Da es für die verschiedenen Niveaustufen des Spracherwerbs bereits eine große Bandbreite an Unterrichtsmaterialien gibt, rücken die Lehrwerke für die (Grund)-Alphabetisierung in den Fokus der Betrachtung. Es stellt sich daher die Frage, wie die Erkenntnisse der aktuellen Forschung methodisch in verschiedenen Alphakurs-Lehrwerken umgesetzt werden beziehungsweise welchen konzeptionellen Ansatz diese verfolgen. Als Korpus dieser Untersuchung werden diesbezüglich drei Lehrwerke unterschiedlicher Verlage herangezogen, die sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene konzipiert sind.
Das Phänomen des sogenannten Analphabetismus wurde in den letzten Jahren durch Studien wie PISA vermehrt offengelegt.
Die empirische Studie "leo.-Level One" aus dem Jahre 2011 belegt, dass in Deutschland 7,5 Millionen Menschen leben, die zur Gruppe der funktionalen Analphabet*innen (APB) zählen. Von diesen sprechen circa 40 % eine andere Erstsprache als Deutsch.
Innerhalb der Gruppe der Zugewanderten seit 2015 befinden sich auch zunehmend Erwachsene, die in ihrer Erstsprache nicht alphabetisiert sind. Die Anzahl von Teilnehmenden in Alphabetisierungskursen ist ebenfalls prozentual gestiegen. Betrug diese in den Jahren zwischen 2005 und 2014 noch 10 %, stieg diese im Jahr 2016 bereits auf 16,8 % an. Diese Zahlen verdeutlichen die Wichtigkeit des Themas Alphabetisierung in der Zweitsprache hinsichtlich sprachlicher Bildung und Integration und betonen damit die Bedeutung der Alphabetisierungsarbeit, die auch gleichzeitig vor großen Herausforderungen steht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Arten und Ursachen von Analphabetismus
2.2 Stufenmodelle des Schrifterwerbs
2.3 Methodik des Alphabetisierungsunterrichts
3. Umsetzung der Methodik in Alphakurs-Lehrwerken
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie aktuelle theoretische Erkenntnisse der Alphabetisierungsforschung methodisch in ausgewählten Lehrwerken für Kinder, Jugendliche und Erwachsene umgesetzt werden. Ziel ist es, die konzeptionellen Ansätze der Materialien zu analysieren und zu bewerten, inwieweit diese den spezifischen Bedürfnissen heterogener Lerngruppen in der Zweitsprache Deutsch gerecht werden.
- Arten und Ursachen des Analphabetismus bei Lernenden mit Deutsch als Zweitsprache
- Modelle des Schriftspracherwerbs und deren Relevanz für verschiedene Zielgruppen
- Methodische Ansätze in der Alphabetisierungsarbeit (synthetische vs. analytische Methoden)
- Analyse und Vergleich der Umsetzung in spezifischen Alphakurs-Lehrwerken
- Bedeutung der Lehrkraft bei der Auswahl und Anwendung methodischer Kombinationen
Auszug aus dem Buch
2.3 Methodik des Alphabetisierungsunterrichts
In der Alphabetisierungsarbeit unterscheidet man hinsichtlich der Methodik zwei Richtungen, die synthetischen und die analytischen Methoden. Ohne die Verknüpfung beider Verfahren ist jedoch keine erfolgreiche Alphabetisierungsarbeit möglich. Es gibt daher mehrere Methoden, die für die Alphabetisierungsarbeit in deutscher Sprache geeignet sind. Die Frage ist, welcher Ansatz in welcher Lernphase für bestimmte Lernende geeignet ist (vgl. Seidl/Rauscher/Himmelreich 2018: 19).
Bei der synthetischen Methode werden beginnend Laute und Buchstaben eingeführt. Durch diese bekannten Laut-Zeichenbeziehungen werden nun „größere Einheiten“ wie Silben, Morpheme und Wörter erarbeitet. Daneben muss die phonologische Bewusstheit vermittelt werden, da es ansonsten schwierig wird, die Laute zu Wörtern zu verschmelzen. Diese Methode entspricht nicht dem Prinzip der Teilnehmerorientierung und gefährdet die kommunikative Gestaltung des Unterrichts (vgl. Feldmeier 2010: 45).
Die analytischen Methoden lassen wiederum von dem Wortkontext einzelne Buchstaben herausanalysieren (vgl. Bachtsevanidis 2018: 184). Hierdurch lässt sich ein teilnehmer- sowie handlungsorientierter Unterricht durchführen (vgl. Seidl/Rauscher/Himmelreich 2018: 19).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet das Phänomen des Analphabetismus in Deutschland und betont die wachsende Bedeutung sowie die besonderen Herausforderungen der Alphabetisierung von Menschen mit der Zweitsprache Deutsch.
2. Theoretische Grundlagen: Das Kapitel erläutert die verschiedenen Formen und Ursachen des Analphabetismus, stellt relevante Modelle des Schriftspracherwerbs vor und diskutiert die methodischen Ansätze der Alphabetisierungsarbeit.
3. Umsetzung der Methodik in Alphakurs-Lehrwerken: Hier werden drei konkrete Lehrwerke hinsichtlich ihrer methodischen Schwerpunkte und ihrer praktischen Eignung für verschiedene Zielgruppen untersucht.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Heterogenität der Lernenden eine Kombination aus synthetischen und analytischen Methoden erfordert, deren Auswahl in der Verantwortung der Lehrkraft liegt.
5. Literaturverzeichnis: Diese Liste führt sämtliche im Text zitierte Forschungsliteratur sowie die untersuchten Lehrwerke auf.
Schlüsselwörter
Alphabetisierung, Deutsch als Zweitsprache, DaZ, Analphabetismus, Schriftspracherwerb, synthetische Methode, analytische Methode, Lehrwerke, Phonologische Bewusstheit, Zweitschriftlerner, Erwachsenenbildung, Unterrichtsmethodik, Heterogenität, Sprachförderung, Alphabetisierungskurs
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema Alphabetisierung in der Zweitsprache Deutsch, insbesondere mit der theoretisch fundierten Untersuchung von verschiedenen Alphakurs-Lehrwerken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Arten und Ursachen von Analphabetismus, Modelle des Schriftspracherwerbs und die Analyse verschiedener methodischer Ansätze in Lehrwerken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, wie Erkenntnisse der aktuellen Alphabetisierungsforschung methodisch in verschiedenen Alphakurs-Lehrwerken umgesetzt werden und welchen konzeptionellen Ansatz diese verfolgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Untersuchung, bei der die theoretischen Grundlagen in Form einer Literaturanalyse aufbereitet und anschließend zur Analyse und Bewertung von drei ausgewählten Lehrwerken herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung von Analphabetismus-Formen, Schrifterwerbsmodellen und Lehrmethoden sowie die anschließende praktische Analyse der ausgewählten Lehrwerke.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Alphabetisierung, DaZ, Analphabetismus, Schrifterwerbsmodelle, synthetische und analytische Methoden sowie spezifische Lehrwerke.
Welchen Unterschied macht das Modell von Renate Valtin für die Erwachsenenbildung?
Im Gegensatz zu Friths Modell, das stark auf kindliche Entwicklung fokussiert, ist Valtins Modell besser für Erwachsene geeignet, da es verschriftlichte Sätze einbezieht und das Phonembewusstsein der Lernenden differenzierter beschreiben kann.
Warum wird im „Intro“-Arbeitsheft bei dem Buchstaben "x" auf das Wort "Taxi" verwiesen?
Das Wort „Taxi“ wird verwendet, weil das „x“ in der Wortmitte steht und bildlich wie ein Kreuz aussieht, was den Lernenden als Hilfestellung bei der Einprägung dienen soll.
- Quote paper
- Ann-Marie Mau (Author), 2020, Alphabetisierung in der Zweitsprache Deutsch. Eine theoriegeleitete Untersuchung von Alphakurs-Lehrwerken, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1139400