In dieser Hausarbeit wird auf die Frage eingegangen, ob nach der Reformierung des Verwaltungsmodells nach dem Konzept des New Public Management (NPM) sich auch die deutsche Bundesverwaltung verändert hat. Zudem wird herausgearbeitet, wo das NPM in der Bundesverwaltung Anwendung findet und welche Auswirkung die Reformen auf die Bundesverwaltung hatte.
Der öffentliche Sektor ist ein äußerst vielgliedriges System und vereint Aspekte von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen sowie politischen Elementen. Er ist im engeren Sinne ein volkswirtschaftlicher Sammelbegriff für Bund, Länder, Gemeinden und Gemeindeverbänden eines Staates. Öffentliche und rechtliche Abgaben wie Steuern, Beiträge und Gebühren sind wichtige Finanzierungsquellen der Einheiten des öffentlichen Sektors und macht einen erheblichen Teil der Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft aus. Die öffentliche Verwaltung ist dabei ein wichtiger Bestandteil im staatlichen Gebilde und nimmt eine wesentliche Rolle im Wirtschaftssystem ein. Dabei zeigten sich in der Vergangenheit, dass die öffentliche Verwaltung dysfunktionale Begleiterscheinungen bürokratischer Strukturen hatte. Das klassische Bürokratiemodell wurde als unflexibel, starr und hierarchisch bezeichnet.
Die Verwaltung bedurfte eine umfassende Reformierung, um gegen die neuen Gegebenheiten, die aus Wettbewerb und den steigenden Kosten der Verwaltung bestanden, vorzugehen. Nach der Funktionalreform in den 70er Jahren, den Verwaltungsvereinfachung bis zu den 80er Jahren, stand in den 90er Jahren die betriebswirtschaftlich inspirierte Binnenmodernisierung der Verwaltung im Fokus der Veränderungsreform, bis zu der Neuausrichtung der Staatsaufgaben nach dem Konzept des New Public Management .
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Bürokratiemodell
2.1. Definition des Bürokratiemodells nach Max Weber
2.2. Die Notwendigkeit einer Verwaltungsreform
3. New Public Management
4. Die Bundesverwaltung
4.1. New Public Management in der Bundesverwaltung
4.2. Entwicklungsphasen des New Public Management in der Bundesverwaltung
5. Auswirkungen der Reformen auf die Bundesverwaltung
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob sich die deutsche Bundesverwaltung durch die Implementierung des New Public Management (NPM) grundlegend verändert hat, wo das Konzept Anwendung findet und ob dessen Einführung in diesem spezifischen Sektor als gescheitert betrachtet werden kann.
- Historische Entwicklung und Kritik des klassischen Bürokratiemodells nach Max Weber.
- Theoretische Grundlagen und Kernkonzepte des New Public Management.
- Analyse der Verwaltungsreformen in der deutschen Bundesverwaltung seit den 1990er Jahren.
- Evaluierung der Auswirkungen des NPM auf Strukturen, Effizienz und Bürgerorientierung.
- Diskussion über die Erfolgsbilanz und die Gründe für die begrenzte Wirksamkeit des NPM im Bundeskontext.
Auszug aus dem Buch
2.1. Definition des Bürokratiemodells nach Max Weber
Anfang des 20 Jahrhunderts stellten sich vor allem Journalisten und Wissenschaftler die Fragen, was die Bürokratie von anderen Formen der Verwaltung unterscheidet und welche Auswirkungen die Bürokratie auf ihre Mitglieder hatte. Vor allem die Frage, ob die Volksvertreter oder die Bürokraten regieren, wurde im Zuge der langsamen Entwicklung der Demokratie als besonders brisant angesehen (vgl. Kieser 2014, S. 128). Max Weber (1922) versuchte diese Fragen zu beantworten und untersuchte Anfang des 20. Jahrhunderts die bürokratischen Verwaltungen. Dabei stellte er die Bürokratie in einen Zusammenhang mit dem Prozess der Rationalisierung. Der Rationalisierungsprozess beschreibt die Fähigkeit des Menschen, sich mit der natürlichen und sozialen Umwelt geistig auseinanderzusetzen und einzugreifen (vgl. Kieser 2014, S. 128 ff.). Max Weber sah diesen Prozess auf drei Ebenen voranschreiten. Auf der Ebene der Glaubenssystemen, der Ebene der praktischen Lebensführung und der institutionellen Ebene (vgl. Kieser 2014, S. 139 f.). Die Bürokratie wurde bei Weber als eine Form der legalen Herrschaft4 definiert, die durch den Prozess der Rationalisierung auf der Ebene der Institutionen hervorgebracht wurde (vgl. Kieser 2014, S. 158). Auf der Ebene der Institutionen bedeutet Rationalisierung, dass die zunehmenden Probleme der natürlichen und sozialen Welt durch Wissenschaft , Technik und Organisation beherrschbar werden (vgl. Kieser 2014, S. 1139 f.). Er sah in der der Bürokratie eine überlegene Form der Verwaltung, die den anderen, etwa den ehren- oder nebenamtlichen Verwaltung, überlegen war. Die Überlegenheit wurde mit der Effizienz der Bürokratie begründet. Sie galt als Maschinenartig und leistungsfähig, ohne jeglichen Eigensinn, doch mit hoch spezialisierten Beamten (vgl. Kieser 2014, S.175).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Komplexität des öffentlichen Sektors ein, erläutert die Defizite des klassischen Bürokratiemodells und formuliert die Forschungsfrage zur Wirkung des New Public Management in der deutschen Bundesverwaltung.
2. Das Bürokratiemodell: Das Kapitel definiert die Grundlagen der bürokratischen Verwaltung nach Max Weber und analysiert die historische Notwendigkeit für Verwaltungsreformen aufgrund zunehmender Starrheit und Ineffizienz.
3. New Public Management: Hier werden die Kernelemente des NPM als Leitbegriff für die Modernisierung von Staat und Verwaltung vorgestellt, inklusive der theoretischen Fundierung durch die Neue Institutionenökonomik und Public-Choice-Theorie.
4. Die Bundesverwaltung: Dieses Kapitel erläutert die Struktur der Bundesverwaltung und untersucht detailliert die verschiedenen Reformphasen, die unter verschiedenen Bundesregierungen seit den 1990er Jahren initiiert wurden.
5. Auswirkungen der Reformen auf die Bundesverwaltung: Es wird analysiert, dass die strukturellen Auswirkungen des NPM eher gering blieben und sich die Reformen primär auf eine Straffung statt auf eine tiefgreifende marktwirtschaftliche Transformation konzentrierten.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass das NPM als umfassendes Modell zur Effizienzsteigerung zwar Leitideen lieferte, die Verwaltungsmodernisierung in Deutschland jedoch nur langsam vorankommt und das Konzept in seiner ursprünglichen Form an der Bundesverwaltung weitgehend gescheitert ist.
Schlüsselwörter
New Public Management, Bundesverwaltung, Bürokratiemodell, Max Weber, Verwaltungsreform, Binnenmodernisierung, aktivierender Staat, Effizienz, Bürgerorientierung, Privatisierung, Deregulierung, öffentlicher Dienst, E-Government, Rationalisierung, Staatsaufgaben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung und den Auswirkungen des New Public Management (NPM) auf die deutsche Bundesverwaltung seit den 1990er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse bürokratischer Strukturen, der Reformgeschichte des deutschen Staates sowie der Wirksamkeit von Modernisierungsstrategien wie Privatisierung und Digitalisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu klären, ob sich die Bundesverwaltung durch das NPM tatsächlich gewandelt hat und inwieweit das Reformkonzept in diesem Bereich als erfolgreich oder gescheitert einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Verwaltungslehre und Literaturanalyse, um die Reformschritte der verschiedenen politischen Ären seit Helmut Kohl kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Abgrenzung vom Bürokratiemodell, die Definition von NPM, die spezifische Situation der Bundesverwaltung und eine kritische Diskussion der Reformphasen und deren Auswirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem New Public Management, Bundesverwaltung, Bürokratieabbau, Effizienzsteigerung und aktivierender Staat.
Warum konnte das NPM in der Bundesverwaltung nur begrenzt umgesetzt werden?
Laut Autorin liegt dies unter anderem an konkurrierenden politischen Prioritäten, wie der Wiedervereinigung, und der Kritik, dass das Modell in einer Demokratie nicht ausreichend zwischen öffentlichem und privatem Interesse unterscheidet.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung im Kontext der Reformen?
Die Digitalisierung wird als zentrales Element für mehr Bürgerorientierung und Transparenz gesehen, wobei die Ergebnisse und die praktische Umsetzung im Vergleich zum Anspruch der Reformen noch als ausbaufähig bewertet werden.
- Arbeit zitieren
- Michael Gruen (Autor:in), 2020, Public and Nonprofit Management. New Public Management in der Bundesverwaltung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1152687