Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit sollen die verschiedenen Frauenfiguren in den grimmschen Kinder- und Hausmärchen stehen. Es wird Bezug zum vorherrschenden Frauenbild im 19. Jahrhundert hergestellt und dessen Einfluss auf die Kinder- und Hausmärchen geprüft. Ausgehend davon werden die Rollen untersucht, die die weiblichen Figuren einnehmen können, welche Frauentypen unterschieden werden und wie sie charakteristisch und verhaltenstypisch in den verschiedenen Märchen dargestellt werden. Anschließend werden verschiedene Frauenbilder exemplarisch an den Märchen „Schneewittchen“, „Frau Holle“ und „Hänsel und Gretel“ inhaltlich und sprachlich analysiert.
„Eine der kompliziertesten, unausdeutbarsten, aber zweifellos auch reizvollsten Erscheinungen auf dieser Welt ist die Frau.“ Mit diesen Worten beschreibt der deutsche Märchenforscher Heinz Rölleke das weibliche Geschlecht und dessen Wesen. Frauen sind nicht nur gesellschaftlich von großer Bedeutung, sondern nehmen auch in der Literatur eine zentrale Rolle ein. So sind auch die Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm stark von Frauen geprägt und bieten ein vielfältiges Spektrum femininer Charaktere. Ob Prinzessin bzw. Königstochter, Hexe, Heldin oder Stiefmutter: weibliche Figuren begegnen uns häufig, sind vielschichtig und unterschiedlich charakterisiert. Der weltweite Bekanntheitsgrad der Kinder- und Hausmärchen und somit auch deren Märchenfiguren, machen das Werk der Gebrüder Grimm zu einem interessanten und geeigneten Untersuchungsgegenstand.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm
3 Frauenbild des 19. Jahrhunderts und dessen Einfluss auf die Kinder- und Hausmärchen
4 Typologie der Frauenfiguren in den Kinder- und Hausmärchen
4.1 Moral
4.1.1 Gute Figuren
4.1.2 Böse Figuren
4.2 Aktivität
4.2.1 Passiver Typ
4.2.2 Aktiver Typ
4.2.3 Gemischter Typ
5 Exemplarische Analyse des Frauenbildes anhand von Märchenbeispielen
5.1 Frau Holle
5.2 Hänsel und Gretel
5.3 Schneewittchen
6 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild in den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm im Kontext des gesellschaftlichen Frauenbildes des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, die vielfältigen Rollen und Typologien weiblicher Märchenfiguren zu analysieren und deren Charakteristika sowie das zugrunde liegende Moralverständnis durch exemplarische Analysen zu verdeutlichen.
- Historische Einordnung des Frauenbildes im 19. Jahrhundert
- Typologische Einteilung weiblicher Figuren nach Moral und Aktivitätsgrad
- Analyse von Geschlechterrollen und Stereotypen in der Märchenwelt
- Exemplarische Inhaltsanalyse der Märchen „Frau Holle“, „Hänsel und Gretel“ und „Schneewittchen“
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Böse Figuren
Die bösen Figuren gelten meist als negative Gegenspieler des Guten, die Schaden anrichten und das Glück gefährden. In Märchen werden grundlegend nur zwei Kategorien von weiblichen Figuren unterschieden. „Die Frau ist entweder nur gut oder nur schlecht.“ Das Verhalten böser Figuren ist durch Betrug, Schikanen, moralische Verstöße und Bosheiten geprägt. „Schon eine oberflächliche Betrachtung der Märchen zeigt schnell, daß böse Elemente viel häufiger auf weibliche Figuren übertragen werden als auf männliche.“ Typische feminine Figuren, mit denen negative Eigenschaften assoziiert werden sind die Hexe und die Stiefmutter.
Hexen werden in den Kinder- und Hausmärchen als boshafte Gestalten dargestellt, welche über magische Kräfte verfügen und besiegt oder überwunden werden müssen. „Die Äußerlichkeiten der Märchenhexe sind vielgestaltig.“ Das Aussehen ist meist abschreckend gestaltet und die betonte Hässlichkeit der Gestalten wird als ein Ausdruck der Boshaftigkeit gewertet. Einige Märchenhexen beherrschen jedoch die Verwandlungskunst. Es kann hier die Hexe im KHM „Schneewittchen“ angeführt werden. Sie vereint die Stiefmutter, böse Königin und Hexe in einer Person. Jedoch ist sie auch eine der wenigen als schön beschriebenen Negativfiguren. Sie ist „[…] stolz und übermutig und konnte es nicht leiden, daß sie an Schönheit von jemand sollte übertroffen werden.“ Die Hexen in den Märchen der Gebrüder Grimm haben gemeinsam, dass sie immer sehr boshaft und herzlos dargestellt werden, negative Assoziationen hervorrufen und die Gegenspielerinnen des Guten sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Frauenbildes in der Literatur sowie in den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm ein und formuliert das Ziel der Untersuchung.
2 Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entstehungsgeschichte der Märchensammlung und die maßgebliche Rolle von Frauen bei der Sammlung und Überlieferung der Texte.
3 Frauenbild des 19. Jahrhunderts und dessen Einfluss auf die Kinder- und Hausmärchen: Hier wird das zeitgenössische Frauenbild der Romantik und Biedermeierzeit skizziert und dessen Einfluss auf die Darstellung weiblicher Rollen in den Märchen analysiert.
4 Typologie der Frauenfiguren in den Kinder- und Hausmärchen: Dieses Kapitel entwickelt ein strukturiertes Modell zur Kategorisierung von Frauenfiguren, basierend auf moralischen Kriterien und ihrem Grad an Aktivität.
5 Exemplarische Analyse des Frauenbildes anhand von Märchenbeispielen: Anhand der Märchen „Frau Holle“, „Hänsel und Gretel“ und „Schneewittchen“ werden die theoretischen Erkenntnisse inhaltlich und sprachlich überprüft.
6 Schlusswort: Das Schlusswort fasst zusammen, dass weibliche Märchenfiguren vielschichtig sind und die Frau keineswegs nur als das schwächere Geschlecht darstellen.
Schlüsselwörter
Gebrüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen, Frauenbild, 19. Jahrhundert, Geschlechterrollen, Märchenfiguren, Moral, Typologie, Stiefmutter, Hexe, Heldin, Passivität, Aktivität, Emanzipation, Patriarchat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung und Funktion des Frauenbildes in den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind das historische Frauenbild des 19. Jahrhunderts, die Typisierung weiblicher Märchenfiguren und die Analyse von Geschlechterstereotypen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Erwartungen des 19. Jahrhunderts die Rollenverteilung in den Märchen beeinflusst haben und welche Frauentypen existieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine strukturiert-typologische Einteilung der Figuren, kombiniert mit einer exemplarischen Textanalyse ausgewählter Märchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Frauenbilder und eine detaillierte Untersuchung der Märchen „Frau Holle“, „Hänsel und Gretel“ und „Schneewittchen“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Frauenbild, Aktivität, Passivität, Stiefmutter, Hexe und bürgerliche Moral.
Wie unterscheidet sich die Rolle der „guten“ von der „bösen“ Figur im Märchen?
Gute Figuren zeichnen sich durch Tugenden wie Fleiß und Gehorsam aus, während böse Figuren oft durch Egoismus, Neid und Boshaftigkeit charakterisiert werden.
Welche Rolle spielt die Heirat in den untersuchten Märchen?
Die Heirat wird als angestrebtes Märchenglück und Abschluss der Entwicklung für weibliche Figuren gedeutet, was den Übergang in die Vormundschaft des Ehemannes widerspiegelt.
Warum wird Gretel in „Hänsel und Gretel“ als gemischter Typ eingestuft?
Gretel zeigt eine Entwicklung von einer zunächst schüchternen, passiven Haltung hin zu mutigem und aktivem Handeln, welches schließlich zur Rettung der Kinder führt.
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- Anonym (Autor:in), 2020, Das Frauenbild und die Frauenfiguren in den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1149082