[...] Worin liegen die Vorteile einer stetigen Erweiterung der EU, was für Nachteile könnte sie mit sich bringen und wo liegen die Herausforderungen? Und ganz konkret: Worin liegt der Sinn der Osterweiterung und was bringt der Beitritt eines Landes wie Bulgarien für die weitere Entwicklung der EU? Diese Fragen sind in einer Zeit, in der die EU zunehmend als einheitlicher Akteur in weltpolitischen Angelegenheiten auftritt, durchaus aktuell und von einiger Bedeutung. Bedeutend deswegen, weil die Zusammensetzung und die Zielsetzung eines Zusammenschlusses wie der EU auch ihre Aufgaben definiert. Die Debatte innerhalb Europas ist groß, inwieweit die EU noch aufnahmefähig für neue Beitrittsländer ist, und worin eigentlich ihre Aufgaben und Ziele liegen. Diese Arbeit will versuchen, einige Fragen zu beantworten und Anhaltspunkte für die Entscheidung zu einem Beitritt Bulgariens zu finden.
Innerhalb der Arbeit sollen zunächst einmal die Grundzüge der Theorie des Neo-Funktionalismus und der Theorie des Neo-Realismus dargestellt werden, anhand derer das Thema zu betrachten sein wird.
Nach der theoretischen Fundierung beginnt dann der empirische Teil der Arbeit.
Es wird zunächst ein kurzer historischer Abriss über die Entstehung und die vorangegangenen Erweiterungen der EU gegeben. Dies soll ermöglichen, genauer auf den geplanten Beitritt Bulgariens eingehen, und schließlich die empirische Lage anhand der zuvor im Theorieteil aufgestellten Hypothesen interpretieren zu können.
Zum Schluss der Arbeit soll ein kurzes Fazit gezogen werden, das einen Ausblick auf weitere mögliche Entwicklungen innerhalb der EU gibt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DER EU-BEITRITT BULGARIENS
2.1 Theoretische Fundierung
2.1.1 Neo-Funktionalismus
2.1.2 Neo-Realismus
2.2 Empirie
2.2.1 Historie der EU
2.2.2 Empirische Lage – Betrachtung durch den Neo-Funktionalismus
2.2.3 Empirische Lage – Betrachtung durch den Neo-Realismus
2.3 Zwischenfazit
3 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den bevorstehenden EU-Beitritt Bulgariens unter Anwendung der theoretischen Perspektiven des Neo-Funktionalismus und des Neo-Realismus, um die Beweggründe und Auswirkungen dieser Erweiterung wissenschaftlich zu analysieren.
- Grundlagen des Neo-Funktionalismus und des Konzepts des Spill-over-Effekts
- Grundlagen des Neo-Realismus mit Fokus auf Sicherheitsmaximierung und Machtgleichgewicht
- Historischer Abriss der Europäischen Union und ihrer Erweiterungsprozesse
- Empirische Analyse der wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Indikatoren Bulgariens im Kontext der EU-Integration
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Neo-Funktionalismus
Der Neo-Funktionalismus als Theorie der Internationalen Beziehungen ist mit der Gründung der späteren EU in den 1950/60er Jahren entstanden. Betrachtungsobjekt der neo-funktionalistischen Theorie ist die regionale Integration im Allgemeinen und die Europäische Integration im Besonderen (vgl. Tranholm-Mikkelsen 1991: 2f). Einer der Hauptvertreter des Neo-Funktionalismus ist Ernst Haas. Integration wird innerhalb dieser Theorie als die Aufgabe von nationalen Souveränitätsrechten und deren Transfer auf supranationale Organisationen gesehen. Wichtig ist hier, dass es sich bei Integration immer um einen Prozess handelt, nicht um einen Zustand. Das Resultat von einem Prozess politischer Integration ist eine neue politische Gemeinschaft, die in Punkto Kooperation über die vorherigen gestellt ist (vgl. Tranholm-Mikkelsen 1991: 3). Diese supranationalen Institutionen treffen dann verbindliche Entscheidungen, die von den einzelnen Nationalstaaten umgesetzt werden müssen. Die Erwartungen und das Verhalten der politischen Akteure verändern sich durch den Prozess der Integration. Im Neo-Funktionalismus sind die politischen Akteure die Eliten, die mit der Zeit eine europäische Identität entwickeln.
Die zentrale These des Neo-Funktionalismus besteht in der Annahme des spill-over-Effektes. Dieser Effekt besagt, dass Integration innerhalb eines Sektors eine Art Eigendynamik entwickelt, und in andere Sektoren „überschwappt“. Auf diesem „sachlogischen Überschwappen“ beruht die gesamte Theorie Haas’. Durch die Entstehung von spezifischen, auch wirtschaftlichen, supranationalen Institutionen werden Prozesse in Bewegung gesetzt, die zu weiterer Integration auch in anderen Teilbereichen der Gesellschaft führen können. Zu Beginn der 1960er Jahre nahm man einen Automatismus des spill-over-Effektes an, mittlerweile ist man zu dem Schluss gekommen, dass es lediglich die Möglichkeit eines spill-over-Effektes gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Fragestellung und den geplanten Untersuchungsaufbau hinsichtlich des EU-Beitritts Bulgariens.
2 DER EU-BEITRITT BULGARIENS: Theoretische Herleitung und anschließende empirische Prüfung des EU-Beitritts anhand der gewählten Theorien.
2.1 Theoretische Fundierung: Darstellung der Kernkonzepte des Neo-Funktionalismus sowie des Neo-Realismus.
2.1.1 Neo-Funktionalismus: Erläuterung der Theorie des Neo-Funktionalismus mit Fokus auf Integration, Eliten und dem Spill-over-Effekt.
2.1.2 Neo-Realismus: Beschreibung des Neo-Realismus als sicherheitspolitische Theorie, geprägt durch Anarchie, Machtstreben und das Sicherheitsdilemma.
2.2 Empirie: Empirischer Teil der Arbeit zur historischen Einordnung und aktuellen Lage des Beitritts.
2.2.1 Historie der EU: Kurzer Abriss über die Entwicklung der EU von der EGKS bis zur Osterweiterung.
2.2.2 Empirische Lage – Betrachtung durch den Neo-Funktionalismus: Untersuchung, ob Bulgarien das Wohlstandsniveau der EU steigern kann, mit negativem Ergebnis.
2.2.3 Empirische Lage – Betrachtung durch den Neo-Realismus: Analyse sicherheitspolitischer Vorteile des Beitritts, die ebenfalls nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden können.
2.3 Zwischenfazit: Feststellung, dass keine der beiden Theorien den Beitritt Bulgariens in allen Facetten zufriedenstellend erklären kann.
3 FAZIT: Abschließende Zusammenfassung und Ausblick auf die weitere Entwicklung der erweiterten Europäischen Union.
Schlüsselwörter
EU-Beitritt, Bulgarien, Neo-Funktionalismus, Neo-Realismus, Europäische Integration, Spill-over-Effekt, Sicherheitsdilemma, Wohlstandsniveau, Supranationalität, Osterweiterung, Internationale Beziehungen, Kapazitäten, Institutionenbildung, Machtgleichgewicht, Interessenpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den geplanten EU-Beitritt Bulgariens aus der theoretischen Perspektive zweier politikwissenschaftlicher Schulen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Europäische Integration, die wirtschaftliche Prosperität sowie sicherheitspolitische Aspekte der Erweiterung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage ist, ob der Beitritt Bulgariens durch die Theorien des Neo-Funktionalismus (Wohlfahrtsgewinn) oder des Neo-Realismus (Sicherheitsmaximierung) rational begründet werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet einen theoretisch-deduktiven Ansatz, indem sie theoretisch abgeleitete Hypothesen an der empirischen Realität prüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung und eine anschließende empirische Untersuchung, die Wirtschaftsdaten sowie geostrategische Kapazitäten Bulgariens analysiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Werk charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie EU-Erweiterung, Theorien der Internationalen Beziehungen, Wohlstandsmaximierung und Sicherheitsinteressen definieren.
Warum kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass der Neo-Funktionalismus den Beitritt nicht erklären kann?
Da Bulgarien als Nettoempfänger in die EU eintritt, wird das durchschnittliche Wohlstandsniveau der Gemeinschaft kurzfristig nicht angehoben, was der Kernhypothese des Wohlfahrtsgewinns widerspricht.
Wie begründet der Autor die Ablehnung der neo-realistischen Hypothese?
Die Analyse der militärischen Kapazitäten und des geostrategischen Nutzens zeigt keinen signifikanten Gewinn für die Gesamtsicherheit der EU, der den Beitritt aus neo-realistischer Sicht zwingend machen würde.
Welche Rolle spielt Winston Churchill für das Fazit der Arbeit?
Churchill dient als Referenz für die historischen und ideellen Beweggründe der europäischen Einigung, die über rein ökonomische oder sicherheitspolitische Nutzenkalküle hinausgehen.
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- Kathrin Aldenhoff (Author), 2006, Der EU-Beitritt von Bulgarien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/114637