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Regionalgeschichte als Außeneinfluss: Der Kautschukboom

Titel: Regionalgeschichte als Außeneinfluss: Der Kautschukboom

Seminararbeit , 2001 , 16 Seiten , Note: 2

Autor:in: Duska Vranjes (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Während Spanien mit den napoleonischen Kriegen beschäftigt war, nutzen die
lateinamerikanischen Kolonien die Gelegenheit, um ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu
Großbritannien und Nordamerika zu festigen. Nachdem es mehreren Staaten gelang die
spanische Herrschaft abzuwerfen, blieb Lima als letzte Bastion spanischer
Kolonialherrschaft, wo alle Aufstandsversuche niedergeschlagen werden konnten. Dies lag
an der gespaltenen Meinung der Bevölkerung. Während man auf dem Land Interesse an
wirtschaftlicher Liberalisierung hatte, bestand die Aristokratie auf einer Rückkehr zur
zentralistischer Kolonialverwaltung.
Aus diesem Grunde erfolgte die Befreiung Perus von außen. 1821 nahm San Martín, ein
argentinischer General, Lima ein. Er versuchte eine konstitutionelle Monarchie zu
etablieren. Es gelang ihm aber nicht alleine die spanischen Truppen zu besiegen. Die
benötigte Hilfe bekam er von Bolívar, einem überzeugten Republikaner, dem es schließlich
gelang der spanischen Kolonialherrschaft in Lateinamerika ein Ende zu setzen.
Die Uneinigkeit der peruanischen Bevölkerung war jedoch immer noch vorhanden, so
hatte das Land größte Mühe sich politisch zu organisieren. Eine der ersten Maßnahmen
aber, die Bolívar eingeleitet hatte, war die Abschaffung der indianischen
Dorfgemeinschaften, mit dem Ziel der Gleichberechtigung. Man wollte die Indianer zu
individuellen Landbesitzern machen. Diese Maßnahme bewirkte jedoch nur, dass die
Großgrundbesitzer die Gelegenheit ergriffen, indianisches Land zu erwerben. Die
erstarkende Agrarexportwirtschaft brauchte Arbeitskräfte, was zur Wiederaufnahme der
Zwangsarbeit und zur Einführung verschiedener Sondersteuern führte.
1854 wurde jedoch die Befreiung der Sklaven von Präsident Castilla verkündet. Dies hatte
wiederum zur Folge, dass verarmte chinesische Bauern eingestellt wurden. Ihre Not wurde
ausgenutzt und ihr Leben unterschied sich nicht sehr von dem der früheren schwarzen
Sklaven. Mitte des 19. Jahrhunderts belieferte Peru den Weltmarkt mit Guano. Guano ist der
salpeterhaltiger Dung von Seevögeln. Dieses Produkt war wichtig für die Steigerung der
Produktivität der Landwirtschaft in den europäischen Industrienationen. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung – Die wirtschaftliche und politische Lage in Peru

II. Der Kautschukboom in Peru

III. Hardenburgs Reise

IV. Peruvian Amazon Company

V. Die Versklavung der Indianer

VI. Schlusswort: Der Kampf gegen die Unmenschlichkeit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Hintergründe und die sozioökonomischen Auswirkungen des Kautschukbooms im peruanischen Amazonasgebiet zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einem besonderen Fokus auf die menschenverachtenden Praktiken der Kautschukbarone und die Rolle der „Peruvian Amazon Company“.

  • Die politische und wirtschaftliche Ausgangslage Perus im 19. Jahrhundert.
  • Die Rolle von Walter Hardenburg bei der Aufdeckung der Gräueltaten im Putumayo-Gebiet.
  • Strukturen und Geschäftspraktiken der Peruvian Amazon Company.
  • Die systematische Ausbeutung, Versklavung und Gewalt gegen die indigene Bevölkerung.
  • Internationale Reaktionen und der Kampf gegen das Unrecht im Putumayo-Regime.

Auszug aus dem Buch

Die Versklavung der Indianer

Der Indianer ist genötigt innerhalb eines Zeitraumes von drei Monaten 30 Kilo Kautschuk bei seinem Herrn abzuliefern. Etwa alle zehn Tage wird die Ernte eingebracht und gewogen. Wenn der Indianer es nicht schafft die geforderte Menge Kautschuk abzuliefern, erwarten ihn harte Strafen.

Die Indianer gehen also in den Wald und ritzen mit ihrer Machete die Bäume an. Aus Angst nicht genug Kautschuk ernten zu können, schneiden sie so tief in die Bäume wie es nur geht, was die Bäume sterben lässt. Aus dem Schnitt läuft die Milch heraus und trocknet. Einige Tage später wird diese von den Indianern eingesammelt und in Körben auf dem Rücken ins Dorf zurückgetragen.

Zum Säubern wird der Kautschuk ins Wasser gelegt und mit Stöcken geklopft. Nachdem der Dreck ausgespült ist, wird der Kautschuk kompakt in Rollen gewickelt und der Luft und Sonne ausgesetzt, was ihn schwarz und hart werden lässt. In diesem Zustand kann der Kautschuk ausgeliefert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung – Die wirtschaftliche und politische Lage in Peru: Dieses Kapitel erläutert die instabile politische Lage Perus nach der Unabhängigkeit sowie die wirtschaftliche Abhängigkeit von Exportgütern wie Guano und Salpeter.

II. Der Kautschukboom in Peru: Es wird die Entstehung des globalen Kautschukmarktes und die zunehmende Ausbeutung der indigenen Bevölkerung durch die Großgrundbesitzer im Zuge des wachsenden Rohstoffbedarfs beschrieben.

III. Hardenburgs Reise: Hier wird der Reisebericht von Walter Hardenburg eingeführt, der durch Zufall Zeuge der brutalen Verhältnisse im Putumayo-Gebiet wurde.

IV. Peruvian Amazon Company: Dieses Kapitel analysiert den Aufstieg von Julio César Arana und die Gründung seiner Firma, die durch Gewalt und Landraub die Region unter ihre Kontrolle brachte.

V. Die Versklavung der Indianer: Die detaillierten Methoden der Zwangsarbeit, Bestrafung und Misshandlung der indigenen Bevölkerung unter dem Regime der Kautschukbarone stehen hier im Zentrum.

VI. Schlusswort: Der Kampf gegen die Unmenschlichkeit: Das abschließende Kapitel behandelt die langwierige internationale Aufdeckung des Skandals und das letztliche Ende der Ausbeutung durch den Preisverfall von südamerikanischem Kautschuk.

Schlüsselwörter

Kautschukboom, Peru, Putumayo, Peruvian Amazon Company, Walter Hardenburg, Zwangsarbeit, Indigene Bevölkerung, Sklaverei, Kolonialismus, Menschenrechtsverletzungen, Julio César Arana, Ausbeutung, Kautschukbarone.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den dunklen Kapiteln der peruanischen Regionalgeschichte während des Kautschukbooms im frühen 20. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Im Mittelpunkt stehen die sozioökonomischen Bedingungen im Amazonasgebiet, die brutalen Geschäftspraktiken der Kautschukbarone und der Widerstand gegen diese Zustände.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die systematische Unterdrückung und Versklavung indigener Ethnien im Putumayo-Gebiet durch die Peruvian Amazon Company aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Methode unter Auswertung von Zeitzeugenberichten (insbesondere Hardenburg) und zeitgenössischer Dokumentationen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Reise Hardenburgs, die Unternehmensstruktur der Firma Aranas und eine detaillierte Schilderung der Methoden der Sklavenhaltung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Kautschukboom, Zwangsarbeit, Putumayo und Menschenrechte.

Welche Rolle spielte der britische Konsul Roger Casement bei der Aufdeckung?

Casement bestätigte durch seine Reise vor Ort die Berichte von Hardenburg und Rocca, was den internationalen Druck auf Peru und die Firma Arana erheblich erhöhte.

Warum leisteten die indigenen Gruppen keinen effektiveren Widerstand?

Die betroffenen Völker, wie die Huitotos, waren durch interne Streitigkeiten und eine starke soziale Zersplitterung geschwächt, was den Aufbau eines gemeinsamen Widerstandes verhinderte.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Regionalgeschichte als Außeneinfluss: Der Kautschukboom
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für vergl. Kulturforschung)
Veranstaltung
Seminar: Theodor Koch Grünberg und die Erforschung des nördlichen Amazonasgebietes
Note
2
Autor
Duska Vranjes (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V11499
ISBN (eBook)
9783638176460
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Regionalgeschichte Außeneinfluss Kautschukboom Seminar Theodor Koch Grünberg Erforschung Amazonasgebietes
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Duska Vranjes (Autor:in), 2001, Regionalgeschichte als Außeneinfluss: Der Kautschukboom, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/11499
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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