Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit folgender Frage: Welche transgenerationalen Risikofaktoren lassen sich in alkoholbelasteten Familien identifizieren? Zur Beantwortung der Frage wird eingangs der Begriff der Alkoholabhängigkeit definiert und anschließend der familiäre Kontext in alkoholbelasteten Familien erläutert, um daraus die ersten Risiken abzuleiten. Im weiteren Verlauf werden die Entwicklungsrisiken von Kindern alkoholabhängiger Eltern betrachtet. Dabei wird auf genetische Dispositionen sowie epigenetische Faktoren, welche die Entstehung einer Alkoholabhängigkeit möglicherweise begünstigen könnten, nicht weiter eingegangen. Die direkt beobachtbaren negativen Auswirkungen durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft werden jedoch skizziert. Abschließend werden Prävalenzen für die Entwicklung einer Sucht- oder psychischen Krankheit sowie umweltbedingte Risiken beschrieben. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den transgenerationalen Risiken, denen Kinder durch die Alkoholabhängigkeit ihrer Eltern ausgesetzt sind.
Mit der Alkoholkrankheit der Eltern gehen häufig psychische Erkrankungen einher, welche die Vulnerabilität der Kinder erhöhen.
Trotz der starken transgenerationalen Zusammenhänge innerhalb suchtbelasteter Familien ist es schwer, vorherzusagen, ob ein Kind aus einer suchtbelasteten Familie selbst eine Alkoholabhängigkeit entwickeln wird oder nicht. Die Risikofaktoren gestalten sich komplex und die Krankheitsverläufe alkoholkranker Eltern sind heterogen. Entscheidend für die Entwicklung von COAs sind Umwelteinflüsse, genetische Bedingungen, die Persönlichkeit des Kindes sowie die Beziehung zu (und zwischen) den Eltern. Weitere auschlaggebende Faktoren sind, ob beide Elternteile oder nur ein Elternteil erkrankt ist sowie das Geschlecht des Kindes und das Alter bei Eintreten der Suchtkrankheit der Eltern. Diese Aufzählung ist jedoch nur eine Auswahl an Entwicklungsrisikofaktoren, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Alkoholabhängige Eltern
2.1 Definition Alkoholabhängigkeit
2.2 Familiärer Kontext in alkoholbelasteten Familien
2.3 Zwischenfazit
3. Entwicklungsrisikofaktoren Kinder alkoholabhängiger Eltern
3.1 Risikofaktoren durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft
3.2 Psychosoziale Risikofaktoren
3.2.1. Einflussfaktoren auf Auswirkung elterlicher Alkoholabhängigkeit auf die Kinder
3.2.2 Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit/ psychischen Störung
3.2.3 Umweltbezogene Entwicklungsrisiken
4 Diskussion und Schlussteil
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die transgenerationalen Risikofaktoren, die bei Kindern in alkoholbelasteten Familien identifiziert werden können, um das erhöhte Entwicklungsrisiko dieser Kinder zu verdeutlichen und die Mechanismen der Transmission von Alkoholabhängigkeit zu beleuchten.
- Definition und Dynamik der elterlichen Alkoholabhängigkeit
- Einfluss von pränatalem Alkoholkonsum auf das Kindeswohl
- Psychosoziale Entwicklungsrisiken und Vulnerabilitäten
- Rolle familiärer Strukturen und Bewältigungsstrategien
- Transgenerationale Weitergabe von Sucht und psychischen Störungen
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Umweltbezogene Entwicklungsrisiken
Tendenziell sind Kinder aus alkoholbelasten Familien gestresster und unsicherer. Es besteht eine Neigung, die Überreaktionen der alkoholabhängigen Eltern auf die eigene Person zu beziehen und sich schuldig dafür zu fühlen. Die Wesensveränderung der Eltern durch Alkoholintoxikation werden von Kindern als befremdlich empfunden und lösen Gefühle von Angst und Scham aus (Schulze et al. 2014).
Ein weiterer Risikofaktor für die Entwicklung von Kindern alkoholabhängiger Eltern ist der Schulabsentismus, d.h. die unerfüllte Schulpflicht in Form von unerlaubtem Fernbleiben. Wenn das Fernbleiben von der Schule nicht primär vom Kind ausgeht, sondern die Erziehungsberechtigten verantwortlich sind, wird von „Zurückhaltung“ gesprochen. Diese lässt sich auf verschiedene Phänomene zurückführen, im Kontext psychisch kranker oder suchtkranker Eltern, ist hier insbesondere das Phänomen der Parentifizierung zu nennen (Ricking und Speck 2018).
Unter Parentifizierung wird eine Verschiebung der Rollen zwischen Eltern bzw. einem Elternteil und dem Kind/ den Kindern verstanden. Die Kinder übernehmen Verantwortung für und Verpflichtungen der Eltern, wie beispielsweise Aufgaben im Haushalt oder die Erziehung jüngerer Geschwister. Plass und Wiegand-Grefe nennen als Fallbeispiel einen 13-Jährigen Sohn, der für seine alkoholabhängige Mutter das abendliche Fernsehprogramm nach ihren Vorlieben zusammenstellt, damit diese möglichst vor dem Fernseher bleibt und nicht noch einmal hinausgeht, um Alkohol zu kaufen (Plass und Wiegand-Grefe 2012).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Kindern in alkoholbelasteten Familien ein und definiert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2 Alkoholabhängige Eltern: Das Kapitel definiert den Begriff der Alkoholabhängigkeit und beschreibt den familiären Kontext sowie die Phasen der familiären Reaktion auf die Suchterkrankung.
3. Entwicklungsrisikofaktoren Kinder alkoholabhängiger Eltern: Hier werden spezifische Risikofaktoren, von pränatalen Auswirkungen bis hin zu psychosozialen und umweltbezogenen Belastungen, detailliert analysiert.
4 Diskussion und Schlussteil: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Schutz- und Risikofaktoren zusammen und beantwortet die Forschungsfrage zur Transmission von Alkoholabhängigkeit.
Schlüsselwörter
Alkoholabhängigkeit, COAs, transgenerationale Risikofaktoren, Familienkontext, psychische Störungen, Transmission, Vulnerabilität, Kindeswohl, Fetales Alkoholsyndrom, Parentifizierung, Suchtprävention, Entwicklungsrisiken, psychosoziale Belastung, Sozialisation, Komorbidität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Kindern, die mit alkoholabhängigen Eltern aufwachsen, und analysiert die verschiedenen Risikofaktoren, die deren Entwicklung beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Definition der Alkoholabhängigkeit, die familiäre Dynamik, pränatale Risiken sowie die psychosozialen Folgen für betroffene Kinder.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Identifizierung der transgenerationalen Risikofaktoren, die in alkoholbelasteten Familien eine Rolle spielen und die Weitergabe von Suchterkrankungen begünstigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse aktueller Fachberichte und Studien zum Thema Sucht und Kinder psychisch bzw. suchtkranker Eltern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des familiären Kontextes, pränataler Schädigungen durch Alkoholkonsum sowie psychosozialer und umweltbezogener Entwicklungsrisiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Alkoholabhängigkeit, COAs, transgenerationale Transmission, Vulnerabilität und Entwicklungsrisiken geprägt.
Was versteht man unter dem Begriff der „Parentifizierung“ in diesem Kontext?
Parentifizierung beschreibt eine Rollenverschiebung, bei der das Kind Aufgaben übernimmt, die eigentlich in der Verantwortung der Eltern liegen, um die Suchtdynamik der Familie zu kompensieren.
Welche Rolle spielt die Phase der Alkoholabhängigkeit der Eltern für das Kind?
Die Phase der Sucht beeinflusst die elterliche Erziehungsfähigkeit maßgeblich; insbesondere in der chronischen Phase des Suchtverlaufs ist das elterliche Verhalten für Kinder oft unberechenbar und führt zu massiven Belastungen.
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- Anonym (Autor:in), Transgenerationale Risikofaktoren alkoholbelasteter Familien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1152598