Hier wird „Fräulein Else“ als Spiegel der Wiener Moderne untersucht. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit sich das Frauenbild der Wiener Moderne in Else widerspiegelt und wie Manuele Fior dies im Comic umsetzt. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Figur und ihrem Konflikt. Dabei wird ein Einblick in das historische Frauenbild um 1900 gegeben. Durch eine Analyse der formalen und inhaltlichen Darstellung soll der soziokulturelle Bezug zum Frauenbild Wiener Moderne deutlich gemacht werden. Hier sollte sich bereits zeigen, wie Arthur Schnitzler seine Protagonistin im historischen Kontext angelegt hat.
Im Anschluss daran wird das Bild, das Manuele Fior in seiner Comicadaption von Else zeichnet, näher betrachten. Unter Berücksichtigung der visuellen und verbalen Gestaltung soll untersucht werden, wie Fior seine Figur im Gegensatz zu Arthur Schnitzler darstellt und wie sich dieses Bild in jenes der Wiener Moderne einfügt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wiener Moderne – Das gesellschaftliche Bild der Frau im Wandel
3. Arthur Schnitzlers Fräulein Else
i. Darstellung der Figur
ii. Elses innerer Konflikt
4. Manuele Fiors Darstellung der Fräulein Else
i. Figurendarstellung
ii. Analyse der Nacktszene
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das Frauenbild der Wiener Moderne in Arthur Schnitzlers Novelle „Fräulein Else“ sowie in der Comicadaption von Manuele Fior dargestellt wird, und analysiert, inwiefern die Figur durch gesellschaftliche Erwartungen in einen tödlichen Konflikt getrieben wird.
- Historisches Frauenbild um 1900
- Wechselspiel von Selbstbestimmung und Fremdbestimmung
- Psychologische Analyse der Figur Else
- Visuelle Umsetzung und Symbolik in der Comicadaption
- Vergleich der Erzählweisen von Schnitzler und Fior
Auszug aus dem Buch
i. Darstellung der Figur
Arthur Schnitzler zeigt in “Fräulein Else” das Leben eines jungen, aus bürgerlicher Familie stammenden Mädchens, das aufgrund verschiedener Faktoren in einen inneren Konflikt gerät. Die Handlung umfasst einen Tag in Elses Leben, der zeigt, in welcher Zwangslage sie letztendlich steckt und wie sie versucht einen Ausweg daraus zu finden. Else selbst sieht sich als „Mädchen aus guter Familie“ und ist sich bewusst über die moralischen Normen und Regeln der Gesellschaft. Um dem Leser einen bestmöglichen Eindruck in das Seelenleben der Figur zu ermöglichen, wählt Schnitzler hierfür die Darstellungsform des inneren Monologs. Da die Frau der Wiener Moderne so gut wie keine persönlichen Rechte hatte, verleiht ihr Schnitzler durch diese Form der Erzählung zum ersten Mal eine Stimme und macht so auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam.
Diese Erzähltechnik wird öfters unterbrochen durch kursiv gedruckte Dialoge, die es dem Leser ermöglichen, das Abhängigkeitsverhältnis Elses von der Gesellschaft besser nachzuvollziehen. So kann man an der Aussage der Tante: „Else – du hast ja – keine Strümpfe an!“ sehen, dass die Gesellschaft Else vorschreibt was sich gehört und was nicht. Entblößung – und sei es nur die der Füße – ist gesellschaftlich verschmäht und kommt einer Schande gleich. Diese Schande beträfe dann nicht nur Else, sondern ihre ganze Familie, weswegen die Tante sie anschließend erschrocken auf ihr Zimmer schickt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Ziel der Arbeit dargelegt, „Fräulein Else“ als Spiegel der Wiener Moderne zu untersuchen und die Umsetzung des Frauenbildes in der literarischen Vorlage sowie der Comicadaption zu vergleichen.
2. Wiener Moderne – Das gesellschaftliche Bild der Frau im Wandel: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Kontext, in dem Frauen trotz Emanzipationsbestrebungen weiterhin in patriarchalischen Rollenbildern gefangen und gesellschaftlich unselbstständig waren.
3. Arthur Schnitzlers Fräulein Else: Es erfolgt eine Analyse der Figur Else, ihrer inneren Zerrissenheit und ihres Abhängigkeitsverhältnisses zur bürgerlichen Moral, wobei der innere Monolog als zentrales Stilmittel hervorgehoben wird.
4. Manuele Fiors Darstellung der Fräulein Else: Hier wird die visuelle Adaption des Stoffes untersucht, insbesondere die Farbgebung, die Symbolik der Nacktszene und die Art und Weise, wie Fior das psychische Innenleben Elses grafisch interpretiert.
5. Schlussfolgerung: Die Arbeit resümiert, dass Schnitzler und Fior der Gesellschaft erfolgreich einen Spiegel vorhalten und die Problematik der Fremdbestimmung der Frau über Epochen hinweg aufzeigen.
Schlüsselwörter
Wiener Moderne, Fräulein Else, Arthur Schnitzler, Manuele Fior, Frauenbild, Emanzipation, innerer Monolog, Comicadaption, Rollenbild, gesellschaftliche Konventionen, Identitätskrise, Patriarchat, Voyeurismus, Fremdbestimmung, Geschlechterproblematik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Darstellung des Frauenbildes der Wiener Moderne anhand von Arthur Schnitzlers Novelle „Fräulein Else“ und vergleicht diese mit der Comicadaption von Manuele Fior.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen das historische Frauenbild um 1900, die Mechanismen der patriarchalen Gesellschaft und die psychologische Darstellung der Protagonistin Else.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich das gesellschaftlich bedingte Frauenbild in der literarischen Figur widerspiegelt und wie diese Thematik durch verschiedene Medien (Text und Bild) interpretiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es wird eine textorientierte Untersuchung der Novelle durchgeführt, ergänzt durch eine Analyse der visuellen und gestalterischen Elemente der Comicadaption.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Kontextes, eine detaillierte Analyse der Figur Else bei Schnitzler sowie die Untersuchung von Fiors visueller Erzählweise, inklusive der Nacktszene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Wiener Moderne, Frauenbild, Emanzipation, Identitätskrise, innere Monologe und die Rezeption durch Comic-Adaptionen.
Warum spielt das Gemälde „Nudas Veritas“ von Gustav Klimt eine Rolle?
Manuele Fior zitiert dieses Werk in seiner Comicadaption, um die Entblößung Elses als einen Akt der Wahrheit und gesellschaftlichen Provokation darzustellen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des „inneren Monologs“?
Der innere Monolog wird als essentielles Mittel bewertet, um der Frau der Wiener Moderne, der sonst jede Stimme fehlte, eine eigene Perspektive und Identität zu verleihen.
- Arbeit zitieren
- Lisa Schmidt (Autor:in), 2013, "Fräulein Else" als Spiegel der Wiener Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1146484