misstrauischer Aufmerksamkeit“. Misstrauisch dürften sie daher insbesondere auch Selden und Léon betrachten. Durch die Attribute des „geborenen Verbrechers“ und als Mörder bzw. Landstreicher sprechen sie Vorurteile an und erscheinen besonders verdächtig. Ihre Erwähnung im Roman kann kaum als Zufall betrachtet werden. Andererseits macht es die im Kriminalroman gängige Formel, nach der der Mörder meist die unauffälligste Figur sei, unwahrscheinlich, dass es sich bei ihnen tatsächlich um diesen handelt. Sie scheinen eine zu naheliegende Lösung für den Fall zu sein.

Sie sind vielmehr ein Element der „Mystery“, worunter Schulz-Buschhaus im Kriminalroman die „planmäßige Verdunkelung des Rätsels“ versteht, die schließlich einer überraschenden Erhellung Platz mache. Ein wesentliches Element sei dabei die falsche Fährte: „Indizien und Analysen werden gewöhnlich solcherart verteilt, daß sie den Leser der intendierten Lösung nicht näher bringen, sondern ihn auf falschen Fährten, welche der Autor gegenüber den ‚relevanten‘ Indizien zunächst übermäßig akzentuiert, von ihr fortlocken.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die Thematik ein und definiert die Untersuchung der „geborenen Verbrecher“-Figuren als falsche Fährten sowie deren Abgleich mit der Lombroso-Theorie.

2. „Geborene Verbrecher“ als Figuren in Maigret und der gelbe Hund und The Hound of the Baskervilles: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Atavismustheorie erläutert und die Figuren Selden und Léon auf ihre entsprechenden Merkmale hin analysiert.

3. Léon und Selden als falsche Fährten: Dieses Kapitel vergleicht die narrative Funktion der beiden Figuren als „red herrings“ und ihre unterschiedliche Bedeutung für die Ermittlungserfolge von Holmes und Maigret.

4. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Figuren zwar durch atavistische Merkmale stigmatisiert werden, ihre funktionale Rolle als falsche Fährte jedoch durch ihre spezifische Einbettung in die Romanwelt divergiert.

Schlüsselwörter

Atavismus, Cesare Lombroso, falsche Fährte, Kriminalroman, Maigret und der gelbe Hund, The Hound of the Baskervilles, Georges Simenon, Arthur Conan Doyle, Detektivliteratur, Wissensgenerierung, red herring, Verbrechertypus, Kriminologie, Determinismus, soziale Struktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie zwei Kriminalromane (Doyle und Simenon) das Konzept des „geborenen Verbrechers“ nutzen, um Figuren als falsche Fährten zu etablieren und so die Ermittlungen zu beeinflussen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit verknüpft kriminologische Theorien (Lombroso) mit literaturwissenschaftlichen Analysen zur Struktur des Detektivromans und der Funktion von Verdächtigen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll untersucht werden, wie Selden und Léon als „red herrings“ fungieren und welche unterschiedliche Rolle diese Figuren für die Wissensgewinnung der Ermittler spielen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die Figurenkonstellationen und Motive auf der Grundlage kriminologiegeschichtlicher und gattungstheoretischer Fachliteratur untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Atavismustheorie und eine vergleichende Analyse der Figuren Selden und Léon im Kontext ihrer Funktion als „falsche Fährten“.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Schlagworte sind Atavismus, Kriminalroman, falsche Fährte, Detektiv und Wissensgenerierung.

Wie unterscheidet sich die Rolle von Selden von der von Léon?

Während Selden für Holmes lediglich ein retardierendes Moment ist, spielt Léon für Maigret eine zentrale Rolle bei der Entschlüsselung des sozialen Gefüges und der Aufklärung des Mordfalls.

Inwiefern bricht Léon mit dem Modell des „geborenen Verbrechers“?

Léon zeichnet sich durch Reifungsprozesse aus, emanzipiert sich von seiner kriminellen Stigmatisierung und findet durch die Liebe zu seiner Partnerin in die Zivilisation zurück.

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Details

Title
Der "geborene Verbrecher" als falsche Fährte in "Maigret und der gelbe Hund" und "The Hound of the Baskervilles"
College
RWTH Aachen University
Grade
1,0
Author
Tobias Esser (Author)
Publication Year
2021
Pages
18
Catalog Number
V1153974
ISBN (eBook)
9783346546272
ISBN (Book)
9783346546289
Language
German
Tags
Sherlock Holmes Kriminalroman Detektivroman Doyle Geborene Verbrecher Falsche Fährte Red Herring Neuere Deutsche Literatur Kriminalwissenschaft Erzähltheorie Lombroso Arthur Conan Doyle Georges Simenon Kommissar Maigret Cesare Lombroso Maigret und der gelbe Hund The Hound of the Baskervilles Phrenologie Atavismustheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Esser (Author), 2021, Der "geborene Verbrecher" als falsche Fährte in "Maigret und der gelbe Hund" und "The Hound of the Baskervilles", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1153974
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