Der Häwelmann wurde bisher sehr wenig analysiert und interpretiert. Mit dieser Arbeit wurden erstmals eine genaue Werkanalyse und Bezüge zur Pädagogik und pädagogischen Wertevorstellungen Storms herausgearbeitet.
Beginnend werden Informationen zu den Märchen Theodor Storms gegeben. Anschließend wird das Märchen des Kleinen Häwelmanns vorgestellt und analysiert. Dabei wird der Fokus auf die Protagonisten gelegt, welche der Mond, die Sonne und der Junge selbst sind. Im Anschluss soll das Märchen erziehungstheoretisch untersucht und eingeordnet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Märchen von Theodor Storm
3 Der kleine Häwelmann
3.1 Die Rolle des Kindes
3.2 Die Rolle des Mondes
3.3 Die Rolle der Sonne
4 Pädagogik im Märchen Der kleine Häwelmann
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Märchen "Der kleine Häwelmann" von Theodor Storm sowohl aus literaturwissenschaftlicher als auch aus sozialpsychologischer Perspektive. Das primäre Ziel ist die erziehungstheoretische Einordnung der Erzählung, wobei insbesondere das Verhalten des Protagonisten und seine Interaktion mit kosmischen Instanzen analysiert werden.
- Literarische und sozialpsychologische Analyse des Märchens
- Die Darstellung des frühkindlichen Narzissmus
- Die Rolle der Mutterfigur und kosmischer Instanzen (Mond, Sonne)
- Erzählverfahren und therapeutische Potenziale des Erzählens
- Erziehungstheoretische Einordnung im Kontext des 19. Jahrhunderts
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Rolle des Mondes
Nicht nur das Kind steht repräsentativ für den Narzissmus und Überschwänglichkeit der idealistischen Kinder, auch „der gute, alte Mond“ „mit seinem Pelzärmel“ (Storm 1) trägt eine wichtige Funktion in seinem Erscheinen. Der Mond nennt den Häwelmann „Junge“ (Storm 3). Detering beschreibt sogar die „Vaterinstanz des guten Mondes“ (95), welche auch darauf zurückzuführen ist, dass der Mond hier als Maskulinum auftritt. Der Mond ist Begleiter und Beschützer des Häwelmannes. Dies fällt auf, da er dem Jungen die Möglichkeit gibt, seinen Bewegungsdrang auszuleben, indem er dem Kind die Tür zur Straße hinaus öffnet und ihn durch Stadt, Wald, über die Heide bis ans Ende der Welt begleitet und ihm leuchtet (vgl. Storm 3). Die Darstellung des Mondes als Begleiter und Wegweiser lässt ihn als übernatürliche Vaterfigur auftreten, der aber auch pädagogisch versucht, auf das Kind einzuwirken: „´Junge´, sagte er, ´hast du noch nicht genug?´“ (Storm 3). Er maßregelt das Kind verbal. Konsequent wird er jedoch erst, als der Junge ihm mit seinem Bett über die Nase fährt, woraufhin er, aber auch die Sterne im Himmel, sein Licht löscht und die Augen zu macht (vgl. Storm 10).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Kindheit als literarisches Motiv im 19. Jahrhundert ein und skizziert das methodische Vorgehen bei der Analyse des Kunstmärchens von Theodor Storm.
2 Märchen von Theodor Storm: Das Kapitel beleuchtet Storms Umgang mit der Gattung Märchen, die er als Experimentierfeld nutzt, um gesellschaftliche Wunsch- und Wahnvorstellungen sowie anthropologische Grunderfahrungen zu reflektieren.
3 Der kleine Häwelmann: Hier wird das 1849 erschienene Kindermärchen vorgestellt, wobei der Fokus auf dem kleinen Jungen als Allegorie von Selbstüberhebung und Scheitern liegt.
3.1 Die Rolle des Kindes: Dieser Abschnitt untersucht den Häwelmann als Prototyp des "Hätschelkindes", das durch eine narzisstische Kränkung und Allmachtsphantasien charakterisiert ist.
3.2 Die Rolle des Mondes: Der Mond wird hier als väterliche Instanz analysiert, die einerseits den Bewegungsdrang des Jungen ermöglicht, andererseits pädagogisch korrigierend eingreifen möchte.
3.3 Die Rolle der Sonne: Die Sonne wird als komplementäre, im Gegensatz zum Mond ablehnende, "kosmische Mutterinstanz" gedeutet, die den narzisstischen Entwicklungsprozess des Jungen abschließt.
4 Pädagogik im Märchen Der kleine Häwelmann: Dieses Kapitel analysiert das Märchen als mündliche Erzählung, die durch eine metafiktionale Schlusswendung das Kind als Zuhörer einbezieht und therapeutische Aspekte des Erzählens hervorhebt.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Märchen über eine rein kindgemäße Darstellung hinausgeht und als pädagogisch wertvolle Modellerzählung zum Verhältnis von Kinderpsychologie und Erzählverfahren fungiert.
Schlüsselwörter
Theodor Storm, Der kleine Häwelmann, Kinderliteratur, Narzissmus, 19. Jahrhundert, Erziehungstheorie, Kindheit, Kindermärchen, Vaterinstanz, Mutterinstanz, Sozialpsychologie, Literaturanalyse, Erzählverfahren, Identifikation, Frühkindliche Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Theodor Storms Märchen "Der kleine Häwelmann" aus literaturwissenschaftlicher und sozialpsychologischer Perspektive im Hinblick auf seine pädagogischen Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Phänomen des frühkindlichen Narzissmus, die Rolle der Eltern- bzw. Naturinstanzen und die didaktische Funktion des Erzählens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das Märchen erziehungstheoretisch einzuordnen und zu zeigen, wie Storm psychologische Entwicklungsprozesse des Kindes in eine erzählerische Struktur übersetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch sozialpsychologische Aspekte ergänzt wird, um die Charakteristik des Protagonisten und die Funktion der Erzählinstanz zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des Autors und der Gattung, eine detaillierte Figurenkonstellationsanalyse (Kind, Mond, Sonne) sowie eine Untersuchung der pädagogischen Dimension des Erzählens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Narzissmus, Kinderliteratur, pädagogischer Leseeffekt, Identifikation und Symbolik geprägt.
Wie fungiert der Mond im Vergleich zur Sonne im Märchen?
Während der Mond als väterliche Begleitinstanz fungiert, die das Kind gewähren lässt, wird die Sonne als ablehnende, mütterliche Instanz gedeutet, die den Narzissmus des Jungen beendet.
Warum spielt die metafiktionale Schlusswendung eine wichtige Rolle?
Sie ermöglicht eine Distanzierung des zuhörenden Kindes von der Figur des Häwelmanns und dient somit als erzieherisches Mittel zur Bildung eines realistischen Selbstkonzepts.
- Arbeit zitieren
- Annemarie Tippel (Autor:in), 2020, Eine Analyse des pädagogischen Aspektes des Märchens "Der kleine Häwelmann" von Theodor Storm aus dem 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1140011